Kategorie: Pflanzenbau

  • Digitale Karten für eine räumlich differenzierte Abschätzung der Graslandproduktivität

    Digitale Karten für eine räumlich differenzierte Abschätzung der Graslandproduktivität

    Auf rund 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz wächst Gras. Die Erträge auf diesen Grünländern variieren stark. Eine Agroscope-Studie berechnet sie erstmals räumlich differenziert und stellt digitale Karten für Planung und Beratung bereit.

    Dauerwiesen und -weiden bedecken nahezu zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz. Hinzu kommt knapp 30% der Ackerfläche, die als Kunstwiese genutzt wird. Die Produktivität dieser Grasflächen ist sehr unterschiedlich. Forschende von Agroscope zeigen nun erstmals räumlich differenziert, wie stark die Erträge je nach Standort variieren können.

    Neues Modell zur standortspezifischen Abschätzung von Graserträgen

    Ziel der Studie war es, regionale Ertragsmuster sichtbar zu machen und Regionen mit unterschiedlichem Produktionspotenzial zu identifizieren. Dafür entwickelten die Forschenden ein Modell zur räumlich differenzierten Abschätzung der Graslandproduktivität in den Tal-, Hügel- und Bergzonen. Das Sömmerungsgebiet wurde dabei nicht berücksichtigt.

    Die Berechnungen basierten auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Jahres 2023. Die Erträge wurden mithilfe von Kennzahlen aus den „Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen” (GRUD, Kapitel 9 Düngung von Grasland) ermittelt, die nach Höhenstufe und Nutzungsintensität differenzieren. Ergänzt wurden diese Daten durch Expertenwissen und Geodaten über Topografie und Klimabedingungen. In einem mehrstufigen Verfahren schätzten die Forschenden zunächst die durchschnittlichen Graserträge und passten diese anschliessend anhand der Standortfaktoren Sonneneinstrahlung und Trockenheit an.

    Bis zu 60 Millionen Dezitonnen Gras pro Jahr

    Die Studie schätzt die jährliche Grasproduktion auf einer Fläche von rund 726’000 Hektare auf bis zu 60 Mio. Dezitonnen Trockensubstanz (dt TS). Werden die regionalen Auswirkungen von Sonneneinstrahlung und Trockenheit berücksichtigt, reduziert sich dieser Wert auf etwa 57 Mio. dt TS.

    Die Unterschiede zwischen den einzelnen Flächen sind beträchtlich: Je nach Nutzungsart und -intensität liegen die modellierten mittleren Erträge zwischen 23 und 122 dt TS pro Hektare und Jahr. Nach der Korrektur durch die beiden Standortfaktoren reichen sie von 22 bis 116 dt TS pro Hektare und Jahr. Die Studie zeigt somit die Notwendigkeit, Standortbedingungen bei der Abschätzung der Grasproduktion zu berücksichtigen.

    Räumliche Verteilung der mittleren Erträge im Grasland (dt TS ha-1a-1 für 2023) gemäss GRUD, abzüglich 5 % Lagerverluste und unter Berücksichtigung der Standortfaktoren Sonneneinstrahlung und Trockenheit. Die Erträge sind in einer räumlichen Auflösung von 25×25 m dargestellt.

    Digitale Karten für Planung und Beratung

    Die entstandenen Karten liefern erstmals ein räumlich differenziertes Bild der Graslandproduktivität in der Schweiz. Die digitalen Daten können in Hofmanagement- und Informationssystemen integriert werden und Landwirtinnen und Landwirten bei der Planung ihrer Bewirtschaftung unterstützen. Gleichzeitig bieten sie Politik, Vollzug und Beratung eine fundierte Grundlage für die Entwicklung standortangepasster Bewirtschaftungsstrategien und Massnahmen.

    Fazit

    • Die Produktivität von Wiesen und Weiden hängt stark von den jeweiligen Standortbedingungen ab. Faktoren wie Höhenlage, Nutzungsintensität, Sonneneinstrahlung und Trockenheit haben grossen Einfluss auf die Graserträge.
    • Erstmals haben Forschende von Agroscope räumlich-differenzierte Karten zum Ertragspotenzial basierend auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche und den Kennzahlen der GRUD berechnet.
    • Die digitalen Daten liefern eine wertvolle Grundlage für die landwirtschaftliche Beratung, die betriebliche Planung sowie für langfristige politische Entscheidungen.
  • Blattdüngung im Weinbau: begrenzte Wirksamkeit organischer Formen auf den Gehalt an assimilierbarem Stickstoff im Most

    Blattdüngung im Weinbau: begrenzte Wirksamkeit organischer Formen auf den Gehalt an assimilierbarem Stickstoff im Most

    Im Weinbau lässt sich durch eine Blattdüngung mit organischen Stickstoff-Formen der Gehalt an assimilierbarem Stickstoff im Most nur begrenzt erhöhen. Mineralischer Stickstoff ist bei der Blattdüngung weiterhin am wirkamsten.

    Eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung der Rebe ist für den Ertrag und die Qualität der Trauben entscheidend. Eine ausgewogene Stickstoffversorgung ist dabei besonders wichtig, da sie nicht nur die Entwicklung der Rebe beeinflusst, sondern auch die Gärung und die Aromabildung der Weine. Die Rebe ist hauptsächlich auf den mineralischen Stickstoff des Bodens (in Form von Nitrat und Ammonium) angewiesen. Die Aufnahme wird jedoch massgeblich von den klimatischen Bedingungen und der Bodenbeschaffenheit bestimmt: Heisse und trockene Jahre sowie verdichtete tonig-kalkhaltige Böden, die eine flache Durchwurzelung begünstigen, führen häufig zu Mosten mit geringerem Stickstoffgehalt. Die Stickstoffversorgung sollte daher im Rahmen eines umfassenden Ansatzes erfolgen, bei der die Wahl des Pflanzenmaterials, das Bodenmanagement sowie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Blattfläche und Ertrag berücksichtigt wird. Dennoch kann eine Zusatzdüngung erforderlich sein, um die Produktivität langfristig aufrechtzuerhalten.

    Die Blattdüngung mit Harnstoff zum Reifebeginn (Véraison) als Ergänzung zu einer Stickstoffdüngung im Frühjahr über den Boden ist eine bewährte Massnahme, um den Stickstoffgehalt des Mostes zu erhöhen, ohne die Wuchskraft übermässig zu fördern. Die Blattdüngung beruht auf der passiven Aufnahme der Nährstoffe über die Kutikula und die Spaltöffnungen der Blätter und ermöglicht eine rasche Umwandlung des mineralischen Stickstoffs in Aminosäuren. Im biologischen Weinbau ist der Einsatz von Stickstoff in leicht pflanzenverfügbarer mineralischer Form untersagt. Es werden deshalb organische Blattdünger angewendet, deren Wirksamkeit hinsichtlich der Erhöhung des assimilierbaren Stickstoffs im Most bislang jedoch nicht eindeutig belegt ist.

    Organische Stickstoff-Formen weniger wirksam

    In einem von 2023 bis 2025 an Chasselas-Reben bei Agroscope in Pully (Schweiz) durchgeführten Versuch wurden fünf zum Zeitpunkt der Reifung als Blattdüngung ausgebrachte Stickstoffdünger verglichen (Vinasse, Glycinbetain, Azotobacter salinestris, pflanzliche Proteine und ein mineralischer Stickstoffdünger). Als Kontrolle dienten Reben ohne Düngung. Erfasst wurden Parameter der vegetativen Entwicklung (Schnittholzgewicht, Blattfläche und Chlorophyllindex) und des Ertrags sowie die Zusammensetzung der Moste zum Zeitpunkt der Weinlese. Die Ergebnisse zeigen einen starken Einfluss des Jahrgangs auf Wuchskraft, Ertrag und Reifung. Unabhängig vom geprüften Dünger blieb jedoch ein Mangel an assimilerbarem Stickstoff bestehen (weniger als 140 mg N/l). Die mineralische Blattdüngung (Ammonium und Harnstoff) erhöhte die Stickstoffkonzentration im Most am wirksamsten. Die organischen Formen waren deutlich weniger wirksam und einige hatten bei den untersuchten Dosen und Applikationszeitpunkten sogar phytotoxische Effekte (Abbildung 1). Diese Ergebnisse zeigen die begrenzte Wirksamkeit einer organischen Blattdüngung zum Zeitpunkt der Reifung, um einen Stickstoffmangel im Most zu beheben. Sie sprechen für Strategien mit einer Bodendüngung sowie früher im Vegetationszyklus angewendete und stärker aufgeteilte Blattapplikationen.

    Abbildung 1. Gehalt an assimilierbarem Stickstoff (AA + NH4+) im Most bei der Weinlese, in Abhängigkeit des Jahres und des angewendeten Blattdüngers. Chasselas, Pully, Suisse. Die Fehlerbalken zeigen die Standardabweichungen. Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Mittelwerten gemäss Tukey-Test (p < 0,05).

    Fazit

    • Eine Blattdüngung zum Zeitpunkt der Reifung reicht nicht immer aus, um den Gehalt an assimilerbarem Stickstoff im Most auf über 140 mg N/l zu erhöhen, der für einen guten Gärverlauf erforderlich ist.
    • Stickstoff in mineralischer Form erwies sich als wirksamer und kostengünstiger als die untersuchten organischen Formen, bei denen die Stickstoffassimilation eingeschränkt ist und phytotoxische Effekte und Ertragseinbussen auftreten können.
    • Deshalb ist ein ganzheitliches Management der Stickstoffversorgung Priorität. Für die organische Blattdüngung sollten aufgeteilte und zu einem früheren Zeitpunkt angewendete Dosen untersucht werden, mit einem Schwerpunkt auf der Unterstützung des vegetativen Wachstums und nicht auf einer späten Korrektur des Stickstoffgehalts im Most.
  • Bausteine für eine stabilere Schweizer Bio-Linsen-Produktion

    Bausteine für eine stabilere Schweizer Bio-Linsen-Produktion

    Obwohl das Potential für den Bio-Linsen-Anbau in der Schweiz vorhanden ist, stagniert er auf tiefem Niveau. Ergebnisse von Agroscope zeigen, wie sich die Erntemengen stabilisieren lassen und ob es sensorische Unterschiede zwischen den Sorten gibt.

    Forschende von Agroscope untersuchten, wie sich Linsen unter Schweizer Bio-Bedingungen erfolgreicher anbauen lassen als bisher. Im Zentrum standen verschiedene Linsensorten, Saattermine, Saatdichten und Anbausysteme. Zudem wurde geprüft, ob sich geschmackliche Unterschiede zwischen den Sorten zeigen. Ziel war es, Grundlagen für eine stabilere Inlandproduktion zu schaffen und mögliche Präferenzen von Konsumenten zu erfassen.

    Herbstsaat erhöht Ertragspotenzial

    In Feldversuchen wurden über fünf Jahre insgesamt zwölf Linsen-Genotypen getestet. Die Erträge unterschieden sich stark zwischen den Jahren und lagen je nach Witterung zwischen nahezu Totalausfall und 2 Tonnen pro Hektar und Jahr. Bei den meisten Sorten konnte mit der Herbstsaat der Ertrag im Vergleich zur Saat im Frühjahr erhöht werden. Da die im Herbst gesäten Linsen rund 14 Tage früher blühen als die im Frühjahr gesäten, kann dies ein wichtiger Faktor sein, die Ertragsbildung vor möglichen Hitzeperioden vorzuverlegen und die Erträge abzusichern. Insbesondere im Bio-Landbau spielt auch der Unkrautdruck auf den Parzellen eine wichtige Rolle für eine erfolgreiche Umsetzung.

    Mischkulturen mit Hafer stabilisieren Bestände

    Die Agroscope-Studie verglich den Linsen-Reinanbau mit Mischkulturen von Linsen mit Kurzstroh-Hafer. Trotz geringerer Linsensaatmenge sanken die Kornerträge der Linsen in den Mischkulturen nicht. Gleichzeitig reduzierten die Getreidepflanzen das Lagern (Umfallen) der Linsen und führten deshalb bei der Ernte dazu, dass mehr Hülsen mit dem Mähdrescher geerntet werden konnten und sich durch die grössere Distanz der Samen zum Boden eine bessere Samenqualität erzielen liess. Ebenso haben die Erfahrungen gezeigt, dass Begleitarten mit dem Hafer wirksam unterdrückt wurden.

    Dichte Bestände verbessern Wirtschaftlichkeit

    Aus der Untersuchung der Bestandesdichte auf den Ertrag und die Wirtschaftlichkeit in der Reinsaat liess sich ableiten, dass die optimale Bestandesdichte zwischen 180 und 240 Pflanzen pro Quadratmeter liegt. Höhere Saatmengen verursachten zwar höhere Saatgutkosten, diese wurden jedoch durch Mehrerträge ausgeglichen.

    Verarbeitete Linsen

    Geschmacklich waren die Unterschiede der zwölf untersuchten Linsensorten kleiner als erwartet. Die Sorten unterschieden sich zwar – etwa bei Mehligkeit oder Saftigkeit –, insgesamt waren die Unterschiede bezüglich ihrer agronomischen Eigenschaften – Ertrag, Korngrösse und Proteingehalt – jedoch bedeutender.

    Um Erträge im Linsenanbau abzusichern, ist eine optimale Bestandesdichte und ein an den Standort angepasster Saattermin entscheidend. Die Wahl eines geeigneten Mischungspartners hat keinen negativen Einfluss auf den Linsenertrag. Die Samenqualität sowie die Erntbarkeit können verbessert werden. Die Sortenwahl sollte deshalb neben der Standortanpassung auch auf Marktanforderungen ausgerichtet werden. Wird die Herbstsaat in Betracht gezogen, so scheinen nebst speziell für den Herbstanbau gezüchtete Winterlinsen, kleinsamige und teilweise auch Typen aus der Genbank, vielversprechend zu sein.

    Fazit

    • Mischkultur mit Kurzstroh-Hafer verringert das Lagern (Umfallen), ohne Ertragseinbussen zu verursachen.
    • Bestandesdichten von 180 bis 240 Pflanzen pro Quadratmeter erwiesen sich als wirtschaftlich sinnvoll.
    • Im Herbst gesäte Linsen zeigten unter Schweizer Bedingungen ein höheres Ertragspotenzial als im Frühjahr gesäte.
    • Um die Ertragssicherheit von herbstgesäten Linsen zu erhöhen, müsste Saatgut von Winterlinsen produziert werden.
    • Nebst kleinsamigen Sorten waren auch alte Sorten wie die Kleine Schwarze, Späth’s Kleine oder die Berglinse bezüglich Erntemenge über die Jahre ausgeglichener.
    • Aufgrund der kleinen Unterschiede im Geschmack sollten die Sorten eher aufgrund von Grösse, Farbe und der Eignung für das Anbausystem (Trennbarkeit der Samen falls Anbau in Mischkultur erfolgt) ausgewählt werden.
  • Schweizer Praxisdaten: Vergleichbare Weizenerträge mit und ohne Herbizideinsatz

    Schweizer Praxisdaten: Vergleichbare Weizenerträge mit und ohne Herbizideinsatz

    Wie lassen sich Pflanzenschutzmittel bei Winterweizen einsparen, ohne die Erträge zu gefährden? Eine Agroscope-Studie zeigt, dass eine Kombination herbizidfreier Unkrautregulierungsmassnahmen ähnliche Erträge ermöglicht wie unter Herbizid-Einsatz.

    Die Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes ist ein wichtiges Ziel der Schweizer Agrarpolitik. Besonders im Ackerbau stellt sich die Frage, ob sich Unkräuter auch ohne Herbizide ausreichend eindämmen lassen. Im Projekt PestiRed untersuchten Agroscope-Fachleute zusammen mit der Beratung und den Produzierenden die Wirkung integrierter Unkrautmanagementstrategien im Winterweizen unter realen Praxisbedingungen. Im Fokus stand, ob herbizidfreie Verfahren vergleichbare Erträge ermöglichen und welche Massnahmen besonders wirksam sind.

    Eine Kombination verschiedener Massnahmen wirkt

    Von 2020 bis 2023 wurden 94 Winterweizenfelder in der Schweiz begleitet. Verglichen wurden integrierte Anbausysteme mit und ohne Herbizid-Einsatz. Die Betriebe setzten unterschiedliche Massnahmen ein, darunter angepasste Bodenbearbeitung, spätere Saattermine, falsche Saatbeete und mechanische Unkrautregulierung. Anschliessend wurden Unkrautbiomasse und Kornertrag ausgewertet und die wichtigsten Einflussfaktoren bestimmt.

    Geringer Unkrautdruck mit und ohne Herbizide

    Die zentrale Erkenntnis: Ob mit oder ohne Herbizid-Einsatz, die Weizenerträge unterschieden sich nicht. Gleichzeitig blieb der Unkrautdruck auf den meisten Feldern gering. Nur wenige Standorte erreichten Unkrautbiomassen, die mit messbaren Ertragsverlusten verbunden waren. Entscheidend war nicht eine einzelne Massnahme, sondern das Zusammenspiel verschiedener vorbeugender und direkter Verfahren. Unter den untersuchten Praxisbedingungen erzielten herbizidfreie Systeme somit vergleichbare Erträge wie Systeme mit gezieltem Herbizideinsatz.

    Wichtige Einflussfaktoren auf Unkrautbiomasse und Ertrag

    Besonders wichtig waren ein gut gewählter Saattermin, angepasste Saatdichten und die Anlage falscher Saatbeete. Auch eine intensivere Bodenbearbeitung verringerte die Unkrautbiomasse. Der Weizenertrag wurde zusätzlich durch Niederschlagsbedingungen, Bodentyp und standortspezifisches Ertragspotenzial beeinflusst. Herbizide waren in den untersuchten Feldern nur ein Bestandteil einer erfolgreichen Unkrautregulierung. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer langfristigen Anbaustrategie, bei der verschiedene Massnahmen sinnvoll kombiniert werden.

    Mechanische Regulierung mit möglichen Zielkonflikten

    Die Studie zeigt jedoch auch Grenzen herbizidfreier Systeme. Während eine intensivere Bodenbearbeitung die Unkrautbiomasse reduzierte, war eine stärkere mechanische Unkrautregulierung mit Ertragseinbussen verbunden. Herbizidfreie Verfahren konnten das Ertragsniveau nur bei wirksamer Unkrautkontrolle halten. Höhere Arbeits- und Verfahrenskosten können unter bestimmten Bedingungen durch Preiszuschläge und Direktzahlungen ausgeglichen werden. Da die Ergebnisse überwiegend auf Standorten mit moderatem Unkrautdruck beruhen, ist eine Übertragung auf schwierigere Bedingungen nur eingeschränkt möglich.

    Fazit

    • Winterweizen erzielte unter den untersuchten Praxisbedingungen vergleichbare Erträge mit und ohne Herbizid-Einsatz.
    • Der Erfolg beruhte auf der Kombination verschiedener vorbeugender und direkter Massnahmen.
    • Saattermin, Saatdichte, falsche Saatbeete und Bodenbearbeitung beeinflussten die Unkrautentwicklung wesentlich.
    • Eine intensive mechanische Unkrautregulierung kann Ertragseinbussen verursachen.
    • Integrierte, herbizidfreie Systeme bieten Potenzial für den Schweizer Ackerbau, erfordern jedoch eine sorgfältige Anpassung an Standort und Unkrautsituation.
  • Drei Neuzüchtungen von Wiesenschwingel stehen zur Empfehlung bereit

    Drei Neuzüchtungen von Wiesenschwingel stehen zur Empfehlung bereit

    Der Wiesenschwingel ist ein wichtiges Futtergras auf Schweizer Kunstwiesen. Agroscope prüfte 24 Wiesenschwingelsorten an sechs Standorten. Drei Neuzüchtungen überzeugten in den Anbauversuchen und sind für die Sortenempfehlung vorgesehen.

    Der Wiesenschwingel ist ein bedeutendes Futtergras in den mittelintensiv genutzten Naturwiesen des Mittellandes und der mittleren Berglagen. In Kunstwiesen spielt er als ertragreiches, robustes und qualitativ gutes Mähgras eine wichtige Rolle. Er kommt vor allem in den dreijährigen Mischungen zum Einsatz, die für eine wenig intensive bis mittelintensive Nutzung vorgesehen sind oder in denen Raigräser standortbedingt nicht verwendet werden können. Die Erträge des Wiesenschwingels sind vor allem im ersten Aufwuchs hoch. Bei frühzeitiger Nutzung liefert er zudem Raufutter mit einem hohen Energiewert.

    24 Wiesenschwingelsorten im Feld geprüft

    Von 2023 bis 2025 prüfte Agroscope insgesamt 24 Sorten von Wiesenschwingel (Festuca pratensis) auf seine agronomischen Eigenschaften. Die Versuche wurden an sechs verschiedenen Standorten angelegt. Untersucht wurden der Ertrag, die Jugendentwicklung, die Bestandesgüte, die Konkurrenzkraft, die Ausdauer, der Befall mit Blattkrankheiten, die Toleranz gegen Wintereinflüsse, die Verdaulichkeit des Futters und die Anbaueignung für höhere Lagen.

    Drei Neuzüchtungen erfüllen die agronomischen Anforderungen

    Aufgrund der Ergebnisse haben drei Neuzüchtungen die Hürde für eine Aufnahme in die Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen geschafft: Tetradonia, Tenorio und FP 1745. Sie belegten in dieser Reihenfolge die drei ersten Plätze des gesamten Prüfsortiments. Tetradonia und Tenorio sind wie die bereits empfohlene Sorte Tetrax tetraploide Sorten. Sie überzeugten durch hervorragende Werte in der Verdaulichkeit. Beide Sorten zeichneten sich zudem durch schöne, homogene Bestände, eine sehr gute Jugendentwicklung und eine hohe Resistenz gegen Blattkrankheiten aus. Tetradonia ist zudem stark im Ertrag, während bei Tenorio die sehr gute Eignung für höhere Lagen hervorzuheben ist. FP 1745, eine diploide Sorte, lieferte hauptsächlich hinsichtlich Ertrag, Güte und Ausdauer hervorragende Ergebnisse und überzeugte zudem durch eine gute Wintertauglichkeit. Die drei Sorten bereichern das Sortenangebot, können aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfohlen werden, da sie die rechtlichen Voraussetzungen für die Inverkehrsetzung noch nicht erfüllen.

    Paradisia und Pardus von der Liste gestrichen

    Die bisher empfohlenen Sorten Paradisia und Pardus müssen aufgrund der jüngsten Sortenprüfung von der empfehlenden Liste gestrichen werden. Sie befriedigen in verschiedener Hinsicht den heutigen Anforderungen nicht mehr. Beide Sorten können noch bis am 31. Dezember 2028 als empfohlene Sorten verwendet werden.

    Fazit

    • Der Wiesenschwingel ist ein bedeutendes Futtergras für den schweizerischen Kunstfutterbau.
    • Agroscope hat von 2023 bis 2025 insgesamt 24 Sorten Wiesenschwingel in Feldversuchen geprüft.
    • Drei Neuzüchtungen erfüllen die agronomischen Voraussetzungen für eine Empfehlung. Allerdings sind sie zurzeit noch nicht für den Handel zugelassen.
    • Die zwei bisher empfohlenen Sorten Paradisia und Pardus verlieren ihre Sortenempfehlung.
    • Dank dieser Änderungen verbessert sich die Qualität des Sortenangebotes beim Wiesenschwingel.
  • Saatgutbehandlungen situationsabhängig prüfen

    Saatgutbehandlungen situationsabhängig prüfen

    Saatgut wird meist routinemässig mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, um Erträge zu sichern. Eine auf neue Felddaten gestützte Studie mit Weizensaatgut zeigt, dass dies bei geringem Krankheitsdruck oft gar keinen Nutzen bringt.

    Pflanzenkrankheiten zählen weltweit zu den wichtigsten Ursachen für Ertragsverluste. Entsprechend werden Saatgutbehandlungen – meist mit chemischen Wirkstoffen – breit eingesetzt, um Kulturen frühzeitig zu schützen. Doch diese Vorgehensweise kommt immer stärker unter Druck: Aufgrund der Risiken für die Umwelt, die Wasserqualität und die Biodiversität sowie der Ziele zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln besteht zunehmend Handlungsbedarf.

    Parallel dazu werden alternative, nicht-chemische Methoden entwickelt, etwa thermische Behandlungen oder physikalische Verfahren. Ihre Wirksamkeit ist jedoch schwer vorhersehbar, insbesondere unter Praxisbedingungen, da Felddaten fehlen.

    Alternativen zur chemischen Saatgutbehandlung im Feldvergleich

    Eine dreijährige Studie mit Winterweizen liefert Daten zu den Auswirkungen chemischer und alternativer Saatgutbehandlungen (Thermoseed, Elektronenstrahl und Behandlungen auf Senfbasis) auf agronomische Parameter wie Ertrag, Proteingehalt, Tausendkorngewicht und Mikronährstoffe sowie auf die mit Winterweizen assoziierten bakteriellen und pilzlichen Mikroorganismen-Gemeinschaften. Dieser mehrjährige Schweizer Feldversuch hilft somit bei der Klärung der Frage, unter welchen Bedingungen Saatgutbehandlungen tatsächlich zur Ertragssicherung beitragen.

    Keine Auswirkungen auf Ertrag und Qualität

    Weder chemische noch alternative Saatgutbehandlungen führten zu messbaren Verbesserungen bei zentralen agronomischen Kennzahlen wie Ertrag, Proteingehalt oder Korngewicht. Die Ergebnisse zeigen, dass unter den untersuchten Praxisbedingungen diese Behandlungen keinen zusätzlichen Nutzen für die Produktion brachten.

    Keine Veränderungen in Boden- und Pflanzenmikrobiologie

    Auch die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaften an Wurzeln und Samen blieb unbeeinflusst – unabhängig von der gewählten Behandlung. Es wurden also weder positive noch negative Auswirkungen auf die mikrobiellen Prozesse im Boden festgestellt.

    Bedeutung des Krankheitsdrucks

    Die eingesetzten Saaten wiesen nur einen geringen Befall mit Krankheitserregern auf. In diesem Zusammenhang konnte kein Nutzen der Behandlungen nachgewiesen werden – weder für alternative noch für chemische Verfahren. Die Ergebnisse legen nahe, dass Saatgutbehandlungen bei geringem Krankheitsdruck wenig Nutzen bringen.Die alternativen Behandlungen zeigten im Feldversuch keine schädlichen Auswirkungen auf die Pflanzen und sind daher für weitere Versuche geeignet.

    Fazit

    • Saatgutbehandlungen können situationsabhängig geprüft werden, insbesondere im Hinblick auf den tatsächlichen Krankheitsdruck im Saatgut oder Boden.
    • Der Einsatz chemischer Behandlungen könnte in Fällen mit geringem Risiko ohne Ertragsnachteile reduziert werden.
    • Alternative Methoden bleiben eine Option, insbesondere für Systeme mit höheren Anforderungen an Umwelt- oder Gesundheitsschutz.
    • Monitoring-Systeme oder Diagnoseinstrumente könnten helfen, die Saatgutbehandlung gezielter und bedarfsgerechter einzusetzen.
    • Für die landwirtschaftliche Beratung und die Politik ergibt sich die Möglichkeit, differenzierte Strategien zu fördern, die Standort und Risiken berücksichtigen.
  • Wie sich die Saatgutbeizung beim Mais auf Mykorrhizapilze und Erträge auswirkt

    Wie sich die Saatgutbeizung beim Mais auf Mykorrhizapilze und Erträge auswirkt

    Fungizid-Beizen schützen Saatgut und sichern Erträge, können aber nützliche Bodenpilze beeinträchtigen. Neue Erkenntnisse aus verschiedenen Versuchssystemen – von kontrollierten Laborversuchen bis hin zu realen Bedingungen im Feld  – zeigen, wie stark diese Effekte variieren können.

    Fungizide zum Saatgutbeizen sind in der Landwirtschaft weit verbreitet, um junge Pflanzen vor Krankheiten zu schützen und stabile Erträge zu sichern. Fungizide können jedoch nicht nur schädliche Pilze, sondern auch Nichtzielorganismen, wie beispielsweise nützliche Bodenorganismen, beeinträchtigen. Dazu zählen arbuskuläre Mykorrhizapilze: Diese können die Nährstoffaufnahme und die Bodenstruktur verbessern. Politisch und administrativ ist die Balance zwischen Sicherung stabiler Erträge und Förderung ökologischer Funktionen ein zentrales Thema, etwa im Kontext nachhaltiger Landwirtschaft und Bodengesundheit. Bisherige Bewertungen von Beizmitteln konzentrieren sich oft auf kurzfristige Effekte oder Einzelaspekte. Weniger berücksichtigt wird, wie sich Wirkungen entlang verschiedener Ebenen – von der Spore bis zur Feldleistung der Mykorrhizapilze – unterscheiden können. Neue Forschung liefert hierzu differenzierte Einblicke und zeigt, dass die Einflüsse nicht einheitlich sind.

    Unterschiedliche Auswirkungen je nach Versuchssystem

    Die Studie zeigt, dass Fungizid-Beizen im Maisanbau je nach Massstab unterschiedlich auf Mykorrhizapilze wirken. Auf der Ebene einzelner Pilzsporen kann die Keimung deutlich gehemmt sein. Diese Effekte lassen sich jedoch nicht direkt auf das Pflanzenwachstum oder die Maiserträge im Feld übertragen. Damit relativiert sich die Aussagekraft isolierter Labortests für die Praxis.

    Abschwächung der Auswirkungen im Feld

    Im Feldversuch fallen die negativen Einflüsse von Beizmittel auf Mykorrhizapilze weniger stark aus als unter kontrollierten Laborbedingungen. Umweltfaktoren wie Bodenbeschaffenheit, Mikroorganismen und Wetterbedingungen beeinflussen die tatsächliche Wirkung. In vielen Fällen bleibt die Mykorrhiza-Besiedlung der Pflanzen trotz Beizung erhalten, wenn auch teilweise reduziert.

    Begrenzter Einfluss auf die Pflanzenleistung

    Die Anwendung von Beizmitteln beeinflusst die Mykorrhiza-Besiedlung der Maiswurzeln und die daraus resultierende Pflanzenleistung in der Regel nur geringfügig. Während einzelne Effekte auf die Symbiose zwischen Pflanze und Pilz sichtbar sind, führen diese nicht zwingend zu messbaren Einbussen in der landwirtschaftlichen Produktion. Dies deutet darauf hin, dass Pflanzen und Bodenorganismen eine gewisse Anpassungsfähigkeit gegenüber Beizmitteln besitzen.

    Fazit

    • Ergebnisse aus Laborstudien mit fungiziden Saatgutbeizen sollten nicht direkt auf Feldbedingungen übertragen werden. Je nach Versuchssystem, von kontrollierten Laborversuchen bis hin zu realen Bedingungen im Feld, variieren die Effekte dieser Applikation auf Mykorrhizapilze stark.
    • Weiter beeinflussen Praxisbedingungen wie Standortfaktoren und Bewirtschaftung die tatsächlichen Auswirkungen auf die arbuskulären Mykorrhizapilze wesentlich.
    • Gezielte Fungizidanwendungen mit geringen Mengen, wie die Saatgutbeizung, belasten das Bodenmikrobiom bei den hier getesteten Fungiziden kaum.
  • Klimawandel verändert den europäischen Weinbau

    Klimawandel verändert den europäischen Weinbau

    Wo wird in Europa zukünftig Wein angebaut? Eine Studie basierend auf sogenannten Klimaanalogen zeigt, dass die Klimaerwärmung die Weinbaugebiete grundlegend verändern wird, wobei Krankheiten eine entscheidende Rolle spielen.

    Der Klimawandel verändert bereits heute die Anbaubedingungen für den Weinbau in Europa. Künftig könnten einige traditionelle Anbaugebiete an Bedeutung verlieren, während andere an Potenzial gewinnen. Die Studie untersucht diese Entwicklungen, indem sie das zukünftige Klima europäischer Weinbaugebiete mit bereits existierenden ähnlichen Klimazonen – sogenannten Klimaanalogen – vergleicht.

    Der Ansatz basiert auf bioklimatischen Indizes, die in direktem Zusammenhang mit der Rebe und ihren Krankheiten stehen. Drei Indizes beschreiben die Wachstumsbedingungen und drei weitere die Pflanzengesundheitsrisiken: Falschen Mehltau, Echten Mehltau und die goldene Vergilbung. Darüber hinaus berücksichtigt die Studie die lokale Topografie, die für das Verständnis der Mikroklimata in den Rebbergen von entscheidender Bedeutung ist.

    Klimabedingte Verschiebungen und neue Krankheitsrisiken

    Die Ergebnisse zeigen gegensätzliche Entwicklungen. Der Temperaturanstieg verlagert die für den Weinbau geeigneten Gebiete insgesamt nach Norden und in höhere Lagen. Mehrere Regionen in Südeuropa könnten zukünftig für den Weinbau zu heiss werden. Gleichzeitig führen feuchtigkeitsbedingte Krankheiten je nach lokalen Bedingungen zu Verschiebungen nach Osten oder Westen. Insgesamt liegen die Klimaanaloge der europäischen Weinbaugebiete bis zum Jahr 2080 mehrheitlich weiter südlich. 

    Grenzen des Ausbaus und Herausforderungen der Anpassung

    Der Studie zufolge dürften die phytosanitären Risiken in vielen Regionen zunehmen. Falscher und Echter Mehltau werden voraussichtlich in Mittel- und Nordeuropa häufiger auftreten, während sich die Goldgelbe Vergilbung auf neue Gebiete ausbreiten könnte. Selbst wenn kühlere nördliche Regionen klimatisch geeigneter werden, könnte ein steigender Krankheitsdruck ihr Potenzial erheblich einschränken.

    Berggebiete bieten zwar ausgewogenere Bedingungen, ihre Bewirtschaftung bleibt jedoch anspruchsvoll und kostspielig. Vor diesem Hintergrund wird die Anpassung vor allem über die Wahl geeigneter Rebsorten, angepasste Anbaumethoden und in einigen Fällen über eine Verlagerung der Anbaugebiete erfolgen.

    Die Ergebnisse der Studie wurden in die App «Klimaanaloge – Weinberge» integriert, mit der sich die künftigen klimatischen Bedingungen der Rebparzellen in Europa bis zum Jahr 2090 visualisieren lassen (siehe «Weitere Informationen»).

    Fazit

    • Der Klimawandel wird die Verteilung der Weinbaugebiete in Europa tiefgreifend verändern.
    • Steigende Temperaturen verlagern die Weinbaugebiete nach Norden und in höhere Lagen. Gleichzeitig wird deren Ausdehnung durch feuchtigkeitsbedingte Krankheiten – insbesondere in Nordeuropa – deutlich eingeschränkt.
    • Mehrere Regionen im Süden könnten langfristig für den Weinbau ungeeignet werden. Berggebiete bieten Alternativen, sind jedoch mit wirtschaftlichen und technischen Einschränkungen verbunden.
    • Die Anpassung erfordert Änderungen bei den Rebsorten, den Anbaumethoden und teils auch bei den Standorten.

  • Goldgelbe Vergilbung: Einschleppung und Ausbreitung in der Westschweiz

    Goldgelbe Vergilbung: Einschleppung und Ausbreitung in der Westschweiz

    Eine Genanalyse liefert erstmals ein detailliertes Bild dazu, wie sich die goldgelbe Vergilbung in den Schweizer Rebbergen nördlich der Alpen ausbreitet: Infiziertes Pflanzgut und die lokale Ausbreitung tragen gemeinsam zur Entwicklung der Epidemie bei.

    Bei der goldgelben Vergilbung (GGV) handelt es sich um eine gefährliche Rebkrankheit. Das mit GGV assoziierte Phytoplasma (zellwandfreies Bakterium) ist als Quarantäneorganismus eingestuft. Phytoplasmen werden durch die Zikade Scaphoideus titanus von Stock zu Stock übertragen. Bislang existiert keine Behandlungsmöglichkeit. Die heutigen Bekämpfungsmassnahmen beruhen auf der obligatorischen und systematischen Entfernung aller infizierten Rebstöcke, der Bekämpfung des Vektors mit Insektiziden in den befallenen Gegenden und auf der Gebietsüberwachung. Die Krankheit breitet sich seit 2015 nördlich der Schweizer Alpen aus, doch wie sie in die Westschweiz gelangte, war bislang unbekannt.

    Zwei Krankheiten mit identischen Symptomen

    Zwischen 2015 und 2022 untersuchte Agroscope 4212 von den Pflanzenschutzdiensten der Kantone Waadt, Wallis und Genf entnommene Proben von Rebstöcken mit Vergilbungssymptomen. Die Analysen zeigten, dass 26,3 % der Proben tatsächlich mit GGV infiziert waren. Etwa die Hälfte der Proben mit den gleichen Symptomen war von der durch ein anderes Phytoplasma verursachten Schwarzholzkrankheit befallen. Mischinfektionen waren mit 0,17 % selten.

    Genetische Hinweise zum Ursprung der Krankheit

    Die Genanalyse der Phytoplasma-Stämme anhand mehrerer Referenzmarker ergab nördlich der Alpen eine sehr geringe Vielfalt. Alle Proben wiesen das charakteristische Profil des epidemiologischen «Rebstock–Zikade»-Kreislaufs auf, der in zahlreichen europäischen Weinbauregionen beobachtet wird. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Krankheit wahrscheinlich durch das Anpflanzen von bereits kontaminiertem Pflanzgut eingeschleppt wurde. Eine Einschleppung durch eine Übertragung aus einem Reservoir in der Umgebung scheint weit weniger wahrscheinlich. Allerdings wird die potenzielle Rolle solcher Reservoirs in der Schweiz noch erforscht.

    Regional unterschiedliche Ausbreitungsdynamik

    Eine vertiefte Genanalyse ergab, dass drei unterschiedliche genetische Gruppen mit einer klar definierten geografischen Verteilung existieren. Um die lokale Verbreitung des Phytoplasmas genauer zu verstehen, entwickelte Agroscope genetische Marker, mit denen sich sehr ähnliche Stämme unterscheiden lassen. Diese Marker zeigten, dass die Ausbreitung der goldgelben Vergilbung räumlich unterschiedliche Muster aufweist und durch Landschaftsmerkmale sowie menschliche Aktivitäten beeinflusst wird:

    • Im Lavaux lassen sich zwei homogene, aber geografisch eindeutig getrennte Populationen identifizieren. Womöglich wirkt dort die Autobahn als Barriere und begrenzt die Wanderung der als Vektoren fungierenden Zikaden.
    • Im Mittelwallis dagegen deutet ein einheitlicher Genotyp auf eine einzige Einschleppung, gefolgt von einer lokalen Ausbreitung, hin.
    • Das Chablais weist die grösste genetische Vielfalt auf. Da einzelne befallene Parzellen über drei Kilometer voneinander entfernt sind, ist die Ausbreitung wahrscheinlich nicht nur durch die natürlichen Flüge der Zikaden zu erklären. Weitere Mechanismen – etwa der Austausch von Pflanzgut sowie der passive Transport der Zikaden durch menschliche Aktivitäten oder durch Winde – tragen eventuell auch zur Verbreitung der Krankheit bei.

    Diese Studie liefert erstmals ein «hochauflösendes» genetisches Bild zur Situation der goldgelben Vergilbung nördlich der Schweizer Alpen. Sie zeigt, dass die Epidemie höchstwahrscheinlich durch die Einschleppung von infiziertem Pflanzgut verursacht wurde und dass neben der natürlichen Ausbreitung durch die Zikaden auch menschliche Tätigkeiten bei der Dissemination eine Rolle spielten.

    Gesunde Rebpflanzen und neue genetische Marker verbessern die Überwachung

    Die Prävention neuer Einschleppungen beruht vor allem auf der Verwendung von zertifiziertem und mit Heisswasser behandeltem Pflanzgut. Das Krankheitsmanagement erfordert auch eine rasche Entfernung der infizierten Rebstöcke sowie eine gezielte Bekämpfung der Zikaden mit Insektiziden. Schliesslich tragen prophylaktische Massnahmen wie die Reinigung der landwirtschaftlichen Geräte beim Wechsel zwischen den Parzellen sowie die Priorisierung der Weinbauarbeiten – d. h. die gesunden werden vor den infizierten Parzellen bearbeitet – dazu bei, das Risiko der Dissemination des Phytoplasmas zu verringern.

    Die neu entwickelten genetischen Marker ermöglichen eine präzisere Überwachung der lokalen Befallsherde und könnten künftig in anderen Weinbauregionen der Schweiz und Europas getestet werden.

    Fazit

    • Die Studie liefert die erste hochpräzise genetische Charakterisierung der Herde der goldgelben Vergilbung nördlich der Schweizer Alpen.
    • Die goldgelbe Vergilbung und die Schwarzholzkrankheit verursachen visuell identische Symptome; die zugrunde liegende Krankheit lässt sich nur mit einer genetischen Analyse zweifelsfrei identifizieren.
    • Höchstwahrscheinlich wurde die goldgelbe Vergilbung durch kontaminiertes Pflanzgut in die Westschweiz eingeschleppt.
    • Die regional unterschiedlichen Ausbreitungsmuster zeigen, dass die Dissemination der Krankheit sowohl auf den Flug der Zikade als auch auf menschliche Tätigkeiten zurückgeht.
    • In der Praxis ist es entscheidend, mit Heisswasser behandeltes Pflanzgut zu verwenden: Nur diese Methode kann heute gewährleisten, dass die Rebpflanzen frei von Phytoplasma sind.
    • Die vor Kurzem entwickelten genetischen Marker ermöglichen eine präzisere Nachverfolgung der Infektionsketten und eine gezielte Verbesserung der Überwachung und der Krankheitsbekämpfung.
  • Mehr Licht, mehr Ertrag: Erdbeeren reagieren empfindlicher auf Beschattung als Himbeeren

    Mehr Licht, mehr Ertrag: Erdbeeren reagieren empfindlicher auf Beschattung als Himbeeren

    In der Schweiz wird ein grosser Teil der Erd- und Himbeeren unter Schutzkonstruktionen angebaut, die mit Agri-PV-Systemen kombiniert werden könnten. Eine Studie von Agroscope und Insolight untersuchte, wie sich Beschattung auf Ertrag und Fruchtqualität auswirkt und berechnete Grenzwerte.

    In der Schweiz werden etwa ein Drittel der Erdbeeren und drei Viertel der Himbeeren unter Schutzkonstruktionen wie Tunneln oder Gewächshäusern angebaut, um sie vor schlechtem Wetter zu schützen und die Vegetationsperiode zu verlängern. Steigende Sommertemperaturen gefährden jedoch Ertrag und Qualität, was das Interesse an agri-photovoltaischen (Agri-PV-)Systemen weckt. Diese kombinieren Energieerzeugung und Landwirtschaft, jedoch kann zu viel Beschattung die Pflanzenleistung beeinträchtigen.

    Agroscope und die Firma Insolight führten über vier Jahre (2021−2024) hinweg 21 Fallstudien in der Schweiz durch, um den Einfluss verschiedener Beschattungsstrukturen, einschliesslich 13 Agri-PV-Konfigurationen, auf den Ernteertrag von Erd- und Himbeeren zu untersuchen. Dabei wurden die Auswirkungen der täglichen Lichtmenge pro Quadratmeter auf den Fruchtertrag, das durchschnittliche Fruchtgewicht, die Festigkeit sowie den Zucker- und Säuregehalt analysiert.

    Erdbeeren reagieren stärker auf Beschattung

    Die Ergebnisse zeigen, dass Ertrag und Zuckergehalt bei beiden Beerenarten mit sinkender Lichtmenge abnahmen, wobei der Effekt bei Erdbeeren stärker war. Erdbeeren benötigen mehr Licht und leiden stärker unter Beschattung als Himbeeren. Für Erdbeeren empfehlen die Autoren eine minimale tägliche Lichtmenge von 25 Mol Photonen pro Quadratmeter. Dies entsprach in den Versuchen einer geschätzten Gesamtbeschattung von 10–30%, je nach Art der Abdeckung. Auch die Festigkeit der Erdbeeren nahm mit sinkender Lichtmenge ab.

    Himbeeren sind schattenverträglicher

    Auch bei Himbeeren führte zunehmende Beschattung zu einem Ertragsrückgang, der jedoch weniger stark ausfiel als bei Erdbeeren. Dies bestätigt frühere Beobachtungen, dass Himbeeren aufgrund ihrer evolutionären Herkunft aus Waldgebieten schattentoleranter sind. Die Autoren empfehlen für Himbeeren mindestens 15 Mol Photonen pro Quadratmeter, um übermässige Ertragsverluste zu vermeiden. Zudem hatte die Beschattung – im Gegensatz zu Erdbeeren – keinen negativen Einfluss auf die Fruchtsüsse.

    Das Fruchtgewicht und der Säuregehalt wurden hingegen bei beiden Arten durch die Beschattung nicht beeinflusst.

    Artspezifische Lichtbedürfnisse wichtig bei Konzeption von Agri-PV-Systemen

    Die Ergebnisse liefern klare Grenzwerte für die Entwicklung von Agri-PV-Systemen, die eine qualitativ hochwertige Beerenproduktion bei gleichzeitiger Erzeugung erneuerbarer Energie gewährleisten. Die Studie zeigt, dass bei der Konzeption von Agri-PV-Systemen die artspezifische Lichtempfindlichkeit berücksichtigt werden sollte, um die agronomische

    Fazit

    • Erdbeeren sind empfindlicher gegenüber Beschattung als Himbeeren und benötigen mindestens 25 Mol Photonen pro Quadratmeter, um optimale Erträge und Qualität zu erzielen.
    • Himbeeren sind schattentoleranter und kommen mit mindestens 15 Mol Photonen pro Quadratmeter aus.
    • Mit zunehmender Beschattung sinkt die Festigkeit von Erdbeeren, sie hat jedoch keinen negativen Einfluss auf die Fruchtsüsse von Himbeeren.
    • Die Studie zeigt, dass bei der Entwicklung von Agri-PV-Systemen die artspezifischen Lichtbedürfnisse berücksichtigt werden sollten, um eine optimale agronomische Leistung zu erreichen.
  • Die Stickstoffversorgung des Mosts beginnt schon im Rebberg

    Die Stickstoffversorgung des Mosts beginnt schon im Rebberg

    Die heissen und trockenen Jahre zwischen 2021 und 2025 führten im Kanton Waadt zu einem deutlichen Rückgang des assimilierbaren Stickstoffs im Traubenmost, insbesondere bei der Rebsorte Chasselas. Dies hatte direkte Auswirkungen auf die Gärung und die Weinqualität.

    Der Kanton Waadt verfügt über ein Netz von mehr als 140 Versuchsparzellen, auf denen in vier Rebbaugebieten die Reifung der wichtigsten Rebsorten systematisch beobachtet wird. Dieses Netzwerk ermöglicht es, die Zusammensetzung des Traubenmosts in Abhängigkeit von Klima, Rebsorte sowie Standort- und Bodenbedingungen zu untersuchen.

    Die zwischen 2021 und 2025 erhobenen Daten zeigen, dass sich der Jahrgang 2022, der wärmer und trockener war, im Vergleich zu regenreicheren Jahren durch höhere Zuckergehalte, niedrigere Säurewerte sowie geringere Gehalte an assimilierbarem Stickstoff auszeichnet. Im Jahr 2022 wurde bei der Ernte mit durchschnittlich 119 mg N/l der bislang niedrigste Gehalt an assimilierbarem Stickstoff innerhalb der Versuchsreihe gemessen, während dieser Wert im Jahr 2024 154 mg N/l betrug (Abb. 1).

    Abbildung 1. Von Hefen assimilierbarer Stickstoff (Ammonium + Aminosäuren) im Most bei der Weinlese nach (A) Jahr, (B) Region und (C) Rebsorte. Die unterschiedlichen Buchstaben weisen auf einen signifikanten Unterschied gemäss Tukey-Test (p-value < 0.05) hin. Waadt, Suisse, 2021-2025. n = Anzahl der untersuchten Parzellen; Fehlerbalken = Standardabweichung.
     

    Der Einfluss der Rebsorte ist besonders hoch. Über alle Jahrgänge und Regionen hinweg weist Chasselas mit durchschnittlich 115 mg N/l den niedrigsten Gehalt an assimilierbarem Stickstoff auf, während Gamay und Pinot Noir mit 149 bzw. 153 mg N/l höhere Werte erreichen. Zudem nimmt beim Chasselas der Stickstoffgehalt zwischen Reifebeginn und Ernte weiter ab, im Mittel um 16,4 %. Bei den Rebsorten Gamay und Pinot Noir hingegen bleibt der Gehalt weitgehend stabil. Diese erhöhte Anfälligkeit beim Chasselas steigert das Risiko langsamer oder unvollständiger Gärungen und kann die aromatische Entfaltung der Weine beeinträchtigen.

    Die regionalen Unterschiede liefern eine zweite, für Beratung und Entscheidungsfindung besonders relevante Betrachtungsebene. So weisen die Regionen Chablais und Lavaux mit durchschnittlich 163 bzw. 149 mg N/l die höchsten Gehalte an assimilierbarem Stickstoff auf, während La Côte und der Nordvaud mit 121 bzw. 123 mg N/l niedrigere Werte zeigen. Diese Unterschiede widerspiegeln den Einfluss der Bodentiefe und des Wasserhaushalts der jeweiligen Terroirs: Tiefwurzelnde Reben sind besser in der Lage, Wasser- und Stickstoffstress zu überstehen, während flache oder verdichtete Böden die Belastungen insbesondere in trockenen Jahren verstärken. Vor diesem Hintergrund gewinnen Bodenpflege und Begrünung zunehmend an Bedeutung, da eine unzureichend kontrollierte Pflanzenkonkurrenz den Zugang der Rebe zu Wasser und Nährstoffen erheblich einschränken kann.

    Dies zeigt deutlich, dass sich der Stickstoffhaushalt nicht allein im Weinkeller korrigieren lässt. Er wird bereits im Rebberg durch eine ganzheitliche Bewirtschaftung geprägt. Diese umfasst Bodenpflege, Begrünung, das Blatt‑Frucht‑Verhältnis sowie die Düngung. Die Faktoren sind entscheidend, um Stickstoffmangel im Most vorzubeugen und die Weinqualität nachhaltig zu sichern – insbesondere bei der Rebsorte Chasselas.

    Fazit

    • In heissen und trockenen Jahren sinkt der Gehalt an assimilierbarem Stickstoff im Most.
    • Die Rebsorte Chasselas ist am besten geeignet, wenn es um die Vorbeugung von Mangelerscheinungen geht.
    • Die Unterschiede zwischen den Regionen bestätigen die zentrale Rolle der Boden- und Klimabedingungen.
    • Die Bodenbewirtschaftung und die Begrünung sind wichtige Einflussfaktoren.
    • Das Netzwerk zur Beobachtung der Reifung im Kanton Waadt kann die Beratung, die Risikovorhersage und die Anpassung an den Klimawandel unterstützen.
  • Anpassungsfähig und ertragreich – vielfältige Mischungen machen Ansaatwiesen fit für den Klimawandel

    Anpassungsfähig und ertragreich – vielfältige Mischungen machen Ansaatwiesen fit für den Klimawandel

    Mischungen aus mehreren Futterpflanzen steigern systematisch den Ertrag, bei geringerem Düngereinsatz. Höhere Temperaturen verstärken die Vorteile dieser Mischungen. Sie sind somit ein Schlüssel zur Anpassung an den Klimawandel.

    In Mischung angebaute Futterpflanzen verbessern die Ressourceneffizienz. Agroscope untersuchte dies in einer globalen Studie, die kürzlich in der Zeitschrift Science veröffentlicht wurde. Mischungen aus mehreren Futterpflanzen steigern systematisch den Ertrag, bei geringerem Düngereinsatz. Höhere Temperaturen verstärken die Vorteile dieser Mischungen, weshalb sie ein Schlüssel zur Anpassung an den Klimawandel sind.

    Weltweites Netz von 26 Versuchsstandorten

    Die Studie fasst die Ergebnisse eines global angelegten Experiments zusammen, das an 26 Standorten in der gemässigten Klimazone rund um die Welt durchgeführt wurde. Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, führte das Experiment zusammen mit Partnern aus Europa, Nordamerika, China und Neuseeland durch.

    Sechs Arten geben mehr Ertrag als eine bis zwei

    In der Schweiz werden in der Fruchtfolge ausschliesslich Mischungen aus mehr als zwei Futterpflanzen angesät. In vielen anderen Ländern werden einfachheitshalber meistens Gras-Monokulturen angesät, die viel Stickstoffdünger benötigen, oder eine Kombination aus nur einer Gras- und einer Kleeart. Die Schweizer Strategie der Mischungen aus mehreren Arten setzt sich jetzt nun auch international durch. Die Forschenden untersuchten, welche Mischungen aus bis zu sechs Futterpflanzenarten den Ertrag verbessern und gleichzeitig die Abhängigkeit von Stickstoffdüngern verringern können.

    Die Ergebnisse zeigten, dass Wiesenmischungen aus mehreren Arten aufgrund nutzbringender Wechselwirkungen zwischen den Arten höhere Erträge erzielten als die Monokulturen. Der Mischungsertrag war viel höher als die Summe der einzelnen Teile. Eine Mischung aus Gräsern, Kleearten und Kräutern lieferte 11 % mehr Ertrag als eine Grasmonokultur, die mehr als doppelt so viel Stickstoffdünger erhielt, und 18 % mehr Ertrag als eine einfache Gras-Klee-Mischung bei gleicher Düngung.

    Je wärmer, desto grösser der Ertragsvorteil von Mehrartenmischungen

    Als weitere gute Nachricht zeigt die Studie, dass wärmere Temperaturen die Vorteile von Mischungen verstärken. Der Ertragsvorteil der vielfältigen Mischungen mit Kleearten und Kräutern nahm mit steigender Temperatur entlang des Klimagradienten der Standorte zu. Dies unterstreicht das Potenzial von Mischungen für die Anpassung an den Klimawandel.

    Vielfältige Wiesenmischungen waren nicht nur in der Schweiz im Vorteil. Die Studie zeigt eindrücklich, dass diese schweizerische Tradition auch global die Ressourceneffizienz verbessert und die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel unterstützt.

    Abb. 1: Der Bereich mit optimalem Ertrag (yield, dunkelgrün) ist gross: verschiedene Kombinationen und Anteile von Gräsern (G), Klee (L) und Kräutern (H) erreichen das Optimum.

    Fazit

    • Ein weltweites Netzwerk hat Futterpflanzenmischungen aus zwei Gräsern, zwei Kleearten und zwei Kräutern getestet, um nachhaltigere Anbausysteme im Futterbau weiterzuentwickeln.
    • Futterpflanzenmischungen aus sechs Arten, darunter Kleearten, zeigten sich ertragreicher als Systeme aus reinen Gras- oder aus einer Zweiarten-Mischung aus Gras und Klee, die in anderen Ländern immer noch verbreitet sind.
    • Der Ertragsgewinn der vielfältigen Mischungen stieg mit zunehmender Standorttemperatur. Dies zeigt, dass solche Mischungen angesichts des Klimawandels beitragen können, die Erträge des Futterbaus zu sichern.
  • Alternativer Pflanzenschutz im Acker- und Gemüsebau: Wo stehen wir?

    Alternativer Pflanzenschutz im Acker- und Gemüsebau: Wo stehen wir?

    Eine aktuelle Publikation von Agroscope gibt einen Überblick über präventive Massnahmen und nicht-chemische Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge im Acker- und Freilandgemüsebau.

    Der integrierte Pflanzenschutz ist ein Konzept, welches verschiedene Methoden kombiniert, um Schadorganismen unter der wirtschaftlichen Schadschwelle zu halten. Die breite Basis bilden dabei präventive Massnahmen; Entscheidungshilfen bieten Unterstützung bei der Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für allfällige Bekämpfungsmassnahmen (Abb. 1). Falls eine Bekämpfung erforderlich ist, sollen wenn immer möglich biologische, biotechnische und physikalische (d. h. nicht-chemische) Massnahmen priorisiert werden. Erst danach sollen chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Diese Publikation gibt einen Überblick über die präventiven Massnahmen und die nicht-chemischen Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge im Acker- und Freilandgemüsebau sowie deren Praxistauglichkeit nach heutigem Wissensstand.

    Abb. 1: Die Pyramide des integrierten Pflanzenschutzes.

    Krankheiten

    Die wichtigsten präventiven Massnahmen sind gesundes Saatgut, robuste Sorten, ausgewogene Fruchtfolgen und eine gute Feldhygiene. Mit diesen Massnahmen kann der Einsatz von Fungiziden in vielen Ackerkulturen mit leichter Ertragsreduktion weitgehend vermieden werden. In Kartoffeln, Zuckerrüben und Freilandgemüse können präventive Massnahmen, insbesondere robuste Sorten, den Fungizideinsatz reduzieren. Ein vollständiger Verzicht ist heute aber oft nicht praktikabel.

    Schädlinge

    In vielen Ackerkulturen wie Getreide und Mais werden Schädlinge mit präventiven Massnahmen wie Fruchtfolge und Schonung von Nützlingen meistens ausreichend kontrolliert. Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben und Freilandgemüse werden jedoch von Schädlingen mit einem hohen Schadpotenzial befallen. Einige Ansätze, wie die Fruchtfolge bei Zuckerrüben oder der Einsatz von Bacillus thuringiensis gegen Kartoffelkäfer, haben sich als wirksam erwiesen, Untersaaten im Raps zeigen ein Potenzial. Zu weiteren Massnahmen wird noch geforscht.

    Qualitätsanforderungen und Lebensmittelpreise

    Im Gemüsebau ist die Herausforderung wegen der hohen Qualitätsanforderungen des Marktes grösser als im Ackerbau. Mit Blick auf einen reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könnte es sinnvoll sein, die privatrechtlich geregelten Qualitätsanforderungen bezüglich rein optischer und lebensmittelrechtlich unbedenklicher Aspekte zu hinterfragen, eventuell zu reduzieren und einen gewissen Schädlingsbesatz zu tolerieren. Zudem könnten die mit alternativen Pflanzenschutzmassnahmen verbundenen Zusatzaufwendungen und höheren Ertragsrisiken durch höhere Lebensmittelpreise oder andere Massnahmen ausgeglichen werden, damit sie wirtschaftlich rentabel sind.

    Fazit

    • Alternative Massnahmen gegen Unkräuter sind vorhanden, jedoch zeitaufwändiger und bei Problemunkräutern und ungünstigen Wetterbedingungen weniger wirksam.
    • In Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben ist ein vollständiger Verzicht auf Fungizide und/oder Insektizide heute schwierig. Ansätze für zusätzliche Massnahmen sind vorhanden. Diese sind jedoch oft mit einem reduzierten Wirkungsgrad und zusätzlichen Kosten verbunden.
    • Die hohen Qualitätsanforderungen für Freilandgemüse sind mit alternativen Massnahmen schwierig zu gewährleisten. Es könnte sinnvoll sein, die rein optischen Qualitätsanforderungen zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.
    • Alternative Pflanzenschutzmassnahmen sind oft aufwändiger und weniger wirkungsvoll. Damit sie wirtschaftlich rentabel sind, könnten die Zusatzkosten durch höhere Lebensmittelpreise oder andere Massnahmen ausgeglichen werden.
  • Sortieren der Wiese: Genetische Methoden zur Trennung von Arten und Sorten

    Sortieren der Wiese: Genetische Methoden zur Trennung von Arten und Sorten

    Dauergrünflächen bestehen aus mehreren Arten und Sorten, deren Zusammensetzung sich im Laufe der Zeit verändert. Solche Veränderungen visuell zu erkennen ist auf Artebene arbeitsintensiv und auf Sortenebene unmöglich. Zwei DNS-basierte Methoden wurden zu diesem Zweck getestet.

    Schweizer Dauergrünflächen sind artenreiche Mischungen von Gräsern, Leguminosen und Kräutern. Bewirtschaftungspraktiken und sich verändernde Umweltbedingungen können die Artenzusammensetzung und die genetische Vielfalt negativ beeinflussen. Grünflächen mit geringerer Diversität sind weniger widerstandsfähig gegenüber biotischen und abiotischen Stressoren. Daher ist die Erkennung von Veränderungen in der Zusammensetzung entscheidend, um entsprechend eingreifen und
    diese wertvollen Ökosysteme schützen zu können, die zudem genetische Ressourcen für die Züchtung beherbergen. Die visuelle Überwachung auf Artebene ist arbeitsintensiv und erfordert hohe Expertise, wohingegen Veränderungen innerhalb von Arten visuell nicht erkannt werden können. Molekulargenetische Methoden bieten vielversprechende Ansätze, um Veränderungen zwischen und innerhalb von Arten zu erkennen. Zwei DNS-basierte Verfahren, multispecies amplicon sequencing (MSAS) und genotyping-by-sequencing (GBS), wurden hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit zur Überwachung der Grünflächenzusammensetzung evaluiert. MSAS zielt dabei auf spezifische genomische Regionen ab, die in mehreren Arten vorkommen und innerhalb von Arten stark variabel sind. Im Gegensatz dazu erfasst GBS viele verschiedene Regionen über das gesamte Genom und ermöglicht eine deutlich höhere Auflösung als MSAS.

    Erkennung der Artenzusammensetzung mit Multispecies Amplicon Sequencing (MSAS)

    Mit MSAS konnten Arten in Mischungen aus drei Gräsern (Knaulgras, Englisches Raigras und Wiesenfuchsschwanz) sowie zwei Leguminosen (Rot- und Weissklee) erfolgreich getrennt werden. Neben der Trennung der Arten ermöglichte MSAS auch die Differenzierung zwischen Sorten innerhalb einer Art. Grundlage hierfür war die Simulation von Veränderungen in der Sortenzusammensetzung durch das Erstellen von Proben aus zwei Sorten in den Mischungsverhältnissen 0:100, 50:50 und 100:0. Diese Proben konnten erfolgreich getrennt werden, und die 50:50-Mischung lag in Diskriminanzanalysen zwischen den beiden Sorten, was ihre genetische Zusammensetzung widerspiegelte. Dies zeigt, dass MSAS Diversität zwischen und innerhalb von Arten mit angemessener Auflösung erfassen kann.


    Beurteilung der Nachweisgrenzen zweier DNS-basierter Methoden

    Zur weiteren Untersuchung der Nachweisgrenze wurde MSAS auf sechs Sorten von Englischem Raigras angewendet. Die Ergebnisse wurden anschliessend mit denen von GBS verglichen. Beide genetischen Methoden konnten die sechs Sorten erfolgreich trennen, wobei GBS zusätzlich die Züchtungsgeschichte der Sorten widerspiegeln konnte. Neben Proben mit jeweils einer Sorte wurden Mischungen von zwei Sorten im Verhältnis 50:50 und 75:25 hergestellt. Mit MSAS und GBS konnten die 50:50-Mischungen von den entsprechenden Sorten getrennt und in einer Diskriminanzanalyse zwischen ihnen positioniert werden. Bei den 75:25-Mischungen erreichte MSAS jedoch seine Nachweisgrenze. Mit GBS hingegen konnten die 75:25-Mischungen von den entsprechenden 50:50-Mischungen und Sorten unterschieden werden. Diese Ergebnisse zeigen die Grenzen von MSAS und die zusätzliche Genauigkeit, die GBS zur Überwachung der Sortenzusammensetzung liefert.

    Fazit

    • Sowohl multispecies amplicon sequencing (MSAS) als auch genotyping-by-sequencing (GBS) konnten erfolgreich angewendet werden, um Unterschiede in der Arten- und Sortenzusammensetzung zu erfassen.
    • Beide Ansätze eröffnen Möglichkeiten, die über das Monitoring hinausgehen: Unterstützung von Züchtungsstrategien, Kontrolle der Saatgutreinheit und bewirtschaftungsspezifische Sortenentwicklung.
    • MSAS ist vielversprechend für die Ü berwachung der Artenzusammensetzung und der Diversität
    • innerhalb von Arten in Dauergrünflächen.
    • GBS bietet die höhere Genauigkeit, die notwendig ist, um Veränderungen in der Sortenzusammensetzung innerhalb von Graslandarten zu erkennen.

  • Räuschling-Klonzüchtung: Erweiterung der genetischen Vielfalt um vier neue Klone

    Räuschling-Klonzüchtung: Erweiterung der genetischen Vielfalt um vier neue Klone

    Die Rebsorte Räuschling wird dank der Selektion neuer Klone stabiler im Anbau und in der Weinqualität. Mehrjährige Versuche zeigen, dass vier neue Klone den Ertrag und die Qualität stabilisieren und das Risiko von Beerenplatzen sowie Botrytisbefall (Grauschimmel) reduzieren.

    Der Räuschling ist eine lokalhistorisch bedeutsame Weissweinsorte mit Schwerpunkt am Zürichsee (2024: 28,3 ha; 72 % davon im Kanton Zürich). Gleichzeitig gilt er als anspruchsvoll im Anbau: Vor der Lese neigen die Beeren zum Aufplatzen, was Botrytis begünstigt und den Selektions- bzw. Leseaufwand erhöht.

    Agroscope-Klonensammlung: Schlüssel zur genetischen Vielfalt des Räuschlings

    Seit den 1970er-Jahren betreibt Agroscope eine Klonenselektion, um Ertragssicherheit, Krankheitsrobustheit und Traubenqualität zu verbessern. Die heutige Klonensammlung (20 Genotypen) ist die weltweit einzige für diese Sorte und damit zentral für die genetische Vielfalt.

    In Stäfa (ZH) wurden 2015–2021 fünfzehn Klone auf identischer Unterlage (3309C) im einfachen Guyot verglichen. Der Referenzklon 42 diente als Benchmark. Trotz witterungsbedingter Extremjahre (Spätfrost/Hagel 2017; feuchter Sommer 2021) erreichten mehrere Klone das Ertragsziel von 1 kg/m². Die Mostgewichte bewegten sich eng zwischen ~80–84 °Oe (Abb. 1), Säure/Pufferung und pH (~3.1) waren klonübergreifend ähnlich; önologische Unterschiede blieben klein.

    Die neu ausgewählten Klone im Vergleich: Unterschiede in Ertrag, Botrytisresistenz und Weinprofil

    • Klon 3: sehr konstante Erträge, lockere Trauben, geringe Platzanfälligkeit und tendenziell weniger Botrytis; sensorisch top bewertet; hoher Formol-Index (hefeverfügbarer Stickstoff).
    • Klon 25: höchstes Ertragspotenzial, zugleich relativ hohe Oechsle; sehr lockere Trauben; in Einzelfällen (2017/2019) mehr Botrytis, sonst mittlere Anfälligkeit; sensorisch sehr gut.
    • Klon 28: überdurchschnittliche Oechsle, lockere Trauben, tendenziell weniger Platzen/Botrytis; sensorisch gehaltvoll mit fruchtigen Noten.
    • FAW rot (rotschalig): hohe Erträge bei relativ hohem Mostgewicht; trotz kompakter Trauben wenig Botrytis; sortentypisches, fruchtiges Profil.

    Klonmischpflanzungen stärken die Resilienz der Rebsorte Räuschling

    Für die Praxis wichtig: Mischpflanzungen mehrerer Klone erhöhen die Resilienz, weil sich Eigenschaften je nach Jahrgang ergänzen (z. B. Ertragsstärke vs. Platzanfälligkeit). Das stützt Qualität und Ertrag – besonders in Jahren mit Niederschlägen vor der Lese. Klon 3 und 25 sind verfügbar; Klon 28 und FAW rot befinden sich im Homologationsprozess. Die Klonensammlung bleibt strategisch, um Vielfalt zu erhalten und auf den Klimawandel adaptiv reagieren zu können.

    Abbildung 1: Ertrag (kg/m²) und Mostgewicht (°Oe) pro Klon (Mittel 2015–2021). Legende: Gepunktete Linien markieren Gesamtdurchschnitt; hervorgehoben: Referenz 42 und die vier empfohlenen Klone.

    Fazit und Empfehlung

    • Klonwahl: Geeignete Klone erhöhen die Ertrags- und Qualitätsstabilität von Räuschling und verringern das Risiko von Beerenplatzen und Botrytis; besonders die Klone 28 und FAW rot zeigen positive Effekte.
    • Anlagenstruktur: Mischpflanzungen aus den Klonen 3, 25, 28 und FAW rot können die Resilienz innerhalb einer Anlage zusätzlich steigern.
  • Wechselwirkungen zwischen Pflanzen können sich positiv auf Anbausysteme auswirken

    Wechselwirkungen zwischen Pflanzen können sich positiv auf Anbausysteme auswirken

    Pflanzen-Pflanzen-Interaktionen können zu Ertragssicherheit und Resilienz beitragen. Die Bedeutung dieser Interaktionen in der Landwirtschaft ist umstritten, was auch daran liegt, dass die Mechanismen grösstenteils unklar sind. Diese Studie fasst den Wissensstand zusammen.

    In verschiedenen landwirtschaftlichen Systemen werden unterschiedlichen Nutzpflanzen kombiniert. So werden Schaderreger reduziert, die Resilienz und im Optimalfall der Ertrag gesteigert. Momentan werden die gewinnbringenden Pflanzenkombinationen in Feldversuchen bestimmt, weil die wissenschaftlichen Grundlagen nicht ausreichen, um vorherzusagen, warum z.B. eine gewisse Weizensorte gut mit einer Erbsenvarietät funktioniert, aber nicht mit einer anderen Erbsensorte. Das Interesse ist gross, die Auswirkungen von Pflanzeninteraktionen vorherzusagen, um die Resilienz von Pflanzen im Anbau zu fördern.

    Mischkulturen und Fruchtfolgen werden seit Jahrtausenden erfolgreich eingesetzt. Der Erfolg dieser Systeme beruht darauf, dass die Pflanzen sich bezüglich Licht-, Wasser-, und Nährstoffnutzung ergänzen. Interessanterweise lassen sich jedoch nicht beliebige Varietäten kombinieren, welche diese Kriterien erfüllen, was unter anderem an der molekularen Interaktion der Pflanzen liegen kann. Mit einem verbesserten Verständnis dieser Interaktionen können neue Strategien für eine nachhaltige Landwirtschaft erschlossen werden, welche die Resilienz dieser Produktionssysteme verstärken.

    Diese Studie fasst den aktuellen Wissensstand zu molekularen Mechanismen zusammen.

    Wie Pflanzen optimal miteinander kommunizieren – Chancen für nachhaltige Anbausysteme

    Pflanzen geben Wurzelexudate in den Boden ab (Metabolite wie Zucker und Aminosäuren), welche Nahrungsquelle und Signalstoffe für Organismen im Boden wie Bakterien und Pilze sind, die dann ihrerseits das Wachstum anderer Pflanzen positiv oder negativ beeinflussen können.

    Abbildungslegende: Pflanzen interagieren sowohl ober- als auch unterirdisch über die Konkurrenz um Ressourcen und den Austausch von Metaboliten und über die Strukturierung von mikrobiellen Gesellschaften (Grafikquelle: Joelle Schläpfer). Hier ist das Trio Mais (blau), Erbse (rot) und Kürbis (gelb) dargestellt, das seit Jahrtausenden unter ressourcenarmen Bedingungen wie in Südamerika zusammen angebaut wird zur Ertragssteigerung

    Mischkulturen stärken Produktivität und Widerstandsfähigkeit

    Räumliche Vielfalt durch Mischkulturen kann die Ernteerträge und -qualität verbessern, den Nährstoffgehalt erhöhen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress und Ernteausfällen steigern. Eine häufig eingesetzte Kombination sind Leguminosen (z.B. Erbsen, Soja) in Kombination mit Mais oder Weizen. Es wurde gezeigt, dass die Exudat-Profile von beiden Partnern sich signifikant verändern in Mischkultur, wobei die Änderungen in Getreide-Exudaten zu einer erhöhten Stickstoff-Fixierung der Leguminose führen, was wiederum der Nährstoffgehalt des Getreides erhöht. Grundsätzlich sind Mikrobiome von Mischkulturen diverser. Mykorrhiza-Pilze können positive Effekte auf Planzen haben und kommen mehr oder weniger abundant vor in Mischkulturen, je nach Versuch. Jedoch wurde Mykorrhiza-Abundanz mit exudierten organischen Säuren korreliert, was einen Hinweis darauf gibt, dass Exudate ihre Präsenz beeinflussen können. Grundsätzlich wurden viele Metabolite und Mikroben identifiziert, welche in gewissen Mischkulturen zentral sind. Jedoch sind noch keine spezifischen Trends ersichtlich.

    Fruchtfolge: Ein bewährtes Prinzip für nachhaltige Landwirtschaft

    Fruchtfolge ist eine bewährte Methode, um die Vielfalt der angebauten Pflanzenarten zeitlich zu gestalten. Beim wiederholten Anbau derselben Kulturpflanze können Ertragseinbussen entstehen, welche durch unterschiedliche Phänomene verursacht werden können: beim kontinuierlichen Leguminosen-Anbau sinkt die Biomasse von Mikroben, deren Diversität und Aktivität, und Auto-Toxine werden angereichert. Bei der Fruchtfolge hingegen bleibt das Vorkommen von bodenbürtigen Schaderregern tief. Bezogen auf Krankheiten können einerseits andere Mikroben die Nischen der Erreger besetzen und andererseits können die Erreger spezifisch gehemmt werden. Die Fruchtfolge sowie die Vielfalt und die Zusammensetzung von Mikrobiomen wurde als zentral identifiziert für Krankheitsanfälligkeit von z.B. Weizen, Kartoffel. In wenigen Studien wurden erste Metabolite identifiziert, welche die krankheitsunterdrückenden Mikroben anlocken. Grundsätzlich ist noch sehr wenig bekannt über die Mechanismen, welche Metabolite und Mikroben im Boden angereichert werden, und wie sie die Anfälligkeit von Nutzpflanzen beeinflussen.

    Fazit

    • Um positive Effekte der Kombination von mehreren Pflanzenarten gezielt zu nutzen, müssen die darunterliegenden Mechanismen verstanden werden. Neben der Nutzung von unterschiedlichen Nischen (Wasser, Nährstoffe, Licht) sind Interaktionen über Metabolite und Mikroben zentral, die jedoch noch schlecht untersucht sind.
    • Verschiedene Studien finden eine hohe Mikrobiom-Diversität assoziiert mit Pflanzen, welche positive Effekte zeigen. Je nach System werden einzelne Metabolite und Mikroben identifiziert, welche die Effekte verursachen. Allgemein gültige Muster wurden jedoch noch nicht gefunden.
  • Gehalt an organischer Bodensubstanz: Braucht es eine Aktualisierung der Interpretation für landwirtschaftliche Böden?

    Gehalt an organischer Bodensubstanz: Braucht es eine Aktualisierung der Interpretation für landwirtschaftliche Böden?

    Der Einbezug des OS:Ton-Verhältnisses in die Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen (GRUD) liefert standortspezifischere Informationen für die Bodenbewirtschaftung mit einer umfassenderen Berücksichtigung der Bodenqualität.

    Die organische Substanz (OS) ist ein Schlüsselindikator für die Bodenqualität. Der OS-Gehalt landwirtschaftlicher Böden wird stark von den landwirtschaftlichen Praktiken beeinflusst und ein Teil dieser Böden befindet sich in einem degradierten Zustand. Für Landwirtinnen und Landwirte ist es deshalb besonders wichtig, den OS-Gehalt gemäss Bodenanalyse für die Wahl der geeigneten Anbaumethoden richtig zu interpretieren.

    Die Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen in der Schweiz (GRUD) liefern ein Raster zur Beurteilung des OS-Gehalts des Bodens als Referenz für die Interpretation von Analysen. Dieses Raster hat sich jedoch seit den 1980er Jahren kaum verändert und konzentriert sich heute auf die Funktion der Nachlieferung von Stickstoff (N). Dies deutet auf ein erhebliches Optimierungspotenzial hin.

    Das OS:Ton-Verhältnis ist ein einfacher Indikator für die Bodenqualität, dessen Schwellenwerte auf dem Qualitätspotenzial der Bodenstruktur basieren. Das Schema zur Interpretation des OS:Ton-Verhältnisses wurde von einer Methode zur visuellen Bewertung der Qualität der Bodenstruktur (visual evaluation of soil structure, VESS) abgeleitet.

    Ziel dieser Studie war es, die Relevanz des OS:Ton-Verhältnisses für die Interpretation des OS-Gehalts von Böden landwirtschaftlicher Parzellen zu bewerten. Dadurch soll die Grundlage für eine mögliche Weiterentwicklung des Interpretationsrasters der GRUD geschaffen werden. Dazu wurden die in den GRUD definierten Schwellenwerte mit den Schwellenwerten des OS:Ton-Verhältnisses verglichen und die Unterschiede in der Beurteilung je nach Methode für eine Auswahl von 184 Parzellen des Bodenbeobachtungsnetzes des Kantons Freiburg (FRIBO) herausgearbeitet.

    Nuanciertere Bewertung durch das OS:Ton-Verhältnis

    Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der GRUD-Ansatz die Parzellen grob in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe besteht aus den Ackerflächen-Böden mit dem geringsten OS-Gehalt. Der OS-Gehalt dieser Böden wird als «ausreichend» eingestuft. Die andere Gruppe umfasst die Ackerflächen-Böden mit dem höchsten OS-Gehalt sowie die Dauergrünland-Parzellen. Der OS-Gehalt dieser Böden wird als «reich» beurteilt. Die Bewertung auf der Grundlage des OS:Ton-Verhältnisses ermöglicht eine nuancenreichere Beurteilung von Ackerland-Böden und klassifiziert den OS-Gehalt bei einem Drittel dieser Böden als unzureichend.

    Hin zu einer spezifischeren Unterstützung

    Diese Studie zeigt, dass das Interpretationsraster der GRUD in seiner derzeitigen Form kein ausreichendes Instrument ist, um Landwirtinnen und Landwirte effektiv bei der Steuerung des OS-Gehalts der Böden ihrer Parzellen zu unterstützen. Die Verwendung des OS:Ton-Verhältnisses in den GRUD würde eine bessere Differenzierung zwischen Parzellen ermöglichen, die derzeit als mindestens ausreichend eingestuft werden, aber einen sehr unterschiedlichen OS-Gehalt aufweisen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten in die Überarbeitung des Kapitels «Bodeneigenschaften und Bodenanalysen» der GRUD einfliessen.

    Fazit

    • Es ist sehr wichtig, den OS-Gehalt gemäss Bodenanalyse für die Wahl geeigneter Anbaumethoden richtig zu interpretieren.
    • Das aktuell verwendete Interpretationsraster der GRUD ist kein ausreichendes Instrument, um die Landwirtinnen und Landwirte effektiv bei der Steuerung des OS-Gehalts der Böden ihrer Parzellen zu unterstützen.
    • Die Bewertung auf der Grundlage des OS:Ton-Verhältnisses ermöglicht eine nuancenreichere Beurteilung von Ackerland-Böden.
    • Der Einbezug des OS:Ton-Verhältnisses in die GRUD würde standortspezifischere Informationen für eine Steuerung der Bewirtschaftung liefern, die auf einer umfassenderen Berücksichtigung der Bodenqualität beruht.
  • Japankäfer in der Schweiz haben italienische und nordamerikanische Wurzeln

    Japankäfer in der Schweiz haben italienische und nordamerikanische Wurzeln

    Genomanalysen zeigen, dass die Japankäfer-Populationen in der Schweiz unterschiedliche Herkünfte aufweisen. Das weist auf mehrere Eintrags- und Ausbreitungswege hin – ein Wissen, das helfen kann, gezielte Massnahmen zur Prävention oder Eindämmung zu entwickeln.

    Der Japankäfer (P. japonica) stammt ursprünglich aus Japan. Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat er sich ausgebreitet und sich sowohl in Nordamerika als auch in Europa zu einem bedeutenden invasiven Schädling entwickelt. Mit dem fortschreitenden Klimawandel wird erwartet, dass er seinen Lebensraum weiter in die nördlichen Regionen beider Kontinente ausdehnen wird, was eine zunehmende Bedrohung für die Landwirtschaft und die Ökosysteme darstellt.

    Der Japankäfer befällt viele wichtige Kulturpflanzen

    P. japonica ernährt sich von über 400 Pflanzenarten, darunter wichtige Kulturpflanzen wie Reben, Mais, Soja, oder Obstbäume. Die adulten Käfer verursachen erhebliche Schäden an Blättern, Blüten und Früchten der Wirtspflanzen.

    Ausbreitung des Schädlings in Europa und der Schweiz

    Die Besiedlung Europas begann in den 1970er Jahren auf den Azoren, gefolgt von Italien im Jahr 2014 und der Südschweiz (Tessin) im Jahr 2017. 2023 wurde nördlich der Alpen in der Nähe des internationalen Flughafens Zürich, eine neue Population identifiziert. Weitere Individuen wurden auch in im Kanton Basel und im Simplon Gebiet (Kt. Wallis) nahe der Grenze zu Italien gefunden.  Im Sommer 2024 wurden Befälle in weiteren Teilen der Schweiz festgestellt, darunter ein weiteres Gebiet im Kanton Wallis sowie vereinzelte Fänge in den Kantonen Aargau, Graubünden, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn und Uri.

    Migrationsmuster erkennen mittels Genom-Analysen

    Um die Ausbreitung und Herkunft von P. japonica in der Schweiz nachzuvollziehen, untersuchten Forschende von Agroscope und der Universität Siena 42 Individuen aus befallenen Gebieten in der Schweiz.

    Analysen der DNA-Sequenzen erlaubten die genetischen Profile der Schweizerischen Japankäfer-Individuen zu bestimmen. Diese wurden mit den Profilen von Individuen aus Italien und Nordamerika verglichen. Damit konnte die Herkunft der Schweizer Individuen ermittelt werden. Die Populationen in Basel, im Wallis und in der Zentralschweiz sind verwandt mit den Populationen aus dem Tessin/Norditalien und gelangten wahrscheinlich über den Strassen- oder Schienenverkehr in die Schweiz. Die Population in der Nähe des Flughafens Zürich hingegen wurde als eigenständige Population identifiziert, die näher verwandt ist mit der Population in Nordamerika. Diese Individuen wurden wahrscheinlich durch Lufttransport importiert.

    Fazit

    • Die Japankäfer-Populationen in der Schweiz weisen unterschiedliche Herkünfte auf. Diese konnten durch Genomanlysen ermittelt werden.
    • Die Populationen in Basel, im Wallis und in der Zentralschweiz zeigen einen hohen Verwandtschaftsgrad mit Individuen aus dem Tessin/Norditalien. Sie gelangten wahrscheinlich über den Strassen- oder Schienenverkehr in die Nordschweiz.
    • Die Population in der Nähe des Flughafens Zürich hingegen wurde als eigenständige Einführung aus Nordamerika identifiziert, wahrscheinlich durch unbeabsichtigten Lufttransport.
    • Ein Verständnis möglicher Einschleppungs- und Verbreitungswege ist wichtig, zur Eindämmung oder sogar Verhinderung einer weiteren Schädlingsverbreitung.
    • Unabhängig von der Herkunft bleiben die Bekämpfungsmassnahmen gleich.
  • Resistente Rebsorten: vielversprechende Weine, die mehr Bekanntheit verdienen

    Resistente Rebsorten: vielversprechende Weine, die mehr Bekanntheit verdienen

    Weine aus resistenten Rebsorten sind in der Schweiz auf dem Vormarsch. Konsumentinnen und Konsumenten stehen ihnen grundsätzlich offen gegenüber. Insbesondere in der Gastronomie liesse sich ihr Potenzial mit klarerer Kommunikation noch stärker nutzen.

    Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Forderung nach einem nachhaltigen Weinbau stellen Rebsorten mit natürlicher Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten eine vielversprechende Alternative dar. Ihre Verbreitung scheint jedoch bislang durch eine noch unzureichende Akzeptanz bei den Konsumentinnen und Konsumenten gebremst zu werden.

    Agroscope hat eine Studie mit drei sich ergänzenden Zielen durchgeführt: Erstens die Bewertung der aktuellen Anbausituation resistenter Rebsorten in der Schweiz, zweitens die Zusammenfassung der neuesten Konsumstudien zu diesen Sorten und drittens die Analyse ihrer aktuellen Präsenz im Angebot der Schweizer Gastronomie.

    Begrenzte Anbauflächen – mit steigender Tendenz

    Die Anbaufläche resistenter Rebsorten beträgt 540 Hektaren und macht damit nur einen geringen Anteil der insgesamt 14 484 Hektaren aus. Sie wächst jedoch kontinuierlich, wobei ihr Anteil in der Deutschschweiz deutlich höher ist als in den übrigen Regionen. Bei den roten Sorten ist Divico in der Schweiz die wichtigste resistente Rebsorte, gefolgt von Cabernet Jura. Im Bereich der weissen Sorten weist Souvignier gris den höchsten Anteil auf, gefolgt von Johanniter.

    Offenheit seitens der Konsumentinnen und Konsumenten

    Eine aktuelle Konsumstudie zur Akzeptanz resistenter Rebsorten identifiziert drei zentrale Einflussfaktoren: die sensorische Qualität der Weine, das allgemeine Weinwissen sowie die Kenntnis resistenter Rebsorten.

    Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Konsumentinnen und Konsumenten diesen Sorten grundsätzlich offen gegenüberstehen und bereit sind, sie in ihre Konsumgewohnheiten zu integrieren.

    Unterstützungsbedarf bei den Gastronomen

    Eine Untersuchung von 450 Speisekarten zeigt, dass die Weine in der Gastronomie bereits präsent sind; dabei spiegelt das Angebot im Wesentlichen die aktuelle Produktionsverteilung wider.

    Die Studie befragte die Gastronomen zu den Gründen, die sie dazu bewegen, die Weine in ihr Angebot aufzunehmen bzw. sie nicht zu integrieren. Die Antworten zeigten eine Vielzahl von Gründen. Mehrere Gastronomen sprachen sich für die Aufnahme dieser Weine aus, da sie ihr Angebot durch nachhaltige Weine diversifizieren möchten. Die Aufnahme neuer Produkte hängt offenbar auch stark vom Angebot der bestehenden Winzer und Lieferanten ab. Diese Abhängigkeit zeigt die Bedeutung einer guten Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Gastronomen, um die Einführung zu erleichtern. Mehrere Fachleute betonten, dass die Einführung der Weine von der tatsächlichen Nachfrage der Verbraucher und den Markttrends abhängt. Einige äusserten auch Vorbehalte hinsichtlich der geschmacklichen Qualität dieser Weine. Schliesslich geben einige Gastronomen an, dass ihnen das Wissen über diese Rebsorten fehlt und sie Unterstützung benötigen, um sie besser zu verstehen und in ihr Sortiment zu integrieren.

    Die Befragung der Gastronomen zu ihren Beweggründen liefert ein differenziertes Bild: Viele Betriebe setzen auf diese Weine, um ihr Sortiment durch nachhaltige Optionen zu diversifizieren. Auffällig ist dabei die starke Abhängigkeit von bestehenden Lieferanten und Winzern. Dies unterstreicht, wie entscheidend eine enge Kommunikation zwischen Produktion und Gastronomie für eine erfolgreiche Markteinführung ist. Während die tatsächliche Marktnachfrage und aktuelle Trends als Haupttreiber genannt werden, bestehen vereinzelt noch Vorbehalte bezüglich der sensorischen Qualität. Zudem wurde ein deutlicher Wissensbedarf deutlich: Viele Gastronomen benötigen gezielte Unterstützung und Informationen zu den Rebsorten, um diese sicher in ihr Angebot integrieren zu können.

    Fazit

    • Der Anbau resistenter Rebsorten ist im Schweizer Weinbau nach wie vor begrenzt, wobei die Deutschschweiz einen gewissen Vorsprung hat.
    • Ein Teil der Konsumentinnen und Konsumenten steht den Weinen relativ offen gegenüber, sowohl was ihre sensorische Akzeptanz als auch ihre Präsenz auf den Speisekarten der Restaurants betrifft.
    • Die Weine sind im Angebot bereits vertreten, aber ihre Verbreitung könnte durch besseres Wissen der für die Weinauswahl verantwortlichen Akteure sowie durch einen besseren Kontakt zwischen Winzern, Lieferanten und Gastronomen verstärkt werden.
    • Generell scheint eine Verbesserung der Kommunikation und der Ausbildung im Zusammenhang mit diesen Rebsorten ein sinnvoller Ansatz zu sein, um ihre Integration in das Schweizer Weinangebot zu unterstützen.
    • Die sensorische Qualität bleibt das zentrale Kriterium, während Umweltargumente bei den Kaufentscheidungen der Verbraucher offenbar erst an zweiter Stelle stehen.
  • In-situ-Erhaltung von Futterpflanzen: Herausforderungen und Perspektiven

    In-situ-Erhaltung von Futterpflanzen: Herausforderungen und Perspektiven

    Die Biodiversität von Grünflächen ist ein wertvolles Gut, das es zu erhalten gilt. Dank einer Evaluation des In-situ-Programms durch Landwirtinnen und Landwirte sowie Fachpersonen konnten Empfehlungen zur Verbesserung dieses Programms abgegeben werden.

    In der Schweiz besteht ein wesentlicher Teil der landwirtschaftlichen Fläche aus Wiesen und Weiden. Diese Flächen zählen zu den wertvollsten Ökosystemen Europas. Verschiedene Agrarumweltmassnahmen zielen auf die Erhaltung ihrer Vielfalt ab, allerdings geht es nur selten um die Erhaltung der Vielfalt innerhalb einer Art (innerartliche Vielfalt).

    Innovatives Programm für die innerartliche Vielfalt

    Das Programm zur In-situ-Erhaltung von Futterbauflächen wurde im Jahr 2023 mit dem Ziel lanciert, die innerartliche Vielfalt der wilden Verwandten von Kulturpflanzen oder Pflanzen, die als Futterpflanzen genutzt werden, zu erhalten (Abb. 1).

    Eine erste Evaluation des Programms, an der sich über tausend Landwirtinnen und Landwirte beteiligten, ermöglichte es, den Betriebstyp auszumachen, der am ehesten an diesem Programm teilnimmt, und die Beweggründe der Bewirtschaftenden für eine Teilnahme nachzuvollziehen. Bei grösseren Betrieben in Höhenlage mit Label ist die Chance, dass sie am In-situ-Programm teilnehmen, tendenziell höher.

    Erste Erkenntnisse und Verbesserungsmöglichkeiten

    Im vorliegenden Artikel gehen fünf Fachpersonen auf die ersten Erkenntnisse aus der Evaluation ein, um aufzuzeigen, wie die Wirksamkeit und Effizienz des In-situ-Programms verbessert werden können. Zudem bieten sie einen Ausblick auf zukünftige Möglichkeiten zur Erhaltung der Agrobiodiversität auf Bauernhöfen (Abb. 2).

    Fazit

    • Dank dem In-situ-Programm kann die genetische Vielfalt von Futterpflanzen erhalten werden.
    • Die Evaluation zeigt, dass das Programm zwar gut angenommen wird, aber Verbesserungspotenzial besteht.
    • In-situ-Flächen sind gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels von besonderer Bedeutung.

  • Alternative Futterpflanzen als Zwischenfrucht

    Alternative Futterpflanzen als Zwischenfrucht

    Alternative Futterpflanzen, die mit Trockenheit zurechtkommen, stossen auf wachsendes Interesse. Wie gross ist ihr Potenzial als Zwischenfrucht? Eine Studie von Agroscope zeigt die Vorteile und Grenzen einiger ausgewählter Pflanzen.

    Angesichts immer häufiger auftretender Trockenperioden wächst das Interesse an Futterpflanzen aus tropischen, asiatischen oder mediterranen Regionen. Diese können ihr Wachstum auch in Zeiten starker Wasserknappheit aufrechterhalten.

    Im Jahr 2020 führte Agroscope in Changins (VD) einen Versuch mit rund zwanzig Arten auf Kleinparzellen durch und untersuchte deren Eignung als Sommerzwischenfrucht. Zu den getesteten Arten gehörten sowohl C4-Pflanzen (Grünschnittmais, Sorghum (Futterhirse), Moha, Perlhirse, Teff, Rauhafer, Futterreis als auch Leguminosen (einjährige Luzerne, Blaue Lupine, Sulla, Futterlinse, Sparriger Klee, Kuhbohne, Helmbohne), Guizotia, Tatarischer Buchweizen und Leindotter. Wachstum, Ertrag und Futterqualität wurden untersucht.

    Auflaufgeschweindigkeit und Bodenbedeckung

    Der Versuch wurde am 6. August angelegt und dauerte bis zum 30. September. Während der Wachstumsphase von 55 Tagen waren die Wachstumsbedingungen sehr günstig (ausreichend Niederschlag und viel Wärme). Alle Arten wurden in Reinkultur ausgesät. Die Saatdichte und -tiefe wurden entsprechend dem Tausendkorngewicht der verschiedenen Arten festgelegt.

    Die Auflaufgeschwindigkeit, die Bodenbedeckung und der Gesamteindruck wurden visuell beurteilt. Grünmais, Sorghum, Kuhbohne und Helmbohne keimten in weniger als sechs Tagen, während die Lupine und der Sparrige Klee mehr als 15 Tage benötigten. Die Bodenbedeckung 25 Tage nach der Aussaat war bei mehreren Arten ungenügend, insbesondere bei Futterlinsen, Blauer Lupine, Sulla, Einjähriger Luzerne und Sparrigem Klee. Der Gesamteindruck, der die Wuchskraft, Bestandesdichte und Homogenität der Pflanzendecke umfasst, war bei Moha, Guizotia, Futterreis, Sparrigem Klee und Leindotter gut. 

    Ertrag und Nährwert

    Die Trockensubstanzerträge (TS) fielen je nach Art sehr unterschiedlich aus. Den weitaus höchsten Ertrag erzielte der Grünmais, der mit über 63 dt TS/ha von den günstigen Bedingungen profitierte. Mehrschnittiges Sorghum lieferte 44 dt/ha, gefolgt von tatarischem Buchweizen, Leindotter und Moha mit 32 bis 33 dt/ha. Mehrere Arten, darunter die meisten Leguminosen, erzielten Erträge von weniger als 20 dt/ha. Leider liefern C4-Pflanzen, die zwar viel Biomasse produzieren, rohfaserreiches Futter mit einer mittelmässigen Verdaulichkeit und einem Energiegehalt von weniger als 5,0 MJ NEL (Nettoenergie Laktation) pro kg TS. Mehrere Arten wie Rauhafer, Sulla, Futterreis, Guizotia und tatarischer Buchweizen erzielten hingegen interessante Nährwerte. Leguminosen zeichnen sich durch einen hohen Rohproteingehalt aus. Hervorzuheben ist, dass Helmbohnen in einer Mischung mit mehrschnittigem Sorghum einen guten Ertrag mit qualitativ hochwertigem Futter lieferten. Um das Potenzial der getesteten Arten besser nutzen zu können, wäre es interessant, sie mit bereits bekannten Futterpflanzen zu kombinieren, die einen guten Ertrag, hohe Nährwerte und ein rasches Wachstum aufweisen.

    Fazit

    • In Reinkultur sind die untersuchten Futterpflanzenarten aus tropischen, asiatischen oder mediterranen Regionen grösstenteils nicht als Zwischenfrucht geeignet, sei es aufgrund ihrer geringen Biomasseproduktion, ihrer schlechten Futterqualität oder ihrer zu langsamen Entwicklung.
    • Mehrschnittiges Sorghum ist aus heutiger Sicht die vielversprechendste Art, da sie selbst bei starker Trockenheit interessante Erträge ermöglicht.
    • In Kombination mit Futterpflanzen, deren Eigenschaften bereits bekannt und bewährt sind, könnten wahrscheinlich überzeugendere Ergebnisse erzielt werden, wie beispielsweise mit der Mischung aus Kuhbohnen und Sorghum oder Sorghum und Alexandrinerklee.
  • Wie stabil werden die künftigen Erträge der Kulturen in der Schweiz sein?

    Wie stabil werden die künftigen Erträge der Kulturen in der Schweiz sein?

    Stabile Erträge im Pflanzenbau sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und die Ernährungssicherheit. Modellsimulationen zeigen, dass die Ertragsstabilität vieler Sommerkulturen durch den Klimawandel erheblich abnehmen könnte, während Winterkulturen deutlich weniger betroffen sind.

    Ungünstigen Witterungsbedingungen, insbesondere Trockenheit und Hitze, haben negative Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum. Mit dem Klimawandel treten nachteilige Situationen häufiger auf. Zunehmende Schwankungen der Ernteerträge sind die Folgen. Dies hat Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit des Landes und das Einkommen der Landwirtinnen und Landwirte.

    Selbstversorgungsgrad der Schweiz hängt von stabilen Erträgen ab

    Bei pflanzlichen Produkten liegt der Selbstversorgungsgrad der Schweiz derzeit bei rund 40 %. Das Bevölkerungswachstum und die in der Klima- und Ernährungsstrategie formulierte Notwendigkeit, die Ernährung stärker an der Ernährungspyramide auszurichten, erfordern eine Steigerung der pflanzlichen Produktion. Gleichzeitig ist eine Vergrösserung der landwirtschaftlichen Nutzfläche kaum realisierbar. Um in Zukunft auch bei der Produktion pflanzlicher Erzeugnisse ein Mindestmass an Selbstversorgung zu gewährleisten, sind nicht nur hohe Erträge, sondern auch eine hohe Ertragsstabilität von grundlegender Bedeutung.

    Zukünftige Ernteerträge auf der Grundlage von Schweizer Klimaszenarien modelliert

    In dieser Studie wurden Ernteerträge für eine Fruchtfolge mit Winterweizen, Wintergerste, Mais, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln, Soja, sowie Kunstwiese als Zwischenkultur, mit Hilfe eines Pflanzenwachstumsmodells für das heutige Klima und die Zeit um 2060 simuliert. Die Modellierungen basieren auf den vom National Centre for Climate Services (NCCS) bereitgestellten Klimaszenarien. Berücksichtigt wurden die Anbauregionen des westlichen, zentralen und des östlichen Mittellandes, sowie des östlichen Juras.

    Unterschiedliche Auswirkungen auf Winter- und Sommerkulturen

    Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Pflanzenwachstum unterscheiden sich bei den Sommer- im Vergleich zu Winterkulturen. Höhere Frühlingstemperaturen, ein früherer Beginn der Vegetationsperiode und eine bessere Wasserverfügbarkeit wirken sich positiv auf den Ernteertrag von Winterkulturen aus. Sie profitieren zudem deutlich von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Im Gegensatz dazu sind Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja beim Anbau ohne Bewässerung vom Rückgang der Niederschläge und dem Anstieg der Verdunstungsraten im Sommer betroffen. Jährliche Schwankungen der Sommerniederschläge führen deshalb bei Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja zu einem merkbaren Rückgang der Ertragsstabilität, auch unter Berücksichtigung der positiven Auswirkungen erhöhter CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre.

    Abnehmende Ertragsstabilität vor allem im zentralen Mittelland

    Das zentrale Schweizer Mittelland ist besonders stark von diesem Rückgang betroffen. Simulationsergebnissen zufolge werden die Ertragsschwankungen in dieser Region, ohne Berücksichtigung der positiven Effekte von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, bei Soja über 60 %, bei Mais um über 50 %, bei Kartoffeln um 40 % und bei Zuckerrüben um 25 % zunehmen (Abb. 1). Die Zunahme der Variabilität wird durch den Einfluss des steigenden CO₂-Gehalts gemildert, wird jedoch immer noch über 20 % liegen. Diese Resultate sind eine wichtige Grundlage für weiterführende Analysen zur Wirtschaftlichkeit von Anbausystemen, der Notwendigkeit einer Anpassung von Versicherungsstrategien, und der Gewährleistung der Ernährungssicherheit unter zukünftigen Klimabedingungen.

    Abbildung 1: Veränderung der Ertragsvariabilität bis 2060 (im Vergleich zu heute) für die Sommerkulturen Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Soja (Resultate aus den Simulationen ohne Berücksichtigung der positiven Effekte von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, bezeichnet als cCO2, und unter Berücksichtigung dieser Auswirkungen, bezeichnet als eCO2).

    Fazit

    • Der Rückgang und die grössere jährliche Schwankungsbreite der Sommerniederschläge infolge des Klimawandels wird in Zukunft zu einem spürbaren Rückgang der Ertragsstabilität bei Sommerkulturen führen.
    • Modellsimulationen zeigen, dass das zentrale Schweizer Mittelland die Region ist, die von diesen Veränderungen am stärksten betroffen sein wird.
    • Für Wintergetreide wurde ein geringerer Rückgang der Ertragsstabilität simuliert.
  • Das Risiko beim Umgang mit behandeltem Saatgut wird oft unterschätzt

    Das Risiko beim Umgang mit behandeltem Saatgut wird oft unterschätzt

    Eine aktuelle Studie zeigt, dass das Expositionsrisiko bei Tätigkeiten mit Saatgut, das mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde, nicht immer richtig eingeschätzt wird. Die Information der landwirtschaftlichen Fachkräfte sollte verbessert werden.

    Im Ackerbau verwendetes Saatgut wird häufig mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) behandelt, um es bereits bei der Keimung vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Bei der Handhabung dieses Saatguts kann Staub entstehen, der Reste von Wirkstoffen enthält. In der Schweiz müssen Säcke mit behandeltem Saatgut laut Vorschrift einen Hinweis auf die beim Öffnen und Befüllen der Sämaschine zu befolgenden Sicherheitsmassnahmen enthalten. Diese Vorgaben betreffen insbesondere das Tragen geeigneter Schutzhandschuhe sowie die Vermeidung der Bildung und des Einatmens von Staub. Das tatsächliche Risikobewusstsein und -verständnis sowie die praktische Durchführung der Massnahmen durch die beruflichen Anwenderinnen und Anwender sind jedoch bislang kaum dokumentiert.

    Vor diesem Hintergrund hat Agroscope mit den Partnern Unisanté, Proconseil und dem Kanton Waadt im Rahmen einer Studie evaluiert, inwieweit die Sicherheitshinweise auf den Säcken mit behandeltem Saatgut von beruflichen Anwenderinnen und Anwendern in der Schweiz tatsächlich wahrgenommen und befolgt werden. Zudem sollte ein eventueller Bedarf an zusätzlichen Informationen oder Erklärungen zu den Risiken beim Umgang mit behandeltem Saatgut identifiziert werden.

    2024 wurde bei einer repräsentativen Stichprobe von landwirtschaftlichen Fachkräften, die mit Saatgut umgehen, eine Online-Umfrage durchgeführt. Die erhobenen Daten beziehen sich auf berufliche Praktiken, Risikobewusstsein, Verständnis der gesetzlichen Vorschriften über die Handhabung von Saatgut, Identifizierung von risikobehafteten Tätigkeiten und Verwendung von persönlichen Schutzausrüstungen.

    Risiken werden oft unterschätzt

    Die Mehrheit der 190 Befragten gab an, bei Tätigkeiten mit Saatgut und vor allem beim Befüllen der Sämaschine Staub ausgesetzt zu sein. Insbesondere bei jüngeren Personen wurde eine starke Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und entsprechendem Schutz festgestellt.

    Obwohl die meisten Befragten angaben, die Etiketten auf den Saatgutverpackungen mit Informationen über die Pflanzenschutzmittel, deren Schädlichkeit und über die Vorsichtsmassnahmen bei der Verwendung zu lesen, ist das Risikoverständnis besonders bei Tätigkeiten, die Schutzmassnahmen erfordern, lückenhaft.

    Verbesserungsbedarf bei Kommunikationsstrategien

    Die Ergebnisse zeigen einen Verbesserungsbedarf bei den Strategien zur Kommunikation der Risikoexposition auf. So sollen besonders die Angaben auf den Etiketten aussagekräftiger formuliert werden. Die gesetzlichen Vorschriften sollten durch an die verschiedenen Anwendergruppen angepasstes Informationsmaterial ergänzt werden, um sie besser für die Schutzmassnahmen bei Risikotätigkeiten während der Aussaat zu sensibilisieren.

    Fazit

    • Anwenderinnen und Anwender können bei der Arbeit mit Saatgut Staub ausgesetzt sein, insbesondere beim Befüllen der Sämaschine
    • Vor allem bei jungen Befragten wurde eine starke Diskrepanz zwischen Risikobewusstsein und entsprechendem Schutz festgestellt.
    • Obwohl die meisten Befragten angaben, die Etiketten auf den Saatgutverpackungen zu lesen, ist das Risikoverständnis besonders bei Tätigkeiten, die Schutzmassnahmen erfordern, lückenhaft.
    • Die gesetzlichen Vorschriften sollten durch zielgruppenspezifisches Informationsmaterial ergänzt werden.
  • Unterbodenverdichtung bei Direktsaat vermeiden

    Unterbodenverdichtung bei Direktsaat vermeiden

    Auf direktgesäten Flächen kann es mit den Jahren zu Ertragsverlusten kommen. Forschende von Agroscope und den Universitäten von Graz und Nevada konnten aufzeigen, wie Unterbodenverdichtungen zu Ertragsverlusten führen können.

    Direktsaat ist nebst dauerhafter Bodenbedeckung und einer ausgewogenen Fruchtfolge eine der wichtigsten Ansätze für eine konservierende Landwirtschaft. Diese minimalinvasive Form des Ackerbaus wird weltweit auf etwa 15 % der Ackerflächen praktiziert und bietet ökologische und ökonomische Vorteile wie geringeren Energieverbrauch und weniger Bodenerosion.

    Ertragsverluste und Unterbodenverdichtung

    Trotz dieser Vorteile zeigen globale Meta-Studien, dass es zu anhaltenden Ertragsverlusten kommen kann, insbesondere bei Mais, und dies auch noch Jahrzehnte nach der Umstellung auf Direktsaat. Forschende von Agroscope und den Universitäten von Graz und Nevada ermittelten eine mögliche Ursache dafür: Unterbodenverdichtung. Diese wird in erster Linie durch den Einsatz von schweren Landmaschinen bei feuchten Bodenbedingungen verursacht.

    Doch was sind die Gründe? Diese Verdichtung summiert sich gemäss der Studie, wenn die Häufigkeit von Belastungen höher ist als die natürliche Regenerationsrate des Bodens. Dabei führt die Bodenverdichtung zu verminderter Durchwurzelbarkeit, schlechterem Wasser- und Nährstoffzugang sowie langfristigen Bodenfunktionsverlusten.

    Relevanz weltweit und für die Schweiz

    Die Forschenden schätzen, dass ungefähr 40 % der weltweiten, direktgesäten Flächen, also etwa 0,8 Mio. km², einem erhöhten Bodenverdichtungsrisiko ausgesetzt sind. Direktsaat wird in Nordamerika, Südamerika und Australien auf grosser Skala praktiziert. In Europa ist der Anteil an direktgesäter Flächen bisher gering. Nur etwa 5 % der Ackerfläche werden konsequent ohne mechanische Bearbeitung bewirtschaftet. Bodenverdichtung ist jedoch in allen Bewirtschaftungssystemen ein grosses Problem. Auch in der Schweiz werden leistungsstarke und schwere Maschinen eingesetzt. Zudem besteht bei feuchten Böden in gemässigten Regionen wie der Schweiz von Natur aus eine erhöhte Verdichtungsanfälligkeit. Demzufolge können die Resultate der Studie allgemein für die landwirtschaftliche Praxis von Nutzen sein, da Unterbodenverdichtungen auch bei den meissten Bewirtschaftunsformen in der Schweiz vorkommen können.

    Agroscope forscht für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz

    Agroscope hat zusammen mit nationalen und internationalen Partnern das Online-Tool Terranimo für die Praxis entwickelt, um solche Bodenverdichtungen wann immer möglich zu vermeiden. Agroscope führt derzeit zwei langjährige Feldversuche durch, bei denen die Regenerationsfähigkeit des Boden sowei verschiedene Massnahmen zur Unterbodenlockerung untersucht werden. Ebenso sind Agroscope Forschende verschiedener Disziplinen an einem Europäischen Verbundprojekt beteiligt, das die Bedeutung und Funktionen des Unterbodens für die Landwirtschaft untersucht.

    Fazit

    • Auch wenn die Schweiz derzeit nur einen kleinen Anteil an direktgesäten Flächen hat, ist das Risiko der Unterbodenverdichtung für alle Bewirtschaftungsformen ein relevantes Thema.
    • Ansätze zur Risikominderung sollten frühzeitig integriert werden, um die Vorteile der konservierenden Landwirtschaft nicht zu gefährden. Hierfür stellt Agroscope mit dem Online-Tool Terranimo eine Entscheidungshilfe bereit.
    • Grundlegend wichtig ist es dass das Maschinengewicht und die Radlasten an die Tragfähigkeit des Bodens angepasst werden. Der Einsatz von leichteren oder autonomen Maschinen eröffnet hier in Zukunft neue Möglichkeiten.
    • Ausserdem hilft ein Monitoring von Bodenverdichtung, dass man frühzeitig gezielte Lockerungsmassnahmen durchführen kann.
  • Stabilere Backqualität von Weizen dank Sortenmischungen

    Stabilere Backqualität von Weizen dank Sortenmischungen

    Sortenmischungen bilden eine effiziente Strategie zur Abmilderung der Auswirkungen wechselnder abiotischer Bedingungen und zur Beibehaltung einer stabilen Mehlqualität, wie eine Studie von Agroscope zeigt.

    Die Diversifizierung der Agrarsysteme stellt ein vielversprechendes Mittel dar, um die Resilienz der Landwirtschaftsproduktion zu steigern. Insbesondere Sortenmischungen wecken in Europa als praktische Möglichkeit zur Stabilisierung des Weizenertrags wachsendes Interesse. Ihr Einfluss auf die Backqualität von Weizen ist jedoch bislang kaum dokumentiert.

    Die Studie untersuchte die Auswirkungen der Sortenmischungen auf die Qualität von Körnern und Mehl sowie auf die Stabilität von deren Qualität. Das Experiment umfasste acht in Reinkultur angebaute Schweizer Weizensorten (Molinera, Bodeli und CH211.14074 in der Klasse TOP, Schilthorn, Falotta, Campanile und CH111.16373 in der Klasse 1 und Colmetta in der Klasse 2) in allen möglichen Mischungen von zwei Sorten sowie in einer Mischung von acht Sorten. Der Versuch wurde während drei Jahren (2020/2021, 2021/2022 und 2022/2023) an drei unterschiedlichen Standorten durchgeführt (Changins, Delley und Utzenstorf). So konnte die Stabilität der Backqualität in den Mischungen und Reinkulturen beurteilt werden.

    Konstante Qualität in den Mischungen

    Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Mischungen im Durchschnitt verglichen mit den Reinkulturen unverändert oder leicht negativ auf die meisten Mehlqualitätsparameter auswirkten.Die Studie zeigt bei Mischungen aus zwei Sorten, dass die Qualitätseinstufung der niedrigsten Qualitätsklasse ihrer Bestandteile entspricht (eine Mischung C1-TOP würde z. B. als C1 eingestuft werden, C1-C2 als C2 und C2-TOP als C2). Allerdings ist auch zu beachten, dass Mischungen derselben Qualitätsklasse in dieser Klasse verbleiben (d. h. eine TOP-TOP-Mischung bleibt als TOP eingestuft). Zudem erzielten Mischkulturen der Studie zufolge generell einen vergleichbaren Ertrag wie Reinkulturen.

    Diese Auswirkungen waren nicht auf Änderungen des Sortenverhältnisses in den Mischungen zurückzuführen, sondern auf sortenspezifische Reaktionen auf den Anbau in einer Mischung.

    Höhere Stabilität in unterschiedlichen Umgebungen

    Durch die Mischungen konnte die Qualitätsbeständigkeit unter allen untersuchten Umweltbedingungen verbessert werden. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Mischungen Umweltveränderungen durch die Kompensation der Sorten abmildern, während Reinkulturen aufgrund ihrer einheitlichen Reaktion eher extreme (hohe oder niedrige) Qualitätswerte aufweisen.

    So eignen sich Sortenmischungen womöglich besonders gut für variierende Umgebungen, in denen sie wahrscheinlich eine besser vorhersehbare Leistung erzielen als Reinkulturen. Das Konzept wurde mit Blick auf die Ertragsstabilität bei Sortenmischungen bereits umfassend untersucht und bestätigt; laut unseren Ergebnissen gilt dies auch für die Qualitätsparameter. Die Sortenvielfalt bietet also neben der Produktivität noch weitere Vorteile.

    Fazit

    • Die Mischung verschiedener Weizensorten hat verglichen mit Reinkulturen keinen Einfluss auf die Mehlqualität.
    • Die Qualität einer Mischung entspricht in etwa der Qualität ihres qualitativ schwächeren Bestandteils.
    • Sortenmischungen stabilisieren die Mehlqualität in veränderlichen Umgebungen – ein Hinweis darauf, dass sie die Auswirkungen abiotischer Schwankungen auf die Backqualität abmildern können.

  • Weissklee und Wiesenrispengras: Vier Neuempfehlungen

    Weissklee und Wiesenrispengras: Vier Neuempfehlungen

    Der Weissklee und das Wiesenrispengras tragen in leistungsfähigen Futterbaumischungen wesentlich zur Ausdauer und Weidefähigkeit bei. Agroscope kann aufgrund der Sortenversuche 2022 bis 2024 für beide Arten je zwei Sorten neu empfehlen.

    Der Weissklee (Trifolium repens L.) ist die Futterleguminose für eine dauerhaft intensive Nutzung. Dank Ausläufern ist er trittfest und bestens weidetauglich. Grasbestände mit Weissklee haben eine bessere Futterqualität und Schmackhaftigkeit. Da er Luftstickstoff bindet, vermindert er zudem den Bedarf an Stickstoffdünger. Es gibt Weissklee-Sorten, die im Pansen viel Blausäure freisetzen können, was die Tiergesundheit beeinträchtigen kann. Deshalb wird dieser Eigenschaft bei der Sortenprüfung besonderes Augenmerk geschenkt.

    Ebenso intensiv nutzbar wie der Weissklee ist das Wiesenrispengras (Poa pratensis L.). Auch dieses hat Ausläufer, die einen dichten, trittfähigen Bestand bilden, und ist folglich ebenfalls für längerdauernde Mischungen, insbesondere für Weiden geeignet. Leider ist die Jugendentwicklung des Wiesenrispengrases zögerlich, weshalb es erst nach einiger Zeit seine Aufgabe im Bestand erfüllen kann. Um das Potenzial nutzen zu können, sind bei beiden Arten ertragreiche, konkurrenzfähige und robuste Sorten gefragt, die gegen Krankheiten möglichst resistent sind.

    28 Sorten im Feld geprüft

    Von 2022 bis 2024 prüfte Agroscope an fünf Standorten im Mittelland und zwei in höheren Lagen, ob sich zehn Neuzüchtungen und neun empfohlene Sorten von Weissklee für den Futterbau unter Schweizer Bedingungen eignen. Beim Wiesenrispengras wurden sieben Neuzüchtungen und zwei empfohlene Sorten an vier Standorten im Mittelland und einem in höheren Lagen getestet. Beurteilt wurden dabei Jugendentwicklung, Ertrag, Beschaffenheit des Pflanzenbestandes, Resistenzen gegen Blattkrankheiten, Toleranz gegen Wintereinflüsse, Ausdauer, Anbaueignung für höhere Lagen und beim Wiesenrispengras die Verdaulichkeit des Futters beziehungsweise beim Weissklee die Freisetzung von Blausäure.

    Vier Neuempfehlungen

    Die Weisskleesorten «Melital» aus Belgien und «Minona» aus Schweizer Züchtung werden neu empfohlen. Sie glänzen mit hohen Erträgen und einer hervorragenden Toleranz gegen Wintereinflüsse. «Melital» besticht zudem mit ausgezeichneten Resistenzen gegen Blattkrankheiten, während «Minona» in der Jugendentwicklung und in der Anbaueignung für höhere Lagen überzeugt. Beide Sorten sind vom klein- bis mittelblättrigen Typ.

    Neu empfohlen werden auch die Wiesenrispengräser «Sextonis» und «Sialis», beide aus Schweizer Züchtung. «Sextonis» zeichnet sich im Ertrag, der Konkurrenzkraft und der Toleranz gegen Wintereinflüsse aus, «Sialis» in der Verdaulichkeit. Beide Sorten beeindrucken zudem mit guten Resistenzen gegen Blattkrankheiten und einer bemerkenswerten Ausdauer. Alle vier Neuempfehlungen verbessern das empfohlene Sortiment wesentlich.

    Eine Streichung

    Die bis anhin empfohlenen Weisskleesorte «Rabbani» verliert auf Grund ihrer ungenügenden Leistungen ihre Empfehlung. Sie darf deshalb nur noch bis Ende 2027 als empfohlene Sorten verwendet werden.

    Sortenempfehlungen von Agroscope

    Agroscope prüft regelmässig Sorten verschiedener Futterpflanzen, um der Schweizer Landwirtschaft aktuelle, verlässliche Sortenempfehlungen bereitzustellen. Die alle zwei Jahre veröffentlichte «Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen» bildet die Grundlage für die Entwicklung bester Samenmischungen und ist ein unerlässlicher Ratgeber für die Saatgutbranche der Schweiz.

    Fazit

    • Weissklee und Wiesenrispengras gewährleisten in leistungsfähigen Futterbaumischungen für längere Dauer dichte, trittfeste und ausdauernde Bestände.
    • Agroscope hat zwischen 2022 und 2024 insgesamt 19 Sorten Weissklee und neun Sorten Wiesenrispengras geprüft.
    • Vier Neuzüchtungen, die Weisskleesorten «Melital» und «Minona» sowie die Wiesenrispengräser «Sextonis» und «Sialis», werden neu empfohlen.
    • Die bereits empfohlene Weisskleesorte «Rabbani» wird von der Sortenliste gestrichen.
    • Die Qualität der Sortenangebote von Weissklee und Wiesenrispengras wird durch die Neuempfehlungen weiter verbessert.

  • Reduktion der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Most durch Pflanzenfasern

    Reduktion der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Most durch Pflanzenfasern

    Durch Pflanzenfasern können Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in weissem Most um bis zu 80 % reduziert werden. Diese Wirkung ist bei rotem Most geringer. Diese Methode kann als Ergänzung zu einem angemessenen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden.

    An der Versuchsstation Weinbau und Önologie (Kanton VS) wurde eine Studie durchgeführt, in der die Wirksamkeit von Pflanzenfasern (PF) und Bentoniten (B) zur Reduktion der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (PSM) in Most von Petite Arvine und Syrah bewertet wurde. Der Versuch erfolgte sowohl im Labor als auch im Weinkeller und betraf die Jahrgänge 2022 und 2023. Je nach PSM wurde im Labor eine Reduktion der Rückstände um 33 bis 96 % erreicht, während Bentonit keinen nennenswerten Effekt hatte. Die Kombination der Fasern mit Bentonit brachte keine zusätzliche Verbesserung. Die Fermentationskinetik blieb im Grossen und Ganzen gleich, auch wenn bei Bentonit eine Verlangsamung zu beobachten war.

    Bestätigte Wirksamkeit von Pflanzenfasern bei weissem Most in der Kellerei

    Die Untersuchung der Wirksamkeit bei Most aus weissen Trauben im Jahr 2022 im Weinkeller ergab, dass die Rückstände allein durch das Vorklären um etwa 20 % reduziert werden können. Der Zusatz von Fasern verbessert die Wirksamkeit deutlich (Reduktion von Boscalid um bis zu 85 %) oder ermöglicht die vollständige Entfernung bestimmter Rückstände (Mandipropamid, Cyazofamid) ohne nachweisbare sensorische Veränderungen. Im Jahr 2023 konnten mit den Fasern alle messbaren Rückstände vollständig entfernt werden. Bentonit war bei allen getesteten Bedingungen unwirksam (Abb. A).

    Abbildung A: Reduktion von Pflanzenschutzmittel-Rückständen in Most aus weissen Trauben (Arvine) nach dem Vorklären. Kontrolle: unbehandelter Most; PF: Pflanzenfasern; B: Bentonit; M: Verwendung des Statikmischers Dynawine.

    Geringere Effizienz von Pflanzenfasern bei rotem Most im Weinkeller

    Bei Most aus roten Trauben reduziert die Fermentation die Rückstände bereits um 40-100 %, wodurch die Wirkung der Fasern begrenzt ist. Die Ergebnisse variieren zwischen den verschiedenen Jahrgängen: Im Jahr 2022 war die Wirkung gering (Boscalid) und im Jahr 2023 wurde keine Wirkung festgestellt. Ausserdem wurden sensorische Unterschiede und Veränderungen bei bestimmten Parametern (Ende der malolaktischen Gärung, Anthocyan-Gehalt) beobachtet. Die Anwendung von Pflanzenfasern während der Vorklärung von Most weisser Trauben erwies sich also als wirksam. Sie lässt sich leicht in die Weinbereitung integrieren, insbesondere in Jahrgängen mit hohem und spätem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Bei Most roter Trauben wird die direkte Anwendung nicht empfohlen; eine Anwendung beim fertigen, gefilterten Wein ist sinnvoller. Diese Methode stellt ein ergänzendes Instrument zu einem angemessenen Einsatz von PSM im Rebberg dar, ohne diese zu ersetzen.

    Fazit

    • Pflanzenfasern, die bei der Klärung von Most weisser Trauben verwendet werden, reduzieren wirkungsvoll die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Bei Most roter Trauben sind sie dagegen nicht wirksam und können sogar die sensorische Wahrnehmung verändern.
    • Ihr Einsatz ist vor allem nach vielen und späten PSM-Behandlungen (insbesondere nach der Beerenreife) sinnvoll.
    • Die Reduktion der PSM-Rückstände im Weinkeller ist aber kein Ersatz für den gezielten und zurückhaltenden Einsatz von PSM im Rebberg.
  • Bilanz der Plattform VITISWISS zu 2019–2021: Tiefe Rückstände in Schweizer Weinen

    Bilanz der Plattform VITISWISS zu 2019–2021: Tiefe Rückstände in Schweizer Weinen

    Die Analyse von 451 Schweizer Weinen im Rahmen der nationalen Plattform VITISWISS zur Überwachung von Rückständen von Pflanzenschutzmitteln ergab insgesamt ein hohes Qualitätsniveau mit nur zwei Fällen von Nichtkonformität.

    Um den Schweizer Produzenten die Qualität ihrer Weine hinsichtlich von Rückständen an Pflanzenschutzmitteln (PSM) zu gewährleisten und zur Suche nach Lösungen zu deren Begrenzung beizutragen, hat VITISWISS, der Schweizerische Verband für eine nachhaltige Entwicklung im Weinbau, 2019 beschlossen, zusammen mit institutionellen und beruflichen Partnern eine nationale Plattform zur Überwachung der PSM-Rückstände einzurichten. Die Plattform bietet ein zentralisiertes und einheitliches Verfahren zur Analyse der Weine. Im Zeitraum 2019 bis 2021 wurden 160 Wirkstoffe und Metaboliten untersucht, darunter 37 Herbizide, 50 Insektizide und 73 Fungizide.

    Die Weine erfüllen die gesetzlichen Kriterien

    Von den insgesamt 451 analysierten Flaschen aus biologischem Anbau oder integrierter Produktion (IP) erfüllten 449 die gesetzlichen Anforderungen (99,6 %). Nur zwei Weine, d. h. 0,4 % der Proben, wurden für nicht konform erklärt, weil zwei in der Schweiz für den Rebbau nicht zugelassene Produkte nachgewiesen werden konnten. Insgesamt wurden 26 weitere zugelassene Wirkstoffe oder Metaboliten mit Werten über der normalen Gebrauchsbestimmungsgrenze von 0,01 mg/l nachgewiesen. Durchschnittlich sind die für die verschiedenen Produkte gemessenen Rückstände fast 30-mal niedriger als die gesetzlichen Grenzwerte. Bei den Analysen wurden 19 weitere Moleküle in Spurenmengen unterhalb der Gebrauchsbestimmungsgrenze identifiziert.

    Die durchschnittliche Anzahl der Rückstände variiert zwischen 1,2 für Bio-Weine und 3,1 für IP-Weine (Abb. 1). Ohne Berücksichtigung von Phosphorsäure und Phthalimiden, deren Vorkommen in Weinen nicht unbedingt mit PSM-Behandlungen verbunden ist, sanken die Durchschnittswerte erheblich: Bio-Weine waren nahezu rückstandsfrei und IP-Weine wiesen im Durchschnitt nur noch 1,4 Rückstände auf.

    Abbildung 1: Durchschnittliche Anzahl Rückstände > Gebrauchsbestimmungsgrenze Standardabweichungen, Minimal- und Maximalwerte (min.-max.) je nach Behandlungsprogramm. BIO:  235 analysierte Weine; IP: 189 analysierte Weine.

    Fungizide im Fokus

    Bei der überwiegenden Mehrheit der Rückstände handelt es sich um Fungizide oder deren Metaboliten. Zu den identifizierten Wirkstoffen zählen sieben Wirkstoffe gegen Botrytis (Fenhexamid, Boscalid, Cyprodinil, Fludioxonil, Fenpyrazamin, Carbendazim und Thiophanat-Methyl), sieben Wirkstoffe gegen den Falschen Mehltau (Fosetyl-Al, Iprovalicarb, Mandipropamid, Metalaxyl, Dimethomorph, Azoxystrobin und Ametoctradin) und vier Wirkstoffe gegen den Echten Mehltau (Fenpropidin, Fluxapyroxad, Fluopyram und Spiroxamin). In den analysierten Proben wurden keine Spuren von Akariziden festgestellt. Daneben enthielten 98 % der Weine keine Spuren von Insektiziden über dem Gebrauchsbestimmungsgrenze und 99,3 % waren frei von Herbizidrückständen.

    Fazit

    • Die Ergebnisse zeigen, dass 99,6 % der analysierten Schweizer Weine den gesetzlichen Kriterien entsprechen und dass die festgestellten Rückstände deutlich unter den gesetzlich zulässigen Höchstgrenzen liegen.
    • In Weinen aus biologischem Anbau ist die Anzahl der Rückstände geringer als in Weinen aus der Integrierten Produktion.
    • Fungizide werden am häufigsten in den Weinen nachgewiesen, während Akarizide, Insektizide und Herbizide nur sehr selten festgestellt wurden.
  • Bewertung der Stickstoffversorgung von Chasselas, von der Rebe bis in die Weinkellerei, im Kanton Waadt

    Bewertung der Stickstoffversorgung von Chasselas, von der Rebe bis in die Weinkellerei, im Kanton Waadt

    Eine im Kanton Waadt durchgeführte Umfrage zu Chasselas ergab für die Jahrgänge 2022-2023 häufigen Stickstoffmangel im Weinberg trotz Düngung des Bodens. Nur ein Drittel der befragten Personen misst den assimilierbaren Stickstoff im Most.

    Im Weinbau ist die Steuerung der Stickstoffversorgung der Reben von grundlegender Bedeutung, da sie wesentlich zur Produktion von qualitativ hochwertigen Trauben und Weinen beiträgt. Im Rahmen dieser Studie wurde den Weinbauern im Kanton Waadt ein Fragebogen vorgelegt, mit dem Daten zum Management der Stickstoffversorgung bei der Rebsorte Chasselas in den Jahrgängen 2022, 2023 und 2024 sowohl im Weinberg als auch in der Kellerei gesammelt wurden.

    Stickstoffmangelsymptome in bestimmten Jahrgängen

    Stickstoffmangelsymptome bei Chasselas wurden von 56 % der Befragten im Jahr 2022 und von 50 % im Jahr 2023 beobachtet (Jahrgänge mit aussergewöhnlich viel Sonnenschein und hohen Temperaturen im Sommer). Im Jahr 2024 (einem Jahr mit vielen Regenfällen) wurden diese Symptome hingegen nicht beobachtet (Abbildung 1).

    Abbildung 1: Prozentualer Anteil der Befragten, die Stickstoffmangelsymptome im Weinberg beobachteten, nach Jahrgängen: 2022 (56 % ja und 44 % nein); 2023 (50 % ja und 50 % nein); 2024 (12 % ja und 88 % nein).

    Die Bodendüngung ist die am weitesten verbreitete Stickstoffdüngung

    Die Stickstoffdüngung im Weinberg variiert zwischen den einzelnen Jahrgängen kaum. Im Allgemeinen ist das Ausbringen von Stickstoffdünger in den Boden die am weitesten verbreitete Düngungspraxis der Winzerinnen und Winzer im Kanton Waadt (mit Prozentsätzen zwischen 55 % und 60 % je nach Jahrgang), während die Blattdüngung nur sehr selten praktiziert wird. Ein ähnlicher Trend wurde bereits im Wallis beobachtet, wo eine Umfrage zum Jahrgang 2022 ergeben hatte, dass 89 % der Befragten keinen Stickstoff über Blattdüngung einbringen. Die Blattdüngung ist jedoch eine wichtige Praxis für den Weinbau, da sie die Nährstoffaufnahme optimiert, wobei sie die Stickstoffversorgung der Beeren sicherstellt, ohne die Wuchskraft der Reben zu beeinflussen. Tatsächlich entspricht eine Konzentration an assimilierbarem Stickstoff (YAN) von weniger als 140 mg/l bereits einer mässigen Mangelsituation bei der Weinbereitung mit weissem Most.

    Verlangsamung am Ende der alkoholischen Gärung und Variabilität der verwendeten Hefen

    In der Weinkellerei haben 27 % der Befragten im Jahr 2022 den assimilierbaren Stickstoff im Chasselas-Most gemessen, 2023 und 2024 dann 33 % (Abbildung 2A), wobei die YAN-Werte zwischen 62 und 182 mg/l lagen. Die Mehrheit der Produzenten beobachtete keine signifikante Verlangsamung der alkoholischen Gärung (AF) (Abbildung 2B). Einige berichteten jedoch von einer Verlangsamung oder sogar einem Stillstand am Ende der AF, wobei es teilweise Schwierigkeiten mit dem Abschluss des Fermentationsprozesses gab. Diese Verlangsamung dürfte mit den Restzuckern zusammenhängen, die von den Hefen nicht verwertet wurden. Es wurden insgesamt 32 Stämme von aktiven Trockenhefen eingesetzt, wobei mehrere Befragte Trockenhefen mit niedrigem Stickstoffbedarf (LNR) gegenüber Stämmen mit hohem Stickstoffbedarf (HNR) bevorzugten. Gegenwärtig werden die von den Produzenten verwendeten Hefen untersucht und ihre Fermentationseffizienz bei verschiedenen Konzentrationen von assimilierbarem Stickstoff bewertet. Ziel ist die Erstellung technische Datenblätter, die bei stickstoffarmen Jahrgängen mikrobiologische Alternativen zu önologischen Inputs aufzeigen.

    Schliesslich ist die Temperaturkontrolle eine Praxis, die von 42 % der Befragten zur Behebung einer Verlangsamung eingesetzt wird. Dabei verfügen 94 % der Weinkellereien über ein System zur Temperaturkontrolle. Die Belüftung (39 %) und die Zugabe von Hefesatz oder Nährstoffen (19 %) sind weitere angewendete Praktiken.

    Abbildung 2: (A) Befragte, die in Most von Chasselas Messungen zum assimilierbaren Stickstoff für die Jahrgänge 2022, 2023 und 2024 durchführten. (B) Verlangsamung / Stillstand der alkoholischen Gärung bei Chasselas in Prozent in den Jahrgängen 2022, 2023 und 2024.

    Fazit

    • Die Symptome eines Stickstoffmangels bei Weinreben sind abhängig vom Jahrgang und treten in heissen und trockenen Jahren häufiger auf. Ausserdem ist ein Stickstoffmangel im Most von Chasselas sehr häufig.
    • Im Kanton Waadt wird Stickstoffdünger von den Winzerinnen und Winzern häufig in den Boden ausgebracht und die Blattdüngung wird sehr selten angewendet.
    • Die Messung des assimilierbaren Stickstoffs im Most ist bei den Produzenten noch immer eine wenig verbreitete Praxis, obwohl sie wichtige Hinweise für die Steuerung der alkoholischen Gärung liefert, und sich dadurch eine Verlangsamung oder ein Stillstand der Gärung vermeiden lässt.
  • Auswirkung von Nützlingsstreifen auf Blattlausräuber im Zuckerrübenanbau

    Auswirkung von Nützlingsstreifen auf Blattlausräuber im Zuckerrübenanbau

    Einjährigen Nützlingsstreifen Winterkultur oder mehrjährige Nützlingsstreifen begünstigen die Gegenspieler der Blattläuse, welche die viröse Vergilbung, eine für Zuckerrüben folgenschwere Krankheit, übertragen. Die Auswirkungen der Nützlingsstreifen auf Blattlausräuber variieren je nach der botanischen Zusammensetzung, dem Saatzeitpunkt und den umgebenden Landschaftselementen.

    Bei der biologischen Schädlingsbekämpfung wird gezielt die Anzahl natürlicher Feinde von Schädlingen erhöht, um den Einsatz chemischer Pestizide zu reduzieren. Dabei wurde der Nutzen von Nützlingsstreifen in unterschiedlichen Kulturen nachgewiesen. Trotz der Problematik von Pfirsichblattläusen (Myzus persicae) und Bohnenblattläusen (Aphis fabae) als Hauptvektoren viröser Vergilbung gibt es im Zuckerrübenanbau bislang nur wenig Forschung. Ziel der Agroscope-Studie war es, den am besten geeigneten Nützlingsstreifen-Typ für den Zuckerrübenanbau zu identifizieren. Dazu wurden das Blütenangebot und die Blütenzusammensetzung im Frühling erfasst, die Abundanz und Zusammensetzung von Blattlausräubern in den verschiedenen Streifen-Typen quantifiziert und der Einfluss landschaftlicher Elemente auf deren Vorkommen analysiert.

    Dazu wurden drei verschiedene Nützlingsstreifen-Typen auf je zehn ohne Insektizid bewirtschafteten Zuckerrübenfeldern ausgesät. Diese wurden mit Zuckerrübenstreifen verglichen, die mit oder ohne Insektizide bewirtschaftet wurden, wobei diese beiden Verfahren als Kontrollen dienten.

    Überwinternde Nützlingsstreifen sind für Blattlausantagonisten vorteilhaft

    Zahlreiche Blattlausräuber sind auf Blüten angewiesen, um ihre Populationen zu erhalten. Besonders im Zuckerrübenanbau spielen früh blühende Pflanzen eine wesentliche Rolle, damit auch die Gegenspieler frühzeitig präsent sind. Früh blühende Pflanzen waren in den mehrjährigen Nützlingsstreifen und in den einjährigen Nützlingsstreifen Winterkultur vorhanden, kamen aber in den einjährigen Nützlingsstreifen Sommerkultur nicht vor. Die Blattlausräuber waren in den beiden erstgenannten Nützlingsstreifen-Typen auch häufiger anzutreffen als in den einjährigen Nützlingsstreifen Sommerkultur und den Kontrollstreifen – ein Hinweis auf die Korrelation von Blumenverfügbarkeit und Vorkommen von Blattlausräubern.

    Unterschiedliche Schwebfliegen-Gemeinschaften

    Die Zusammensetzung der Blattlausräuber unterschied sich insgesamt nicht signifikant zwischen einjährigen Nützlingsstreifen Winterkultur und mehrjährigen Nützlingsstreifen. Bei den Schwebfliegen-Gemeinschaften zeigten sich deutlichere Unterschiede zwischen den beiden Nützlingsstreifen-Typen, was vermutlich auf das unterschiedliche Blütenangebot zurückzuführen ist.

    Uneinheitliche Reaktion der Gegenspieler auf Landschaftselemente

    Die Wald- und Blühelemente hatten keinen Einfluss auf die Gesamtzahl der Blattlausräuber. Bei genauerer Betrachtung bestimmter Gegenspieler-Gruppen zeigt sich jedoch, dass parasitäre Wespen der Familie Braconidae in einem Umkreis von 500 m positiv mit Waldanteil korrelierten, während Schwebfliegen in einem Umkreis von 2000 m in einer negativen Korrelation mit dem Wald standen.

    Fazit

    • Ein Schlüsselfaktor für die Wirkung von Nützlingsstreifen zu Saisonbeginn war, dass die Nützlingsstreifen bereits im Jahr vor dem Zuckerrübenanbau angesät wurden – so war die Entwicklung im Frühling schon weiter und die Blühphase begann früher.
    • Diese Nützlingsstreifen-Typen begünstigten eine insgesamt ähnliche Anzahl von Blattlausräubern, lockten aber unterschiedliche Schwebfliegen-Gemeinschaften an. Wahrscheinlich könnten also beide Typen auf ihre eigene Art zur natürlichen Schädlingsbekämpfung beitragen.
    • Neben dem Nützlingsstreifen-Typ spielen feldnahe Waldgebiete in ansonsten offenen Landschaften eine wichtige Rolle für den Erhalt der Blattlausantagonisten.