Kategorie: Nutztiere

  • Können Menschen hören, wie sich ein Schwein fühlt?

    Können Menschen hören, wie sich ein Schwein fühlt?

    Menschen und künstliche Intelligenz (KI) erkennen ähnliche Muster in Schweinelauten, besonders in Belastungssituationen. Aus einem einzelnen Laut lässt sich jedoch weder die genaue Situation noch der Gefühlszustand eines Schweins zuverlässig ableiten.

    Die Tierwohlforschung versucht zunehmend, akustische Signale aus Schweineställen für die Überwachung des Tierwohls zu nutzen. Dafür werden Schweinelaute oft anhand des Kontexts, in dem sie aufgenommen wurden, als positiv oder negativ klassifiziert. So gelten Laute während einer Kastration beispielsweise als negativ, während Laute beim Säugen einer positiven Situation zugeordnet werden. Doch wie aussagekräftig sind solche Zuordnungen tatsächlich? Erkannte die KI Hinweise auf den affektiven Zustand der Tiere, allgemeine Unterschiede in den Lauten oder lediglich die Kategorien, mit denen sie trainiert worden war? Und wie sehr deckt sich das mit menschlichen Beobachtungen?

    Wir untersuchten, wie Menschen Schweinelaute wahrnehmen, wenn jegliche Kontextinformationen fehlen. Dazu nutzten wir über 2’000 Aufnahmen mit bekanntem Aufnahmekontext aus einer Online-Datenbank. Die Teilnehmenden sahen kein Video und wussten nicht, wo oder wann die Laute aufgenommen worden waren. In einem ersten Online-Experiment klassifizierten 224 Personen 40 Aufnahmen in selbst gewählte Gruppen. In einem zweiten Experiment ordneten 159 Personen 25 Aufnahmen einem von 18 Kontexten oder «keine Ahnung» zu und bewerteten sie anschliessend von “sehr negativ” bis “sehr positiv”. Wir verglichen anschliessend, ob sich diese Einteilungen mit der akustischen Struktur, die ein neuronales Netzwerk aus Spektrogrammen gelernt hatte, deckte.

    Menschen und KI erkennen ähnliche Muster

    Die Teilnehmenden gruppierten die Laute nicht zufällig. Es entstand eine breite, reproduzierbare akustische Struktur, die sich bei Personen mit und ohne Schweineexpertise nahezu deckte. Die Erfahrung beeinflusste vor allem, wie die Teilnehmenden die Gruppen beschrieben. Schweinehalter wählten häufiger schweinespezifische Beschreibungen, während gefühlsbezogene Begriffe insgesamt selten waren. Nur etwa jede fünfte selbst gewählte Gruppenbezeichnung bezog sich auf ein Gefühl.

    Die menschlichen Gruppierungen stimmten auch eng mit der Struktur überein, die das neuronale Netzwerk fand. Schweinelaute enthalten somit echte, wiederholbare akustische Informationen, die sowohl Menschen als auch Computer erkennen können. Die erkannten Muster zeigen zwar, dass Schweinelaute akustische Informationen enthalten. Welche biologische oder emotionale Bedeutung diese Informationen genau haben, bleibt jedoch unklar.

    Neugierig, wie gut Sie Schweinelaute verstehen? Machen Sie den Test unter: https://project-oink.org/

    Die genaue Bedeutung bleibt schwer erkennbar

    Bei der Auswahl aus 18 Aufnahmekontexten waren nur 8,0 % der Antworten korrekt, was nur leicht höher ist als durch Zufall (5,6 %). Die Teilnehmenden lagen bei der Einschätzung „positiv“ oder „negativ“ in 60,1 % der Fälle richtig. Dieser Wert wurde jedoch vor allem durch deutlich belastende Situationen wie Kastration, Fixierung oder Kämpfe geprägt. Wenn man diese extremen Situationen ausschloss, verschwand diese Übereinstimmung.

    Laute aus einer Bucht mit Stroh und einer kargen Bucht mit Betonboden wurden kaum unterschieden; letztere wurde im Mittel sogar etwas positiver bewertet. Die Laute verrieten in diesem Fall weder den ursprünglichen Kontext noch die vermutete Affektkategorie zuverlässig.

    Fazit und Empfehlungen

    • Akustische Überwachung ist vor allem für Notfälle vielversprechend: Alarmrufe, Aggressionen, unter der Sau eingeklemmte Ferkel oder Gesundheitsprobleme.
    • Für den praktischen Einsatz im Betrieb müssen bioakustische Muster in zuverlässige, handlungsrelevante Signale übersetzt werden, die anzeigen, wann ein Eingreifen erforderlich ist, ohne die Landwirtinnen und Landwirte bei jedem erkannten Notlaut ständig zu alarmieren.
    • Umfassendere Tierwohlbewertungen müssen Schall mit Verhalten, Gesundheit, Physiologie und Stallbedingungen verbinden.

    KI kann zu einem zusätzlichen Paar Ohren werden. Doch ein Alarmlaut zu erkennen ist nicht dasselbe wie zu messen, wie sich ein Schwein fühlt. Akustische Tierwohlindikatoren müssen mit unabhängigen Daten zum Erleben des Tieres validiert werden.

  • Rinder zuhause vorbereiten: weniger Stress bei der Schlachtung

    Rinder zuhause vorbereiten: weniger Stress bei der Schlachtung

    Kann man Rinder zuhause so vorbereiten, dass sie im Schlachthof weniger Stress haben? In einem Vergleich zeigten vorbereitete Tiere bei der Schlachtung im Schlachthof niedrigere Cortisolwerte als Kontrolltiere.

    Jungtiere aus der Mutterkuhhaltung wachsen meist naturnah in stabilen Herdenverbänden auf und haben wenig engen Kontakt zu Menschen. Bei der Schlachtung werden sie dann gleichzeitig mit Trennung, Verladen, Transport und einer ungewohnten Umgebung (Geräusche, Gerüche, fremde Menschen und Tiere) sowie engen Treibgängen konfrontiert. Gerade der Treibgang gilt aus Tierwohlsicht als besonders sensibler Bereich: Hier treten häufig stockendes Vorwärtsgehen oder Rückwärtsbewegungen auf, was den Einsatz von Elektrotreibern begünstigen kann – mit negativen Folgen für das Tierwohl und einer erhöhten Belastung für die Mitarbeitenden.

    Mehr Tierwohl durch Training: Jungrinder besser auf Schlachthofsituation vorbereiten

    Vor diesem Hintergrund untersuchte das Projekt, ob sich Stressreaktionen am Schlachthof durch eine Vorbereitung auf dem Herkunftsbetrieb reduzieren lassen. Auf fünf Mutterkuhbetrieben wurden insgesamt 38 Jungrinder mindestens dreimal trainiert: Die Tiere wurden mittels Low Stress Stockmanship (ruhiges Treiben mit Druck/Entlastung) durch einen schmalen Panelgang (mind. 6 m lang, ca. 1 m breit) auf eine Waage oder in einen Behandlungsstand getrieben und kurz fixiert; das Öffnen/Entlassen erfolgte erst, wenn das Tier ruhig stand („Belohnung“). Als Kontrolle dienten 37 Tiere aus 19 weiteren Betrieben ohne vergleichbare Vorerfahrung, die jeweils im gleichen Transport unter denselben Transportbedingungen mitgeführt wurden.

    Die Schlachtungen fanden in einem grossen Schweizer Rinderschlachthof zwischen Oktober 2023 und Dezember 2024 statt. Nach einer Wartezeit von 30–60 Minuten in den Wartebuchten wurden im Treibgang Vokalisationen, Rückwärtsbewegungen und der Einsatz des Elektrotreibers erhoben. In der Betäubungsbox wurde das Verhalten der Tiere erfasst, und im Stichblut wurden physiologische Parameter bestimmt. Laktat wurde vor Ort per Schnelltest bestimmt, Cortisol wurde aus dem Blutserum im Labor analysiert.

    Weniger akute Stressbelastung: Trainierte Tiere mit tieferen Cortisolwerten

    Das Training beeinflusste die im Schlachthof erfassten Verhaltensparameter nicht signifikant, führte jedoch zu einem signifikanten Unterschied bei der Cortisolkonzentration im Stichblut. Insbesondere bei männlichen Tieren lagen die Cortisolwerte der trainierten Gruppe unter jenen der Kontrolltiere, was auf eine geringere Stressbelastung unmittelbar vor der Schlachtung hinweist.

    Cortisolgehalte im Serum des Stichblutes der Kontrolltiere (K) und der Projekttiere (P), aufgeteilt in männliche (M) und weibliche (W) Tiere.

    Fazit

    • Eine einfache Vorbereitung auf dem Betrieb (Low Stress Stockmanship und Panelgang-Übungen) kann die Stressbelastung von Jungtieren messbar senken – erkennbar an tieferen Cortisolwerten.
    • Die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte bewerteten Training und Installationen durchweg positiv und empfehlen sie klar, da sie auch für Arbeiten wie Wiegen, Behandlungen und Separieren nützlich sind.
    • Die Methode sollte daher breit empfohlen und gezielt gefördert werden, insbesondere über Schulungen und praxistaugliche Infrastruktur auf dem Betrieb.
  • Diversifizierung der Bioschweinefütterung mittels Gemüse- und Obstrüstabfällen

    Diversifizierung der Bioschweinefütterung mittels Gemüse- und Obstrüstabfällen

    Lebensmittelabfälle sind weltweit ein Problem – zugleich muss Tierfutter nachhaltiger werden. Das FiBL untersuchte, wie Gemüse- und Obstrüstabfälle in der Mastschweinefütterung Leistung, Gesundheit und Verhalten beeinflussen und zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen beitragen können.

    Die Entwicklung von nachhaltigen Ernährungssystemen steht vor einer wichtigen Herausforderung: der Flächenkonkurrenz zwischen der Produktion von Tierfutter und Lebensmitteln. Darüber hinaus landet schätzungsweise ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel im Abfall oder wird anderweitig verwertet. Angesichts dieser Herausforderungen ist der landwirtschaftliche Sektor bestrebt, innovative Lösungen zu entwickeln, die Lebensmittelverschwendung verringern, die Landnutzung und die Tierproduktion optimieren und gleichzeitig artgerechtes Futter bereitstellen.

    Fütterungsversuch mit Gemüse- und Obstabfällen für Schweine

    Die Schweineernährung stützt sich stark auf Konzentratfutter, das zu einem wesentlichen Teil auf Ackerflächen produziert wird. Dieses Futter erfüllt jedoch die gesundheitlichen und verhaltensbezogenen Bedürfnisse der Schweine nicht optimal. Daher startete das FiBL 2023 gemeinsam mit TerraViva und Bio Suisse das Projekt «Gemüseschwein». Die Studie wurde auf dem Biobetrieb Schwand durchgeführt und bestand darin, Gemüse- und Obstrüstabfälle in die Fütterung von Mastschweinen zu integrieren, um alternative Fütterungsstrategien für Schweine zu erforschen.

    Praktisch umfasste der Versuch 48 Schweine über zwei Mastumtriebe hinweg, wobei Unterschiede in Leistung, Gesundheit und Verhalten zwischen den Tieren, die nur mit Konzentratfutter gefüttert wurden, und denen, die eine Mischung aus Konzentratfutter und Rüstabfällen erhielten, bewertet wurden.

    Auswirkung einer mit Rüstabfällen angereicherten Ration auf Leistung und Wohlergehen

    Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Gemüse- und Obstabfälle nur in geringem Masse zur Energie- und Nährstoffversorgung der Schweine beitrugen. Die Schweine in diesen Gruppen wiesen aufgrund der eingeschränkten Kraftfuttergabe geringere durchschnittliche tägliche Gewichtszunahmen und ein geringeres Schlachtgewicht auf. Die Untersuchung des Schulterfetts ergab einen höheren Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFAs) in den mit Gemüse gefütterten Gruppen, was wahrscheinlich auf einen geringeren absoluten Fettgehalt in diesen Schlachtkörpern zurückzuführen ist.

    Umgekehrt zeigten die während des Versuchs durchgeführten Bewertungen des Gesundheitszustands und die Verhaltensbeobachtungen einen positiven Effekt der Fütterung von Gemüse- und Obstabfällen. Tiere, die mit solchen Futterrationen gefüttert wurden, zeigten tatsächlich mehr Spielverhalten und hatten weniger häufig Durchfall. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die in dieser Studie getestete Fütterungsalternative mit gesundheitlichen Vorteilen und einem verbesserten Tierwohl für Mastschweine verbunden ist.

    Fazit

    • Gemüse- und Obstrüstabfälle sind ein vielversprechender Ansatz, um mehr Nachhaltigkeit und ein erhöhtes Tierwohl in der Schweinefütterung zu verbinden.
    • Positive Effekte auf Gesundheit und Verhalten zeigen Potenzial für ein erhöhtes Tierwohl bei leicht reduzierter Leistung.
    • Trotz des ethischen Mehrwerts einer Diversifizierung der Schweinefütterung ist eine angemessene Bewertung der wirtschaftlichen Rentabilität im Zusammenhang mit der Verwendung von Gemüse- und Obstabfällen erforderlich.
    • Zukünftige Forschungsarbeiten können zudem dazu beitragen, Nebenprodukte aus der Lebensmittelproduktion mit hohem Nährwert und guter Schmackhaftigkeit für Schweine zu identifizieren.
  • Weiteres Potenzial zur Absenkung des Rohproteingehalts in der Schweinemast

    Weiteres Potenzial zur Absenkung des Rohproteingehalts in der Schweinemast

    Eine weitere Senkung des Rohproteingehalts im Schweinefutter ist anspruchsvoll, aber möglich. Die vorliegende Studie zeigt, dass die Stickstoffeffizienz verbessert und die Emissionen verringert werden können, ohne dass die Leistung oder die Fleischqualität darunter leiden.

    Die Schweizer Landwirtschaft steht unter hohem Druck, die Ammoniakemissionen weiter zu reduzieren und gleichzeitig eine tierfreundliche und wirtschaftliche Produktion zu gewährleisten. In der Schweinemast spielt der Rohproteingehalt im Futter eine zentrale Rolle, weil er die Stickstoffausscheidungen massgeblich beeinflusst. Zur Unterstützung der Produzentinnen und Produzenten bei der Reduktion des RP-Gehalts hat der Bund das Programm „Ressourceneffizienzbeiträge (REB) – Stickstoffreduzierte Phasenfütterung bei Schweinen“ lanciert (Beitragsperiode 2023 – 2026).

    Im Rahmen eines Fütterungsversuchs an der BFH HAFL wurde untersucht, ob eine weitere Absenkung der Rohproteingehalte (unter die REB-Zielwerte) möglich ist, ohne die Leistung, die Tiergesundheit oder die Schlachtkörperqualität zu beeinträchtigen. PREMO®-Kreuzungstiere wurden zwei Fütterungsvarianten zugeteilt. Eine Gruppe erhielt eine REB-konforme Kontrollration, die andere eine Ration, in der die Rohproteingehalte um weitere knapp 10 % reduziert wurden. Die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren war in beiden Gruppen identisch.

    Proteinreduktion ohne negative Effekte auf Leistung und Gesundheit

    Die Ergebnisse zeigen, dass weder die täglichen Zunahmen noch die Futterverwertung oder der Anteil an Magerfleisch von der tieferen Proteinversorgung beeinflusst wurden. Die Tiere erreichten eine Tageszunahme von gut 1000 g und eine Futterverwertung von 2,29 kg/kg Zuwachs. Diese Werte sind im internationalen Vergleich sehr gut. Auch die Tiergesundheit blieb stabil und es traten keine fütterungsbedingten Probleme auf.

    Deutliche Verbesserung der Stickstoffeffizienz

    Besonders bedeutsam für Umwelt und Agrarpolitik sind die Auswirkungen auf die Stickstoffflüsse. Die proteinreduzierte Fütterung senkte den Stickstoffinput deutlich und erhöhte die Stickstoffeffizienz auf 54 %. Dieser Wert liegt nahe an publizierten theoretisch erreichbaren Maximalwerten für Mastschweine.

    Praxiswerte liegen weit unter den offiziellen Schweizer GRUD-Referenzen – Anpassung erforderlich

    Die berechnete Stickstoffausscheidung fiel auf 2,01 kg pro Tier und lag damit um 48 % unter dem in den aktuellen GRUD-Modellen berücksichtigten Wert von 3,9 kg pro Tier. Auch die Kontrollgruppe erreichte deutlich tiefere Werte als der GRUD-Referenzwert. Die grossen Abweichungen legen nahe, dass die Grundlagen, auf denen die GRUD‑Werte basieren, teilweise nicht mehr praxisüblich sind und einer Überarbeitung bedürfen.

    Fazit

    • Eine Reduktion des Rohproteingehalts bei gezielter Aminosäuresupplementierung stellt eine wirksame und praxistaugliche Massnahme zur Verringerung von Stickstoffausscheidungen und Ammoniakemissionen dar.
    • In der Schweinemast besteht weiteres Potenzial, die Rohproteingehalte im Futter zu senken und damit die Emissionen zusätzlich zu reduzieren.
    • Versuche unter unterschiedlichen Haltungs- und Managementbedingungen sind erforderlich, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse in die Praxis breit abzusichern.
    • Langfristige Effekte auf Tiergesundheit, Tierverhalten und Nachhaltigkeit sind umfassend zu evaluieren.
    • Die Ergebnisse sprechen für eine Anpassung der GRUD-Referenzwerte an die aktuelle Fütterungspraxis.
  • Atemluft statt Blutprobe: Neue Methode misst Energiestatus von Milchkühen

    Atemluft statt Blutprobe: Neue Methode misst Energiestatus von Milchkühen

    Nach dem Kalben haben Milchkühe oft ein Energiedefizit und bauen Fettreserven ab – mit Folgen für Gesundheit, Tierwohl und Leistung. Agroscope-Forschende zeigen nun, dass sich der Energiestatus auch über die Atemluft messen lässt.

    Hochleistungs-Milchkühe nehmen in der frühen Laktationsphase oft weniger Energie auf, als sie für Körperfunktionen und Milchproduktion benötigen. Die daraus resultierende negative Energiebilanz zwingt den Organismus, Fettreserven zu mobilisieren – mit Folgen für Stoffwechsel, Tierwohl und Leistung.

    Methode zur Bestimmung des Energiestatus ohne Blutentnahme

    Die Energiebilanz von Kühen gibt Auskunft über ihren Energiestatus und lässt sich bisher nur über individuelle Daten zu Futteraufnahme, Körpergewicht und Leistung erfassen. Blutmarker wie β‑Hydroxybutyrat (BHB) und nicht-veresterte Fettsäuren (NEFA) liefern zwar Hinweise auf den Fettstoffwechsel, erfordern aber aufwändige Blutanalysen. Flüchtige organische Verbindungen in der Atemluft könnten eine vielversprechende Alternative sein.

    Um dies zu testen, haben Forschende von Agroscope Daten aus einem Fütterungsversuch mit 34 Holstein-Milchkühen in der frühen Laktationsphase analysiert. Die Kühe wurden bedarfsgerecht mit frischem Gras und Kraftfutter gefüttert. Dabei haben die Forschenden in den Laktationswochen 5, 7 und 10 die Energiebilanz, die erwähnten Blutmarker und die Atemluft analysiert.

    Drei Verbindungen in der Atemluft korrelieren mit Energiebilanz

    Bei Kühen, die in Laktationswoche 5 eine negative und in Laktationswoche 10 eine positive Energiebilanz aufwiesen, konnten in der Ausatemluft drei Fettaldehyde identifiziert werden, deren Konzentrationen sich zwischen den Laktationsstadien unterschieden. Fettaldehyde gehören zu den flüchtigen organischen Verbindungen und entstehen beim Abbau von Fettsäuren. Alle drei Fettaldehyde korrelierten negativ mit der berechneten Energiebilanz − ähnlich stark wie die klassischen Blutmarker BHB und NEFA.

    Die Forschenden vermuten, dass beim Fettabbau freigesetzte Fettsäuren im Stoffwechsel teilweise zu Fettaldehyden umgebaut und via Lunge ausgeatmet werden. Dieser Mechanismus ist beim Menschen im Zusammenhang mit oxidativem Stress und Lipidabbau beschrieben; für Milchkühe fehlen direkte Belege noch.

    Potenzial für Biomarker in der Atemluft

    Die Resultate legen nahe, dass ausgeatmete Fettaldehyde als Biomarker zur Beurteilung des Energiestatus frühlaktierender Milchkühe dienen könnten. Die Korrelationsstärken sind vergleichbar mit jenen der etablierten Blutmarker BHB und NEFA. Bis zu einer allfälligen Praxisanwendung sind aber noch weitere Studien nötig.

     

    Fazit

    • Der Energiestatus von Milchkühen kann bisher nur über eine individuelle Überwachung von Futteraufnahme, Körpergewicht und Leistung oder mit Hilfe von Blutmarkern bestimmt werden.
    • Bestimmte Verbindungen in der Atemluft von frühlaktierenden Milchkühen, gewisse Fettaldehyde, korrelieren ähnlich stark mit der Energiebilanz wie die klassischen Blutmarker.
    • Auf Basis dieser Verbindungen in der Atemluft könnten Methoden zur Bestimmung des Energiestatus entwickelt werden, die keine Blutentnahme erfordern. Vor einem Praxiseinsatz braucht es jedoch validierte Messverfahren, grössere Datensätze und eine Klärung der Synthesewege der Fettaldehyde.
  • Wie wirtschaftlich ist die Schweizer Ziegenmilchproduktion?

    Wie wirtschaftlich ist die Schweizer Ziegenmilchproduktion?

    Ziegen sind beliebt, doch nur die wenigsten Ziegenhalter können damit Geld verdienen. Wirtschaftlich interessant wird es erst ab einer Jahresproduktion von 100 Tonnen Milch, was je nach Leistung etwa 120 bis 180 Milchziegen entspricht.

    Schweizweit halten 90 % der Ziegenhalter Bestände von weniger als 25 Ziegen – die wenigsten halten diese Ziegen aus wirtschaftlichen Motiven. Bisher ist unbekannt, ob die Produktion von Ziegenmilch überhaupt wirtschaftlich ist. Ziel der Studie war es, den Betriebszweig wirtschaftlich zu analysieren und Erfolgsfaktoren zu identifizieren.

    Von den 40 grössten Betrieben, die im Schweizerischen Ziegenzuchtverband (SZZV) organisiert sind und mindestens 50 gemolkene Ziegen halten, wurden deshalb 12 Betriebe selektiert – mehrheitlich aus der Hügelregion – mit jährlichen Produktionsmengen zwischen 35 und 240 Tonnen. Die mittlere Bestandsgrösse der Stichprobe beträgt 141 Milchziegen. Die Tal- und Hügelbetriebe in der Stichprobe waren diversifiziert und führten entsprechend noch andere Betriebszweige, während nur die drei Bergbetriebe wirklich spezialisiert waren. Die Betriebe wurden einer detaillierten Vollkostenanalyse unterzogen, nachdem sie ihre Buchhaltung zur Verfügung stellten und ergänzende Auskünfte im Rahmen eines Interviews gaben.

    Erfolgreiche Betriebe sparen an Kraftfutter und Maschinen

    Die grösseren Betriebe der Stichprobe wenden signifikant weniger Zeit pro Ziege auf als der Durchschnitt. Sie wirtschaften auch intensiver mit höheren Besatzdichten und höheren Einzeltierleistungen. Unter den wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben hat es neben einem grossen Betrieb allerdings auch mittlere bis kleine Betriebe mit mittleren Milchleistungen zwischen 500 und 600 kg pro Ziege und Jahr. Entsprechend gibt es auch keinen Zusammenhang zwischen Milchleistung und Arbeitseinkommen.

    Ein erhöhter Einsatz von Ergänzungsfutter tendiert zu tieferem Einkommen. So haben drei von vier wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben nur moderate Kosten für Ergänzungsfutter. Ebenfalls mit einem höheren Einkommen wird belohnt, wer tiefe oder moderate Maschinenkosten aufweist.

    Gestehungskosten fast doppelt so hoch wie der Milchpreis

    Die Berechnung der Gestehungskosten zeigte, dass kein Betrieb seine Kosten decken konnte. Bei einem durchschnittlichen Milchpreis von CHF 1.28 lagen die Gestehungskosten bei CHF 2.40 pro kg Ziegenmilch, was einem Kostendeckungsgrad von nur 53 % entspricht. Hingegen standen die Gestehungskosten in starkem Zusammenhang mit der Produktionsmenge. Werden Betriebe unter 100 Tonnen Produktionsmenge ausgeschlossen, lag der mittlere Kostendeckungsgrad bei immerhin fast 80 %. Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe erreichen hohe Hektareinkommen von CHF 3’000 bis 5’000. Zudem weisen Betriebe über 100 Tonnen Verkaufsmilch deutlich tiefere Gestehungskosten auf und eröffnen damit viel Potential für eine wirtschaftliche Ziegenmilchproduktion.

    Wirtschaftlichkeit mit anderen Milchproduktionsformen vergleichbar

    Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Ziegenmilchproduktion per se nicht weniger wirtschaftlich als die Kuhmilch- oder Schafmilchproduktion. Die untersuchten Ziegenmilchbetriebe wirtschafteten jedoch intensiver als vergleichbare Kuhmilch- und Schafmilchbetriebe. Dies führte je Grossvieheinheit zu höheren Kraftfutterkosten und tieferen Direktzahlungen, was mit etwas tieferen Maschinenkosten wieder kompensiert wurde.

    Fazit

    • In der Schweiz halten rund 90 % der Ziegenhalterinnen und Ziegenhalter weniger als 25 Tiere, wobei hier kaum wirtschaftlichen Motive massgebend sind
    • Je grösser die Betriebe, desto intensiver, arbeitseffizienter und günstiger ist auch die Produktion eines Liters Ziegenmilch
    • Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe müssen aber nicht besonders gross sein – mit mittleren Einzeltierleistungen und gemässigtem Kraftfuttereinsatz lassen sich überdurchschnittlich gute Hektareinkommen erzielen
    • Tiefe Maschinenkosten führen auch auf Ziegenbetrieben zu höheren Hektareinkommen
    • Eine extensivere Produktion, d.h. geringere Besatzdichten bei grösserem Flächenumfang und gleichzeitiger Reduktion des Kraftfuttereinsatzes dürfte beim heutigen Direktzahlungssystem zu höheren Einkommen führen
  • Gezielte Beweidung mit Hochlandrindern: weniger Grünerle, mehr Pflanzenvielfalt

    Gezielte Beweidung mit Hochlandrindern: weniger Grünerle, mehr Pflanzenvielfalt

    Eine aktuelle Studie von Agroscope zeigt, dass Hochlandrinder potenziell die Ausbreitung der Grünerle eindämmen und die Pflanzenvielfalt auf Weideflächen wiederherstellen können.

    Die Grünerle (Alnus viridis) ist eine Strauchart, die sich in den Alpwiesen Zentraleuropas ausbreitet – mit negativen ökonomischen und ökologischen Folgen.

    Die gezielte Beweidung mit robusten Rinderrassen kann ihre Ausbreitung eindämmen und zur Wiederherstellung der Weideflächen beitragen. Die langfristige Wirksamkeit dieser Praxis und deren Auswirkungen auf Pflanzenvielfalt und Futterqualität sind jedoch noch nicht erforscht.

    Agroscope führte eine Untersuchung an zwei von A. viridis bewachsenen Alpwiesen durch: Bovonne in der Schweiz und Val Vogna in Italien, wo Hochlandrinder seit 2019 bzw. 2009 eingesetzt werden. Die Wissenschaftler charakterisierten die Veränderungen der Pflanzendecke in den letzten Jahrzehnten anhand von Satellitenbildern und führten Vegetationserhebungen durch, um die Auswirkungen der Hochlandrinder auf die Pflanzenvielfalt und den Weidewert zwischen 2019 und 2024 zu evaluieren. Zudem wurden die Bewegungsmuster der Rinder mithilfe von GPS-Tracking ausgewertet.

    Verbuschung

    Die Langfristbildanalysen zeigen, dass der Grad der Verbuschung nach Einführung der Hochlandrinder an beiden Standorten zurückgegangen ist: in Bovonne von 17 auf 16,3 ha in fünf Jahren (-4 %) und in Val Vogna von 34,6 auf 31,8 ha in 14 Jahren (-8 %).

    Pflanzenvielfalt und Futterqualität

    Gemäss den 2019 und 2024 durchgeführten Vegetationserhebungen hat die durchschnittliche Artenvielfalt in Bovonne von 25,5 (verzeichnete Arten pro 25 m²) auf 32,2 und in Val Vogna von 30,6 auf 32,9 zugenommen. Der Weidewert (Repräsentation von Produktivität und Futterqualität) der offenen Weideflächen in Bovonne hat sich von 12,9 auf 17,7 (Skala von 0 bis 100) verbessert.

    Bewegungen der Tiere

    Die Bewegungsmuster der Tiere zeigen eine Präferenz für Weideland gegenüber Strauchflächen, obwohl die Rinder in Bovonne im Laufe der Zeit zunehmend in den Grünerlenbeständen weideten.

    Fazit

    • Hochlandrinder sind ein wirksames Mittel zur Rückgewinnung der von der Grünerle befallenen Alpwiesen.
    • Die gezielte Beweidung mit Hochlandrindern reduziert die Verbuschung in den betroffenen Gebieten und verbessert die Pflanzenvielfalt und die Futterqualität.
    • Hochlandrinder passen sich allmählich an ihren Lebensraum an und dringen mit der Zeit in Gebiete vor, die von Grünerlen bewachsen sind
  • Weidegang verbessert Immunparameter und Blutbild von Kälbern

    Weidegang verbessert Immunparameter und Blutbild von Kälbern

    Weidemast könnte eine Option für die nachhaltige Aufzucht von männlichen Kälbern aus Milchviehbetrieben sein. Wie sich zeigt, wirkt sich der Weidegang positiv auf den Immunstatus aus. Bergweiden erhöhen zudem Hämoglobin und rote Blutkörperchen.

    Der Verbleib männlicher Kälber aus Milchviehherden ist nach wie vor nicht zufriedenstellend gelöst. Dies ist insbesondere für den Biolandbau problematisch, da viele Kälber an die konventionelle Mast verkauft werden müssen. Dies führt zu prophylaktischen und therapeutischen Antibiotika-Einsätzen. Die weidebasierte Mast ist ein Ziel, das im Biolandbau eigentlich für diese Tiere angestrebt wird. Dafür bestehen jedoch relativ grosse Hürden im Management, bei den Kosten und bei der Vermarktung. Gerade in Bezug auf die Gesundheit können diese Systeme sowohl positive Effekte haben als auch eine Herausforderung für die Kälber darstellen. Wir wollten spezifisch für die Phase nach dem Abtränken wissen, ob der Weidegang den Immunstatus der Kälber erhöht und damit ihre Gesundheit verbessert.

    Gesundheit männlicher Kälber: Effekte von Genotyp und Weidebedingungen

    Für ein angenommenes Abtränken im vierten Lebensmonat wurde dies durch das FiBL an 72 Kälbern untersucht. Drei verschiedene Genotypen auf drei unterschiedlichen Weidestandorten, und in einer im Stall gehaltenen Kontrollgruppe wurden vom vierten bis zum sechsten Lebensmonat gemästet. Braunviehkälber repräsentierten dabei eine klassische Milchrasse, Swiss Fleckviehkälber eine etwas mehr in Richtung Zweinutzung tendierende Rasse und Limousin X Braunvieh eine Gebrauchskreuzung. Die drei Weidestandorte befanden sich (bei abnehmender Intensität des Futterbaus) auf drei verschiedenen Höhenlagen: rund 500, 1000 und 2000 m.

    Weidegang stärkt Kälbergesundheit

    Eine zentrale Fragestellung des Versuches, die hier vorgestellt wird, bezog sich auf die Gesundheit der Tiere, ausgedrückt in einem Gesundheitsscore, dem Blutbild und den Immunoglobulinen im Blut nach drei Monaten Weidegang. Beim Gesundheitszustand gab es zu Beginn des Weideganges höhere Anzeichen von Durchfall als in der Stallhaltung; des Weiteren unterschieden sich die Gruppen nicht. Der Weidegang hatte einen deutlichen positiven Effekt auf a- und g-Globuline im Blutserum. Zudem wirkte die Höhenlage – erwartungsgemäss – der Anämie entgegen: die Kälber auf den Bergweiden hatten mehr Blutfarbstoff und rote Blutkörperchen.

    Fazit

    • Der Versuch zeigte, dass der Weidegang einen überwiegend positiven Effekt auf die Tiergesundheit und insbesondere auf den Immunstatus hat. Letzterer ist in diesem Alter entscheidend für die Vermeidung von Infektionskrankheiten.
    • Das spricht aus Sicht der Tiergesundheit, des Tierwohls und der Vermeidung von Antibiotikaeinsätzen dafür, die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion bereits bei den Kälbern beginnen zu lassen.
    • Ein sorgfältiges Management, angefangen beim Abtränken auf dem Geburtsbetrieb, ist davon unbenommen Voraussetzung für eine erfolgreiche Kälber- und Rindermast auf der Weide.
  • Können Geruchsimmissionen mit Testpersonen verlässlich ermittelt werden?

    Können Geruchsimmissionen mit Testpersonen verlässlich ermittelt werden?

    Die Tierhaltung mit ihrer Vielfalt und räumlich ausgedehnten Geruchsquellen bringt Herausforderungen bei der Ermittlung der Geruchsimmission mit sich. Agroscope und Empa haben eine Methode mit geschulten Testpersonen weiterentwickelt und mit Tracergasen validiert.

    Die Bewertung von Geruchsimmissionen von Betrieben mit Tierhaltung, mit Biogasanlagen und von benachbarten Betrieben ist aufgrund der räumlichen Ausdehnung, Heterogenität und Vielfalt der Geruchsquellen eine Herausforderung. Methoden zur Ermittlung der Geruchsimmissionen werden teils bezüglich mangelnder Zuverlässigkeit und Subjektivität bei der sensorischen Analyse kritisiert. Ziel dieser Studie war es, eine optimierte Methode zur Untersuchung von Geruchsfahnen durch geschulte Testpersonen zu validieren.

    Gute Übereinstimmung der Testpersonen

    Zur Ausbildung und zur Abstimmung der Testpersonen mit Blick auf ihre Geruchswahrnehmung dienten klare Definitionen, Warm-up- und Vergleichsrunden. Waren alle Testpersonen am selben Ort platziert, so zeigten sie sowohl im zeitlichen Verlauf wie auch bei der Einstufung der Geruchsintensitäten eine gute Übereinstimmung. Während die bisher verbreitete Herangehensweise nur die Häufigkeit von erkennbarem Geruch aufnimmt, erfassen die Testpersonen bei der optimierten Methode sowohl die Häufigkeit als auch sechs Intensitätsstufen von Geruch. Dies berücksichtigt auch schwachen Geruch und Mischgeruch.

    Tracer und Geruch klingen mit der Distanz zur Quelle ab

    Auf zwei Betrieben wurden je zwei verschiedene Tracergase in den geruchsrelevanten Bereichen der Tierhaltung und der Biogasanlage zudosiert. Sowohl bei den Geruchsparametern als auch bei den Tracergasen war auf beiden Betrieben in der Fahne ein deutliches Abklingen mit zunehmender Distanz zu den Quellen zu beobachten. Die Geruchswahrnehmung der Testpersonen korrelierte gut mit der Tracergaskonzentration, welche als objektives Mass für die Ausbreitung diente.

    Zusammenwirken von mehreren Quellen mit Tracern differenziert

    Der Tier- und der Biogasbereich waren bei einem Betrieb räumlich ineinander verschachtelt und beim anderen Betrieb voneinander getrennt. In der kombinierten Quellkonfiguration zeigten die beiden Tracergase eine perfekte Übereinstimmung: Die gesamte kombinierte Quelle konnte mit nur einem Tracergas abgebildet werden. In der räumlich getrennten Anordnung war jedoch jede Position individuell exponiert, je nach Nähe zu den einzelnen Geruchs- und Tracerquellen. Räumlich ausgedehnte Geruchsquellen haben in Kombination mit der jeweiligen Windanströmung einen grossen Einfluss auf die Geruchsimmission. Für komplexere Situationen mit mehreren Geruchsquellen lässt sich ein solcher kombinierter quell- und tracerbezogener Ansatz nutzen, um den einzelnen Immissionsbeitrag zu verfolgen und geeignete Minderungsstrategien zu konzipieren.

    Fazit

    • Das Abklingen von Geruch mit zunehmender Distanz, ermittelt mit geschulten Testpersonen, korreliert gut mit der Tracergaskonzentration, die als objektives Mass für die Ausbreitung dient.
    • Mit zwei verschiedenen Tracergasen ist es möglich, die Ausbreitung von zwei unterschiedlichen Geruchsquellen ausgehend von ihrer räumlichen Anordnung über das Konzentrationsverhältnis der beiden Tracer zu verfolgen.
    • Werden die beiden Parameter Geruchshäufigkeit und Geruchsintensität kombiniert, können auch schwacher Geruch und Mischgeruch berücksichtigt werden.
    • Die weiterentwickelte Methode unterstützt eine objektive Bewertung von Geruchsimmissionen und eignet sich auch für die Entwicklung von Minderungsstrategien.
  • Milch-MIR-Spektren und maschinelles Lernen zur Vorhersage des Grasanteils in Milchviehrationen

    Milch-MIR-Spektren und maschinelles Lernen zur Vorhersage des Grasanteils in Milchviehrationen

    Wie lässt sich eine graslandbasierte Fütterung nachweisen? Ein Ansatz auf Basis von maschinellem Lernen und der Mittel-Infrarotspektroskopie (MIR)-Routineanalytik aus der Milchprüfung könnte weiterhelfen.

    Hintergrundinformationen

    Milch aus graslandbasierter Produktion gilt in Ländern mit einem hohem Graslandanteil (z. B. Schweiz) als nachhaltig. Konsumierende sind bereit, für Produkte aus einer solchen Produktion eine Prämie zu bezahlen, da diese vielfach mit artgerechter Tierhaltung und gesundheitlichem Mehrwert assoziiert werden. Bislang gibt es aber noch keine einheitliche Definition für eine graslandbasierte Produktion und das Prädikat «graslandbasiert» ist nur indirekt nachweisbar. In entsprechenden Programmen werden Angaben zum Grasanteil in der Ration, Weidetage oder die verfügbare Weidefläche als Nachweis verwendet. Diese Methoden sind zeitaufwendig, schwer zu überprüfen und fehleranfällig. Möglichkeiten für einen direkteren Nachweis sind daher gesucht. Spektraldaten aus der Mittel-Infrarotspektroskopie (MIR), wie sie bereits für die Bestimmung der Fett-, Eiweiss-, Laktose- und Harnstoffgehalte in der Milchprüfung verwendet werden, kombiniert mit maschinellem Lernen, könnten weiterhelfen.

    Neue Methoden auf Basis von maschinellem Lernen

    Bislang war die Partielle Kleinste-Quadrate-Diskriminanzanalyse (PLS-DA) der einzige Algorithmus für maschinelles Lernen, mit dem versucht wurde, den Anteil an graslandbasierten Futtermitteln in der Ration durch MIR-Spektren zu klassifizieren. In der kürzlich publizierten Studie wurden drei neuen Algorithmen (Least absolute Shrinkage and Selection Operator [LASSO], Random Forest [RF], Support Vector Machines [SVM]) auf Basis von maschinellem Lernen für die Vorhersage der gaslandbasierten Fütterung verwendet. Dabei wurden sowohl die MIR-Spektralwellenzahlen selbst als auch Werte für die Qualitätseigenschaften der Milch (Fett und Eiweiss) und ein neu entwickelter Indikator für Berücksichtigung der «Saisonalität» der Milchproben als Dateneingabe verwendet.

    Zukunftsperspektiven

    Das Verfahren mit der stärksten Aussagekraft (LASSO) konnte von den 1’132 analysierten Proben ≥ 50 % der gesamten graslandbasierten Futtermittel mit 79 % Genauigkeit, 85 % Präzision, 91 % Sensitivität, 14 % Spezifität und einem F1-Score von 88 % klassifizieren. Frisches Gras ≥ 70% wurde mit einer Genauigkeit von 86 %, einer Präzision von 62 %, einer Sensitivität von 39 %, einer Spezifität von 95 % und einem F1-Score von 48 % klassifiziert. Auf Basis der in der Publikation dargestellten Resultate könnte zukünftig eine Methodik entwickelt werden, die einen automatisierten und vereinfachten Nachweis der graslandbasierten Fütterung erlaubt, wie sie von privaten und staatlichen Organisationen gewünscht wird.

    Fazit

    • Der kombinierte Ansatz von Fütterungsangaben, MIR-Spektraldaten, gemessene Milchqualitätseigenschaften wie auch die Saisonalität in Modellen mit maschinellem Lernen als Datenbasis zu verwenden, scheint verheissungsvoll.
    • Die Verfahren LASSO und PLS-DA scheinen den Verfahren RF und SVM für die Klassifizierung der graslandbasierten Futtermittel überlegen zu sein.
    • Die untersuchten Modelle haben sich bei der Überprüfung der Milch aus graslandbasierter Fütterung bei einer limitierten Zahl von Landwirtschaftsbetrieben bewährt: Die entwickelten Modelle müssen nun anhand grösserer Datensätze validiert und allenfalls mit weiteren Merkmalen ergänzt werden.
  • Ziegenhaltung: Richtwerte für Futterverzehr und Nährstoffausscheidungen angepasst

    Ziegenhaltung: Richtwerte für Futterverzehr und Nährstoffausscheidungen angepasst

    Für eine gute Düngungsplanung und Nährstoffbilanzierung des Betriebs sind Richtwerte für Verzehr und Ausscheidungen von Nutztieren notwendig. Mit dem Ziel einer verbesserten Beurteilung der Nährstoffflüsse hat Agroscope die Richtwerte für Ziegen angepasst.

    Verlässliche Richtwerte zu Futterverzehr und Nährstoffausscheidungen der Tiere sind notwendig, um eine gute Düngungsplanung zu gestalten und eine realistische Nährstoffbilanz des Landwirtschaftsbetriebes zu erstellen. In der Schweiz ist seit 1998 die Erstellung einer Nährstoffbilanz für Stickstoff (N) und Phosphor (P) obligatorisch. Diese erfolgt mithilfe des Vollzugsinstruments «Suisse-Bilanz».

    Richtwerte mit Korrekturfaktoren für Herdenmanagement und Produktionsleistung

    Bisher wurden die Richtwerte für den Grundfutterverzehr und die Nährstoffausscheidung von Ziegen in einer Kategorie angegeben, welche eine standardisierte Herdenpopulation aus erwachsenen weiblichen Ziegen, Böcken, Jungziegen und Mastzicklein in vordefinierten Anteilen repräsentierte und pro erwachsene weibliche Ziege und Jahr ausgedrückt wurde. Die Schweizer Ziegenproduktion ist jedoch vielfältig und weist unterschiedliche Herdenmanagements (z. B. Milch- oder Mutterziegen; saisonales Abgitzeln) und Milchleistungen auf.

    Neu wurden Richtwerte für Grundfutterverzehr und Nährstoffausscheidungen gemäss den Ziegenkategorien nach Tierverkehrsdatenbank festgelegt: Milchziegen, andere Ziegen über 365 Tage alt einschliesslich Mutterziegen, Jungziegen über 180 bis 365 Tage alt einschliesslich weiblicher Remonten und Zicklein bis 180 Tage. Mittels Korrekturfaktoren für Herdenmanagement und Produktionsleistungen sollen die Richtwerte den betriebsspezifischen Bedingungen angepasst werden können.

    Fazit

    • Je höher die jährliche Milchleistung der Milchziegen und je schwerer die ausgewachsene Ziege, desto höher ist der Grundfutterverzehr und die Nährstoffausscheidung.
    • Silagebasierte Rationen im Winter führten gegenüber dürrfutterbasierten Rationen zu einem tieferen Kraftfuttereinsatz und zu höheren Stickstoffaussscheidungen.
    •  Die Phosphorzufuhr über die Ration (Grundfutter + Kraftfutter) war ausreichend, um den Bedarf zu decken, ohne dass mineralisches Phosphat aus Mineralfutter zugesetzt werden musste. Dies ermöglicht eine Reduzierung der P-Ausscheidungen um 14 % (-0,22 kg P/Jahr). Eine geringere Proteinergänzung im Kraftfutter hatte jedoch nur einen geringen Einfluss auf die Stickstoffausscheidung.
    • Aufgrund des völlig unterschiedlichen Managements von Zicklein in Milchziegen- und Mutterziegenherden wurden die Richtwerte für Zicklein nach diesem Kriterium unterschieden.
  • Rohprotein- und Phosphorgehalte in Geflügelfutter − ein Schlüssel zur Ressourceneffizienz

    Rohprotein- und Phosphorgehalte in Geflügelfutter − ein Schlüssel zur Ressourceneffizienz

    Die Wirtschaftsgeflügelhaltung ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Diese Studie zielt darauf ab, die Proteinversorgung in der Geflügelhaltung zu analysieren und Optimierungspotenziale in der Phosphorverwertung und Futtereffizienz aufzuzeigen.

    Die Bedeutung der Wirtschaftsgeflügelhaltung nimmt zu, wie die hohen Wachstumsraten der Eier- (+35 %) und Pouletproduktion (+42 %) der letzten zehn Jahre gezeigt hat. Mit der höheren Produktion steigen auch die Tierzahlen (aktuell rund 15.3 Mio. Nutzhühner, davon 3.59 Mio. Legehennen und 9.68 Mio. Poulets). In Bezug auf die Umweltrelevanz ist eine hohe Proteineffizienz und Phosphor(P)-verwertung entscheidend. Zu hohe Stickstoffeinträge in Luft oder Gewässer führen zu einer Überdüngung von sensiblen Ökosystemen wie Wälder, Magerwiesen und Flach- oder Hochmoore sowie zu einer Eutrophierung der Seen. Der Stickstoffeintrag erfolgt neben Nitrat im Grundwasser auch via Ammoniak über die Luft.

    Proteinversorgung in der Geflügelhaltung optimieren

    Ziel dieser Studie ist, den aktuellen Stand der Proteinversorgung in der Geflügelhaltung in Zusammenarbeit mit der Branche zu erfassen und mögliches Optimierungspotential aufzuzeigen. Die Umfrage deckte mehr als 99 % des Marktanteils bei Mastfutter und rund 90 % des Futters für Lege- und Junghennen ab. In der Mast nahmen bei konventionellen Futtern die Gehalte an Energie (Umsetzbare Energie Geflügel, UEG) von Beginn bis zum Ende der Mastphase zu (+0.40 MJ/kg), während diese für Rohprotein (RP) (–25.5 g/kg) und Lysin (–1.90 g/kg) deutlich abnahmen. Die eingesetzten Futter enthielten im Durchschnitt 13.01 MJ UEG, 185.5 g RP, 11.61g Lysin und 4.82 g P pro kg. Die RP-Werte für die Mast lagen damit bis 11 % unter den Empfehlungen der internationalen Zuchtfirmen. Im Futter für Legehennen sanken die Energie- (11.67, 11.60, 11.50 MJ UEG/kg), RP- (177, 166, 159 g/kg) und P-Gehalte (4.85, 4.66, 4.50 g/kg) im Verlaufe der Legephase kontinuierlich. Die gewichteten durchschnittlichen Gehalte der Futter im Markt betrugen 170.0 g RP und 4.75 g P bei 11.67 MJ UEG/kg. In Bio-Futter ist der Einsatz reiner Aminosäuren zum Ausgleich des Aminosäuremusters und des Enzyms Phytase zur Verbesserung der Phosphorverfügbarkeit nicht erlaubt. Bio-Futter enthielten daher im Vergleich zu konventionellen Futtern um 22 g/kg höhere RP-Gehalte bei Legetieren und um 33 g/kg höhere RP-Gehalte in der Mast. Die P-Gehalte lagen um zirka 1 g/kg höher. Auf der Basis der erhobenen RP bzw. P-Gehalten können die IMPEX-Werte überprüft und falls nötig angepasst werden. 

    Fazit

    • Die Rohproteingehalte im Mastfutter liegen heute teilweise unter den Bedarfsempfehlungen der Zuchtfirmen.
    • Eine bessere Verfügbarkeit weiterer Futteraminosäuren könnte in Zukunft eine weitere Absenkung der Rohproteingehalte ermöglichen.
    • Der Einfluss auf wichtige Tiergesundheitskriterien, welche mit der Rohprotein- und Phosphorversorgung zusammenhängen (z.B. Federpicken oder Knochenentwicklung und -stabilität), gilt es jederzeit genau zu prüfen, um negative Auswirkungen auf das Tierwohl zu verhindern.
  • Schafhaltung: Richtwerte für Futterverzehr und Nährstoffausscheidungen angepasst

    Schafhaltung: Richtwerte für Futterverzehr und Nährstoffausscheidungen angepasst

    Für eine gute Düngungsplanung und Nährstoffbilanzierung des Betriebs sind Richtwerte für Verzehr und Ausscheidungen von Nutztieren notwendig. Mit dem Ziel einer verbesserten Beurteilung der Nährstoffflüsse hat Agroscope die Richtwerte für Schafe angepasst.

    Verlässliche Richtwerte zu Futterverzehr und Nährstoffausscheidungen der Tiere sind notwendig, um eine gute Düngungsplanung zu gestalten und eine realistische Nährstoffbilanz des Landwirtschaftsbetriebes zu erstellen. In der Schweiz ist seit 1998 die Erstellung einer Nährstoffbilanz für Stickstoff (N) und Phosphor (P) obligatorisch. Diese erfolgt mithilfe des Vollzugsinstruments «Suisse-Bilanz».

    Richtwerte mit Korrekturfaktoren für Herdenmanagement und Produktionsleistung

    Bisher wurden die Richtwerte für den Grundfutterverzehr und die Nährstoffausscheidungen von Milch- bzw. Mutterschafen in jeweils einer Kategorie angegeben, welche eine standardisierte Herdenpopulation aus erwachsenen weiblichen Schafen, Böcken, Jungschafen und Lämmern in vordefinierten Anteilen repräsentierte und pro erwachsenes weibliches Schaf und Jahr ausgedrückt wurde.

    Die Schweizer Schafproduktion ist jedoch vielfältig und weist unterschiedliche Herdenmanagements und Produktionsleistungen auf. Betriebe sind vermehrt auf eine Produktion spezialisiert, wie Milch- oder Fleischproduktion, betreiben zum Teil saisonales Ablammen oder weisen verschiedene Mastformen auf.

    Neu wurden Richtwerte für Grundfutterverzehr und Nährstoffausscheidungen gemäss den Schafkategorien nach Tierverkehrsdatenbank festgelegt: Milchschaf, Mutterschaf, Jungschaf ab 180 und bis 365 Tage alt und Lamm bis 180 Tage alt. Mittels Korrekturfaktoren für Herdenmanagement und Produktionsleistung sollen die Richtwerte den betriebsspezifischen Bedingungen angepasst werden können.

    Fazit

    • Je höher die jährliche Milchleistung des Milchschafes und je höher das Gewicht des ausgewachsenen Schafes, desto höher sind Grundfutterverzehr und Nährstoffausscheidung. Am niedrigsten waren die Richtwerte bei saisonalem Herbstablammen mit silagebasierter Winterfüttterung.
    • Bei Milch- und Mutterschafen wäre eine Reduktion der Phosphorergänzung meist möglich. Die Phosphorausscheidung könnte dadurch um bis zu 16 % reduziert werden. Eine Reduktion der Kraftfuttermengen hätte jedoch kaum eine Auswirkung auf die Stickstoffausscheidung.
    • Mit zunehmendem Schlachtalter erhöhen sich Grundfutterverzehr und Nährstoffausscheidung der Lämmer.
  • Genetischer Hintergrund A1/A2 der Kuh beeinflusst Proteinverdauung der Milch, nicht aber der Hornstatus

    Genetischer Hintergrund A1/A2 der Kuh beeinflusst Proteinverdauung der Milch, nicht aber der Hornstatus

    Der Einfluss von Hornstatus und der genetischen Variante des Milchproteins β-Casein (A1/A2) auf Milchqualität und Verdauung wird kontrovers diskutiert. Diese Studie zeigt, dass Milch von Kühen mit genetischem Unterschied im β-Casein im menschlichen Magen leicht anders verdaut wird, der Hornstatus aber keinen Einfluss hat.

    Die Auswirkungen des Hornstatus (Be- oder Enthornung) von Kühen und des β-Casein-Genotyps (siehe Textbox) auf die Zusammensetzung und Qualität der Milch werden kontrovers diskutiert. Beispielsweise wird immer wieder, besonders in biodynamischen Kreisen, deklariert, dass die Milch von behornten Kühen besser verdaulich und gesünder sei als die von hornlosen Kühen, trotz fehlender wissenschaftlicher Grundlage.

    Untersucht wurde in dieser Studie*, ob sich die Milch von behornten und enthornten Kühen in ihrer Zusammensetzung unterscheidet und ob die Milch unterschiedlich verdaut wird. Dies aufgrund früherer, wenn auch methodisch limitierter, Studien, die einen Einfluss der Enthornung auf Milchinhaltsstoffe nahelegten. Einer der wohl am kontroversesten diskutierten Faktoren, der die Milchverdauung beeinflussen könnte, ist die genetische Variante des Milchproteins β-Casein. Um deren Einfluss auszuschliessen bzw. auch zu untersuchen, wurden genetische Varianten des β-Caseins ebenfalls berücksichtigt. Analysiert wurden 128 Milchproben von 64 behornten und 64 enthornten Brown-Swiss- und Original-Braunvieh-Kühen, die jeweils eine von drei genetischen Varianten des β-Casein (A1A1, A1A2 und A2A2) trugen. Die Einflüsse des Hornstatus und der genetischen β-Casein-Variante auf die detaillierte Milchzusammensetzung und Milchproteinverdauung wurden unabhängig voneinander in In-vitro-Experimenten, die die menschliche Verdauung simulieren, getestet.

    A1- und A2-Milch: Der Einfluss des Genotyps

    In ihrem Erbgut tragen Kühe unterschiedliche Gene, die bestimmen, welche Milchproteine (=Eiweisse) sie produzieren. Die genetischen Varianten des Milchproteins β-Casein, die bisher identifiziert wurden, umfassen zwölf Varianten, wobei die Varianten A1 und A2 die Häufigsten und Bekanntesten sind. Die zwei Varianten unterscheiden sich in der Aminosäuren-Position 67 des Proteins. Eine Kuh kann eine von drei genetischen Varianten tragen und damit einem von drei β-casein-Genotypen zugeordnet werden: A1A1, A1A2 oder A2A2. Vor allem die Auswirkungen der Variante A1 auf die menschliche Verdauung wird unter Wissenschaftlern zurzeit kritisch diskutiert.

    Von der groben Milchzusammensetzung bis zur einzelnen Aminosäure

    In allen Milchproben wurden die Haupt- und Nebeninhaltsstoffe der Milch quantifiziert. Anschliessend wurden die Milchproben in vitro verdaut und auf verschiedenen Ebenen, von den grossen Proteinen bis hin zu ihren Bausteinen, den kleinsten Peptiden und Aminosäuren, analysiert.

    Es wurden keine Unterschiede in den Hauptinhaltsstoffen der Milch, dem Fettsäuremuster, den wichtigsten Milchproteinen und freien Aminosäuren gefunden – weder zwischen be- und enthornten Kühen noch zwischen solchen mit verschiedenen Varianten des β-Casein. Die β-Casein-Variante beeinflusste jedoch das Verdauungsmuster (Peptidmuster) von β-Casein im Magen. Die Abweichungen zeigten sich genau an den Stellen der Aminosäurenkette auf, an denen sich die A1- und A2-Variante des β-Caseins unterscheiden (siehe Textbox). Diese Differenzen glichen sich jedoch nach der Dünndarmpassage wieder aus. Ob sich die Unterschiede auf die menschliche Verdauung und das Wohlbefinden auswirken, bedarf weiterer Untersuchungen. Vom Hornstatus war die Verdaulichkeit der Milch in dieser Studie nicht beeinflusst. Dies trotz des Einsatzes extrem sensibler Methoden, welche eindeutig den Unterschied zwischen Milch von Kühen mit genetischem Unterschied im β-Casein aufzeigen konnten, welcher auf einer einzigen Aminosäure basiert, also einem winzigen Detail in der gesamten Milchzusammensetzung.

    *Die Studie finanziell durch die Stiftung Sur-la-Croix unterstützt.

    Fazit

    • In der vorliegenden Studie wurden keine Unterschiede in der Milchzusammensetzung und Milchverdauung von be- und enthornten Kühen gefunden.
    • Milch von Kühen mit genetischem Unterschied im β-Casein wird im Magen leicht anders verdaut, jedoch gibt es im Dünndarm keine Unterschiede mehr im Verdauungsmuster. Ob die In-vitro-Ergebnisse für die menschliche Verdauung und das Wohlbefinden relevant sind, muss weiter untersucht werden.
  • Ergänzungsfuttermittel für Ferkel mit vorgeburtlicher Wachstumsverzögerung

    Ergänzungsfuttermittel für Ferkel mit vorgeburtlicher Wachstumsverzögerung

    Ferkel, die als Fötus in der Gebärmutter ein verzögertes Wachstum hatten, weisen ein geringeres Geburtsgewicht und eine höhere Sterblichkeit auf. Mit einer gezielten Fütterung nach der Geburt lassen sich Entwicklung und Gewichtszunahme verbessern.

    In der modernen Schweinezucht will man produktivere Sauen mit vielen Ferkeln pro Wurf. Diese Strategie hat jedoch zu einer grossen Herausforderung geführt: Eine stets grössere Anzahl von Ferkeln wird mit einem geringen Geburtsgewicht geboren. Viele davon sind von einer so genannten intrauterinen Wachstumsretardierung (IUGR) betroffen. Eine IUGR tritt auf, wenn die sich entwickelnden Föten während der Trächtigkeit nicht genügend Nährstoffe und Sauerstoff erhalten. Dies ist häufig auf eine überfüllte Gebärmutter zurückzuführen, was ein optimales Wachstum der Föten beeinträchtigt. Die betroffenen Tiere konzentrieren sich auf die Entwicklung lebenswichtiger Organe, wie z. B. des Gehirns. Dieser Mechanismus führt häufig zu einer charakteristischen Kopfform, die durch ein ungleichmässiges Wachstum zwischen dem Gehirn und anderen Organen verursacht wird.

    Morphologisches Merkmal eines Ferkels, das von intrauteriner Wachstumsretardierung betroffen ist. (Foto: Agroscope)

    Frühe Identifizierung der IUGR-Schweine ist entscheidend

    Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht alle Ferkel mit einer geringeren Grösse oder einer ungewöhnlichen Kopfform notwendigerweise von IUGR betroffen sind, weshalb eine genaue Identifizierung von entscheidender Bedeutung ist.

    Von IUGR betroffene Ferkel weisen häufig höhere Sterblichkeitsraten, eine geringere Futterverwertungseffizienz und ein langsameres Wachstum auf. Diese Herausforderungen führen in der Regel zu längeren Produktionszeiten, um das Zielschlachtgewicht zu erreichen. Dies führt zu höheren Kosten und einer geringeren Rentabilität des Betriebs.

    Von Agroscope durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass spezifische morphometrische Messungen – wie der Abstand zwischen den Ohren und die Grösse des Abdomens – bei der Identifizierung echter IUGR-Fälle nützlich sind. Für Schweinehalter ist die korrekte Identifizierung von IUGR-Ferkeln ein entscheidender Schritt, um gezielte Massnahmen einzuleiten. Einfache, praktische Hilfsmittel können dabei helfen, festzustellen, welche Ferkel zusätzliche Pflege und Unterstützung benötigen.

    Spezialfutter verbessert die Wachstumsleistung betroffener Ferkel

    Von IUGR betroffene Ferkel, die oft nur schwer an Gewicht zunehmen, profitieren stark von hochwertigem, ausgewogenem Spezialfutter. Insbesondere zeigte diese Studie, dass eine mit Probiotika, mittelkettigen Triglyceriden und Antioxidantien angereicherte Diät nach der Geburt die Wachstumsleistung betroffener Ferkel verbesserte. Auch wenn IUGR-Ferkel die Wachstumslücke zu ihren normal entwickelten Geschwistern möglicherweise nicht vollständig schliessen können, lässt sich mit solchen Massnahmen die Entwicklung der Tiere erheblich verbessern.

    Fazit

    • Die Ergebnisse dieser Studie bieten praktische Orientierungshilfen für Schweinehalter, die von IUGR betroffene Ferkel haben.
    • Durch frühzeitige Erkennung und gezielte Ernährungsstrategien können einige der mit IUGR verbundenen Herausforderungen gemildert werden, wodurch sich letztlich sowohl die Gesundheit als auch die Wachstumsleistung dieser betroffenen Ferkel verbessern lassen.
    • Der Verzicht auf immer grössere Würfe in der Schweizer Schweinezucht ist sinnvoll, da dadurch das Auftreten von IUGR und die damit verbundenen Probleme verringert werden können.

  • Kontakt zu Menschen und Weideintensität beeinflussen Fleischqualität bei Rindern

    Kontakt zu Menschen und Weideintensität beeinflussen Fleischqualität bei Rindern

    Die Fleischqualität wird von vielen tierbezogenen Faktoren beeinflusst. Eine Studie von Agroscope zeigt, dass eine intensive Beweidung auf kleineren Parzellen mit entsprechendem häufigen Weidewechsel und Kontakt zu Menschen im positiven Zusammenhang mit der Fleischqualität steht.

    Genetik, Gesundheitszustand und Bewegungsverhalten des Tieres, Betriebsführung sowie die Transport-, Schlacht- und Verarbeitungsbedingungen beeinflussen die Fleischqualität. Stress vor der Schlachtung führt zu physiologischen Veränderungen, welche sich im Fleisch widerspiegeln. Daher sind Massnahmen von Interesse, welche Stressreaktionen bei Nutztieren reduzieren und die Fleischqualität optimieren. Auch die Weiderotation und – wie aus einer früheren Agroscope Studie an Mastmunis hervorging – der Hornstatus können die Fleischqualität beeinflussen. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, die Auswirkungen und Wechselwirkungen von Weideintensität und Hornstatus auf das Verhalten, den physiologischen Stresszustand vor der Schlachtung und die Fleischmerkmale von Rindern zu untersuchen.

    64 behornte und enthornte Jungrinder im Test

    Die Studie wurde mit 32 behornten und 32 enthornten Jungrindern (Kreuzung Limousin & Milchrasse (Swiss Fleckvieh, Red Holstein and Holstein)) durchgeführt, die im Sommer auf Alpweiden grasten und am Ende der Sömmerung geschlachtet wurden. Die Agroscope-Forschenden teilten die Rinder zwei verschiedenen Weidesystemen zu. Die einen wurden auf kleinen Parzellen mit hoher Weideintensität gehalten. Die Parzellen waren 24 Aren gross und alle zwei bis drei Tage wurden die Rinder von den Landwirten auf neue Parzellen umgetrieben. Die anderen Rinder waren bei niedriger Weideintensität auf dreimal grösseren Parzellen, die sie alle sieben bis acht Tage wechselten. Die Zuteilung der Tiere war in Bezug auf Lebendgewicht, Mutterrasse, Hornstatus und Verhalten ausgeglichen.

    Weidewechsel und Kontakt zu Menschen wirken positiv

    Untersucht wurden die Auswirkungen des Hornstatus und der Weideintensität auf die körperliche Aktivität auf der Weide, den Stress vor der Schlachtung und auf die Fleischqualität des Rückenmuskels (m. longissimus thoracis bzw. «Hohrücken»). Das Fleisch wurde in Labortests u.a. auf die Zartheit und das Wasserbindevermögen bewertet. Darüber hinaus wurde das Fleisch in Sensoriktests von geschultem Personal degustiert. Die Rinder der Gruppen mit hoher Beweidungsintensität bewegten sich weniger auf den kleineren Weiden. Sie waren beim häufigen Wechseln der Parzellen mehr in Kontakt mit Menschen. Bei ihnen fand sich vor der Betäubung am Schlachthof ein niedrigeres Stressniveau. Entsprechend wies ihr Fleisch geringere Wasserverluste und einen schnelleren Abbau des Proteins Troponin auf, beides Indikatoren einer besseren Fleischqualität. Der häufigere Kontakt zu Menschen kann das niedrigere Stressniveau vor der Schlachtung und damit einen Teil der Auswirkungen auf die Fleischqualität erklären. Da die Weideintensität einen häufigeren Kontakt zu Menschen beim Weidewechsel bedingt, ist es nicht möglich, diese beiden Faktoren einzeln zu unterscheiden.

    Hornstatus zeigt leichte Unterschiede in Fleischqualität

    Im Vergleich zu enthornten Rindern hatten behornte Rinder im Schlachthof eine schnellere Herzfrequenz. Ihr Fleisch hatte einen geringeren Kochverlust und war in der sensorischen Analyse weniger saftig. Die Herzfrequenz vor der Schlachtung zeigte eine starke Korrelation mit verschiedenen Fleischqualitätsindikatoren. Je höher beispielsweise die Herzfrequenz beim Entladen am Schlachthof war, desto höher war der End-pH-Wert (48 h post mortem). Grundsätzlich kann ein zu hoher End-pH-Wert, sobald er einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, die Fleischqualität und -reifung negativ beeinflussen. In dieser Studie wurde der Schwellenwert jedoch nicht überschritten.

    Diese Studie bestätigt eindrücklich, wie bedeutend der Stress vor der Schlachtung für die Fleischqualität ist. Ein Teil der Auswirkungen kann mit den unterschiedlichen physiologischen Reaktionen vor der Schlachtung zusammenhängen, die anschließend die Fleischqualität beeinflussen.

    Fazit

    • Die Studie zeigt, dass das vor allem das Weidemanagement, einschließlich des Kontakts zu Menschen, die Fleischqualität beeinflussen.
    • Eine höhere Weideintensität hatte überwiegend positive Auswirkungen auf das Stresslevel bei der Schlachtung und somit auf die Fleischqualität. Dies ist wahrscheinlich grösstenteils auf den vermehrten Kontakt mit dem landwirtschaftlichen Personal bei der Weiderotation zurückzuführen.
    • Auch die Behornung hatte einen geringfügigen, negativen Effekt auf die Fleischqualität, jedoch war der Einfluss geringer als der der Weideintensität.

  • Wirtschaftliche Optimierung der Milchviehzucht

    Wirtschaftliche Optimierung der Milchviehzucht

    Für die Milchproduktionssysteme in der Schweiz werden die Gewichte der Merkmale im Gesamtzuchtwert mit einer neuen Methode hergeleitet, welche neben dem Erlös auch die direkten Kosten berücksichtigt.

    In der Schweizer Milchviehzucht wird gleichzeitig auf mehrere wirtschaftlich wichtige Merkmale gezüchtet. Damit möglichst viel Zuchtfortschritt erreicht werden kann, werden die Merkmale in einem Gesamtzuchtwert gewichtet. Die Gewichtung erfolgt dabei aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten und der populationsgenetischen Voraussetzungen. Bei der wirtschaftlichen Bedeutung wurden in den letzten Jahrzehnten jeweils grössere Veränderungen bei einzelnen Merkmalen neu beurteilt. Mit der Bildung von vergleichbaren Deckungsbeiträgen pro Kuh in einer Referenzpopulation, wird wirtschaftliche Bedeutung gezielter analysiert.

    Der Einbezug der Erlöse sowie der direkten Kosten pro Kuh

    Für die Berechnung wurden dem Milch- und Fleischerlös die Kosten für die Remontierung, für das Ergänzungsfutter, für die Belegung und für den Tierarzt abgezogen. Die Berechnungen von vielen Kühen kann die Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit gut abbilden. Dabei kann über die Wahl der Kühe auch das Produktionssystem gewählt werden. Bei dem Beispiel mit graslandbasierter Fütterung waren die durchschnittlichen Deckungsbeiträge pro Kuh bei Fr. 3’627 bei einer Standardabweichung von Fr. 1’306 und der durchschnittliche Beitrag pro kg Milch bei 65 Rp.

    Die Merkmale tragen unterschiedlich zum wirtschaftlichen Fortschritt bei

    Die Gewichte wurden aufgrund der Veränderung des Deckungsbeitrages und der genetischen Standardabweichungen errechnet. Für die graslandbasierte Milchproduktion wurden die elf Merkmale Fettmenge, Proteinmenge, Proteingehalt, Zellzahl, Mastitisresistenz, Nutzungsdauer, Fruchtbarkeit, Persistenz, Kreuzbeinhöhe, Fundament und Euter gewichtet (siehe Grafik).

    Wirtschaftliche Gewichte im Gesamtzuchtwert für eine graslandbasierte Milchproduktion.

    Fazit

    • Die Herleitung von wirtschaftlichen Gewichten, basierend auf dem vergleichbaren Deckungsbeitrag pro Kuh, ist eine vielversprechende Methode. Bei der graslandbasierten Milchproduktion konnten verlässliche Gewichte geschätzt werden.
    • Die Methode kann unterschiedliche wirtschaftliche Bedeutungen zwischen Betriebstypen abbilden.
    • Der Einbezug der direkten Kosten verschiebt die Gewichtung vom Grenzerlös in Richtung Grenznutzen. Bei der graslandbasierten Milchproduktion bekommen die Fitness- und Gesundheitsmerkmale eine grössere Bedeutung.
    • Die wirtschaftlichen Gewichte können einen Beitrag zur gezielteren Zucht für ein bestimmtes Milchproduktionssystem leisten.
  • Schweizer Rindfleisch: Qualität durch Erhebung 2023 bestätigt

    Schweizer Rindfleisch: Qualität durch Erhebung 2023 bestätigt

    Die Resultate der Erhebung 2023 zur Rindfleischqualität zeigen, dass die Qualität von Schweizer Fleisch insgesamt sehr zufriedenstellend ist, sowohl in Bezug auf den Nährwert als auch auf die technologischen und sensorischen Aspekte.

    Um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit des Rindfleischsektors und zur Erhaltung der Produktqualität zu leisten, führt Agroscope seit 2009 Erhebungen zur Qualität von Schweizer Rindfleisch durch. Die Erhebungskampagnen mit der Bezeichnung «Obstend» (französisch «Observatoire de la tendreté») haben zum Ziel, die Entwicklung der Qualität von Fleisch schweizerischer Herkunft zu verfolgen, um allfällige Probleme aufgrund von Veränderungen in der Praxis zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen.

    2023 führte Agroscope in enger Zusammenarbeit mit Proviande die vierte Untersuchungskampagne durch, die unter anderem sensorische Analysen umfasste. Als Basis dienten Fleischproben aus je drei Metzgereien aus 13 Schweizer Städten. Die Metzgereien wurden gebeten, Proben von Entrecôte, Filet, Huft und Huftdeckel zur Verfügung zu stellen.

    Detaillierte Ergebnisse der Erhebung 2023

    Die Herkunftsanalysen mittels DNA-Test ergaben bei 100 von 116 Proben (86 %) eine Übereinstimmung mit der Referenzdatenbank. Dieser Anteil lässt sich mit der im Proviande-Jahresbericht 2023 ausgewiesenen Erfassungsquote von 87,7 % aller im Jahr 2023 geschlachteten Rinder erklären. Die missbräuchliche Verwendung der Marke «Schweizer Fleisch» scheint somit im Rindfleischmarkt kein grosses Problem zu sein.

    Die durchschnittliche Reifungszeit aller Proben betrug 37 ± 21 Tage, wobei 14 % der Proben den Grenzwert von 56 Tagen Reifungszeit überschritten. Aufgrund der Erfahrungen von Proviande wird dieser Grenzwert als Limite betrachtet, bei deren Überschreitung die Wahrscheinlichkeit, dass das Fleisch vor dem Verkauf tiefgefroren wurde, sehr hoch ist.

    Die Daten zur chemischen Zusammensetzung des Fleisches zeigen, dass Entrecôte und Huft die höchsten Proteinkonzentrationen aufweisen, gefolgt von Filet und Huftdeckel. Die Analyse der Fettsäurenzusammensetzung zeigt, dass Filet und Huftdeckel den höchsten Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA) aufweisen, gefolgt von Huft und Entrecôte. Filet ist reicher an gesättigten Fettsäuren als Huft, die Werte von Entrecôte und Huftdeckel liegen dazwischen.

    Nahezu alle untersuchten Proben wiesen eine mittlere instrumentell gemessene Zartheit auf, die unter dem Grenzwert für sehr zartes Fleisch lag. Mehr als 90 % der Schweizer Konsumenten sind damit zufrieden.

    Erstmals wurden allen Proben der Erhebung einer sensorischen Analyse mit den drei Parametern «Zartheit», «Saftigkeit» und «Gesamtgeschmack» unterzogen. Die Analyse erklärt die weit besseren Resultate des Filets durch die bessere Bewertung der Zartheit. Der höhere Gehalt an intramuskulärem Fett und PUFAs macht es jedoch wie das Filet anfälliger für Oxidationsprozesse, die den Geschmack beeinträchtigen können.

    Fazit

    • Das auf dem Schweizer Markt verkaufte Rindfleisch ist von sehr hoher Qualität.
    • Die Transparenz bezüglich Schweizer Herkunft, die durch das von Proviande eingeführte Kontrollprogramm mit DNA-Tests gewährleistet wird, ist ein echter Mehrwert.
    • Es wurde ein verstärkter Trend zum Verkauf von Fleischstücken festgestellt, die höchstwahrscheinlich zuerst eingefroren und dann aufgetaut wurden. Eine Sensibilisierungsmassnahme bei Metzgern und Einzelhändlern wäre wünschenswert.
    • Das Filet zeichnete sich durch eine hohe sensorische Zartheit aus, der Huftdeckel durch den intramuskulären Fettgehalt, die Saftigkeit und das ernährungsphysiologisch etwas bessere Fettsäureprofil.
  • Grünerlen regulieren: Kombination von Schnitt und Beweidung mit Ziegen ist wirksam

    Grünerlen regulieren: Kombination von Schnitt und Beweidung mit Ziegen ist wirksam

    Die Ausbreitung der Grünerle auf Weideflächen verringert die Artenvielfalt, die Futterqualität und die Attraktivität der Landschaft. Die Beweidung mit Ziegen kann die Ausbreitung der Grünerle aufhalten und die Weidevegetation wiederherstellen.

    Der Rückgang der Beweidungsintensität hat dazu geführt, dass sich die Grünerle (Alnus viridis (Chaix) DC.) in den Alpen immer weiter ausbreitet. Sie ist eine der am stärksten invasiven Arten Zentraleuropas – mit negativen Folgen für Umwelt und Landwirtschaft: Eutrophierung, Freisetzung von Treibhausgasen, Bodenversauerung, tiefere Futterqualität und Verlust von Biodiversität der Weiden.

    Früher spielten Kleinwiederkäuer eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von verholzten Pflanzen. Doch ihre Zahl ist in der Schweiz seit Ende des 19. Jahrhunderts um 80 % zurückgegangen. Es stellt sich die Frage, ob auch andere Wiederkäuer, insbesondere Rinder, die Ausbreitung von Holzpflanzen kontrollieren können. Darum wurde in der vorliegenden Studie auf Schweizer Alpen untersucht, wie eine mechanische Entfernung der Grünerle in Kombination mit Beweidung durch Ziegen und Färsen die Ausbreitung der Grünerle eindämmen kann.

    Die Studie wurde auf drei Alpen durchgeführt, auf denen sich die Grünerle stark ausgebreitet hat. Insgesamt beweideten 28 Capra grigia-Ziegen und Gämsfarbige Gebirgsziegen sowie 21 Färsen der Rassen Holstein, Simmental und Swiss Fleckvieh sowohl Parzellen mit intakten Grünerlen als auch Parzellen, auf denen die Erlen zu Beginn der Saison geschnitten worden waren. Die Vorlieben der Tiere für einzelne Pflanzen und die Zusammensetzung ihrer Futterrationen wurden durch Beobachtung beim Fressen gemessen. Nach der Beweidung wurde der Anteil der geschälten Grünerlenäste, der Grad der Entblätterung und der Verbiss von wiederausgetrieben Grünerlen erhoben.

    Färsen bevorzugten krautige Pflanzen und verschmähten Grünerlen

    Die Futterration der Färsen bestand zu 87 % aus krautigen Pflanzen, wohingegen die Grünerle lediglich 1 % der Ration ausmachte. Sie wurde konsequent gemieden, selbst wenn sie einen grossen Anteil der verfügbaren Pflanzen ausmachte. Andere Sträucher (Alpen-Heckenrose, Himbeere und Heidelbeere) wurden dagegen gefressen. Die Färsen frassen oder zertrampelten die zuvor geschnittenen Sträucher, wobei die meisten Triebe jedoch nur leicht geschädigt wurden.

    Ziegen schälten und entblätterten die Grünerle und ihre Wiederaustriebe stark

    Die Futterration der Ziegen bestand zu einem grossen Teil aus verholzten Pflanzen. Auf Koppeln, auf denen die Grünerlen nicht entfernt worden waren, machten diese bis zu 57 % der Ziegenration aus. Die Ziegen frassen auch den Unterwuchs des Erlengebüschs (z.B. Farne). Im Gegensatz zu den Färsen erkundeten die Ziegen also das Erlengebüsch und passten ihre Ration an die verfügbaren Pflanzen an. 70 % der Grünerlenäste wurden von den Ziegen entblättert und 18 % von ihnen wurden geschält (mit starken Unterschieden zwischen den Alpen). Zusätzlich frassen die Ziegen fast alle Wiederaustriebe der zuvor geschnittenen Grünerlen.

    Fazit

    • Ziegen schälen die Rinde der Grünerle und fressen ihre Wiederaustriebe konsequent ab. Daher liegt es nahe, dass eine regelmässige Beweidung mit Ziegen in Kombination mit vorgängigem Schnitt ein wirksames Instrument ist, um die Grünerlenverbuschung einzudämmen und die Weidevegetation wiederherzustellen.

  • Die DNA der Freiberger verrät den Ursprung der Rasse

    Die DNA der Freiberger verrät den Ursprung der Rasse

    Anhand der genotypischen Daten von über 1000 Pferden konnte aufgezeigt werden, dass sich der Freiberger von anderen historisch eingekreuzten Rassen unterscheidet. Die aktuellen Ergebnisse zeigen auch Wege auf, wie Inzucht reduziert werden kann.

    Die Rasse der Freiberger (FM) entstand Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz durch die Kreuzung einheimischer Stuten mit den zwei anglonormannischen Hengsten Valiant (1891) und Imprévu (1886). Das FM-Herdebuch wurde 1921 offiziell veröffentlicht. Um der Nachfrage des Marktes gerecht zu werden, wurden später auch andere Rassen eingekreuzt; zunächst schwere Pferde für landwirtschaftliche Arbeiten, dann Hengste der Rassen Shagya, Arabisches Vollblut, Nonius, Anglo-Normanne, Selle Français und Schweizer Warmblut, um leichtere Pferdetypen für das Freizeitreiten und den Fahrsport zu züchten. Einige dieser Kreuzungen haben zur Bildung neuer Hengstlinien geführt. Derzeit gibt es 11 Hengstlinien: sechs, die als ursprünglich gelten, und fünf, die von Hengsten anderer europäischer Rassen abstammen.

    Um die Eigenschaften der letzten Schweizer Rasse zu erhalten, wurde das Herdebuch 1997 geschlossen, d.h. ein nach diesem Stichjahr geborenes eingekreuztes Fohlen gilt nicht mehr als reinrassiges FM-Pferd. FM-Pferde, die vor 1950 geboren wurden, gelten als reinrassig, auch wenn ihr Stammbaum Vorfahren anderer Rassen enthält. Derzeit nimmt die Zahl der Ur-Freiberger  (keine Einkreuzung seit 1950) ab, was zu einer Zunahme der Inzucht in dieser Subpopulation führt. Umgekehrt werden in der Zucht derzeit FM-Pferde mit hohem Fremdblutanteil bevorzugt, was die Integrität der FM-Pferdepopulation als einheimische Rasse sowohl in genetischer als auch in phänotypischer Hinsicht gefährdet.

    Die Populationsstruktur mit Genotypen detailliert sichtbar machen

    Um die Verwandtschaftsverhältnisse und die Inzucht der FM-Rasse genau zu interpretieren, haben Wissenschaftler mehr als 1200 Pferde mit dem Affymetrix Axiom™ Array genotypisiert. Dieser Array ermöglicht es, die genetische Variabilität des Pferdegenoms auf erschwingliche Weise darzustellen. Mit über 600’000 Markern (SNPs, Single Nucleotide Polymorphisms) kann das Genom jedes einzelnen Pferdes genotypisiert und die genetische Vielfalt unter den Hauspferderassen untersucht werden: Verwandte Pferde haben mehr gemeinsame Marker als Pferde unterschiedlicher Herkunft. Neben den Verwandtschaftsbeziehungen wurde auch die individuelle Inzucht über das Genom untersucht.

    In der Studie wurden die Genotypen von 1268 Pferden verglichen: 522 Freiberger, davon 44 vom Ur-Typ, 514 Warmblut Pferde (darunter Noé, ein Hengst, der 1990 für eine der letzten Kreuzungen eingesetzt wurde), 136 Vollblutaraber, 32 Shagya und 64 Englische Vollblüter (Warmblut Pferde zur Blutauffrischung der Freiberger wiesen diese Herkunft in ihren Stammbäumen auf). Bei den Freibergern waren die 11 Hengstlinien mit 8 bis 148 Nachkommen vertreten.

    Um die genetische Vielfalt der Freiberger-Rasse und der Freiberger-Ur-Typen im Vergleich zu anderen Rassen zu erfassen, verwendeten die Forschenden eine Methode, die die Verwandtschaftsbeziehungen, den Fremdblutanteil und die Inzucht berücksichtigt.

    Freiberger unterscheiden sich klar von anderen Rassen

    Die Analysen zeigen klar, dass sich der Freiberger und der Ur-Freiberger von den beiden arabischen Rassen sowie vom Warmblut und englischen Vollblut Pferden unterscheiden. Der FM unterscheidet sich somit deutlich von den anderen seit 1950 historisch eingeführten Rassen.

    Es gibt jedoch auch Substrukturen in der FM-Population, die zum Teil auf unterschiedliche genetische Ursprünge (Ur-Typ) zurückzuführen sind. Leider ist auch eine Verzerrung der Struktur zu beobachten, die auf eine Überrepräsentation der Nachkommen einiger beliebter Hengste zurückzuführen ist.

    FM-Pferde mit einem höheren Fremdblutanteil erklären den grössten Teil der genetischen Varianz innerhalb der aktuellen Zuchtpopulation und haben daher einen grösseren Einfluss auf diese. Ur-Freiberger hingegen erklären nur einen kleinen Teil der genetischen Varianz. Die Analysen zeigen auch, dass FM-Pferde unerwartet hohe Anteile an englischem Blut aufweisen.

    FM-Pferde weisen im Durchschnitt einen geringeren Inzuchtkoeffizienten auf als andere Rassen mit geschlossenem Herdebuch (ausser Warmblut), was vor allem auf die Blutauffrischung zurückzuführen ist. Einige Daten deuten jedoch auf einen Verlust der Vielfalt in den beiden FM-Subpopulationen hin. Um Inzucht zu vermeiden, schlagen die Autoren vor, Ur-Freiberger in die FM-Zuchtpopulation zu integrieren und die Züchter zu ermutigen, nicht gezielt auf die bei FM «seltenen» Fellfarben wie schwarz und Schimmel zu setzen.

    Fazit

    • Die Rasse der Freiberger (FM) hat sich Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz etabliert. Er erfuhr regelmässige Blutzuflüsse von Pferden anderer Rassen, darunter Shagya, Arabisches Vollblut, Nonius, Anglo-Norman, Selle Français und Schweizer Warmblut.
    • Eine Studie, die auf den genotypischen Daten von 1268 Pferden der Rassen Freiberger, Warmblut, Arabisches Vollblut, Shagya und Englisches Vollblut basiert, zeigt, dass der Freiberger genetisch die einzige Rasse mit Schweizer Ursprung ist. Sie zeigt auch, dass Freibergerpferde im Durchschnitt weniger Inzucht aufweisen als viele andere europäische Rassen. Einige Daten deuten jedoch auch auf einen Verlust der genetischen Vielfalt hin aufgrund der Beliebtheit bestimmter Hengste.
    • Um die Inzucht zu verhindern, schlagen die Autoren vor, Ur-Freiberger in die FM-Zuchtpopulation zu integrieren und die Züchter zu ermutigen, andere Merkmale als Fellfarbe zu bevorzugen.
  • Mehr als Käse: Alpweiden haben nicht nur für Kühe und Wanderer viel zu bieten

    Mehr als Käse: Alpweiden haben nicht nur für Kühe und Wanderer viel zu bieten

    Alpweiden bieten Futter, speichern CO2, ernähren Bestäuber, beherbergen unzählige Pflanzen und verzaubern uns mit ihrer Schönheit. Welche dieser Dienstleistungen tatsächlich realisiert wird, hängt vom Standort und Klima ab, aber auch von den Kühen.

    Alpweiden bieten eine Vielzahl von Dienstleistungen für Menschen und für die Umwelt. Forschende von Agroscope und der Universität Freiburg i.Br. untersuchten die Futtermenge und Futterqualität, die Kohlenstoffspeicherung, das Nahrungsangebot für Bestäuber, die Ästhetik und die Biodiversität von Alpweiden. Sie wollten wissen, welchen Einfluss Klima, Standortbedingungen und Bewirtschaftung auf diese Leistungen haben. Denn im Gegensatz zum Talgebiet verändern sich die Bedingungen in den Bergen oft innert weniger Meter stark. Wer die vielen Leistungen von Alpweiden ideal nutzen möchte, muss also wissen, wodurch sie gefördert werden.

    Die Forschenden untersuchten auf sechs Alpbetrieben in den nördlichen Voralpen und im Engadin insgesamt 66 Weidestellen – im flachen und im steilen Gelände, nahe bei der Alp und weit abgelegen, häufig von den Tieren besucht und selten beweidet. Hierfür wurden die Tiere mit GPS-Loggern ausgerüstet.

    Vielfalt als Herausstellungsmerkmal der Alpweiden

    Die erste Erkenntnis: Alpweiden sind enorm vielfältig. Nicht nur die Standortbedingungen verändern sich nahezu mit jedem Schritt, auch die Ökosystemleistungen können sich zwischen zwei nahegelegenen Flächen grundlegend unterscheiden. Besonders eindrücklich: Die Unterschiede innerhalb einer Alp sind meist grösser als die Unterschiede zwischen den Alpen.

    Dabei zeigt sich, dass die gemessenen Ökosystem-Dienstleistungen in ein komplexes Netzwerk aus Klima, Standort und Bewirtschaftung eingebunden sind: Weideflächen, die eine hohe Futtermenge und -qualität bereitstellen, besitzen meist eine geringere Pflanzenvielfalt und Ästhetik. Hingegen sind artenreiche Standorte in der Regel auch optisch ansprechend und bieten reichlich Nahrung für Bestäuber. Je wärmer und flacher ein Standort ist, desto höher sind die Futtermenge, die Futterqualität und die Kohlenstoffspeicherung, wohingegen trockene Standorte sich durch eine grosse Pflanzenvielfalt auszeichnen.

    Kühe verstärken durch ihr Verhalten den Charakter der verschiedenen Weideflächen

    Doch auch die Bewirtschaftung und das Bewegungsverhalten der Tiere spielt eine Rolle: Stellen, an denen mehr Pflegeaufwand betrieben wird, bieten eine grösser Futtermenge. Die GPS-Daten zeigten, dass die Kühe Bereiche mit hoher Futtermenge und -qualität bevorzugen. Weil sich die Tiere hier gerne aufhalten, sammeln sich viel Kot und damit Nährstoffe an. Das führt dazu, dass die Futtermenge zunimmt, was wiederum die Tiere anzieht. Orte, die von den Kühen nur selten besucht werden, bieten dafür umso mehr Nahrung für Bestäuber und eine grosse Biodiversität.

    Wäre es also möglich, die Tiere gezielt zu steuern, um diese oder jene Ökosystemleistung zu steigern? Die Studie zeigt, dass es sehr viel Zaunarbeit braucht, um das angeborene Bewegungsverhalten der Tiere messbar zu beeinflussen. Doch das ist gar nicht nötig, denn die Heterogenität der Weiden bietet auch einen grossen Vorteil: Durch die kleinräumigen Unterschiede, die durch das Verhalten der Tiere noch verstärkt werden, ist es möglich, ganz unterschiedliche Ökosystemleistungen auf ein und derselben Alp nebeneinander zu realisieren.

    Fazit

    • Alpweiden bieten zahlreiche Ökosystemleistungen. Welche Leistung an einem Ort realisiert wird, hängt vor allem vom Klima und den Standortbedingungen ab.
    • Solange eine Weide nicht über- oder unternutzt wird, hat die Beweidungsintensität wenig Einfluss darauf, in welchem Umfang eine Ökosystemleistung realisiert wird.
    • Eine standortangepasste Bewirtschaftung, die die gegebenen Klima- und Standortbedingungen berücksichtigt, ist essenziell. Übernutzung führt zu einem Verlust von Ökosystemleistungen.
    • Eine extensive Beweidung ist die Grundvoraussetzung für den Erhalt der Alpweiden. Wenn die Tierzahlen zurückgehen, verbuschen die Alpweiden und ihre vielfältigen Ökosystemleistungen gehen verloren.
    • Alpweiden sind enorm vielfältig. Ihre Heterogenität erlaubt, dass ganz unterschiedliche Ökosystemleistungen nebeneinander realisiert werden.
  • Paratuberkulose bei Rindern: internationale Entwicklung und Situation in der Schweiz

    Paratuberkulose bei Rindern: internationale Entwicklung und Situation in der Schweiz

    Eine aktuelle Übersicht zur Paratuberkulose beschreibt diese chronische Erkrankung von Rindern, zeigt wie man sie international und national bekämpft und erklärt warum das wichtig ist.

    Paratuberkulose (ParaTB) zeigt sich beim Rind und anderen Wiederkäuern als eine über viele Jahre verlaufende Krankheit. Sie ist erst symptomlos, später führt eine chronische Darmentzündung mit Durchfall zum Tode. Das Bakterium Mycobacterium avium spp. paratuberculosis (MAP) ist der Auslöser von ParaTB.

    Schweizer Kuh mit Paratuberkulose. (Foto: Universität Bern, Wiederkäuerklinik)

    Stand der Forschung zur Paratuberkulose

    Der Artikel zeichnet den aktuellen Stand der Forschung über ParaTB und MAP nach und erörtert, wie verschiedene Länder ParaTB bekämpfen.

    Erste ParaTB-Bekämpfungsprogramme wurden vor über 30 Jahren aufgegleist, als sich andeutete, dass MAP in Verdacht steht, die entzündliche Darmerkrankung «Morbus Crohn» beim Menschen auszulösen und unter gewissen Umständen die Pasteurisierung von Verkehrsmilch zu überleben.

    Trotz intensiver Forschung während den letzten Dekaden konnte der mögliche kausale Zusammenhang zwischen MAP und Morbus Crohn weder vollständig bewiesen noch widerlegt werden. Es fehlen immer noch verschiedene klinische Studien mit validierten Methoden zum MAP-Nachweis in klinischen Proben. Dennoch wird die ParaTB-Bekämpfung ausgebaut, besonders in Ländern mit grossen Herden und intensiver Landwirtschaft.

    Aktuell wird die ParaTB-Bekämpfung in vielen Ländern durch integratives Herdenmanagement zur Förderung der Tiergesundheit und des Tierwohles unter Einbezug ökonomischer Fragen praktiziert.

    Situation in der Schweiz

    ParaTB kommt in der Schweiz endemisch vor. Ende 2015 wurden auf nationaler Ebene obligatorische Bekämpfungsmassnahmen gegen die Tierseuche festgelegt, hauptsächlich um den Zugang zum internationalen Markt (Export von Milch und Milchprodukten) zu sichern. Ziel ist es, Tiere, die den Erreger in grossen Mengen ausscheiden, zu identifizieren und zu eliminieren, und damit den Infektionsdruck im Bestand und das potentielle Risiko eines Eintrages von MAP in die Lebensmittelkette zu verringern.

    Jüngste Daten von Prof. M. Meylan der Universität Bern zeigen, dass in der Schweiz eine im europäischen Vergleich tiefe Herdenprävalenz in Schweizer Rinderhaltungen vorhanden ist: Die wahre Seroprävalenz betrug 3,6 % auf Herdenebene, sowie 3,6 % auf Tierebene in infizierten Betrieben. Herdengrösse war der einzige Risikofaktor für einen positiven Herdenstatus. Ausserdem zeigt die Studie ein eher bescheidenes Wissen über ParaTB bei Rinderhaltenden.

    Fazit

    • Trotz intensiver Forschung während den letzten drei Dekaden konnte ein möglicher kausaler Zusammenhang zwischen MAP und Morbus Crohn beim Menschen weder vollständig bewiesen noch widerlegt werden.
    • International wird ParaTB bekämpft, indem man integratives Herdenmanagement zur Förderung der Tiergesundheit und des Tierwohls unter Einbezug ökonomischer Fragen praktiziert. Dieser Ansatz hätte dann auch einen positiven Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit.
    • In der Schweiz wurde kürzlich eine im internationalen Vergleich relativ niedrige Seroprävalenz für MAP in Milchviehherden gemessen.
    • In der Schweiz existiert kein national koordiniertes Programm zur Überwachung und Bekämpfung der ParaTB. Umso wichtiger ist es, durch verstärkte Information das Bewusstsein der Tierhaltenden für die Krankheit zu steigern, damit Infektionen erkannt und Massnahmen getroffen werden für eine bessere Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit.

  • 3D-Bildgebung zur Optimierung der Fütterung von Mastrindern

    3D-Bildgebung zur Optimierung der Fütterung von Mastrindern

    Die sichere und einfach zu implementierende, dreidimensionale (3D) Bildgebung liefert gute Ergebnisse für die Abschätzung der chemischen Körper- und Schlachtkörper-Zusammensetzung von Rindern im Wachstum.

    Die Kenntnis der chemischen Zusammensetzung von Nutztieren ist hilfreich, um ihren Futterbedarf und den idealen Schlachttermin genau abzuschätzen. Durch Anpassung der Ernährung kann die Futtereffizienz verbessert werden, was wiederum zu einer höheren Wirtschaftlichkeit der Nutztierhaltung beiträgt.

    Bei der Referenzmethode zur Quantifizierung der chemischen Elemente, aus denen der Körper eines Tieres besteht, muss das Tier geschlachtet werden, um Gewebe für die Analyse entnehmen zu können. Die Methode ist teuer, führt zu Verlust von essbarem Fleisch und kann nur zu einem bestimmten Zeitpunkt im Lebenszyklus des Tieres angewendet werden. Sie ist daher nur für Forschungszwecke geeignet.

    Es existieren auch visuelle oder manuelle Schätzungsmethoden; Beispielsweise kann mit der CH-TAX die Fleischigkeit und den Ausmastgrad bzw. die Fettabdeckung abschätzt werden. Schliesslich können auch bildgebende Verfahren mit Ultraschall oder Röntgenstrahlen zum Einsatz kommen. Diese lassen sich jedoch aufgrund gewisser Einschränkungen (Genauigkeit, Kosten, Sicherheitsmassnahmen) noch nicht in grossem Umfang einsetzen.

    3D-Bildgebung – nicht invasiv, sicher und einfach anzuwenden

    Die rasche Entwicklung der 3D-Bildgebungstechnologie eröffnet neue Perspektiven. Diese nicht invasive Methode ist sicher und einfach einzusetzen, da sie keinen direkten Kontakt mit den Tieren erfordert. Bei Milchkühen wurde die 3D-Bildgebung bereits erfolgreich zur Messung bestimmter Exterieurmerkmale eingesetzt. Für die Schätzung der Körper- und Schlachtkörperzusammensetzung bei Rindern im Wachstum muss sie jedoch noch getestet werden.

    Ziel der vorliegenden Studie war es, die Genauigkeit der 3D-Bildgebung zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung des Körpers und des Schlachtkörpers von Kreuzungsrindern (Brown Swiss-Mütter gekreuzt mit Angus-, Limousin- oder Simmental-Vätern) zu kalibrieren und zu messen.

    In den Jahren 2020-2021 wurden in Posieux 3D-Bilder von 100 Mastrindern aufgenommen, einerseits während dem Wachstum (von 75 bis 520 kg Lebendgewicht und von 34 bis 306 kg Schlachtgewicht), andererseits beim Schlachtgewicht (289 kg, bzw. 517 kg Lebendgewicht), was dem in der Schweiz üblichen Schlachtgewicht entspricht. Messungen von Exterieurmerkmalen wie Umfangs-, Oberflächen- und Volumenmessungen erfolgten anhand von 3D-Bildern der Tiere kurz vor der Schlachtung.

    Mit diesen Messungen wurden Schätzgleichungen für die Masse oder Anteile von Wasser, Fett, Eiweiss, Mineralstoffen und Energie im Körper und im Schlachtkörper der Tiere erstellt. Diese wurden parallel dazu mit der Referenzmethode direkt nach der Schlachtung bestimmt.

    Eine vielversprechende, aber noch zu validierende Technologie

    Die 3D-Bildgebung ermöglicht eine genaue Schätzung der Phänotypen wie Lebendgewicht, Schlachtgewicht und -ausbeute sowie der chemischen Zusammensetzung des Körpers und des Schlachtkörpers.

    Wurden die mit 3D-Bildgebung gemessenen Exterieurmerkmale in den Schätzgleichungen zum Lebendgewicht hinzugefügt, konnte die Genauigkeit der Schätzung der Körper- und Schlachtkörperzusammensetzung im Vergleich zum Lebendgewicht allein systematisch verbessert werden. Die Werte waren vergleichbar mit den Werten, die sich aus dem Lebendgewicht und der CH-TAX-Klassifizierung des Schlachtkörpers ergaben. Die vorliegende Studie ist ein erster Schritt in der Entwicklung der 3D-Bildgebung für die nicht invasive Schätzung der Körper- und Schlachtkörperzusammensetzung bei lebenden Rindern. Die Ergebnisse müssen anhand weiterer Studien bestätigt werden. Auch die Umsetzung in der Praxis oder im Schlachthof erfordert weitere Studien. Wenn die Technologie validiert und auf den Betrieben im Rahmen des Ansatzes der Präzisionslandwirtschaft zum Einsatz kommt, eröffnet sie den Zugang zu Daten, die es erlauben, die Effizienz und Rentabilität der Nutztierhaltung zu verbessern.

    Fazit

    • Die Kenntnis der chemischen Zusammensetzung von Nutztieren ermöglicht es, den Futterbedarf und den idealen Schlachtzeitpunkt genau abzuschätzen, die Futtereffizienz zu verbessern und die Wirtschaftlichkeit der Tierhaltung zu optimieren.
    • Die Referenzmethode zur Quantifizierung der chemischen Elemente, aus denen Tiere bestehen, verwendet wird, hat Grenzen und ist nur für Forschungszwecke geeignet.
    • Die sichere und einfach umzusetzende 3D-Bildgebung erweis sich in der Studie als interessante Alternative. Sie erlaubte eine genaue Abschätzung der Massen und der Anteile von Wasser, Fett, Protein, Mineralstoffen und Energie im Körper und im Schlachtkörper von Rindern im Wachstum.
    • Die Anwendung in der Praxis oder im Schlachthof erfordert weitere Entwicklungsarbeit.
  • Tierwohl ist für Konsumentinnen und Konsumenten wichtiger als ökologische Nachhaltigkeit

    Tierwohl ist für Konsumentinnen und Konsumenten wichtiger als ökologische Nachhaltigkeit

    Eine Studie zu Kaufentscheiden bei Milch- und Fleischprodukten in fünf europäischen Ländern zeigt, welche Produktmerkmale für Konsumentinnen und Konsumenten wichtig sind. Weiter wurde untersucht, ob Nachhaltigkeitslabels als nützlich wahrgenommen werden.

    Die Produktion von Nahrungsmitteln, insbesondere Fleisch und Milchprodukte, trägt zu Treibhausgasemissionen bei. Eine wichtige Frage ist deshalb, ob Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf von Lebensmitteln auf ökologische Nachhaltigkeit achten.

    Im Rahmen des EU Horizon 2020 Projekts SUPER-G (Developing Sustainable Permanent Grassland Systems and Policies) wurde eine Onlinebefragung in fünf europäischen Ländern (Tschechien, Spanien, Schweden, Schweiz und England) durchgeführt. Insgesamt haben 3’192 Personen an der Befragung teilgenommen. Ziel der Studie war es, zu untersuchen, welche Produkteigenschaften den Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf von Fleisch und Milch wichtig sind und ob sie Nachhaltigkeitslabels für diese Produkte hilfreich fänden.

    Qualität und hohe Standards beim Tierwohl als wichtigste Produkteigenschaften

    Die Befragten der fünf Länder haben für Milch und Fleisch ähnliche Produkteigenschaften als wichtig eingestuft. Frische, Qualität / Geschmack und Tierwohl waren die wichtigsten Produkteigenschaften. Umweltaspekte wie food miles, CO2-Fussabdruck oder biologische Produktion wurden hingegen als am wenigsten wichtig eingestuft. Von diesen Resultaten leiten wir ab, dass Kauf- oder Konsumentscheidungen nicht primär aufgrund von Umweltaspekten gefällt werden, sondern dass insbesondere auch das Tierwohl ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten ist.

    Nachhaltigkeitslabels werden bei Kaufentscheiden als hilfreich wahrgenommen

    Konsumentinnen und Konsumenten aus allen fünf Ländern gaben an, dass sie Nachhaltigkeitslabels für Milch- und Fleischprodukte als hilfreich wahrnehmen (Mittelwerte zwischen 3,7 und 4,1, wobei 1 = gar nicht hilfreich, 5 = sehr hilfreich bedeutet). Weiter haben wir untersucht, welche spezifischen Informationen sich die Konsumentinnen und Konsumenten von diesen Labels wünschen.

    Es zeigte sich, dass die Aspekte Tierwohl, Lebensmittelsicherheit und Gesundheit sowie Ernährung als am wichtigsten wahrgenommen wurden. Es zeigten sich zudem einzelne Unterschiede zwischen den Ländern. So wurde beispielsweise in Spanien und Tschechien Lebensmittelsicherheit / Gesundheit und Ernährung als wichtiger gewertet als Tierwohl. Die anderen Länder (Schweden, Schweiz und England) gewichteten Tierwohl hingegen stärker.

    Fazit

    • In allen fünf untersuchten Ländern empfanden die Teilnehmenden Nachhaltigkeitslabels für Milch- und Fleischprodukte als hilfreich.
    • Die Präferenzen für verschiedene Produktmerkmale waren in den fünf Ländern ähnlich.
    • Für Nachhaltigkeitslabes wurden Informationen zu Tierwohl, Lebensmittelsicherheit / Gesundheit und Ernährung als am wichtigsten wahrgenommen.
    • In der Schweiz wurden Frische und Qualität / Geschmack als die zentralen Produkteigenschaften bei Fleisch und Milch eingestuft.
  • Raufutteranteile in der Legehennenfütterung – sinnvoll bei Zweinutzungshühnern?

    Raufutteranteile in der Legehennenfütterung – sinnvoll bei Zweinutzungshühnern?

    Zweinutzungshühner spielen im Schweizer Biolandbau eine Rolle. Ihre Futtereffizienz ist dabei eine Herausforderung. Macht es Sinn, für diese Tiere extensiveres, faserreicheres Futter einzusetzen?

    Mit dem Verzicht auf das Kükentöten bei Bio Suisse gewinnen Zweinutzungsrassen bzw. -linien an Bedeutung, um einen Weg zur Aufzucht der männlichen Küken zu finden. Allerdings ist auch bei Hennen dieser Genotypen die Futterverwertung im Vergleich zu Legehybriden eingeschränkt – je nach Genotyp mehr oder weniger stark. Daraus ergibt sich die Frage, ob deshalb weniger hochwertiges Futter z.B. mit höheren Anteilen an graslandbasiertem Raufutter eingesetzt werden könnte, um wertvollere Komponenten einzusparen. Dies ist umso mehr relevant, weil Hennen auf Biobetrieben im Auslauf oft Wiesenfutter zur Verfügung steht.

    Fütterungsversuch mit erhöhtem Raufutteranteil für Legehennen

    In einem kontrollierten Fütterungsversuch im Stall wurden die Effekte eines etwas erhöhten Raufutteranteils im Alleinfutter für Legehennen untersucht. Zudem wurde in einer on-farm-Studie auf einem Bio-Legehennenbetrieb der Futterverzehr von der Weide in zwei Herden geschätzt. In beiden Fällen wurde eine neu entwickelte Zweinutzungslinie mit einer klassischen Legehybride verglichen.

    Im kontrollierten Versuch zeigte sich, dass eine Erhöhung des Rohfaseranteils von 6,5 auf 10 % in der Ration bei keinem der verglichenen Genotypen einen Effekt auf Legeleistung, Futterverwertung oder Eigewichte hatte. Die Hennen der Zweinutzungslinie hatten erwartungsgemäss eine geringere Leistung und Futterverwertung, was durch die veränderte Futterzusammensetzung auch nicht beeinflusst war.

    Weidefutter kann einen Teil des Alleinfutters ersetzen

    In der on-farm-Untersuchung wurde eine Futteraufnahme von der Weide im Bereich von 25 g Trockenmasse pro Henne und Tag geschätzt.  Das Weidefutter war jung und hochwertig. Die resultierenden Legeleistungen beider Rassen lagen im Rahmen der Erwartungen. Da eine Verdrängung beim Verzehr des Alleinfuttermittels in etwa gleicher Grössenordnung stattfand, kann von einem substanziellen Beitrag des Wiesenaufwuchses (ca. 20 % des Futters) zur Eiproduktion gesprochen werden. Diese Angaben sind Schätzwerte pro Herde aufgrund von Biomasseerhebungen auf der Weide und Futterverbrauch im Stall.

    Zweinutzungshennen verwerten rohfaserhaltiges Futter nicht besser als Legehybriden

    Aus diesen Untersuchungen kann man schliessen, dass unter den spezifischen Bedingungen unserer Studien eine moderate Steigerung des Rohfasergehaltes im Legehennenfutter den Leistungen nicht abträglich war und unter Auslaufbedingungen auch durch das natürliche Verhalten der Hennen gegeben war. Ein spezifischer Vorteil für Zweinutzungshennen gegenüber Legehybriden zeigte sich diesbezüglich jedoch nicht.

    Fazit

    • Das Verdauungssystem von Hühnern ist für die Fermentation von Faseranteilen im Futter ausgelegt. Daher ist ein gewisses Mass an zusätzlichen Raufutteranteilen im Geflügelfutter möglich. Besonders bei extensiveren Rassen mit Auslaufmöglichkeiten kann dies sinnvoll sein.
    • Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass bei vorsichtiger Erhöhung des Raufutteranteils im Legehennenfutter bzw. bei Aufnahme von Wiesenfutter im Auslauf ein Teil des Futterproteins über diese Wege aufgenommen und verwertet werden konnte.
    • Eine systematische Erhebung der Flächeneffizienz auf Geflügelbetrieben mit Weideauslauf wäre ein notwendiger nächster Schritt.
  • Dynamik der Knochenmineralisierung bei Muttersauen und Phosphorausscheidung

    Dynamik der Knochenmineralisierung bei Muttersauen und Phosphorausscheidung

    Eine Muttersau mobilisiert während der Laktation körpereigenes Phosphor und gewinnt während der Trächtigkeit wieder Phosphor zurück. Durch die Berücksichtigung dieser Dynamik kann die Phosphoraufnahme über die Nahrung während der Laktation und damit die Ausscheidung in die Umwelt reduziert werden.

    Kalzium (Ca) und Phosphor (P) spielen beim Aufbau der Knochen eine wichtige Rolle. Eine unzureichende Zufuhr von Ca und/oder P über die Nahrung schränkt die Knochenmineralisierung ein, während ein Überschuss die P-Ausscheidung erhöht, was wiederum umweltschädlich sein kann.

    In der Schweineproduktion ist es für eine möglichst gute Verwertung des P im Futter und zur Entwicklung neuer Fütterungsstrategien wichtig, die Mechanismen der Mineralstoffverwertung zu verstehen. Der P-Bedarf einer Muttersau ist während der Laktation sehr hoch, während der Trächtigkeit dagegen sehr gering. Agroscope untersuchte in einer ersten Studie bei Muttersauen die Dynamik der Ca- und P-Flüsse im Rahmen der Knochenmineralisierung, und dabei insbesondere die P-Mengen, die während der Laktation aus den Knochen mobilisiert und während der folgenden Trächtigkeit wieder zurückgewonnen werden.

    Vergleich von vier Laktationsfuttern

    Die Knochenmineralisierung von 24 Jungsauen wurde 2, 14, 26, 70 und 110 Tage nach dem Abferkeln mithilfe eines Röntgenscanners quantifiziert. Es wurden vier Laktationsfutter verglichen: 100 % mit 9,9 g Ca und 3,0 g verdaulichem P/kg entsprechend dem Nährstoffbedarf (Lact100), bzw. 75 % (Lact75), 50 % (Lact50) sowie 50 % mit zugesetzter Phytase (Lact50 + FTU), einem Enzym, das die P-Verdaulichkeit aus der Nahrung erhöht. Das nachfolgende Galtfutter wurde so zusammengestellt, dass es den Nährstoffbedarf an Ca und P deckt (8,2 g Ca und 2,6 g verdaulicher P/kg).

    Erholung auch nach starker Mobilisierung

    Während der 26-tägigen Laktation mobilisierten alle Sauen unabhängig vom Futter einen Teil ihrer mineralischen Körperreserven. Auf Kosten des Knochenmineralgehalts (BMC) wurden durchschnittlich 664 g Mineralstoffe mobilisiert, was 240 g Ca und 113 g P entspricht. Am Ende der Laktation war der BMC der mit Lact50 gefütterten Sauen tendenziell niedriger (-12,8 %) als bei den Lact100-Sauen. Der BMC blieb bei der Fütterung mit Lact50 + FTU dagegen vergleichbar mit dem BMC bei der Lact100-Fütterung. Während der nächsten Trächtigkeit kehrte der BMC bei den verschiedenen Fütterungen auf ähnliche Werte zurück. Folglich konnten sich die mit Lact50 gefütterten Sauen trotz der höheren Mobilisierung von Mineralstoffen aus den Knochen während der Laktation erholen. Die P-Ausscheidung (aufgenommenes minus zurückgehaltenes P) bei Sauen, die mit Lact50 bzw. Lact50 + FTU gefüttert wurden, wurden im Vergleich zu Sauen, die mit Lact100 gefüttert wurden, um 40 % bzw. 43 % reduziert.

    Mögliche Verringerung der P-Ausscheidung

    Zusammenfassend zeigen die Veränderungen der Körperzusammensetzung während der ersten Laktation und der zweiten Trächtigkeit bei Jungsauen, dass die in die Knochen eingelagerten Reserven mobilisiert und dann wiedergewonnen wurden und dass der P-Gehalt des Futters und eine Phytase-Supplementierung während der Laktation einen Einfluss auf diese Dynamik hat. Wenn für die Ermittlung des P-Bedarfs während der Laktation neben dem mit dem Futter aufgenommenen P auch die Flüsse des im Körper vorhandenen P berücksichtigt werden, könnten in Zukunft die mit dem Futter bereitgestellten anorganischen Phosphate und folglich die P-Ausscheidungen erheblich eingeschränkt werden.

    Fazit

    • Die Muttersauen mobilisierten ihre körpereigenen Ca- und P-Reserven während der Laktation und erholten sich während der nächsten Trächtigkeit.
    • Diese Dynamik wurde durch das mit dem Futter aufgenommene P und eine Phytase-Supplementierung während der Laktation beeinflusst.
    • Die P-Ausscheidung war bei Sauen reduziert, die Futter mit reduziertem P-Gehalt mit oder ohne Phytase-Supplementierung erhielten.
    • Wenn für die Ermittlung des P-Bedarfs während der Laktation neben dem mit dem Futter aufgenommenen P auch die Flüsse des im Körper vorhandenen P berücksichtigt werden, könnten die mit dem Futter bereitgestellten anorganischen Phosphate und folglich die P-Ausscheidungen erheblich eingeschränkt werden.
  • Einsatz von grundfutterbasierten Mischrationen für Milchschafe und -ziegen in der Praxis

    Einsatz von grundfutterbasierten Mischrationen für Milchschafe und -ziegen in der Praxis

    In professionell geführten Milchschaf- und Milchziegenbetrieben werden vermehrt Mischrationen eingesetzt. Die Zusammensetzung von in der Praxis verfütterten Rationen sowie die daraus resultierenden Milchproduktionspotenziale wurden untersucht.

    In der Milchschaf- und Milchziegenhaltung mit hoher Milchleistung werden zunehmend Mischrationen eingesetzt, um das Verfüttern einer ausgewogenen Ration zu erleichtern. Es war jedoch nicht bekannt, wie in der Schweiz grundfutterbasierte Mischrationen in der Praxis zusammengesetzt sind.

    24 professionelle Milchziegen- und Milchschafbetriebe untersucht

    In der Winterfütterungsperiode 2018/2019 wurden je zwölf professionelle Schweizer Milchziegen- und Milchschafbetriebe besucht, die Mischrationen einsetzten. Die Zusammensetzung der gefütterten Rationen wurde erfasst, Futterproben der Grundfutterkomponenten analysiert und das Milchleistungspotential der Rationen berechnet.

    Die Grundfutterrationen bestanden bei den Schafen durchschnittlich zu 91 % aus Wiesenfutter, bei den Ziegen lag dieser Wert bei 79 %. Das Wiesenfutter wurde als Konserven in der Regel als Dürrfutter vorgelegt, vereinzelt auch als Grassilage. Auf den meisten Milchziegenbetrieben kam Luzerne zum Einsatz. Der Anteil Kraftfutter war auf den Betrieben mit Milchziegen mit 18 % der Gesamtration höher als bei den Milchschafbetrieben (10 %). Der gesamte Verzehr von Trockensubstanz (TS) lag bei den Milchschafen im Durchschnitt bei 2,5 kg TS/Tier und Tag. Die Ziegen nahmen mit 2,8 kg TS etwas mehr Futter auf.

    Wiesenfutter mit hoher Qualität

    Die Gehaltswerte der Wiesenfutter wiesen insgesamt eine gute bis sehr gute Qualität auf. Insbesondere die Energiegehalte waren hoch, z. B. beim Heu mit im Durchschnitt 5,6 MJ Netto Energie Laktation (NEL)/kg TS oder Emd mit 5,3 MJ NEL/kg TS. Die Gehalte an absorbierbarem Protein im Darm auf Grund der pansenverfügbaren Energie (APDE) der Wiesenfutter lagen im Durchschnitt bei 80 g/kg TS, schwankten aber recht stark von 58 g APDE/kg TS bis zu 105 g APDE/kg TS. Nach Abzug des Erhaltungsbedarfs standen den Ziegen im Durchschnitt 13,2 MJ NEL und 231 g APD bzw. den Schafen 11,6 MJ NEL und 223 g APD für die Milchproduktion zur Verfügung. Daraus ergaben sich Milchproduktionspotenziale, die bei den Milchziegen um 5 kg und bei den Schafen bei gut 2 kg pro Tag lagen.

    Futtermittelanalysen ermöglichen ausgeglichene Rationen

    Die Rationen ermöglichten daher hohe Milchleistungen. Die Rationen waren aber hinsichtlich ihres Potentials für Energie oder Protein oft nicht optimal ausgeglichen. Die Gehalte der Wiesenfutter können von Jahr zu Jahr recht stark schwanken. Futtermittelanalysen wären ein gutes Hilfsmittel, um die Nährstoffgehalte zu kennen und damit das passende Kraftfutter zum Ausgleich der Ration auszuwählen.

    Fazit

    • In allen untersuchten Betrieben wurde viel Wiesenfutter mit guter bis sehr guter Qualität verfüttert.
    • Insgesamt war die Fütterung der Ziegen etwas intensiver als die der Schafe.
    • Die Mischrationen hatten ein Milchleistungspotential von rund 2 kg für Schafe und etwa 5 kg für die Ziegen.
    • Die Rationen waren hinsichtlich der Energie und des Proteins nicht immer optimal ausgeglichen.
    • Der Kenntnis der Nährstoffgehalte der verabreichten Futtermittel und dadurch der gezielten Auswahl des Kraftfutters kommt somit eine grosse Bedeutung zu.
  • Die Bevölkerung sieht das Tierwohl als eines der wichtigsten agrarpolitischen Ziele

    Die Bevölkerung sieht das Tierwohl als eines der wichtigsten agrarpolitischen Ziele

    In einer Online-Umfrage haben Agroscope-Forschende die Einstellungen der Schweizer Bevölkerung zu agrarpolitischen Zielen in allen drei Sprachregionen untersucht. Die Ergebnisse sollen helfen, die Agrarpolitik besser zu gestalten.

    Die Agrarpolitik erfüllt eine Vielzahl von unterschiedlichen Zielen. Dazu gehören beispielsweise eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete landwirtschaftliche Produktion, die sichere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, das Sicherstellen eines angemessenen Entgelts für die erbrachten Leistungen der Landwirtschaft sowie die Garantie des Tierwohls. Oft ist aber die Verfolgung eines agrarpolitischen Ziels mit Zielkonflikten verbunden. Entsprechend muss in solchen Situationen genau abgewogen werden, welches Ziel stärker gewichtet werden soll. Die Bevölkerung spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, welche Ziele priorisiert werden sollen. Die Menschen sind sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch Stimmberechtigte, die wählen und ihre Meinung äussern können. In der vorliegenden Studie wurde am konkreten Beispiel des Tierwohls untersucht, welche Gewichtungen die Bevölkerung vornimmt und was die Treiber dafür sind. Diese Erkenntnisse sind wichtig für die Ausgestaltung der Agrarpolitik.

    Tierwohl als agrarpolitisches Ziel

    In einer repräsentativen Umfrage (N=1542, in allen drei Sprachregionen, im Oktober 2022) sollten die Teilnehmenden spontan die drei agrarpolitischen Ziele nennen, die ihrer Ansicht nach am wichtigsten sind. Aus der Abbildung 1 wird ersichtlich, dass das Tierwohl am häufigsten genannt wurde. Ebenfalls als wichtig erachtet wurden Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Bio, lokale Produktion/Herkunft und Biodiversität, Versorgungssicherheit sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Einige der Teilnehmenden hatten Mühe, konkrete agrarpolitische Ziele zu nennen und gaben keine Antwort.

    Abbildung 1: Häufigste, spontane Nennungen der wichtigsten agrarpolitischen Ziele.

    Gewichtung von Tierwohl in agrarpolitischen Zielkonflikten

    Die Teilnehmenden sollten dann die Wichtigkeit des Tierwohls als agrarpolitisches Ziel einstufen, wenn dieses in direktem Konflikt mit einem anderen Ziel steht. Die drei konkreten Zielkonflikte sind in Abbildung 2 dargestellt. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden hat eine starke oder schwache Präferenz für das Tierwohl geäussert. Dies ist unabhängig davon, ob Tierwohl in Konflikt mit dem landwirtschaftlichen Einkommen (47,5 %), den Konsumentenpreisen (50,9 %) oder der Inlandproduktion (53,2 %) steht. Je rund 22 % bevorzugen das konkurrierende Ziel, der Rest war unentschlossen.

    Abbildung 2: Gewichtung von Tierwohl in agrarpolitischen Zielkonflikten (N = 1542).

    Bestimmungsfaktoren der Präferenz für Tierwohl

    Mittels Regressionsanalysen haben wir anschliessend untersucht, welche Faktoren die Präferenz für Tierwohl bestimmen. Dabei haben wir für die drei Zielkonflikte ähnliche Muster gefunden. Frauen neigten dazu, das Tierwohl höher zu gewichten als das damit in Konflikt stehende Ziel. Weiter hängt diese Präferenz davon ab, wie Landwirtinnen und Landwirte wahrgenommen werden. Personen mit einem sehr positiven Bild von Landwirten gewichteten das Tierwohl niedriger – zugunsten des jeweils konkurrierenden Zieles. Möglicherweise gehen diese Personen eher davon aus, dass die Landwirtinnen und Landwirte die Tiere ohnehin gut umsorgen und das Tierwohl sicherstellen, sodass wenig agrarpolitischer Handlungsbedarf besteht.  Ausserdem stellen wir fest, dass überzeugte Fleischesser eher das mit Tierwohl in Konflikt stehende Ziel als wichtiger erachten.

    Fazit

    • In einer Online-Umfrage wird das Tierwohl am häufigsten genannt, wenn die Befragten spontan drei agrarpolitische Ziele nennen sollen.
    • Das Tierwohl wird auch dann als wichtig wahrgenommen, wenn ein Zielkonflikt mit anderen agrarpolitischen Zielen (landwirtschaftliche Einkommen, Konsumentenpreise, Inlandsproduktion) besteht.
    • Überzeugte Fleischesser bevorzugen eher das mit dem Tierwohl in Konflikt stehende Ziel. Dies gilt für alle drei untersuchten Zielkonflikte.
  • Qualität von Grassilage aus intensiv genutzten Dauerwiesen

    Qualität von Grassilage aus intensiv genutzten Dauerwiesen

    Die botanische Zusammensetzung, der Vegetationszyklus und das Entwicklungsstadium sind nicht die einzigen Faktoren, die die Qualität von Grassilage aus intensiv genutzten Dauerwiesen beeinflussen.

    In den Jahren 2018 und 2019 wurden aus insgesamt 21 intensiv genutzten Dauerwiesen unterschiedlicher botanischer Zusammensetzungen in der Schweiz über maximal 5 Vegetationszyklen nach einem praxisnahen Schnittkalender Grünfutter geerntet. Ziel war es, die Silierbarkeit und die Gärqualität der gewonnenen Silagen zu untersuchen.

    Vegetationszyklus und Entwicklungsstadium beeinflussen die Gärqualität

    Die Qualität der Silagen war sehr unterschiedlich, konnte aber anhand des Vergärbarkeitskoeffizienten des Grünfutters vorhergesagt werden, der aus dem Gehalt an Trockensubstanz und löslichen Zuckern sowie der Pufferkapazität geschätzt wurde.

    Vegetationszyklus und Entwicklungsstadium stehen bei der Bewirtschaftung von Dauergrünland in engem Zusammenhang. Der Schnittzeitpunkt beeinflusst die chemische Zusammensetzung des Futters und damit den Gehalt an Substraten (hauptsächlich wasserlösliche Zucker) und Hemmstoffen, die die Gärqualität der Grassilage bestimmen. Die botanische Zusammensetzung hatte ebenfalls einen Einfluss auf die Gärqualität der Grassilage, jedoch war der Einfluss der Artenzusammensetzung im Vergleich zu den anderen untersuchten Faktoren relativ gering.

    Die Analyse des pH-Werts, der flüchtigen Fettsäuren und der Alkohole ist für eine genaue Charakterisierung der Gärqualität von Silagen unerlässlich. Es bestehen Korrelationen zwischen den Konzentrationen der verschiedenen Stoffe. Ihr Zusammenspiel ermöglicht Einblicke in die Gärprozesse in Grassilagen.

    Ein grosser Teil der breiten Variabilität der Gärungseigenschaften von Silage kann jedoch nicht durch die in dieser Studie berücksichtigten Faktoren erklärt werden.

    Bisher wenig erforschter Einfluss der epiphytischen Mikroflora

    Noch wenig erforscht ist der Einfluss von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen, welche die Pflanzenoberflächen von Dauergrünland besiedeln. Dieser Faktor könnte auch einen wesentlichen Teil der Variabilität der Gärungseigenschaften von Grassilagen erklären. Die Analyse dieser mikrobiellen Gemeinschaften mit Hilfe von Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierung könnte neue Informationen für eine bessere Charakterisierung der Faktoren liefern, welche die Qualität von Silage aus Dauergrünland beeinflussen.

    Fazit

    • Die Studie zeigt die grosse Variabilität der chemischen Eigenschaften und der Gärqualität von Grassilagen aus verschiedenen intensiv genutzten Dauerwiesen, die in der Schweiz nach gängiger Praxis bewirtschaftet werden.
    • Die chemische Zusammensetzung ermöglicht Rückschlüsse auf die Vergärbarkeit des Grünfutters und ermöglicht eine Vorhersage der Gärqualität von Silagen.
    • Die Variabilität der chemischen Eigenschaften und der Gärqualität der Silagen kann nur teilweise durch die Kombination der in dieser Studie berücksichtigten Faktoren wie Vegetationszyklus, Entwicklungsstadium zum Schnittzeitpunkt und botanische Zusammensetzung der Wiese erklärt werden.
    • Um die Bewirtschaftung von Dauergrünland im Hinblick auf die angestrebten Ziele weiter zu optimieren, ist es wichtig, die agrarökologischen Mechanismen, welche die chemische Zusammensetzung, den Gärverlauf und die Qualität der Grassilage bestimmen, besser zu verstehen.
  • Als Schweinefutter verwertete «Former Food Products» reduzieren Food Waste

    Als Schweinefutter verwertete «Former Food Products» reduzieren Food Waste

    Durch die Fütterung von Schweinen mit Lebensmitteln, die nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet sind («Former Food Products»), wird weder die Wachstumsleistung noch die Zusammensetzung des Schlachtkörpers beeinträchtigt. Eine vielversprechende Lösung zur Verringerung von Food Waste.

    Lebensmittel können aufgrund von Mängeln nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet sein. Sie sind aber grundsätzlich immer noch essbar und eine wertvolle Quelle für Energie und Nährstoffe wie leicht verdauliche, gekochte Stärke, einfache Zucker und Fette. Eine Studie von Agroscope zeigt, dass diese Form von Lebensmitteln – auch als «former food products» bezeichnet – als Futter verwertet werden können. Sie können bis zu 30 % des Getreides in der Futterration von Schweinen in der Vor- und Endmast ersetzen, ohne die Wachstumsleistung und die Qualität der Schlachtkörper zu beeinträchtigen.

    In dieser Studie untersuchten die Forschenden die Auswirkungen der Verfütterung von salzigen und süssen Lebensmitteln auf die Wachstumsleistung, die Verdauung der Futterration, die Zusammensetzung des Schlachtkörpers von Schweinen in der Vor- und Endmast.

    Es wurden 36 kastrierte männliche Schweine der Rasse Schweizer Edelschwein in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe (ST) erhielt eine Standardration auf Getreidebasis. In der zweiten Gruppe (SA) und dritten Gruppe (SU) wurden jeweils 30 % der Ration durch salzige Lebensmittel – Nudeln, Brot und Snacks – bzw. durch süsse Lebensmittel – Schokolade, Frühstücksflocken und Süssgebäck – ersetzt.

    Wachstumsleistung durch Fütterung von «Former Food Products» unverändert

    Die Futterverwertung war bei Schweinen, die während der Vormast eine Standardration erhielten, signifikant höher als bei Schweinen, die eine Alternativration erhielten. Berücksichtigt man jedoch auch die Endmast, so waren durchschnittliche tägliche Futteraufnahme, durchschnittliche Tageszunahme und Futterverwertung in allen drei Gruppen ähnlich.

    Die scheinbare Verdaulichkeit der Bruttoenergie war in der SA-Gruppe höher als in der ST-Gruppe, sowohl in der Vor- als auch in der Endmast. In der Endmast war die scheinbare Verdaulichkeit der Rohfasern in der ST-Gruppe höher als in den Gruppen SA und SU.

    Salzige und süsse Lebensmittel wirken sich nicht auf die Qualität der Schlachtkörper aus

    Über den gesamten Zeitraum hinweg war die durchschnittliche tägliche Fettaufnahme bei Schweinen, die mit der SU-Ration gefüttert wurden, signifikant höher. Die beiden alternativen Rationen hatten jedoch keine signifikanten Auswirkungen auf die Körperzusammensetzung der Schweine. Der Gesamtfettgehalt des Schlachtkörpers war zwischen den Gruppen ähnlich, die Schlachtkörper der SU-Gruppe wiesen allerdings am meisten Bauchfett auf.

    Fazit

    • Die Fütterung von Schweinen mit Lebensmitteln, die nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet sind, als 30%iger Anteil in der Ration hat keine negativen Auswirkungen auf ihre Wachstumsleistung während der Vor- und Endmast.
    • Der Gesamtfettgehalt des Schlachtkörpers wurde durch die Fütterung mit dieser Art von Lebensmitteln nicht beeinflusst, aber eine Ration mit süssen Produkten ergab mehr Bauchfett als eine Ration, die salzige Lebensmittel enthielt.
    • Die Verwendung von salzigen und süssen Lebensmitteln in der Schweinefütterung, die nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet sind, ist eine interessante Möglichkeit zur Einschränkung von Food Waste und zur Verbesserung der Umweltbilanz der Lebensmittelproduktion.