Auf rund 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz wächst Gras. Die Erträge auf diesen Grünländern variieren stark. Eine Agroscope-Studie berechnet sie erstmals räumlich differenziert und stellt digitale Karten für Planung und Beratung bereit.
Dauerwiesen und -weiden bedecken nahezu zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz. Hinzu kommt knapp 30% der Ackerfläche, die als Kunstwiese genutzt wird. Die Produktivität dieser Grasflächen ist sehr unterschiedlich. Forschende von Agroscope zeigen nun erstmals räumlich differenziert, wie stark die Erträge je nach Standort variieren können.
Neues Modell zur standortspezifischen Abschätzung von Graserträgen
Ziel der Studie war es, regionale Ertragsmuster sichtbar zu machen und Regionen mit unterschiedlichem Produktionspotenzial zu identifizieren. Dafür entwickelten die Forschenden ein Modell zur räumlich differenzierten Abschätzung der Graslandproduktivität in den Tal-, Hügel- und Bergzonen. Das Sömmerungsgebiet wurde dabei nicht berücksichtigt.
Die Berechnungen basierten auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Jahres 2023. Die Erträge wurden mithilfe von Kennzahlen aus den „Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen” (GRUD, Kapitel 9 Düngung von Grasland) ermittelt, die nach Höhenstufe und Nutzungsintensität differenzieren. Ergänzt wurden diese Daten durch Expertenwissen und Geodaten über Topografie und Klimabedingungen. In einem mehrstufigen Verfahren schätzten die Forschenden zunächst die durchschnittlichen Graserträge und passten diese anschliessend anhand der Standortfaktoren Sonneneinstrahlung und Trockenheit an.
Bis zu 60 Millionen Dezitonnen Gras pro Jahr
Die Studie schätzt die jährliche Grasproduktion auf einer Fläche von rund 726’000 Hektare auf bis zu 60 Mio. Dezitonnen Trockensubstanz (dt TS). Werden die regionalen Auswirkungen von Sonneneinstrahlung und Trockenheit berücksichtigt, reduziert sich dieser Wert auf etwa 57 Mio. dt TS.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Flächen sind beträchtlich: Je nach Nutzungsart und -intensität liegen die modellierten mittleren Erträge zwischen 23 und 122 dt TS pro Hektare und Jahr. Nach der Korrektur durch die beiden Standortfaktoren reichen sie von 22 bis 116 dt TS pro Hektare und Jahr. Die Studie zeigt somit die Notwendigkeit, Standortbedingungen bei der Abschätzung der Grasproduktion zu berücksichtigen.

Digitale Karten für Planung und Beratung
Die entstandenen Karten liefern erstmals ein räumlich differenziertes Bild der Graslandproduktivität in der Schweiz. Die digitalen Daten können in Hofmanagement- und Informationssystemen integriert werden und Landwirtinnen und Landwirten bei der Planung ihrer Bewirtschaftung unterstützen. Gleichzeitig bieten sie Politik, Vollzug und Beratung eine fundierte Grundlage für die Entwicklung standortangepasster Bewirtschaftungsstrategien und Massnahmen.
Fazit
- Die Produktivität von Wiesen und Weiden hängt stark von den jeweiligen Standortbedingungen ab. Faktoren wie Höhenlage, Nutzungsintensität, Sonneneinstrahlung und Trockenheit haben grossen Einfluss auf die Graserträge.
- Erstmals haben Forschende von Agroscope räumlich-differenzierte Karten zum Ertragspotenzial basierend auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche und den Kennzahlen der GRUD berechnet.
- Die digitalen Daten liefern eine wertvolle Grundlage für die landwirtschaftliche Beratung, die betriebliche Planung sowie für langfristige politische Entscheidungen.










































