Für die Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung braucht es kosteneffiziente Massnahmen zur Treibhausgasminderung. Eine Agroscope-Studie zeigt, welche technischen Massnahmen wirksam sind, und wie stark die Kosten von der Umsetzung beeinflusst werden.
Um das Netto-Null-Emissionsziel zu erreichen, will die Schweiz die Treibhausgasemissionen der landwirtschaftlichen Produktion bis 2050 gegenüber 1990 um 40 % senken. Da die Emissionen in den letzten Jahren kaum zurückgingen, braucht es weitere, möglichst kosteneffiziente Massnahmen zur Emissionsminderung und Kohlenstoffbindung. Diese Studie fokussierte auf Massnahmen, die nur geringe Veränderungen in der Struktur der Betriebe und der Schweizer Landwirtschaft zur Folge hätten.
Vier Massnahmen immer kosteneffizient
Die Forschenden analysierten zwölf, grösstenteils produktionsseitige, technische Massnahmen mit jeweils bis zu drei verschiedenen Umsetzungsvarianten. Vier Massnahmen erwiesen sich dabei stets als kosteneffizient:
- die Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moorböden
- Futtermittelzusätze zur Reduktion von Methanemissionen bei Wiederkäuern
- eine erhöhte Nutzungsdauer von Milchkühen
- die stickstoffoptimierte Fütterung von Schweinen.
Gemeinsam erreichten die kosteneffizienten Massnahmen ein Minderungspotenzial von 11−18 % im Vergleich zu 1990 (minus 797−1379 Kilotonnen Kohlendioxid-Äquivalente).
Kosten variieren je nach Annahmen deutlich
Die Gesamtkosten aller untersuchten Massnahmen schwankten je nach Annahmen zur Umsetzung zwischen 87 und 1124 Millionen Franken pro Jahr. Besonders deutlich zeigte sich dies bei Agroforstsystemen und Biogasanlagen (z. B. aufgrund unterschiedlicher Anlagegrössen). Die Studie macht damit deutlich, dass Kostenangaben nur im Zusammenhang mit den zugrunde liegenden Annahmen sinnvoll interpretiert werden können. Daher ist es wichtig, diese stets transparent aufzuzeigen.
Gesamtkosten aus Sicht der Landwirtschaft berechnet
Für jedes Szenario wurden die Gesamtkosten der Massnahmen berechnet, unabhängig davon, wer die Kosten trägt (z.B. Landwirtschaft, Kanton oder Bund). Dies erlaubt einen Vergleich der totalen Kosten unabhängig davon, ob eine Massnahme aktuell staatlich unterstützt wird oder nicht.
Nutzen für Planung und Agrarpolitik
Der Vergleich zwischen verschiedenen Kostenszenarien bildet eine wertvolle Grundlage, um die Umsetzung von Massnahmen und die entsprechenden Förderinstrumente möglichst effizient zu gestalten. Der Mehrwert dieser Studie liegt somit nicht in erster Linie bei der exakten Bestimmung von Reduktionskosten, sondern vielmehr in einem vertieften Verständnis der ökonomischen Grundlagen und Rahmenbedingungen im Verhältnis zu den potenziellen Treibhausgasminderungen.
Strukturelle Massnahmen eventuell kosteneffizienter
Frühere Studien deuteten darauf hin, dass strukturelle Massnahmen, etwa eine Verringerung der Tierzahlen, aus volkswirtschaftlicher Sicht kosteneffizienter wären. Eine weitere Untersuchung struktureller Massnahmen auf Ebene des Ernährungssystems wäre daher eine wichtige Voraussetzung, um die gesellschaftlichen Kosten des landwirtschaftlichen Klimaschutzes besser zu verstehen. Da solche Massnahmen zahlreiche Akteure und Prozesse betreffen, ist die Quantifizierung der Gesamtkosten jedoch aufwändig und erfordert komplexe Modelle.
Gegenüberstellung mit Folgekosten des Klimawandels
Im Rahmen einer volkswirtschaftlichen Gesamtbilanz sollten die Kosten von Treibhausgasreduktionsmassnahmen jeweils den Folgekosten der Treibhausgasemissionen und somit den Folgekosten des Klimawandels gegenübergestellt werden. Sie könnten gemäss einer früheren Untersuchung für das Schweizer Landwirtschafts- und Ernährungssystem 3- bis 35-mal so hoch wie die in dieser Studie für die technischen Massnahmen geschätzten Kosten ausfallen (De Luca & Müller 2025).
Fazit
- Vier technische Massnahmen erwiesen sich immer als kosteneffizient: Wiedervernässung von Moorböden, Futtermittelzusätze, längere Nutzungsdauer von Milchkühen und stickstoffoptimierte Schweinefütterung.
- Mit kosteneffizienten Massnahmen könnte ein Minderungspotenzial von 11–18 % im Vergleich zu 1990 (minus 797–1379 Kilotonnen Kohlendioxid-Äquivalente) erreicht werden.
- Unterschiedliche Annahmen zur Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen in der Landwirtschaft haben einen grossen Einfluss auf die entsprechenden Kosten.
- Transparente Kommunikation der Annahmen ist entscheidend, damit Kostenvergleiche zwischen Massnahmen nachvollziehbar bleiben.
- Die Ergebnisse liefern eine Grundlage für die Ausgestaltung von Klimaschutzmassnahmen und Förderinstrumenten in der Schweizer Landwirtschaft.





































