Kategorie: Lebensmittel

  • Optimierte Käsereifung dank Textilhülle

    Optimierte Käsereifung dank Textilhülle

    Schmieregereifte Käse entwickeln in der Vorverpackung häufig Qualitätsprobleme wie Geruch und Klebrigkeit. Das neue Reifungsverfahren mit einer biologisch abbaubaren Textilhülle bietet eine Lösung. Dies zeigen Versuche in Praxisbetrieben.

    Käse mit einer Schmierereifung machen rund die Hälfte der Schweizer Käseproduktion aus. Ihre typische orange-braune Rinde entsteht durch eine Mikrobiota aus Hefen und Bakterien, die wesentlich zur Aroma- und Texturbildung beiträgt und gleichzeitig vor unerwünschten Mikroorganismen schützt. In der Praxis werden diese Käse häufig luftdicht verpackt. Dabei stirbt die sauerstoffabhängige Mikrobiota ab, wodurch sich unerwünschte Keime vermehren können. Dies führt zu Fehlgerüchen und klebrigen Oberflächen. Um diesen Qualitätsverlust zu vermeiden, wird die Schmiere vor dem Verpacken meist entfernt – ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der das typische Erscheinungsbild beeinträchtigt.

    Mit dem neuen Käsereifungsverfahren können Arbeitsschritte optimiert werden. Die Käse werden direkt nach dem Salzbad in ein biologisch abbaubares Textil verpackt. Die Mikrobiota der Käseoberfläche wächst in der Folge auf dem Textil, das am Ende der Reifung einfach entfernt werden kann. Ein kleiner Teil der Mikrobiota bleibt auf dem Käse zurück, womit er die typische orange-braune Rinde behält.

    Beim Auspacken bleibt der grösste Teil der Schmiere am Textil haften und die Käse behalten dennoch ihre charakteristische Farbe (Foto: Cécile Stäger, Agroscope)

    Optimierte Schmierereifung mit messbaren Qualitätsvorteilen

    Das neue Verfahren bietet einige interessante Vorteile, da der Aufwand für die Käsepflege deutlich kleiner ist als bei der traditionellen Schmierereifung. Die Käse verlieren während der Reifung weniger Wasser, was den Reifeprozess beschleunigt, zu einer feineren Rinde, einem intensiveren Aroma und zu einer weicheren Textur führt. Nach der Reifung kann die Schmiere zusammen mit dem Textil einfach entfernt werden. Käse, die nach diesem Verfahren gereift wurden, bilden in der Vorverpackung keine Fehlgerüche und sie kleben nicht. Raclette-Käse überzeugen durch verbesserte Schmelzeigenschaften.

    Das Verfahren wurde beim europäischen Patentamt angemeldet und das Patent wurde Anfang 2023 erteilt.

    Von oben nach unten: Frisch eingepackte bis drei Monate gereifte Käse, gemäss dem neuen Verfahren (Foto: Cécile Stäger, Agroscope)

    Hohe Anforderungen an Fachwissen in der modernen Käsereifung

    Das neue Reifungsverfahren erfordert mindestens so viel Fachwissen wie die traditionelle Schmierereifung. Kleinste Abweichungen müssen möglichst frühzeitig festgestellt und entsprechende Anpassungen beim Klima oder bei der Pflege zielgerichtet vorgenommen werden. Auch an die Textilien bestehen spezifische Anforderungen, etwa hinsichtlich Elastizität, Lebensmittelsicherheit und biologischer Abbaubarkeit. Zielkonflikte – insbesondere zwischen Materialeigenschaften und der Migration unerwünschter Stoffe – wurden technisch adressiert. Wie bei der traditionellen Schmierereifung kann es auch beim neuen Reifungsverfahren kein Patentrezept geben, dass so für alle Käsesorten und in allen Reifungskellern funktioniert.

    Fazit

    • Das neue Reifungsverfahren zeigt Potenzial für Qualitätsverbesserungen und effizientere Produktionsprozesse bei schmieregereiftem Käse. Die Umsetzung erfordert jedoch angepasste Betriebsabläufe und Fachwissen.
    • Mittels vorgefertigter Stoffsäcke wird das neue Verfahren für die handwerkliche Käseherstellung eingeführt. Dabei empfiehlt Agroscope ein pragmatisches Vorgehen:
      • In einer ersten Phase nur eine begrenzte Anzahl Laibe einpacken und diese Laibe gleich wie die nicht-eingepackten Laibe pflegen.
      • In der zweiten Phase kann die mechanische Pflege mit der Bürste schrittweise reduziert werden und zugleich die Anzahl der Laibe sukzessiv erhöht werden.
      • In der dritten Phase kann dann die vollständige Umstellung auf das neue Reifungsverfahren erfolgen.

    Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können anschliessend auch für industrielle Käsehersteller von Nutzen sein.

    • Das Verfahren ergänzt bestehende Praktiken und bietet je nach Ausgangslage unterschiedliche betriebliche Vorteile.
    • Auch für die Herstellung pflanzlicher Lebensmittel mit neuen sensorischen Eigenschaften oder einer höheren Trockenmasse eröffnet das neue Verfahren vielversprechende Möglichkeiten.
  • Lebensmittel-Nebenströme als unterschätzte Ressource – eine Literaturübersicht

    Lebensmittel-Nebenströme als unterschätzte Ressource – eine Literaturübersicht

    Entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette fallen weiterhin beträchtliche, bislang wenig genutzte Nebenströme an. Eine Literaturstudie von Agroscope zeigt, dass zentrale Fragen zur Anwendung und industriellen Verwertung weiterhin offen sind.

    Wachsende Bedeutung von Nebenströmen

    Die Nutzung von Nebenströmen hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. So hat auch die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen zum Thema zugenommen. Forschende von Agroscope haben im Rahmen des drittmittelfinanzierten EU Projekts WASTELESS (Horizon 2020, Grant Agreement 101084222) eine Literaturstudie durchgeführt, bei der zwei Forschungsdatenbanken nach relevanten Übersichtsarbeiten (Reviews) zu Nebenströmen durchsucht wurden, um den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema zu ermitteln. Es wurden 52 englischsprachige Reviews identifiziert und analysiert. Wie in Abbildung 1 ersichtlich wird, überwiegen die pflanzlichen Quellen.

    Abbildung 1: Übersicht über die untersuchten Reviews und die dort untersuchten Quellen von Nebenströmen.

    Pflanzliche Nebenströme dominieren – tierische bleiben kaum erforscht

    Ein wichtiger pflanzlicher Nebenstrom ist Brauerei-Treber. Die in der Literatur beschriebenen Anwendungen reichen von Gebäck über Paste bis hin zu Joghurt und Würsten. Bei den in der vorliegenden Studie untersuchten pflanzlichen Quellen machen Früchte den grössten Teil aus.   Von den insgesamt 52 untersuchten Reviews beschäftigen sich 37 mit Nebenströmen aus Früchten. Dabei geht es primär um die Nebenströme Trester, Schalen und Samen.

    Tierische Quellen für Nebenströme werden derzeit weniger häufig untersucht. Die Nebenströme aus tierischen Quellen stammen hauptsächlich aus Meeresfrüchten (Fisch, Schalentiere, Muscheln, Krustentiere etc.) und Milchprodukten (hauptsächlich Molke und Buttermilch). Deutlich seltener thematisiert wird Fleisch. Insgesamt beschäftigen sich nur vier der 52 untersuchten Reviews damit. Da bei Fleisch die Lebensmittelverluste aber zu einem grossen Teil auf Präferenzverluste zurückzuführen sind, wäre das eine besonders interessante Kategorie mit viel Potenzial für die Reduktion von Verlusten.

    Konsumentenakzeptanz von Upcycling-Produkten: Chancen und Hürden

    Es gibt aktuell nur wenige Untersuchungen dazu, wie Produkte, die aus Nebenströmen hergestellt wurden, von den Konsumentinnen und Konsumenten aufgenommen werden. Generell scheinen sie offen dafür zu sein, wollen in der Tendenz aber weniger für solche Produkte bezahlen als für konventionelle. Die Akzeptanz könnte erhöht werden, indem

    Upcycling Produkte beispielsweise über ihren Mehrwert beworben werden oder die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft betont wird. Ein Schlüsselelement für die Akzeptanz ist zudem die Sensorik. Wenn ein Produkt nicht schmeckt oder durch die Zugabe von Nebenströmen nicht mehr schön aussieht, können das entscheidende Hürden für die Konsumentenakzeptanz sein.

    Fazit

    • Pflanzliche Nebenströme in der Lebensmittelproduktion werden aktuell noch häufiger genutzt als tierische.
    • Mehr Datentransparenz zu Nebenströmen aus der Lebensmittelindustrie würde helfen, das Potenzial weiter zu erforschen.
    • Fehlende Konsumentenakzeptanz für Produkte aus Nebenströmen kann eine wichtige Hürde für deren Verwendung sein.

  • Kapillareffekt bestätigt: Warum Heupartikel für die Lochbildung im Emmentaler entscheidend sind

    Kapillareffekt bestätigt: Warum Heupartikel für die Lochbildung im Emmentaler entscheidend sind

    Agroscope zeigte vor zehn Jahren, dass winzige Heupartikel die Lochbildung im Käse fördern. Ihre Kapillaren dienen als Ansatzstellen für Löcher. Nun konnten Forschende die entscheidende Rolle des Kapillareffekts bestätigen.

    Fehlende Löcher in Emmentaler AOP

    Die Grösse, Anzahl, Form und Verteilung der Löcher in Käse des Typs Emmentaler sind entscheidende Qualitätsparameter. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatten die Herstellerinnen und Hersteller von Emmentaler AOP mit dem Problem unzureichender Lochbildung zu kämpfen. Die räumliche Trennung von Fütterung und Melken der Milchkühe in Laufstallsystemen und technologische Verbesserungen in der Milchproduktion führten nicht nur zu hygienischerer Milch, sondern auch zu einem Mangel an natürlichen Mikropartikeln wie Heustaub. Guggisberg et al. (2015) zeigten, dass Mikropartikel pflanzlichen Ursprungs als Lochansatzstellen fungieren, welche die Anzahl und Grösse der Löcher im Käse in einer dosisabhängigen Weise steuern. Die Autoren und Autorin stellten die Hypothese auf, dass Fragmente von Heustaub mit intakten Kapillaren die wahrscheinlichsten Ausgangsstellen für die Lochbildung sind.

    Versuche mit definierten Kapillarelementen

    Synthetische Hohlfasern mit einem Innendurchmesser von etwa 10 µm und synthetische Kapillaren mit Innendurchmessern von 0,13 mm und 0,18 mm in verschiedenen Längen und Mengen wurden während der Abfüllphase unter Molke zum Käsebruch hinzugefügt. Aus Sicherheitsgründen wurden diese Versuchsemmentaler nicht zum Verzehr freigegeben; die synthetischen Hohlfasern und Kapillaren wurden aufgrund ihrer definierten Kapillarstruktur ausgewählt.

    Abb.1. Schnittbild eines Emmentaler-Modellkäses mit Löchern, die um synthetische Kapillarstücke (Innendurchmesser 0.13–0.18 mm, Länge 2–3 mm; Pfeile) gebildet wurden (Florian Loosli, Agroscope, Bern-Liebefeld)
    Abb.2. Schnittbild eines Emmentaler-Modellkäses mit Löchern, die um synthetische Hohlfasern (Innendurchmesser 10 μm, Länge 6 mm; Pfeile) herum gebildet wurden (Dominik Guggisberg, Agroscope, Bern-Liebefeld)

    Entscheidende Rolle des Kapillareffekts experimentell bestätigt

    Die Anzahl und Grösse der Löcher in den Versuchskäsen wurde dosisabhängig beeinflusst, wie bereits in der Studie mit Heupulver. Im Gegensatz zu den Heupartikeln waren die synthetischen Hohlfasern und Kapillaren sowohl im Röntgenbild als auch mit blossem Auge deutlich erkennbar. Die Röntgenanalyse ergab, dass jedes Loch mindestens eine Kapillare enthielt. Somit wurde gezeigt, dass sich die Löcher um die Kapillarstrukturen herum gebildet hatten, die aufgrund des Kapillareffekts eingeschlossene Luft enthalten mussten.

    Abb.3. Ausschnitt aus einer Röntgenaufnahme eines Emmentaler-Modellkäses mit Löchern, die sich um synthetische Kapillaren gebildet haben (Pfeile zeigen einige Beispiele) (Florian Loosli, Agroscope, Bern-Liebefeld)

    Fazit

    • Die wahrscheinlichsten Ausgangsstellen für die Lochbildung im Käse sind mikroskopisch kleine Luftblasen.
    • In wässriger Umgebung wie Milch und Molke sind kapillare Strukturelemente Träger von Luftblasen.
    • Luftblasen können auf natürliche Weise mit kapillaren Strukturelementen wie winzigen Heupartikeln in die Milch eingebracht werden. Strukturelemente ohne Kapillaren können nicht als Lochansatzstellen wirken.
    • Ab 2025 dürfen die Herstellerinnen und Hersteller von Emmentaler AOP natürliches Heupulver hinzufügen, um die Lochbildung zu verbessern.
  • Das Walliser Roggenbrot AOP besticht durch seine grosse Vielfalt

    Das Walliser Roggenbrot AOP besticht durch seine grosse Vielfalt

    Das Projekt zum Walliser Roggenbrot AOP ist eine produktspezifische Feldstudie mit klar abgegrenztem, geografischem und rechtlichem Kontext (AOP). Ziel ist es, die Authentizität und Qualität dieses traditionellen Sauerteigbrotes zu beschreiben.

    Um die Authentizität von Walliser Roggenbrot AOP zu beschreiben, wurden von 21 repräsentativ ausgewählten Bäckereien, das Mehl, die Teiglinge sowie das frische und das ein Woche gelagerte Brot analytisch untersucht. Zudem wurde basierend auf den Ergebnissen mögliche Einflussfaktoren auf die Qualität und Diversität von Walliser Roggenbrot AOP ermittelt.

    Hohe Bakterien-Diversität, geringe Hefe-Diversität

    Das Metagenom in den Teiglingen wies bei den Hefen eine kleine und bei den Bakterien eine grosse Biodiversität auf. Das typische Sauerteig-Bakterium Fructilactobacillus sanfranciscensis wies nur bei einem einzigen Teigling die höchste Abundanz auf. In 10 von 21 Teiglingen war die 2025 neu beschriebene Spezies Fructilactobacillus frigidiflavus vorherrschend. In 7 Teiglingen dominierten unterschiedliche Spezies von anderen Milchsäurebakterien. In 3 Teiglingen hatten gram-negative Bakterien die höchste relative Abundanz. Dies weist darauf hin, dass es sich um «junge» Sauerteige mit wenig Passagen gehandelt haben könnte. Bei den Hefen konnten nur in 3 Teiglingen andere Spezies als die Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae in einer signifikanten Menge nachgewiesen werden.

    Anteil an Weizenmehl hat grossen Einfluss

    Der bedeutendste Einflussfaktor auf die Qualität und Diversität von Walliser Roggenbrot AOP war bei der vorliegenden Studie der Anteil des Weizenmehles. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Bäckereien, welche 100 % Roggenmehl verwendeten, sich insgesamt auch etwas stärker am ursprünglichen Walliser Roggenbrot AOP orientierten, bei dem die Herstellung in erster Linie auf eine lange Haltbarkeit ausgelegt war. Die Brote aus reinem Roggenmehl waren im Mittel saurer und auch etwas salziger als die Brote mit dem Zusatz von Weizenmehl. Sie waren zudem leicht aromatischer, fruchtiger, gäriger und etwas weniger getreideartig. Bei der ausschliesslichen Verwendung von Roggenmehl verlief die Gärung intensiver, es entstanden mehr Gärprodukte und der pH-Wert war tiefer.

    Die meisten Walliser Roggenbrote AOP waren nur schwach sauer. Die Sauerkeit wurde dabei durch den Gehalt an Milchsäure bestimmt. Die Essigsäure spielte nur eine untergeordnete Rolle.

    Statistische Zusammenhänge schwierig zu finden

    Viele Bäckerinnen und Bäcker wenden bei der Herstellung von Walliser Roggenbrot AOP keine strikte Rezeptur an, sondern führen den Prozess aufgrund von sensorischen Beobachtungen und ihren langjährigen Erfahrungen durch. Dies schränkte die Möglichkeiten der Forschenden stark ein, statistische Zusammenhänge zwischen den Produktionsparametern und den Eigenschaften der Brote zu berechnen.

    Aus den isolierten Stämmen von Milchsäurebakterien könnte eine biodiverse Sauerteig-Kultur entwickelt werden, die beim Walliser Roggenbrot AOP massgeblich die Authentizität erhöht und den Bezug zum Terroir verstärkt. Ein Mindestgehalt an Milchsäure könnte im Walliser Roggenbrot AOP die Aromenvielfalt erhöhen, ohne die Sauerkeit zu verstärken.

    Abbildung 1: Diversität der Bakterien in den Teiglingen

    Fazit

    • Die Teiglinge zeigten hohe Bakterien- und geringe Hefe-Diversität. Die 2025 neu beschriebene Art (F. frigidiflavus) befand sich in fast der Hälfte der Proben.
    • Der Weizenanteil erwies sich als stärkster Einflussfaktor auf Qualität und Aromaprofil.
    • Reine Roggenbrote waren saurer, aromatischer und gäriger als Mischbrote.
    • Die Säure wurde hauptsächlich durch Milchsäure, nicht Essigsäure bestimmt.
    • Uneinheitliche Herstellungsprozesse erschwerten statistische Auswertungen.
    • Eine biodiverse Sauerteigkultur könnte die Authentizität stärken.

  • Lebensmittelverluste messen: Fokus auf Gemüseproduktion

    Lebensmittelverluste messen: Fokus auf Gemüseproduktion

    Lebensmittelverluste in der Primärproduktion werden kaum erfasst – dabei sind sie entscheidend, um wirksame Reduktionsstrategien entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erarbeiten. Diese Analyse bewertet bestehende Messmethoden mit Fokus auf Gemüse.

    In der Schweiz gehen jedes Jahr rund 37 % der essbaren Lebensmittel verloren. Deshalb verabschiedete der Bundesrat im April 2022 den «Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung», um die Verluste bis 2030 zu halbieren.

    Die grössten Mengen vermeidbarer Lebensmittelverluste fallen bei Gemüse und Kartoffeln an, nämlich 104,3 kg pro Person und Jahr. Aufgrund dieser Mengen verursacht diese Produktgruppe die zweithöchste Umweltbelastung aller Lebensmittelverluste. Ein Drittel dieser Verluste fällt in der Primärproduktion an, z.B. durch Aussortieren von Gemüse, das Grössennormen nicht erfüllt. Zur Quantifizierung dieser Mengen gibt es momentan eine Datenlücke. Es wäre jedoch wichtig, diese Verluste verlässlich zu erfassen, um ein vollständiges Bild der entstehenden Verluste zu erhalten und Reduktionsmassnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erarbeiten.

    Das Ziel dieser Studie ist es, bestehende wissenschaftliche Studien zu Lebensmittelverlusten in der Primärproduktion von Gemüse zu vergleichen und daraus Ansätze für ein Monitoringsystem zur Erfassung dieser Verluste in der Schweiz abzuleiten.

    Lebensmittelverluste verstehen: Studienvergleich und Monitoring-Ansätze

    Für diese Analyse wurden Studien in der Datenbank für wissenschaftliche PublikationenScopus gesucht und eingeschlossen, wenn sie folgende Kriterien erfüllten:

    • Veröffentlichung nach 2015
    • Untersuchen von Verlusten in Europa, Nordamerika oder Ozeanien
    • sowie einen Peer-Review Prozess durchliefen.

    Der Fokus lag auf Studien zu Tomaten, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Salaten. Diese Kulturen wurden gewählt, da sie unterschiedliche Anbaumethoden (Freiland und Gewächshaus) sowie Kulturtypen (Lager- und Fruchtgemüse) abdecken und zu den meistangebauten Gemüsesorten in der Schweiz gehören. Zehn Studien erfüllten die Kriterien, wurden analysiert und miteinander verglichen.

    Grosse Unterschiede in der Erfassung von Lebensmittelverlusten

    Die selektierten Studien verwenden Lebensmittelverlust-Definitionen von unterschiedlichen Institutionen. Die Unterschiede betreffen vor allem:

    • ob Weiterverwendung des Materials (z. B. als Tierfutter) berücksichtigt wird,
    • ob nicht essbare Teile (z. B. Schalen) einbezogen werden,
    • und ob zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Verlusten unterschieden wird.

    Diese Definitionen beeinflussen die Quantifizierung erheblich, da das Ein- oder Ausschliessen bestimmter Materialien die Verlustrate entsprechend höher oder niedriger erscheinen lässt.

    Zudem nutzen die Studien unterschiedliche Messmethoden. Einige erfassen Verluste direkt, durch Wiegen oder Zählen, andere schätzen die Mengen durch Interviews oder Umfragen. Diese Methoden führen zu Daten in verschiedenen Einheiten und mit unterschiedlichen Unsicherheiten.

    Letztlich erfassen die Studien unterschiedliche Gründe für Verluste. Manche betrachten die Gesamtverluste der Betriebe, andere nur vermeidbare oder es werden konkrete Verlustgründe untersucht z.B. Gemüse, das nicht geerntet wurde. Die gemessenen Verluste in den Studien sind somit nicht miteinander vergleichbar.

    Fazit

    • In der Schweiz gibt es eine Datenlücke darüber, wie viele vermeidbare Lebensmittelverluste beim Anbau von Gemüse und Kartoffeln entstehen.
    • Auch auf internationaler Ebene gibt es nur wenige Studien zu diesem Thema. Die existierenden Studien definieren Lebensmittelverluste unterschiedlich, nutzen unterschiedliche Methoden zur Messung und erfassen unterschiedliche Verlustgründe. Dadurch sind deren Ergebnisse nicht miteinander vergleichbar.
    • Es braucht eine Monitoring-Methode in der Schweiz, um die Gemüse- und Kartoffelverluste zu erfassen und ein vollständiges Bild der Lebensmittelverluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erhalten.
    • Zur Erarbeitung einer solchen Monitoring-Methode können existierende Studien Ansatzpunkte zur Messmethode liefern. Diese müssen jedoch unter Einbezug verschiedener Interessengruppen validiert und für den Kontext in der Schweiz angepasst werden.

  • Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung

    Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung

    Wenn wir Ineffizienzen im Ernährungssystem wie zu viele Futtermittel vom Acker, Kraftfuttergaben an Rinder und Nahrungsmittelabfälle konsequent beheben, ist ein viel höherer Selbstversorgungsgrad bei weniger Umweltbelastung möglich.

    Der Selbstversorgungsgrad (SVG) gibt an, wieviel der in einem Land konsumierten Lebensmittelkalorien im Inland produziert werden können. In der Schweiz sind es knapp 50 %. Viele Länder wollen den SVG erhöhen. Die Schweiz hat mit der Agrarpolitik AP2030+ das Ziel, dass der SVG zumindest nicht sinkt, und die «Initiative für eine sichere Ernährung» verlangt einen SVG von mindestens 70 %. In diesem Artikel modellieren wir verschiedene Massnahmen, die den SVG erhöhen und die negativen Umweltwirkungen der Landwirtschaft reduzieren können.

    Die grossen Hebel: Feed-no-Food und weniger Abfälle

    Ein viel höherer SVG ist möglich. Bei Ausschöpfung des Potenzials ergibt sich ein SVG von über 100 % und es könnten fast 10 Millionen Menschen, also mehr als doppelt so viele wie heute, aus dem Inland ernährt werden. Das muss natürlich nicht das Ziel sein, aber es zeigt, wie gross der Handlungsspielraum ist. Die grossen Hebel liegen einerseits in einer Reduktion des Food Waste, andererseits in der Nutzung von Ackerflächen für die menschliche Ernährung statt für Tierfutter. Denn beim Umweg über das Tier kann auf der gleichen Fläche nur ein Bruchteil der Menschen ernährt werden. Auch viele kleinere Hebel wie die Verfütterung von verbleibenden Abfällen an Schweine, eine Erhöhung der Anzahl Laktationen bei Milchkühen, eine effizientere Grünland-Bestandslenkung oder vermehrte Hochstammobstproduktion auf Grasland haben insgesamt eine wesentliche Wirkung.

    Hohes Potential bei der Rinderfütterung

    Neben hohem Kraftfutteranbau für Monogastrier statt für direkte menschliche Ernährung ist der Kraftfuttereinsatz in der Rinderhaltung besonders ineffizient. Ein weitgehender Kraftfutterverzicht in der Milchproduktion bei einer konsequenten Nutzung des Graslandes könnte eine Million Menschen zusätzlich ernähren, davon 0,4 Millionen von den Ackerflächen in der Schweiz und 0.6 Millionen im Ausland, über die Ackerflächen, auf denen heute das entsprechende Importfutter angebaut wird. Die Milchproduktion ginge dabei um 15 % zurück, was gerade den Überkapazitäten im Milchmarkt entspricht. Ein zusätzlicher Verzicht auf Futtermais könnte weitere 0,5 Millionen Menschen zusätzlich ernähren. Man beachte aber, dass gewisse geringe Kraftfutter- und Futtermaisgaben auch bei der Rinderfütterung Sinn machen können, insofern sie teils eine bessere Nutzung von Protein und Energie im Gras erlauben.

    Während auch ohne Kraftfutter der inländische Bedarf von Milch gedeckt werden kann, müsste, solange der Fleischkonsum gleich hoch bliebe wie bisher, mehr Fleisch importiert werden. Das Tierwohl und andere Nachhaltigkeitsaspekte müssten dabei natürlich genau betrachtet werden, aber immerhin würde dies geschlossenere Nährstoffkreisläufe ermöglichen, da die Tiere dort gehalten würden, wo ihr Futter wächst, während heute die Futtermittelimporte zu den hohen Nährstoffüberschüssen im Inland beitragen.

    Die Umwelt gewinnt

    Schon mit diesen beiden Hebeln kann das Ziel der Klimastrategie ganz und beim Ammoniak das Reduktionsziel fast erreicht werden. Die Treibhausgasemissionen der Schweizer Landwirtschaft stammen vor allem aus der Verdauung der Wiederkäuer. Wegen der reduzierten Futtermittel vom Acker und weniger Futtermittelimporten nehmen deren Anzahl und somit die Emissionen ab. Auch bei den Ammoniakreduktionen sind die Haupttreiber die tieferen Tierzahlen und Hofdüngermengen aufgrund des reduzierten Futterangebots.

    Viele Massnahmen wären relativ einfach umzusetzen

    Viele Massnahmen wären ohne grosse Investitionen und Veränderungen umsetzbar. Ein Teil der Massnahmen könnte von den Betrieben bereits jetzt wirtschaftlich neutral oder sogar mit positiver Wirkung realisiert werden, z.B. in der Milch- und Rindfleischproduktion. Dazu müsste dies aber in der Aus- und Weiterbildung und in der Beratung thematisiert werden, was derzeit kaum geschieht.

    Die Politik muss sich ändern

    Viele Massnahmen werden durch ungünstige staatliche Rahmenbedingungen und Fehlanreize erschwert oder verhindert. So unterstützt das gegenwärtige agrarpolitische System mittels Grenzschutzmassnahmen und Direktzahlungen die tierische Produktion um ein Vielfaches stärker als die pflanzliche. Dadurch ist der Anbau von Nahrungsmitteln für die direkte menschliche Ernährung gegenüber dem Futteranbau heute oft nicht konkurrenzfähig.

    Fazit

    • In der Schweiz ist ein viel höherer Selbstversorgungsgrad als heute möglich.
    • Die wichtigsten Hebel liegen bei einer Reduktion des Food Waste und einer Feed-no-Food-Strategie, insbesondere auch in der Wiederkäuerfütterung. Aber auch weitere Effizienzsteigerungsmassnahmen können einen wichtigen Beitrag leisten.
    • Die Umweltbelastung würde wesentlich reduziert werden. So könnte beispielsweise das Emissionsreduktionsziel bei den Treibhausgasen ganz und beim Ammoniak fast erreicht werden.
    • Es ist keine utopische Vision – viele der nötigen Massnahmen könnten schon heute relativ einfach umgesetzt werden. Andererseits muss sich die Politik verändern, die derzeit viel zu starke Anreize für die Tierproduktion und den Fleischkonsum setzt und eine Abkehr von der intensiven kraftfutterbasierten Tierhaltung hin zu pflanzlichen Alternativen erschwert. Es fehlen auch entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote.

  • Eine neue Bakterienspezies als Ursache des «Putrifikus»-Käsedefekts festgestellt

    Eine neue Bakterienspezies als Ursache des «Putrifikus»-Käsedefekts festgestellt

    Agroscope und ihr italienisches Pendant CREA (Consiglio per la ricerca in agricoltura e l’analisi dell’economia agraria) haben die neue Bakterienspezies Clostridium caseinilyticum sp. nov. beschrieben, die aus Käse mit dem Qualitätsmangel «Putrifikus» sowie aus Silage isoliert wurde. Die Studie beleuchtet mögliche Ursachen und kann zur Entwicklung von Präventionsmethoden beitragen.

    Obwohl es sich um eine eigenständige Spezies handelt, wurde sie lange Zeit mit Clostridium sporogenes verwechselt, der bis vor kurzem die Verantwortung für den «Putrifikus»-Defekt zugeschrieben wurde.

    Clostridium caseinilyticum sp. nov. aus verschiedenen Quellen isoliert

    Der Typstamm der neuen Spezies, FAM 1755T, wurde 1983 aus einem Schweizer Emmentaler mit dem Defekt «Putrifikus» gewonnen. Die beiden anderen untersuchten Stämme, CREA 4990 und FAM 27665 wurden 2022 bzw. 2012 isoliert – ersterer von den italienischen Partnern aus einem Grana Padano mit demselben Defekt, letzterer aus Schweizer Silage. Erst vor kurzem hat man festgestellt, dass diese Isolate, die bisher der Spezies C. sporogenes zugeordnet wurden, tatsächlich eine eigene Spezies bilden.

    Beschreibung der neuen Bakterienspezies

    Die stäbchenförmigen, grampositiven Zellen des Isolats FAM 1755T sind 3–4,5 µm lang und 0,7–0,9 µm breit. Die Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse (mittels der Analyse von Gesamtgenom- und 16S-rRNA-Gensequenzen) ordnet die neue Spezies nahe Clostridium tepidum DSM 104389T und Mitgliedern der Clostridium botulinum-Gruppe I ein, wie Clostridium sporogenes DSM 795T. Die neue Spezies wächst in einem etwas niedrigeren Temperaturbereich (20–40 °C) als C. tepidum und C. sporogenes und ist salztoleranter als C. tepidum. Obwohl sie genetisch näher an C. tepidum ist, ähneln ihre Wachstumspräferenzen eher denen von C. sporogenes, einer Spezies, die unter ähnlichen Bedingungen im Käse wächst und mit der sie lange Zeit verwechselt wurde. Im Gegensatz zu C. tepidum hydrolysiert die neue Spezies durchweg Milchproteine, eine Eigenschaft, die mit dem Verderb von Käse in Verbindung gebracht wird. Daher schlagen wir den Namen Clostridium caseinilyticum sp. nov. vor – was «Clostridium, das Casein abbaut» bedeutet.

    Clostridium caseinilyticum sp. nov. (Foto: Emilie Michellod, Agroscope)

    Käsefehler künftig gezielter verhindern

    Mit einem Screening von Rohmilch auf proteolytische Clostridien könnte verhindert werden, dass diese Spezies über die Milch in die Verarbeitungslinie gelangt. Die Einhaltung guter Hygiene- und Produktionspraktiken hilft zusätzlich, das Risiko eines Käseverderbs während der Käsereifung zu minimieren. Die Beschreibung der neuen Spezies ebnet den Weg für weiterführende Studien zu den Bedingungen, die ihr Wachstum im Käse fördern oder hemmen, sowie zur Entwicklung geeigneter Präventionsmassnahmen, die während der Milchproduktion und -verarbeitung angewendet werden können.

    Fazit

    • Forschende haben eine neuartige, obligat anaerobe, sporenbildende und bewegliche Bakterienspezies mit der Bezeichnung Clostridium caseinilyticum sp. nov., beschrieben. Sie wurde aus Hart- und Extrahartkäse mit Qualitätsmangel sowie aus Silage isoliert.
    • Die neue Spezies ist für den Käsefehler «Putrifikus» verantwortlich, der lange Zeit der nah verwandten Clostridium sporogenes zugeschrieben wurde.
    • Die Beschreibung von Clostridium caseinilyticum sp. nov. ebnet den Weg für ein besseres Verständnis der Faktoren, die sein Wachstum im Käse und den damit verbundenen Defekt begünstigen.
    • Die Identifizierung der Rolle von Clostridium caseinilyticum sp. nov. beim Käseverderb unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Überwachungs- und Präventionsstrategien.
  • Präferenzen der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten: traditionelle Rebsorten vs. robuste Rebsorten

    Präferenzen der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten: traditionelle Rebsorten vs. robuste Rebsorten

    Weine aus robusten Rebsorten sind genauso erfolgreich wie Weine aus traditionellen Rebsorten. Eine Schweizer Studie zeigt unterschiedliche Konsumentenprofile und den Bedarf an gezielten Marketingstrategien.

    Robuste Rebsorten: eine vielversprechende Alternative

    Im Weinbau ist der Einsatz von Fungiziden unerlässlich, um Falschen Mehltau, Echten Mehltau und Botrytis zu bekämpfen. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach einem nachhaltigeren Weinbau stellen pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWI) eine vielversprechende Möglichkeit dar, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. In der Schweiz wurden durch öffentliche und private Züchtungsprogramme zahlreiche PIWI-Rebsorten entwickelt, darunter «Divona», «Sauvignac», «Divico» und «Cabernet Jura». Zudem stehen weitere Sorten aus europäischen Forschungsprojekten zur Verfügung.

    Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten gewinnen

    Trotz der allgemein anerkannten hohen Qualität von Weinen aus PIWI-Rebsorten bleibt deren breite Akzeptanz unter Konsumentinnen und Konsumenten eine Herausforderung. Studien aus Frankreich, Deutschland und Brasilien zeigen, dass Weine aus PIWI-Rebsorten auf offene Haltung stossen, insbesondere, wenn deren umweltrelevante Vorteile betont werden. In der Schweiz liegt die letzte Untersuchung zu diesem Thema jedoch über zehn Jahre zurück. Seither sind neue Rebsorten hinzugekommen, und das Interesse an Nachhaltigkeit hat deutlich zugenommen.

    Konsumentenstudie zu Weinen aus robusten Rebsorten in der Schweiz

    Die vorliegende Studie ging drei zentralen Fragen nach: (i) Nehmen Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten Weine aus PIWI-Rebsorten anders wahr als Weine aus traditionellen Rebsorten? (ii) Lassen sich unterschiedliche Konsumentengruppen anhand ihrer Bewertung von PIWI-Weinen identifizieren? und (iii) Beeinflussen Informationen über PIWI-Rebsorten die Bewertung der Weine? Zur Beantwortung dieser Fragen wurde eine mehrphasige Studie durchgeführt, bestehend aus chemischer Weinanalyse, sensorischer Profilierung durch Experten sowie Konsumententests in drei Schweizer Städten (Nyon (VD), Liebefeld (BE) und Wädenswil (ZH)). Dabei wurden Weine aus PIWI-Rebsorten direkt mit Weinen aus traditionellen Rebsorten verglichen. Die Hälfte der Teilnehmenden erhielten die Information, dass es sich um Weine aus PIWI-Rebsorten handelte, die andere Hälfte nicht.

    Versuchsdesign des Tests zur Akzeptanz der Konsumentinnen und Konsumenten.

    Fazit und Empfehlungen

    • Die Konsumentenstudie zeigt, Weine aus robusten Rebsorten sind im Durchschnitt genauso beliebt wie Weine aus traditionellen Rebsorten.
    • Auf Basis der Präferenzen konnten drei Konsumentengruppen identifiziert werden. D Entscheidend für die Akzeptanz von PIWI-Weinen waren vor allem die sensorische Qualität, das Weinkenntnisniveau sowie das Wissen über robuste Rebsorten.
    • Informationen zu den Umweltvorteilen führten insgesamt zu keiner veränderten Bewertung. Einzelne Konsumentinnen und Konsumenten reagierten jedoch positiv darauf. Marketingstrategien sollten gezielt auf die unterschiedlichen Verbrauchersegmente zugeschnitten werden. Die sensorische Qualität der Weine sollte im Vordergrund stehen, während die ökologischen Vorteile ergänzend und strategisch kommuniziert werden
  • Molke für Lebensmittel und höherwertige Futtermittel – auch in koscher-halal-Qualität

    Molke für Lebensmittel und höherwertige Futtermittel – auch in koscher-halal-Qualität

    Agroscope hat gemeinsam mit der Käse- und Molkenverarbeitungsbranche sowie foodward untersucht, wie Molke für Lebensmittel und höherwertige Futtermittel genutzt werden kann.  Vegetarische, koscher-halal-konforme Molke erweitert die Einsatzmöglichkeiten im Lebensmittelsektor.

    Bei der Käseherstellung gehen etwa 50 Prozent der Nährstoffe in die Molke über, darunter der Grossteil der Laktose und der Molkenproteine sowie viele Mineralstoffe und Vitamine (Abbildung 1). Eine effiziente Nutzung der Molke ist daher für eine nachhaltige Käseproduktion wichtig. Die Schweiz produziert aus der Käse-, Quark- und High-Proteinjoghurt-Herstellung 1’650’000 t Molke pro Jahr.

    Molke enthält 50 % der Milchnährstoffe – nachhaltige Nutzung gefordert

    Die Nutzung der anfallenden, meist mit Wasser verdünnten Molke zur Herstellung von Trockenprodukten wie Molkenpulver, Molkenproteinpulver oder kristalline Laktose benötigt viel Eindampf- und Trocknungsenergie. Rohmilchkäsereien sind dezentral angesiedelt. 620 Talkäsereien haben eine Molkenanfall der kleiner als zwei Millionen kg pro Jahr ist. Die Molkenlogistik aus den vielen kleinen Rohmilchkäsereien für die nötige zentralisierte Verarbeitung zu Trockenprodukten ist aufwändig. Mit regionalen Aufkonzentrierungszentren wird die Logistik optimiert, vor allem für den Futtermittelsektor.

    Wenige Grosskäsereien produzieren Molke für den Lebensmittelsektor

    Der Lebensmittelsektor nutzt vorzugsweise die Molke der 48 grossen Käsereien mit über fünf Millionen kg Molke pro Jahr, welche 58 % der gesamten Molkenmenge herstellen (Abbildung 2). Die aktuelle industrielle Molkennutzung nutzt für Lebensmittel ca. 21 % und für höherwertige Futtermittel wie Kälbermilch und Ferkelfutter ca. 32 % der Molkenmenge.

    Mit halal-koscheren Molkenprodukten für den internationalen Markt fit werden?

    Um die Nutzung für Lebensmittel zu erhöhen, wurde abgeklärt, wieviel Molke die koscher-halal-Anforderungen erfüllen könnte: Optimistisch beurteilt 61 %. Im zollgeschützten Futtermittelmarkt werden jedoch meistens höhere Preise für Produkte aus Molke erzielt als im Lebensmittelsektor, da Molkenprodukte für Lebensmittel wie Säuglingsnahrung frei importiert werden können. Säuglingsnahrung ist neben Schmelzkäsezubereitungen das wichtigste Lebensmittel, wo Molkenprodukte in grossen Mengen eingesetzt werden. Nur wenn Produkte mit einer hohen Swissness-Dividende vermarktet werden können, sind Molkenderivate aus Schweizer Produktion konkurrenzfähig. Ein Schweizer Hersteller von Säuglingsnahrung nutzt Schweizer Molke aus der Herstellung von Käse aus pasteurisierter Milch ohne Kupferkessi und ohne Einsatz von rekombinantem Lab.

    Innovative Produkte aus Rohmolke und Fermentation: eine Chance für kleine und grosse Käsereien

    Kleinbetriebe könnten innovative Getränke aus Rohmolke herstellen, welche positiv für die Gesundheit sind und vermutlich vor Allergien schützen. Ergebnisse mit Rohmilchjoghurt lassen vermuten, dass auch Rohmolke durch überwachte Fermentation zu einem sicheren Lebensmittel gemacht werden kann. Die reichlich vorhandene Laktose kann in Klein- und Grossbetrieben zur fermentativen Herstellung von mikrobiellem Protein für die menschliche oder allenfalls die tierische Ernährung genutzt werden. Auch mit Algen kann aus Laktose proteinhaltige Biomasse gewonnen werden.

    Erhöhte Nutzung der Molke zu Lebens- und Futtermitteln als Ziel

    Um im grossen Stil aus Schweizer Produktion gegenüber Molkenderivat-Importen konkurrenzfähig zu sein, müssten vermutlich die finanziellen Rahmenbedingungen angepasst werden. Der Anteil an industriell verarbeiteter Molke zu Lebensmitteln und höherwertigen Futtermitteln ist in den letzten zehn Jahren mit ca. 53 % gleichgeblieben. Bei der Umstellung auf koscher-halal-Konformität ist die Schweizer Käsebranche wegen dem Reinheitsgebot, Tradition, Natürlichkeit, Qualitätsfragen und Ausbeutereduktion zurückhaltend.

    Abbildung 1: Inhaltstoffe der Trockensubstanz von Süssmolke.
    Abbildung 2: Molkenanfall in t/Jahr nach Betriebsgrösse und Anzahl Betriebe pro Betriebsgrösse. Bei den Betrieben mit < 2 Mio kg Molke/Jahr sind auch 1365 Alpkäsereien enthalten.

    Fazit

    • Die 48 grössten Käsereien, welche 58 % der Molke generieren, könnten durch den Einsatz von Labersatzstoffen und allenfalls rekombinantem Lab auf koscher-halal-vegetarische Molke umstellen. Diese Molkenprodukte könnten international vermarktet werden, sofern eine hohe Swissness-Dividende erzielt werden kann.
    • Die Nutzung der Molke aus den 620 dezentralen kleinen Rohmilch-Talkäsereien kann mit regionaler Aufkonzentrierung für die Herstellung höherwertiger Futtermittel, wie Kälbermilch, genutzt werden. Das Molkenpermeat – laktosereiche Flüssigkeit, die bei der Herstellung von Molkenproteinkonzentraten als Nebenprodukt anfällt – könnte künftig prioritär zu mikrobiellem Protein fermentiert werden statt zu Biogas.
    • Für kleine und mittelgrosse Käsereien bieten sich Chancen, innovative, gemäss Untersuchungen mit Rohmilchjoghurt voraussichtlich sichere, fermentierte Rohmolkengetränke herzustellen, die vermutlich vor Allergien schützen.
    • Die aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen begünstigen die Nutzung von Molke als Futtermittel und erschweren den Einsatz für Lebensmittel.
  • Wie gesund sind Milchersatzprodukte? Analyse und Verbesserungsmöglichkeiten

    Wie gesund sind Milchersatzprodukte? Analyse und Verbesserungsmöglichkeiten

    Eine Agroscope-Studie analysierte die Nährwertqualität von 66 Milchersatzprodukten aus Schweizer Supermärkten. Zudem wurde untersucht, wie sich das Nährwertprofil von Milchersatzprodukten verbessern liesse.

    Milchersatzprodukte weisen im Vergleich zu tierischen Produkten eine geringere Umweltbelastung auf. Sie sind daher eine interessante Produktkategorie, um das Ernährungssystem in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu transformieren.

    Online-Marktanalyse mit 66 Produkten

    Forscherinnen von Agroscope führten eine umfassende Online-Marktanalyse mit 66 Milchersatzprodukten in der Schweiz durch, um deren Nährwertqualität, Zusammensetzung sowie das Potential für eine gesundheitsorientierte Optimierung zu analysieren. Die Daten wurden von den Online-Plattformen von drei Schweizer Supermärkten erhoben.

    Der Nutri-Score wurde auf der Grundlage des aktualisierten Rayner Scores berechnet. Zudem wurden die in den Milchersatzprodukten enthaltenen Zusatzstoffe (Anzahl und Art) und die Anteile an verarbeiteten und unverarbeiteten Zutaten analysiert.

    Abbildung 1: Eine Übersicht über den Nutri-Score (B: in grüner Farbe, C: in gelber Farbe, D: in oranger Farbe, E: in roter Farbe), der durch Anwendung des Rayner score Algorithmus auf alle 66 Produkte aus Schweizer Supermärkte berechnet wurde. Keines der Produkte erreichte einen Nutri-Score A. Gemischte Milchersatzprodukte enthalten pflanzliche Quellen aus Reis, Hafer, Soja, Quinoa und Haselnuss.

    Die meisten Milchersatzprodukte sind von geringer Nährwertqualität

    Ein Grossteil der Produkte hatten einen Nutri-Score D (44 %), was auf eine geringere Nährwertqualität hinweist (Abbildung 1). Milchalternativen mit einem Nutri-Score B bestanden hauptsächlich aus Erbsen (100 %), Soja (80 %), Mandel (60 %) und Kokosnuss (5 %). Im Gegensatz dazu hatten Produkte auf Reisbasis (83 %) und Produkte mit gemischten pflanzlichen Quellen (70 %) ein schlechteres Nährwertprofil (Nutri-Score D). Die geringste Nährwertqualität mit einem Nutri-Score E hatten Haferprodukte (12 %). Bei 21 % der 66 Milchersatzprodukte wurde zugesetzter Zucker deklariert, insbesondere bei Soja- und Haferprodukten.

    Darüber hinaus wurde festgestellt, dass ein höherer Gehalt an Kohlenhydraten, Zucker und Kalorien zu einem schlechteren Nährwertprofil führt. Auch wiesen Produkte mit einem höheren Anteil an verarbeiteten Zutaten wie Mehl und Pulver aus pflanzlichen Quellen sowie einer generell höheren Anzahl an Zutaten tendenziell ein schlechteres Nährwertprofil auf. Produkte mit einem höheren Proteingehalt wiesen dagegen ein besseres Nährwertprofil auf.

    Verarbeitete Zutaten und Zusatzstoffe

    Mehr als zwei Drittel (67 %) der Milchersatzprodukte enthielten gemäss Zutatenliste unverarbeitete pflanzliche Zutaten. Produkte aus Hafer, Soja, Mandeln, Haselnüssen und Kartoffeln wiesen die geringste Anzahl an verarbeiteten Zutaten auf. Darüber hinaus enthielten 30 % aller Milchersatzprodukte verarbeitete pflanzliche Zutaten (Mehl, Puder, Pasten, Extrakte, Proteinisolate), während 3 % sowohl verarbeitete als auch unverarbeitete pflanzliche Zutaten enthielten. Milchalternativen aus Kokosnuss, Cashew und Erbsen bestanden vollständig aus verarbeiteten pflanzlichen Zutaten.

    Von den 66 Milchalternativen enthielten 47 % Zusatzstoffe (Säureregulatoren, Stabilisatoren, Emulgatoren, Verdickungsmittel), während 53 % frei von Zusatzstoffen waren. Betrachtet man die Verwendung von Zusatzstoffen je nach pflanzlicher Quelle, so zeigte sich, dass alle Milchersatzprodukte aus Kartoffeln, Erbsen, Cashew und Kokosnuss Zusatzstoffe enthielten. Interessanterweise wurden in Milchersatzprodukten aus gemischten pflanzlichen Quellen keine Zusatzstoffe gefunden.

    Potenzial für höhere Nährwertqualität und Zusammensetzung

    Insbesondere bei Haferprodukten wurde das grösste Potenzial zur Reduktion beim Rayner-Score (−12 Punkte), beim Kaloriengehalt (−36 kcal/100 ml) und beim totalen Zuckergehalt (−8 g/100 ml) festgestellt. Darüber hinaus zeigten Produkte auf Sojabasis mit zugesetztem Zucker das grösste Potenzial zur Zuckerreduktion, mit einer möglichen Senkung um 4,9 g pro 100 ml.

    Zudem wurden auch Möglichkeiten zur Reduzierung der Anzahl von Zusatzstoffen – um bis zu drei – bei Milchalternativen aus Hafer, Reis, Soja, Mandeln und Haselnüssen festgestellt. Auch wurde grosses Potenzial zur Reduktion verarbeiteter Zutaten identifiziert, insbesondere bei Produkten aus gemischten pflanzlichen Quellen (−17 %) sowie solchen auf Reis- (−14 %) und Haferbasis (−14 %).

    Fazit

    • Die Studie zeigt die Notwendigkeit, das Nährwertprofil von Milchersatzprodukten zu verbessern.
    • Insbesondere Haferprodukte weisen ein grosses Potential für ein gesünderes Nährwertprofil auf. Dies ist relevant, da Haferprodukte am beliebtesten bei Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sind.
    • Neben der Verbesserung des Nährwertprofils (insbesondere die Reduktion des totalen Zuckergehalts und die Erhöhung des Proteingehalts) wäre es aufgrund der vorliegenden Resultate sinnvoll, die Anzahl an Zusatzstoffen zu verringern.
    • Durch die Verarbeitung können auch positive Produkteigenschaften erzielt werden (Lebensmittelsicherheit, Nährwertqualität, Genuss, Preis und Komfort wie ready to eat). Daher sollten verarbeitete Zutaten, welche nicht zu einer verbesserten Produktqualität beitragen, reduziert werden.
  • Das Kochsalz-Dilemma beim Emmentaler-Käse

    Das Kochsalz-Dilemma beim Emmentaler-Käse

    Im Vergleich zu anderen Käsesorten weist Emmentaler AOP einen tiefen bis sehr tiefen Salzgehalt auf. Agroscope-Forschende zeigen auf, wie es dazu kam, was dies für Auswirkungen auf die sensorische Qualität hat und was dagegen unternommen werden könnte.

    Der Salzgehalt in Käse ist eng mit der sensorischen Qualität, der Ausreifbarkeit und der Lebensmittelsicherheit des Endproduktes verbunden. Im Vergleich zu anderen Käsesorten unterscheidet sich Emmentaler AOP, wie auch andere Hartkäse des Typs Emmentaler, in einem Punkt wesentlich: Er wird häufig trocken gereift und weist einen tiefen bis sehr tiefen Salzgehalt auf. Dieser tiefe Salzgehalt wird heute mehr und mehr hinterfragt, denn er wirkt sich erwiesenermassen auf Geschmack und Aroma und damit auch auf die Beliebtheit von Emmentaler AOP aus.

    Das war nicht immer so. In den letzten Jahrzehnten ist der NaCl-Gehalt in Schweizer Emmentaler AOP stetig gesunken, was auf zwei grosse Änderungen zurückzuführen ist:

    1. Ab den 1970er Jahren wurde auf die arbeitsintensive Trockensalzung verzichtet.
    2. Ab den 1990er Jahren stieg das Bewusstsein für NaCl-arme Lebensmittel. Der tiefere NaCl-Gehalt in Emmentaler hatte den Nebeneffekt, dass der Teig geschmeidiger wurde. Zusätzlich machte die Einführung einer fakultativ heterofermentativen Laktobazillen-Kultur NaCl für die Kontrolle einer Nachgärung obsolet.

    In einem Modell-Versuch in der Forschungskäserei von Agroscope (Liebefeld) wurden verschiedene Salzbadbehandlungen mit dem Ziel untersucht, deren Einfluss auf die Salzaufnahme zu beschreiben: NaCl-Konzentration (15 und 21 °Bé), Temperatur (11 und 16 °C) und Aufenthaltsdauer (24 und 72 h). Diese Faktoren und deren Kombinationen wurden mit Modell-Emmentaler und mit Modell-Käse des Typs Dolce (Brenntemperatur: 52 °C; Ausrühr- und Ausziehtemperatur: 49 °C, Agroscope Transfer | Nr. 551 / 2024) unter Verwendung der Propionsäurebakterien-Versuchskultur Prop 23 getestet. Auch eine Variante mit Trockensalzen der Käseoberfläche wurde untersucht.

    Durch verschiedene Salzbadbehandlungen lässt sich der Salzgehalt steuern

    Eine tiefere Salzbadkonzentration von 15 °Bé brachte mehrere Vorteile mit sich, ohne dass dabei der NaCl-Gehalt verändert wurde. Mit einer längeren Salzbad-Behandlung (72 h statt 24 h) und mit Trockensalzen konnte der NaCl-Gehalt der Käse deutlich erhöht werden. Ein höherer Salzgehalt im Käse geht einher mit tieferen Wassergehalten, veränderten Reifungsvorgängen sowie veränderter Propionsäuregärung. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Propionsäuregärung einen minimalen NaCl-Gehalt braucht, damit insbesondere das Verhältnis von Propion- zu Essigsäure zugunsten der Propionsäure optimal hoch bleibt. Dieser optimale NaCl-Gehalt von ca. 9-11 g/kg (0.9-1.1 %) liegt weit über dem gegenwärtigen NaCl-Gehalt von Emmentaler AOP von durchschnittlich 3.5 g/kg (0.35 %). Dies gilt auch für den erforderlichen Salzgehalt von > 8 g/kg, damit ein Käse nicht als fad beurteilt wird. Selbst mit einer Erhöhung des NaCl-Gehaltes in diesen optimalen Bereich würde Emmentaler AOP nach wie vor zu den salzarmen Lebensmitteln zählen und so den Zielen der Salzstrategie des Bundes nicht entgegen wirken.

    Ein höherer Salzgehalt wird die Produkteigenschaften verändern

    Doch hat ein höherer Salzgehalt auch Folgen auf die Lochbildung und die Sensorik. Mehr Salz bedeutet weniger Fehlgeschmack wie beispielsweise Bitterkeit und deutlich intensiveres Aroma. Die Teigeigenschaften werden in Richtung höherer Festigkeit verändert, was sich bei zu grosser Festigkeit – wie beim Trockensalzen – negativ auf die Lochbildung und die Dicke der Borde auswirkt. Doch die Vorteile überwiegen: Mehr und reinerer Geschmack, intensiveres Aroma und weniger Essigsäure mit daran gekoppelter erhöhter Beliebtheit. Es wird in Zukunft wichtig sein, dass die Praxis die Veränderungen bei der Teigkonsistenz in den richtigen Fokus rückt.

    Abbildung: Faktoren, die die Salzaufnahme von Käse beeinflussen, korrigiert aufgrund der Erkenntnisse der vorliegenden Studie (Bildautoren: Walter Bisig & Marie-Therese Fröhlich-Wyder)

    Fazit

    • Praxisrelevanz: Für eine Umsetzung eines höheren Salzgehaltes in der Praxis sollten die nachfolgenden Empfehlungen beachtet werden.
    • Salzbad: Temperatur bei 11 °C belassen, Dauer verlängern, Konzentration auf 15 °Bé reduzieren.
    • Trockensalzen: Nur bei Feuchtlagerung empfohlen.
    • Herstellungsprozess: Brenn- und Ausziehtemperaturen evtl. senken, Säuerung intensivieren.
    • Vorsicht bei Modell-Versuchen: Unterschiede in Käse-Dimensionen beachten.
    • Teigkonsistenz: Ohne Anpassung des Prozesses wird der Käse fester. Diese Veränderung der Konsistenz gilt es gegen die Vorteile eines höheren NaCl-Gehaltes abzuwägen.
    • Ernährung: Auch mit einer Verdoppelung des heutigen NaCl-Gehaltes würde Emmentaler AOP nach wie vor zu den salzarmen Lebensmitteln zählen.

  • Milch-MIR-Spektren und maschinelles Lernen zur Vorhersage des Grasanteils in Milchviehrationen

    Milch-MIR-Spektren und maschinelles Lernen zur Vorhersage des Grasanteils in Milchviehrationen

    Wie lässt sich eine graslandbasierte Fütterung nachweisen? Ein Ansatz auf Basis von maschinellem Lernen und der Mittel-Infrarotspektroskopie (MIR)-Routineanalytik aus der Milchprüfung könnte weiterhelfen.

    Hintergrundinformationen

    Milch aus graslandbasierter Produktion gilt in Ländern mit einem hohem Graslandanteil (z. B. Schweiz) als nachhaltig. Konsumierende sind bereit, für Produkte aus einer solchen Produktion eine Prämie zu bezahlen, da diese vielfach mit artgerechter Tierhaltung und gesundheitlichem Mehrwert assoziiert werden. Bislang gibt es aber noch keine einheitliche Definition für eine graslandbasierte Produktion und das Prädikat «graslandbasiert» ist nur indirekt nachweisbar. In entsprechenden Programmen werden Angaben zum Grasanteil in der Ration, Weidetage oder die verfügbare Weidefläche als Nachweis verwendet. Diese Methoden sind zeitaufwendig, schwer zu überprüfen und fehleranfällig. Möglichkeiten für einen direkteren Nachweis sind daher gesucht. Spektraldaten aus der Mittel-Infrarotspektroskopie (MIR), wie sie bereits für die Bestimmung der Fett-, Eiweiss-, Laktose- und Harnstoffgehalte in der Milchprüfung verwendet werden, kombiniert mit maschinellem Lernen, könnten weiterhelfen.

    Neue Methoden auf Basis von maschinellem Lernen

    Bislang war die Partielle Kleinste-Quadrate-Diskriminanzanalyse (PLS-DA) der einzige Algorithmus für maschinelles Lernen, mit dem versucht wurde, den Anteil an graslandbasierten Futtermitteln in der Ration durch MIR-Spektren zu klassifizieren. In der kürzlich publizierten Studie wurden drei neuen Algorithmen (Least absolute Shrinkage and Selection Operator [LASSO], Random Forest [RF], Support Vector Machines [SVM]) auf Basis von maschinellem Lernen für die Vorhersage der gaslandbasierten Fütterung verwendet. Dabei wurden sowohl die MIR-Spektralwellenzahlen selbst als auch Werte für die Qualitätseigenschaften der Milch (Fett und Eiweiss) und ein neu entwickelter Indikator für Berücksichtigung der «Saisonalität» der Milchproben als Dateneingabe verwendet.

    Zukunftsperspektiven

    Das Verfahren mit der stärksten Aussagekraft (LASSO) konnte von den 1’132 analysierten Proben ≥ 50 % der gesamten graslandbasierten Futtermittel mit 79 % Genauigkeit, 85 % Präzision, 91 % Sensitivität, 14 % Spezifität und einem F1-Score von 88 % klassifizieren. Frisches Gras ≥ 70% wurde mit einer Genauigkeit von 86 %, einer Präzision von 62 %, einer Sensitivität von 39 %, einer Spezifität von 95 % und einem F1-Score von 48 % klassifiziert. Auf Basis der in der Publikation dargestellten Resultate könnte zukünftig eine Methodik entwickelt werden, die einen automatisierten und vereinfachten Nachweis der graslandbasierten Fütterung erlaubt, wie sie von privaten und staatlichen Organisationen gewünscht wird.

    Fazit

    • Der kombinierte Ansatz von Fütterungsangaben, MIR-Spektraldaten, gemessene Milchqualitätseigenschaften wie auch die Saisonalität in Modellen mit maschinellem Lernen als Datenbasis zu verwenden, scheint verheissungsvoll.
    • Die Verfahren LASSO und PLS-DA scheinen den Verfahren RF und SVM für die Klassifizierung der graslandbasierten Futtermittel überlegen zu sein.
    • Die untersuchten Modelle haben sich bei der Überprüfung der Milch aus graslandbasierter Fütterung bei einer limitierten Zahl von Landwirtschaftsbetrieben bewährt: Die entwickelten Modelle müssen nun anhand grösserer Datensätze validiert und allenfalls mit weiteren Merkmalen ergänzt werden.
  • Genetischer Hintergrund A1/A2 der Kuh beeinflusst Proteinverdauung der Milch, nicht aber der Hornstatus

    Genetischer Hintergrund A1/A2 der Kuh beeinflusst Proteinverdauung der Milch, nicht aber der Hornstatus

    Der Einfluss von Hornstatus und der genetischen Variante des Milchproteins β-Casein (A1/A2) auf Milchqualität und Verdauung wird kontrovers diskutiert. Diese Studie zeigt, dass Milch von Kühen mit genetischem Unterschied im β-Casein im menschlichen Magen leicht anders verdaut wird, der Hornstatus aber keinen Einfluss hat.

    Die Auswirkungen des Hornstatus (Be- oder Enthornung) von Kühen und des β-Casein-Genotyps (siehe Textbox) auf die Zusammensetzung und Qualität der Milch werden kontrovers diskutiert. Beispielsweise wird immer wieder, besonders in biodynamischen Kreisen, deklariert, dass die Milch von behornten Kühen besser verdaulich und gesünder sei als die von hornlosen Kühen, trotz fehlender wissenschaftlicher Grundlage.

    Untersucht wurde in dieser Studie*, ob sich die Milch von behornten und enthornten Kühen in ihrer Zusammensetzung unterscheidet und ob die Milch unterschiedlich verdaut wird. Dies aufgrund früherer, wenn auch methodisch limitierter, Studien, die einen Einfluss der Enthornung auf Milchinhaltsstoffe nahelegten. Einer der wohl am kontroversesten diskutierten Faktoren, der die Milchverdauung beeinflussen könnte, ist die genetische Variante des Milchproteins β-Casein. Um deren Einfluss auszuschliessen bzw. auch zu untersuchen, wurden genetische Varianten des β-Caseins ebenfalls berücksichtigt. Analysiert wurden 128 Milchproben von 64 behornten und 64 enthornten Brown-Swiss- und Original-Braunvieh-Kühen, die jeweils eine von drei genetischen Varianten des β-Casein (A1A1, A1A2 und A2A2) trugen. Die Einflüsse des Hornstatus und der genetischen β-Casein-Variante auf die detaillierte Milchzusammensetzung und Milchproteinverdauung wurden unabhängig voneinander in In-vitro-Experimenten, die die menschliche Verdauung simulieren, getestet.

    A1- und A2-Milch: Der Einfluss des Genotyps

    In ihrem Erbgut tragen Kühe unterschiedliche Gene, die bestimmen, welche Milchproteine (=Eiweisse) sie produzieren. Die genetischen Varianten des Milchproteins β-Casein, die bisher identifiziert wurden, umfassen zwölf Varianten, wobei die Varianten A1 und A2 die Häufigsten und Bekanntesten sind. Die zwei Varianten unterscheiden sich in der Aminosäuren-Position 67 des Proteins. Eine Kuh kann eine von drei genetischen Varianten tragen und damit einem von drei β-casein-Genotypen zugeordnet werden: A1A1, A1A2 oder A2A2. Vor allem die Auswirkungen der Variante A1 auf die menschliche Verdauung wird unter Wissenschaftlern zurzeit kritisch diskutiert.

    Von der groben Milchzusammensetzung bis zur einzelnen Aminosäure

    In allen Milchproben wurden die Haupt- und Nebeninhaltsstoffe der Milch quantifiziert. Anschliessend wurden die Milchproben in vitro verdaut und auf verschiedenen Ebenen, von den grossen Proteinen bis hin zu ihren Bausteinen, den kleinsten Peptiden und Aminosäuren, analysiert.

    Es wurden keine Unterschiede in den Hauptinhaltsstoffen der Milch, dem Fettsäuremuster, den wichtigsten Milchproteinen und freien Aminosäuren gefunden – weder zwischen be- und enthornten Kühen noch zwischen solchen mit verschiedenen Varianten des β-Casein. Die β-Casein-Variante beeinflusste jedoch das Verdauungsmuster (Peptidmuster) von β-Casein im Magen. Die Abweichungen zeigten sich genau an den Stellen der Aminosäurenkette auf, an denen sich die A1- und A2-Variante des β-Caseins unterscheiden (siehe Textbox). Diese Differenzen glichen sich jedoch nach der Dünndarmpassage wieder aus. Ob sich die Unterschiede auf die menschliche Verdauung und das Wohlbefinden auswirken, bedarf weiterer Untersuchungen. Vom Hornstatus war die Verdaulichkeit der Milch in dieser Studie nicht beeinflusst. Dies trotz des Einsatzes extrem sensibler Methoden, welche eindeutig den Unterschied zwischen Milch von Kühen mit genetischem Unterschied im β-Casein aufzeigen konnten, welcher auf einer einzigen Aminosäure basiert, also einem winzigen Detail in der gesamten Milchzusammensetzung.

    *Die Studie finanziell durch die Stiftung Sur-la-Croix unterstützt.

    Fazit

    • In der vorliegenden Studie wurden keine Unterschiede in der Milchzusammensetzung und Milchverdauung von be- und enthornten Kühen gefunden.
    • Milch von Kühen mit genetischem Unterschied im β-Casein wird im Magen leicht anders verdaut, jedoch gibt es im Dünndarm keine Unterschiede mehr im Verdauungsmuster. Ob die In-vitro-Ergebnisse für die menschliche Verdauung und das Wohlbefinden relevant sind, muss weiter untersucht werden.
  • Schweizer Rindfleisch: Qualität durch Erhebung 2023 bestätigt

    Schweizer Rindfleisch: Qualität durch Erhebung 2023 bestätigt

    Die Resultate der Erhebung 2023 zur Rindfleischqualität zeigen, dass die Qualität von Schweizer Fleisch insgesamt sehr zufriedenstellend ist, sowohl in Bezug auf den Nährwert als auch auf die technologischen und sensorischen Aspekte.

    Um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit des Rindfleischsektors und zur Erhaltung der Produktqualität zu leisten, führt Agroscope seit 2009 Erhebungen zur Qualität von Schweizer Rindfleisch durch. Die Erhebungskampagnen mit der Bezeichnung «Obstend» (französisch «Observatoire de la tendreté») haben zum Ziel, die Entwicklung der Qualität von Fleisch schweizerischer Herkunft zu verfolgen, um allfällige Probleme aufgrund von Veränderungen in der Praxis zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen.

    2023 führte Agroscope in enger Zusammenarbeit mit Proviande die vierte Untersuchungskampagne durch, die unter anderem sensorische Analysen umfasste. Als Basis dienten Fleischproben aus je drei Metzgereien aus 13 Schweizer Städten. Die Metzgereien wurden gebeten, Proben von Entrecôte, Filet, Huft und Huftdeckel zur Verfügung zu stellen.

    Detaillierte Ergebnisse der Erhebung 2023

    Die Herkunftsanalysen mittels DNA-Test ergaben bei 100 von 116 Proben (86 %) eine Übereinstimmung mit der Referenzdatenbank. Dieser Anteil lässt sich mit der im Proviande-Jahresbericht 2023 ausgewiesenen Erfassungsquote von 87,7 % aller im Jahr 2023 geschlachteten Rinder erklären. Die missbräuchliche Verwendung der Marke «Schweizer Fleisch» scheint somit im Rindfleischmarkt kein grosses Problem zu sein.

    Die durchschnittliche Reifungszeit aller Proben betrug 37 ± 21 Tage, wobei 14 % der Proben den Grenzwert von 56 Tagen Reifungszeit überschritten. Aufgrund der Erfahrungen von Proviande wird dieser Grenzwert als Limite betrachtet, bei deren Überschreitung die Wahrscheinlichkeit, dass das Fleisch vor dem Verkauf tiefgefroren wurde, sehr hoch ist.

    Die Daten zur chemischen Zusammensetzung des Fleisches zeigen, dass Entrecôte und Huft die höchsten Proteinkonzentrationen aufweisen, gefolgt von Filet und Huftdeckel. Die Analyse der Fettsäurenzusammensetzung zeigt, dass Filet und Huftdeckel den höchsten Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA) aufweisen, gefolgt von Huft und Entrecôte. Filet ist reicher an gesättigten Fettsäuren als Huft, die Werte von Entrecôte und Huftdeckel liegen dazwischen.

    Nahezu alle untersuchten Proben wiesen eine mittlere instrumentell gemessene Zartheit auf, die unter dem Grenzwert für sehr zartes Fleisch lag. Mehr als 90 % der Schweizer Konsumenten sind damit zufrieden.

    Erstmals wurden allen Proben der Erhebung einer sensorischen Analyse mit den drei Parametern «Zartheit», «Saftigkeit» und «Gesamtgeschmack» unterzogen. Die Analyse erklärt die weit besseren Resultate des Filets durch die bessere Bewertung der Zartheit. Der höhere Gehalt an intramuskulärem Fett und PUFAs macht es jedoch wie das Filet anfälliger für Oxidationsprozesse, die den Geschmack beeinträchtigen können.

    Fazit

    • Das auf dem Schweizer Markt verkaufte Rindfleisch ist von sehr hoher Qualität.
    • Die Transparenz bezüglich Schweizer Herkunft, die durch das von Proviande eingeführte Kontrollprogramm mit DNA-Tests gewährleistet wird, ist ein echter Mehrwert.
    • Es wurde ein verstärkter Trend zum Verkauf von Fleischstücken festgestellt, die höchstwahrscheinlich zuerst eingefroren und dann aufgetaut wurden. Eine Sensibilisierungsmassnahme bei Metzgern und Einzelhändlern wäre wünschenswert.
    • Das Filet zeichnete sich durch eine hohe sensorische Zartheit aus, der Huftdeckel durch den intramuskulären Fettgehalt, die Saftigkeit und das ernährungsphysiologisch etwas bessere Fettsäureprofil.
  • Sauerteigbrote weisen ein hochdiverses, nährstoffreiches Innenleben auf

    Sauerteigbrote weisen ein hochdiverses, nährstoffreiches Innenleben auf

    Die mikrobiologische Zusammensetzung des Sauerteigs bestimmt das daraus gebackene Brot. In Kombination mit bestimmten Mehltypen und den geeigneten Prozessparametern kann ein Sauerteig die gesundheitsfördernden Merkmale des Brotes steigern.

    Das uralte Handwerk des Brotbackens hat sich während der über zehn Jahrtausende seiner Geschichte stark verändert. So ging man von der Herstellung natürlich gesäuerter Brote zu einer mehrheitlich stark kontrollierten Fermentation der Teige über. In letzter Zeit steigt die Beliebtheit von Sauerteigbroten aber wieder. Sie weisen im Vergleich zu herkömmlichen Hefeteigbroten einen verbesserten Geschmack, eine bessere Struktur, eine längere Haltbarkeit sowie einen erhöhten Nährwert auf.

    Jedem Sauerteig seine eigene Gemeinschaft

    Die mikrobiellen Gemeinschaften, welche einen Sauerteig ausmachen, setzen sich aus Bakterien und Hefen zusammen und variieren extrem in ihrer Komplexität, je nach verwendeten Rohstoffen und Prozessführung. Dennoch ermöglichen die allgemeinen physikalisch-chemischen Eigenschaften des Sauerteigs, dass am Ende Milchsäurebakterien und Hefen dominieren (Abb. 1). Reife Sauerteig-Starter ermöglichen daher die Herstellung hochsicherer Sauerteigprodukte.

    Abbildung 1: Herstellung von reifem Sauerteig nach „französischer Art“ (links) und grafische Darstellung der typischen Dynamik der verschiedenen darin vorkommenden Gruppen von Mikroorganismen (rechts). Für jede mikrobielle Gruppe ist die Anzahl der Punkte in den Balken direkt proportional zur Zelldichte in einer bestimmten Phase der Herstellung (in Anlehnung an Minervini et al. 2014).

    Der spontane und der vorgespurte Sauerteig

    Im Wesentlichen können zwei Haupttypen von Sauerteig unterschieden werden. Typ-I-Teige entstehen durch spontane Besiedlung durch Bakterien und Hefen aus dem Mehl und der Umgebung, werden bis zu 15 Tage durch ständiges Auffrischen mit Mehl und Wasser versorgt und werden üblicherweise bei Raumtemperatur gehalten. Im Gegensatz dazu entstehen Typ-II-Teige durch Animpfen eines Mehl-Wasser-Gemisches mit ausgewählten Bakterien und/oder Hefen und werden in der Regel bei höheren Temperaturen fermentiert. Unabhängig von der Herstellungsart können Sauerteige im Laufe der Zeit eine hohe Diversität aufweisen. Ihre Zusammensetzung wird besonders beeinflusst durch Mehlsorte, Hydratation, Temperatur, Zeit und Frequenz der Versorgung mit frischem Mehl und Wasser.

    In der Vielfalt der Sauerteig-Gemeinschaften liegt das Geheimnis

    Als Grundnahrungsmittel spielen Getreideprodukte in der menschlichen Ernährung eine zentrale Rolle. Dennoch ist ihre Beliebtheit vor allem in Industriestaaten abnehmend, da die enthaltenen Glutenproteine und andere Inhaltsstoffe (z.B. Amylase-Trypsin-Inhibitoren) bei gewissen Konsumentinnen und Konsumenten zu Darmentzündungen und anderen gastrointestinalen Symptomen führen können. Die Verwendung von Sauerteig für die Brotherstellung kann zu einem weitgehenden Abbau des Glutennetzwerks sowie einer Senkung anderer unerwünschter Inhaltsstoffe beitragen. Die Ansäuerung durch Milchsäurebakterien und Hefen ist dabei ein Schlüsselfaktor. Insgesamt ist jedoch noch sehr wenig über die genaue Rolle der Mikroorganismen bekannt. Gewisse Studien konnten eine Funktion spezifischer Stämme nachweisen. Mehr Forschung ist aber notwendig, um die Rolle der vielfältigen Sauerteig-Gemeinschaften besser zu verstehen.

    Fazit

    • Mikrobielle Sauerteig-Gemeinschaften können einfach oder komplex zusammengesetzt sein.
    • Spontane Fermentationen führen zu eher komplexen Systemen, wogegen der Zusatz ausgewählter Starter-Mikroorganismen zu eher einfachen mikrobiellen Systemen führt.
    • Die mikrobielle Zusammensetzung eines Sauerteigs wird besonders durch die Mehlsorte, die Hydratation, die Temperatur, die Zeit und die Frequenz der Versorgung mit frischem Mehl und Wasser beeinflusst.
    • Die Verwendung von Sauerteig kann die Verträglichkeit von Getreideprodukten erhöhen. Mehr Wissen über die Rolle spezifischer Mikroorganismen würde deren gezielten Einsatz für ein optimales Ergebnis ermöglichen.
  • Dank Informationen die Attraktivität suboptimal aussehender Kartoffeln erhöhen

    Dank Informationen die Attraktivität suboptimal aussehender Kartoffeln erhöhen

    Erhebliche Mengen an Kartoffeln gehen aufgrund ästhetischer Mängel verloren. Forschende von Agroscope haben deshalb untersucht, wie Konsumentinnen und Konsumenten motiviert werden können, suboptimal aussehende Kartoffeln zu kaufen.

    Entlang der Wertschöpfungskette von Kartoffeln entstehen grosse Verluste, im Folgenden als Food Waste bezeichnet. Eine ganz spezifische Quelle von Food Waste bilden sogenannte suboptimale Produkte, die entweder nahe oder über dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind oder visuelle oder sensorische Abweichungen vom definierten Optimum aufweisen. Für die Schweiz wurde geschätzt, dass lediglich 60 % aller geernteten Kartoffeln überhaupt die Konsumentenschaft oder Restaurants erreichen. Um zu untersuchen, ob suboptimale Produkte dennoch an Konsumentinnen und Konsumenten vermarktet werden könnten, hat Agroscope im Frühling 2024 eine Onlinebefragung durchgeführt.

    Das Kartoffel-Experiment

    Im Rahmen der Onlinebefragung in der deutschsprachigen Schweiz wurden insgesamt 481 Personen befragt (51.1 % davon waren Frauen). Auf einen Teil der Befragung soll hier speziell eingegangen werden: das Kartoffel-Experiment. Dabei sollten sich die Online-Teilnehmenden zwischen zwei Kartoffel-Optionen entscheiden. Zusätzlich hatten sie die Möglichkeit, anzugeben, dass sie keine der beiden Kartoffeln wählen würden. Den Teilnehmenden wurde mitgeteilt, dass sie sich vorstellen sollten, an einem Ort (Hofladen vs. Supermarkt) Kartoffeln zu kaufen. Sie konnten sich dann zwischen zwei Produkten entscheiden: für eine optimale Kartoffel A und für eine suboptimale Kartoffel B. Sie unterschieden sich lediglich in den Aspekten Grösse und Aussehen. Unter Food-Waste-Informationsbedingung hiess es bei der Kartoffel A, dass dies handelsübliche Kartoffeln sind, und bei der Kartoffel B, dass diese Kartoffeln üblicherweise aussortiert werden, obwohl sie sich bestens zum Kochen eignen und mit ihrer Verwertung Food Waste vermieden werden kann.

    Die Wahl der suboptimalen Kartoffel

    Mittels Chi-Quadrat-Test liess sich feststellen, dass der Verkaufs-Ort und die Food-Waste-Information einen Effekt auf die Kartoffelwahl hatten. Es gabe eine kleine Tendenz, dass die Teilnehmenden die optimale Kartoffel A im Hofladen häufiger wählten als im Supermarkt (75 % vs. 71 % in der Kontrollgruppe und 59 % vs. 54 % mit Food-Waste-Information). Da dieser Unterschied sehr klein war, müsste man das in künftigen Studien genauer untersuchen. Ausserdem gilt es hierbei zu beachten, dass es einen Unterschied zwischen angegebenen Präferenzen und dem tatsächlichen Verhalten geben kann. Food-Waste-Informationen haben dazu geführt, dass die Teilnehmenden eher die suboptimale Kartoffel B gewählt haben (25 % vs. 41 % im Hofladen und 29 % vs. 46 % im Supermarkt). Mittels Freitextantworten sollten die Teilnehmenden ihre Kartoffelwahl begründen. Dabei wurde die Wahl der optimalen Kartoffel A insbesondere durch das Aussehen und den Preis begründet. Falls die Wahl auf die suboptimale Kartoffel B fiel, war das hauptsächlich wegen der Reduktion von Food Waste oder wegen der Tatsache, dass diese Kartoffel noch geniessbar ist.

    Fazit

    • Spezifische Food Waste Informationen haben dazu beigetragen, dass die suboptimalen Kartoffeln häufiger gewählt wurden.
    • Teilnehmende gaben spezifisch an, die suboptimalen Kartoffeln gewählt zu haben, um Food Waste zu reduzieren.
    • Der Preis (kein Unterschied zu den suboptimalen Kartoffeln) und das Aussehen wurden als Gründe aufgeführt, die optimalen Kartoffeln zu wählen.
  • Paratuberkulose bei Rindern: internationale Entwicklung und Situation in der Schweiz

    Paratuberkulose bei Rindern: internationale Entwicklung und Situation in der Schweiz

    Eine aktuelle Übersicht zur Paratuberkulose beschreibt diese chronische Erkrankung von Rindern, zeigt wie man sie international und national bekämpft und erklärt warum das wichtig ist.

    Paratuberkulose (ParaTB) zeigt sich beim Rind und anderen Wiederkäuern als eine über viele Jahre verlaufende Krankheit. Sie ist erst symptomlos, später führt eine chronische Darmentzündung mit Durchfall zum Tode. Das Bakterium Mycobacterium avium spp. paratuberculosis (MAP) ist der Auslöser von ParaTB.

    Schweizer Kuh mit Paratuberkulose. (Foto: Universität Bern, Wiederkäuerklinik)

    Stand der Forschung zur Paratuberkulose

    Der Artikel zeichnet den aktuellen Stand der Forschung über ParaTB und MAP nach und erörtert, wie verschiedene Länder ParaTB bekämpfen.

    Erste ParaTB-Bekämpfungsprogramme wurden vor über 30 Jahren aufgegleist, als sich andeutete, dass MAP in Verdacht steht, die entzündliche Darmerkrankung «Morbus Crohn» beim Menschen auszulösen und unter gewissen Umständen die Pasteurisierung von Verkehrsmilch zu überleben.

    Trotz intensiver Forschung während den letzten Dekaden konnte der mögliche kausale Zusammenhang zwischen MAP und Morbus Crohn weder vollständig bewiesen noch widerlegt werden. Es fehlen immer noch verschiedene klinische Studien mit validierten Methoden zum MAP-Nachweis in klinischen Proben. Dennoch wird die ParaTB-Bekämpfung ausgebaut, besonders in Ländern mit grossen Herden und intensiver Landwirtschaft.

    Aktuell wird die ParaTB-Bekämpfung in vielen Ländern durch integratives Herdenmanagement zur Förderung der Tiergesundheit und des Tierwohles unter Einbezug ökonomischer Fragen praktiziert.

    Situation in der Schweiz

    ParaTB kommt in der Schweiz endemisch vor. Ende 2015 wurden auf nationaler Ebene obligatorische Bekämpfungsmassnahmen gegen die Tierseuche festgelegt, hauptsächlich um den Zugang zum internationalen Markt (Export von Milch und Milchprodukten) zu sichern. Ziel ist es, Tiere, die den Erreger in grossen Mengen ausscheiden, zu identifizieren und zu eliminieren, und damit den Infektionsdruck im Bestand und das potentielle Risiko eines Eintrages von MAP in die Lebensmittelkette zu verringern.

    Jüngste Daten von Prof. M. Meylan der Universität Bern zeigen, dass in der Schweiz eine im europäischen Vergleich tiefe Herdenprävalenz in Schweizer Rinderhaltungen vorhanden ist: Die wahre Seroprävalenz betrug 3,6 % auf Herdenebene, sowie 3,6 % auf Tierebene in infizierten Betrieben. Herdengrösse war der einzige Risikofaktor für einen positiven Herdenstatus. Ausserdem zeigt die Studie ein eher bescheidenes Wissen über ParaTB bei Rinderhaltenden.

    Fazit

    • Trotz intensiver Forschung während den letzten drei Dekaden konnte ein möglicher kausaler Zusammenhang zwischen MAP und Morbus Crohn beim Menschen weder vollständig bewiesen noch widerlegt werden.
    • International wird ParaTB bekämpft, indem man integratives Herdenmanagement zur Förderung der Tiergesundheit und des Tierwohls unter Einbezug ökonomischer Fragen praktiziert. Dieser Ansatz hätte dann auch einen positiven Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit.
    • In der Schweiz wurde kürzlich eine im internationalen Vergleich relativ niedrige Seroprävalenz für MAP in Milchviehherden gemessen.
    • In der Schweiz existiert kein national koordiniertes Programm zur Überwachung und Bekämpfung der ParaTB. Umso wichtiger ist es, durch verstärkte Information das Bewusstsein der Tierhaltenden für die Krankheit zu steigern, damit Infektionen erkannt und Massnahmen getroffen werden für eine bessere Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit.

  • Fütterung mit Sorghumhirse: Auswirkungen auf die Käsequalität

    Fütterung mit Sorghumhirse: Auswirkungen auf die Käsequalität

    Der Klimawandel zwingt die Produzenten, nach neuen Futtermitteln zu suchen. Sorghumhirse ist eine mögliche Alternative. Wie wirkt sich die Fütterung von Milchkühen mit Sorghumhirse auf die Qualität von Hartkäse aus?

    In den letzten Jahren litten die Regionen, in denen Milch für den Gruyère (Le Gruyère AOP) produziert wird, unter trockenen Bedingungen. Damit die Produzenten die Anforderung erfüllen können, dass 70 % der Futtermittel aus dem eigenen Betrieb stammen, müssen sie nach neuen Lösungen suchen. Als Alternativen kommen Pflanzen mit geringem Wasserbedarf, wie Sorghumhirse, in Frage. Sorghum-Kulturen lassen sich durch Milchkühe beweiden und können in den Monaten Juli bis September den Mangel an Futterpflanzen ausgleichen. Aber hat die Fütterung der Kühe mit Sorghum einen Einfluss auf die Qualität des Gruyère?

    Beweidung von Wiesen oder Sorghumkulturen

    Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Agroscope und Grangeneuve untersuchten Fachpersonen die Qualität von Hartkäse aus der Milch von Kühen, deren Ration entweder aus Sorghumhirse oder Gras bestand. Während des dreitägigen Versuchs wurden die Kühe, die auf Sorghum oder Gras weideten, getrennt gemolken und ihre Milch wurde zur Käseherstellung verwendet. Die Herstellung erfolgte nach dem üblichen Rezept für Hartkäse in der Forschungskäserei von Agroscope in Liebefeld. Nach der Reifung der sechs produzierten Käseprodukte wurden sie verkostet.

    Analysen

    Im Rahmen des Versuchs wurden mehrere Analysen durchgeführt. Es wurde eine Methode entwickelt, mit der die Konzentration von Thiocyanat (ein Abbauprodukt der hochgiftigen Blausäure) im Futter, im Blut und in der Milch von Kühen gemessen werden kann. Die Ergebnisse zeigten, dass die Beweidung von Sorghum einen leichten Anstieg von Thiocyanat im Blut der Kühe, nicht aber in der Milch zur Folge hatte.

    Die Milchanalysen deuteten darauf hin, dass Sorghum keine negativen Auswirkungen auf den Proteingehalt hatte, sondern im Gegenteil vorteilhaft zu sein schien.

    Schliesslich wurden Analysen des Käses nach 24 Stunden und nach neun Monaten Reifung durchgeführt. Die Analysen des gereiften Käses ergaben, dass die Art des verwendeten Futters den Gehalt bestimmter Aminosäuren beeinflusste, dies jedoch keine Auswirkungen auf die Qualität des Käses hatte.

    Sensorische Bewertung des Käses

    Die sensorische Bewertung der Käse erfolgte einerseits durch ein Panel aus Mitarbeitenden von Agroscope Posieux und Grangeneuve und andererseits durch ein Expertenpanel mit geschulten Personen des Standorts Liebefeld.

    Das Mitarbeiterpanel nahm bei den Vergleichen keine signifikanten Unterschiede wahr und das Expertenpanel kam tendenziell zum gleichen Schluss.

    Bei beiden Panels war kein klarer Trend erkennbar, dass ein Unterschied bezüglich eines bestimmten Merkmals wahrgenommen wurde. Dies zeigt, dass die mit Sorghum ergänzte Fütterung der Kühe keine eindeutigen sensorischen Auswirkungen auf den Hartkäse hatte.

    Auch in Bezug auf das Aussehen wiesen die Käsesorten keine grösseren visuellen Mängel auf.

    Fazit

    • Die Analysen von Sorghumhirse deuten auf eher schlechtere Nährwerte als gutes Gras. Dennoch wurden keine Veränderungen der Milchleistung von Kühen festgestellt, die auf Sorghumkulturen geweidet wurden.
    • Es wurden keine positiven oder negativen Auswirkungen von Sorghumhirse auf das Gewicht der Tiere, die üblichen Bestandteile der Milch oder den Gehalt an Blausäure oder Thiocyanat gemessen.
    • Der Prozess der Käseherstellung wurde nicht durch die Herkunft der Milch beeinflusst. Die Analysen von Milch, Frischkäse und gereiftem Käse zeigten einige signifikante Unterschiede, von denen jedoch keiner die sensorische und visuelle Qualität des Käses beeinträchtigte.
    • Sorghumhirse könnte in Trockenperioden eine gute Futtermittel-Alternative sein, da sie die Qualität von Hartkäse aus Rohmilch nicht zu beeinflussen scheint.
  • Pflanzliche Alternativen – eine Analyse der letzten 10 Jahre

    Pflanzliche Alternativen – eine Analyse der letzten 10 Jahre

    Die Studie untersucht den Diskurs in den Medien zu pflanzlichen Alternativen in der Schweiz, um Einblicke in aktuelle Entwicklungen zu gewinnen. Anstatt Konsumentinnen und Konsumenten direkt zu befragen, wird der Mediendiskurs analysiert, der ihre Wahrnehmung beeinflusst und widerspiegelt.

    Die Schweiz entwickelt derzeit eine Vielzahl von Innovationen mit pflanzlichen Rohstoffen. Einerseits sind in der Schweiz einige der grössten Lebensmittelunternehmen der Welt angesiedelt, welche die Innovation in der Lebensmittelindustrie vorantreiben. Andererseits ist die Schweiz eines der wenigen Länder in Europa, in denen pflanzliche Alternativen schon früh eingeführt und von Grossverteilern vertrieben wurden und wo die Innovation noch immer floriert.

    Diskursforschung ergänzt die üblichen Konsumentenumfragen

    Die Nachfrage nach Fleischalternativen hat in der Schweiz in den letzten Jahren stark zugenommen. Mit unserer Studie wollen wir diese Entwicklungen genauer beleuchten und führten dazu eine Längsschnittanalyse des Diskurses zu pflanzlichen Produkten unter Verwendung von Schweizer Daten aus den letzten zehn Jahren durch. Diskursforschung bildet eine wichtige Ergänzung zur gängigen Konsumentenforschung, da die Konsumentinnen und Konsumenten nicht direkt befragt werden, was zu einer Beeinflussung ihrer Antworten führen kann.

    Fleischalternativen im Fokus der medialen Diskussion

    Die Analyse zeigt, dass in der Schweiz im Diskurs über pflanzliche Alternativen ein starker Fokus auf Fleischalternativen liegt, während Milchalternativen weniger thematisiert werden. Der Wunsch nach nachhaltiger und gesunder Ernährung ist ein häufiges Motiv, um zumindest teilweise auf tierische Produkte zu verzichten. Insgesamt hat das Thema pflanzliche Alternativen an Bedeutung gewonnen, auch auf politischer Ebene. Angesichts der Klimaziele wird erwartet, dass der Diskurs und das Marktwachstum dieser Produkte weiter zunehmen werden. Es ist wichtig, diesen Wandel zu beobachten, da pflanzenbasierte Alternativen ein interessanter Wachstumsmarkt für die Schweizer Landwirtschaft darstellen könnten und es wichtig ist, zu verstehen, mit welchen Argumenten Produkte gezielt vermarktet werden können.

    Fazit

    • Die Studie untersucht den Diskurs über pflanzliche Alternativen in der Schweiz der letzten zehn Jahre. Es gibt einen klaren Fokus auf Fleischalternativen, während Milchalternativen weniger Beachtung finden.
    • Der Diskurs über pflanzliche Alternativen hat sich in den letzten zehn Jahren stark entwickelt. Es gab viele Innovationen und das Thema hat auch die Politik erreicht.
    • Nach der Ankündigung der langfristigen Klimastrategie des Bundesrates, die eine Reduzierung des Konsums tierischer Produkte vorsieht, wird erwartet, dass der Diskurs über pflanzliche Alternativen und ihr Marktwachstum zunehmen werden.
    • Verschiedene Innovationen zeigen zudem, dass pflanzenbasierte Alternativprodukte für die Schweizer Landwirtschaft ein interessanter Wachstumsmarkt sein könnten.
  • Wie werden pflanzliche Milchersatzprodukte wahrgenommen und wer konsumiert sie?

    Wie werden pflanzliche Milchersatzprodukte wahrgenommen und wer konsumiert sie?

    Das Angebot an pflanzlichen Milchalternativen nimmt weiter zu. Agroscope und die SMP haben Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten online befragt, welche Produkte sie konsumieren und wie sie diese wahrnehmen.

    Ein hoher Konsum von tierischen Produkten trägt erheblich zu klimaschädlichen Treibhausgasemissionen und letztlich zum Klimawandel bei. Eine stärker pflanzlich orientierte Ernährung könnte dem entgegenwirken. Die grosse Vielfalt an pflanzlichen Alternativen zu Milch und Milchprodukten unterstützt diese Forderung. Der Konsum dieser Produkte hat in den letzten Jahren zugenommen.

    Umfrage zum Konsum von pflanzlichen Milchalternativen

    Mittels einer Onlinebefragung in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz sollte detaillierter untersucht werden, welche Produkte von wem und aus welchen Gründen konsumiert werden. Dazu wurden 1204 Personen zu ihrem Konsum respektive Nichtkonsum von pflanzlichen Milch-, Joghurt- und Rahmersatzprodukten befragt.

    Flexitarierinnen und Flexitarier konsumieren häufig Milchalternativen

    Es zeigte sich, dass die Gruppe der Konsumierenden tendenziell junge, gut ausgebildete urbane Flexitarierinnen und Flexitarier umfasste, also Personen, die darauf achten, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Die Resultate deuten zudem darauf hin, dass pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten häufig in Kombination mit tierischen Produkten konsumiert werden.

    Geschmack, Gesundheit, Umwelt und Tierwohl als Hauptgründe

    Die am häufigsten konsumierten pflanzlichen Alternativen zu Kuhmilch waren Soja-, Mandel- und Haferdrinks. Als Hauptgründe für den Konsum dieser Produkte nannten die Befragten den Geschmack (26 %), die Gesundheit
    (34 %; einschliesslich Allergien und Unverträglichkeiten), die Abwechslung in der Ernährung (12 %), sowie die Tier- und Umweltfreundlichkeit (16 %). Die Personen, welche keine pflanzlichen Milchalternativprodukte konsumieren, gaben als Grund dafür an, dass sie sich nicht für diese Produkte interessieren (38 %) oder den Geschmack nicht mögen (25 %).
    Die Ergebnisse dieser Befragung sind relevant für Forschung und Praxis und ermöglichen ein besseres Verständnis der wachsenden Gruppe von Personen, die durch den Konsum von pflanzlichen Alternativen einen Beitrag an einer nachhaltigeren Ernährung leisten wollen.

    Fazit

    • Pflanzliche Milchalternativprodukte werden eher von jungen, städtischen, gut ausgebildeten Flexitarierinnen und Flexitariern konsumiert.
    • Als Alternative zu Kuhmilch werden am häufigsten Soja-, Mandel- und Haferdrinks gewählt.
    • Wichtige Gründe für den Konsum pflanzlicher Milchalternativprodukte sind deren Geschmack, der Beitrag zur Gesundheit (einschliesslich Allergien und Unverträglichkeiten) und der positive Umwelteinfluss.
    • Pflanzliche Milchproduktalternativen werden häufig in Kombination mit tierischen Produkten konsumiert.
  • Beistoffe in Pflanzenschutzmitteln und ihre Rückstände in Lebensmitteln

    Beistoffe in Pflanzenschutzmitteln und ihre Rückstände in Lebensmitteln

    Pflanzenschutzmittel enthalten Wirkstoffe und sogenannte Beistoffe. Agroscope untersuchte erstmals die Rückstände von Beistoffen auf behandelten Pflanzen und liefert damit Grundlagen für die Beurteilung der Risiken für Konsumentinnen und Konsumenten.

    Pflanzenschutzmittel (PSM) können auch bei vorschriftsmässiger Anwendung Rückstände in pflanzlichen Lebensmitteln bilden. Die Rückstände von PSM-Wirkstoffen sind im Lebensmittelrecht geregelt. Für jeden Wirkstoff und jedes Lebensmittel ist ein zulässiger Rückstandshöchstgehalt festgelegt. Kantone und Bund überprüfen, ob dieser eingehalten wird.

    Forschungsbedarf identifiziert

    PSM-Produkte enthalten neben einem oder mehreren Wirkstoffen meist auch diverse Beistoffe, die dem Produkt die für die Anwendung nötigen Eigenschaften verleihen. Obwohl Beistoffe einen signifikanten Anteil eines PSM ausmachen können, wurde ihren Rückständen bisher kaum Beachtung geschenkt. Im «Nationalen Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» wurde deshalb festgehalten, dass die Kenntnisse zu möglichen Risiken von Beistoffen für Konsumentinnen und Konsumenten verbessert werden sollen.

    Lösungsmittel und Tenside sind häufige Beistoffe in PSM

    Im Auftrag des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat Agroscope zwischen 2017 und 2020 mehrere Studien durchgeführt und erste Grundlagen zu Rückständen von Beistoffen erarbeitet: Es wurde untersucht, welche PSM-Typen (Formulierungen) in der Schweiz am häufigsten verkauft werden und welche Beistoffe diese enthalten. Lösungsmittel und Tenside wurden als mengenmässig bedeutendste Beistoffklassen identifiziert.

    Lösungsmittel verdampfen, Tenside werden abgewaschen

    In Feldversuchen hat Agroscope für Vertreter dieser beiden Beistoffklassen gezeigt, dass unter Praxisbedingungen Rückstände von mehreren Milligramm pro Kilogramm auftreten können. Diese nahmen in der Regel rasch ab. Für die Abnahme war bei Tensiden vor allem Abwaschen durch Regen oder Bewässerung verantwortlich, bei Lösungsmitteln hingegen Verdampfen.

    Methode zur Abschätzung der Beistoffrückstände

    Ausgehend von den Feldversuchen hat Agroscope eine einfache Methode zur Abschätzung der Höhe von Beistoffrückständen in pflanzlichen Lebensmitteln vorgeschlagen. Diese basiert auf öffentlich verfügbaren Daten zu Rückstandskonzentrationen von Wirkstoffen direkt nach der PSM-Anwendung und deren Abnahme über die Zeit.

    Fazit

    • Die in der Schweiz verkauften PSM setzen sich im Durchschnitt aus rund 50 % Wirkstoff, 30 % Wasser und 20 % Beistoffen zusammen. Die mengenmässig bedeutendsten PSM-Beistoffklassen sind Lösungsmittel und Tenside.
    • Die bei Agroscope durchgeführten Feldversuche zeigen erstmals, dass Beistoffe erwartungsgemäss zu Rückständen in behandelten pflanzlichen Lebensmitteln führen können.
    • Da auf absehbare Zeit hinaus keine umfassenden Messdaten zu Beistoffrückständen in Lebensmitteln vorliegen werden, ist es wichtig, dass Methoden für deren Abschätzung zur Verfügung stehen.
    • Mit der vorgestellten Methode können Rückstände von Beistoffen ausreichend genau abgeschätzt werden. Sie kann damit als Basis für eine Beurteilung der Konsumentenexposition dienen.
  • Die Anwendungen der «schönen» Hefe Metschnikowia pulcherrima sind vielfältig

    Die Anwendungen der «schönen» Hefe Metschnikowia pulcherrima sind vielfältig

    Metschnikowia pulcherrima ist eine natürlich vorkommende Hefe mit Anwendungen in der Landwirtschaft, der Lebensmittelindustrie und der Biotechnologie. Agroscope untersucht diese Hefe insbesondere im Hinblick auf Biocontrol-Anwendungen im Pflanzenschutz.

    Pflanzenschutzanwendungen sichern die Nahrungsmittelproduktion auf dem Feld, stellen die Lagerfähigkeit landwirtschaftlicher Erzeugnisse sicher, und sind unerlässlich, um die Erwartungen der Konsumierenden nach makellosem Obst und Gemüse zu erfüllen.

    Hefen wie Metschnikowia pulcherrima eignen sich als Alternative zu Pflanzenschutzmitteln

    Antagonistische Hefen wie Metschnikowia pulcherrima sind eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln, weil sie meist einfach zu produzieren sind und als sicher gelten. M. pulcherrima hemmt andere Pilze sowie manche Bakterien sehr stark und unterdrückt Keime wichtiger Pflanzenkrankheiten. Biocontrol-Anwendungen sind somit ein wichtiger Grund dafür, weshalb sich Forschende mit M. pulcherrima beschäftigen. Bei Agroscope untersuchen wir M. pulcherrima, um die Grundlagen für die Entwicklung eines wirkungsvollen und stabilen Pflanzenschutzmittels zu etablieren.

    Biocontrol-Wirksamkeit der Hefe im Feld und Labor nachgewiesen

    Unsere Labor- und Feldversuche dokumentieren die Wirksamkeit dieser Hefe, haben aber auch ein grosses Optimierungspotential aufgezeigt. Es gibt beispielsweise viel Raum, um die Produktion und Lagerfähigkeit von möglichst aktiven Metschnikowia-Zellen zur verbessern und der Verbleib der Hefe auf Früchten oder in Blüten ist noch nicht zufriedenstellend. Im Projekt ProMet, welches von Bridge Discovery gefördert wird, arbeiten Forschungsgruppen aus drei verschiedenen Bereichen von Agroscope zusammen.

    Agroscope-Projekt zur Verbesserung der Eigenschaften von M. pulcherrima

    Wir suchen nach Möglichkeiten die Lebensspanne der Hefe zu verlängern, um ein Produkt mit besseren Lagereigenschaften herstellen zu können. In der Gruppe für Biotechnologie wird die Produktion von M. pulcherrima in Bioreaktoren optimiert und nach möglichst schonenden Trocknungsverfahren gesucht. Alle Testprodukte werden sowohl in Laborversuchen, als auch im Feld getestet.

    Fazit

    • M. pulcherrima ist eine weltweit vorkommende Hefe, die besonders auf Pflanzenproben häufig anzutreffen ist.
    • Die Art hat Anwendungspotential in der Önologie, Produktion von alternativen Ölen oder als biologisches Pflanzenschutzmittel.
    • Die Formulierung und Persistenz auf Pflanzen sind limitierende Faktoren für Biocontrol-Anwendungen von M. pulcherrima. In einem Agroscope-Projekt sollen diese Eigenschaften verbessert werden.
  • Pflanzendrinks – eine Alternative zu Milch?

    Pflanzendrinks – eine Alternative zu Milch?

    Pflanzliche Getränke auf der Basis von Soja, Getreide, Samen oder Nüssen werden immer häufiger als Milchersatz konsumiert. Agroscope-Forschende haben Makro- sowie Mikronährstoffe dieser Getränke untersucht und grosse Unterschiede zwischen den Getränken und im Vergleich mit Milch festgestellt. 

    Die Produktion von tierischen Lebensmitteln ist ressourcenintensiv und wirkt durch einen erheblichen Ausstoss von klimaschädigenden Gasen belastend. Insbesondere der gegenüber den Empfehlungen zu hohe Konsum von Fleisch trägt wesentlich zur Umweltbelastung bei. Eine mehr Pflanzenbasierte Ernährung kann erheblich zum Schutz von Gesundheit und Umwelt beitragen. Die Lebensmittelindustrie reagiert auf diese Situation, indem sie stets neue Produkte auf den Markt bringt, die als Ersatz für Fleisch, Fisch, Milch und Eier dienen können oder sollen.

    In der Schweiz als traditionelles Grasland ist die Milchproduktion einer der wichtigsten Bereiche der Landwirtschaft und der Konsum von Milch und Milchprodukten war immer sehr hoch. Der Ersatz von (Kuh)Milch konzentrierte sich lange Zeit vor allem auf die Säuglingsernährung, um für Kleinkinder mit einer Milchproteinallergie, Laktoseintoleranz oder Galaktosaemie eine Alternative zu bieten. Erst in den letzten zehn Jahren haben sich Getränke auf pflanzlicher Basis auch für andere Altersgruppen auf dem Markt verbreitet.

    Nährstoffprofil marktüblicher Pflanzendrinks umfassend analysiert

    Agroscope hat 27 pflanzenbasierte Drinks und zwei Vollmilchproben untersucht. Für alle Proben wurden die Gesamtenergie sowie die jeweiligen Hauptnährstoffe Protein, Fett und Kohlenhydrat bestimmt. Zudem wurden das Aminosäurenspektrum, die einzelnen Fettsäuren und die Kohlenhydrate (Laktose, Saccharose, Fructose, Glukose und Stärke) aufgeschlüsselt analysiert.

    Mikronährstoffe wie wasserlösliche Vitamine (C, Biotin, Niacin, Pantothensäure, B1, B2, B6, B12 und Folsäure) sowie die fettlöslichen Vitamine (A, D2, E, K1, and K2) wurden ebenfalls bestimmt. Darüber hinaus wurden Mineralstoffe und Spurenelemente (P, Na, Mn, Mg, K, Fe, Cu, Ca und Zn) in den pflanzlichen Getränken analysiert.

    Pflanzendrinks liefern weniger Energie und Nährstoffe als Milch

    Insgesamt wiesen die meisten pflanzlichen Getränke eine geringere Energiedichte als Milch auf und enthielten im Allgemeinen einen geringeren Gehalt an allen Makronährstoffen. Dies bedeutet, dass diese Produkte nicht den gleichen Nährwert wie Milch haben und somit keinen gleichwertigen Ersatz für Milch darstellen. Andererseits haben diese Produkte auch das Potenzial, den Energiekonsum zu senken. Die Verwendung von Getränken zur Verringerung der Energiezufuhr ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Milchalternativen ähnliche Mengen an essenziellen Nährstoffen enthalten wie Milch.

    Mittlerer Gehalt der Proben an Trockenmasse (A) und Makronährstoffen (B). Die Proben sind jeweils nach der mittleren Trockenmasse geordnet.

    Pflanzliche Getränke werden oft mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert

    Die Vitaminprofile der pflanzlichen Getränke unterschieden sich deutlich von denen der Milch. Um eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen sicherzustellen, die in der Milch reichlich vorhanden sind, ist eine Anreicherung der Pflanzendrinks notwendig.

    Ähnlich wie bei den Vitaminprofilen gab es auch bei den Mineralstoff- und Spurenelementgehalten der pflanzlichen Getränke erhebliche Unterschiede zwischen den Produkten. Reis-, Hafer-, Dinkel- und Kokosnussgetränke waren im Allgemeinen arm an Mineralstoffen, mit Ausnahme von Natrium und Chlorid, die durch den Zusatz von Kochsalz ähnlich hoch waren wie bei Milch.

    Im Gegensatz dazu erwiesen sich Getränke auf Soja-, Mandel- und Cashewbasis als gute Quellen für Mineralstoffe und Spurenelemente. Insbesondere Sojagetränke zeigen sich als durchweg reichhaltige Quellen für die meisten Mineralstoffe und Spurenelemente.

    Wie wirkt sich der Konsum von Pflanzendrinks auf den Ernährungszustand aus?

    Da die meisten pflanzlichen Getränke eine geringere Energiedichte als Milch und im Allgemeinen auch einen geringeren Gehalt an allen Makronährstoffen aufweisen, sind sie kein vollwertiger Ersatz für Milch. Werden sie als vollständiger Milchersatz in der Ernährung verwendet, sind zusätzliche Massnahmen wie die Supplementierung mit Mikronährstoffen erforderlich, um die ernährungsbedingten Unterschiede auszugleichen.

    Pflanzendrinks werden von vielen als alternative Proteinquellen geschätzt, um die Aufnahme von tierischem Eiweiss zu reduzieren. Der relativ niedrigere Gesamtproteingehalt und die geringere Proteinqualität der meisten untersuchten pflanzlichen Getränke machen jedoch deutlich, dass bei einer Reduktion oder einem Verzicht auf Kuhmilch, eine Anpassung der Gesamternährung nötig wird, insbesondere bei Kindern oder älteren Erwachsenen mit einem erhöhten Proteinbedarf.

    Fazit

    • Die allgemeine Nährstoffzusammensetzung von Pflanzendrinks kann nicht als gleichwertig mit der von Milch angesehen werden. 
    • Das Nährstoffspektrum pflanzlicher Getränke unterscheidet sich deutlich von dem der Milch.  Dies gilt auch für den Proteingehalt und die Proteinqualität. Lediglich Pflanzendrinks auf Sojabasis wiesen einen mit Milch vergleichbaren Proteingehalt auf.
    • Der Gehalt an für die Milch wichtigen Vitamine und Mineralstoffe konnte bei den meisten pflanzlichen Getränke nur durch Anreicherung erreicht werden.
  • Käsesorten: Flüchtige Carbonsäuren tragen zum unverwechselbaren Charakter bei

    Käsesorten: Flüchtige Carbonsäuren tragen zum unverwechselbaren Charakter bei

    Schweizer Käsesorten werden durch verschiedene Kriterien charakterisiert. Agroscope hat in zehn Käsesorten die flüchtigen Carbonsäuren analysiert und konnte zeigen, dass sich diese zur Charakterisierung und Differenzierung eignen.

    Agroscope hat in den letzten Jahrzehnten diverse Schweizer Käsesorten, meist im Auftrag ihrer Sortenorganisationen, mittels chemischer, biochemischer, physikalischer und sensorischer Analysen charakterisiert. Das Ziel war dabei primär die beschreibende Charakterisierung, doch auch der Gedanke einer Differenzierung war immer Treiber dieser Projekte. Gerade letzteres ist nur möglich, wenn ein Vergleich stattfindet. Dies wurde in der vorliegenden Arbeit unter Anwendung von Algorithmen des überwachten maschinellen Lernens[1] nachgeholt. Die flüchtigen Carbonsäuren von 241 Käseproben zehn verschiedener Sorten wurden in die Untersuchung miteinbezogen.

    90 % der Käseproben lassen sich korrekt klassifizieren

    Mit Hilfe der PyCaret Programmbibliothek konnten parallel mehrere Algorithmen getestet werden. Die besten Ergebnisse wurden mit baumbasierten Algorithmen erzielt – Extra Trees und Random Forest. Nach den zehn Trainingsdurchläufen mit 70 % der Daten konnten über 90 % der Testdaten (dies entspricht den restlichen 30 % der Käseproben-Daten) korrekt klassifiziert werden, ein vielversprechendes Ergebnis.

    Ameisensäure ist die wichtigste Carbonsäure

    Für eine korrekte Zuordnung der Käseproben hatte die Ameisensäure das grösste Gewicht. Diese Säure entsteht entweder durch eine zugesetzte Kultur von fakultativ heterofermentativen Laktobazillen wie in Appenzeller® oder Emmentaler AOP, oder durch dieselbe Keimgruppe, jedoch aus der Rohmilch stammend, wie beispielsweise in Raclette du Valais AOP. Im Gegensatz dazu ist die Ameisensäure in Extrahartkäsen weniger stark vertreten, was wiederum für diese charakteristisch ist. Für die Klassifizierung weniger wichtige Carbonsäuren waren die Essigsäure und die Buttersäure.

    Mittelwerte der flüchtigen Carbonsäuren in den zehn untersuchten Käsesorten. Der Balken zeigt in der Länge die Anteile der flüchtigen Carbonsäuren jeder Käsesorte. Die Balkenhöhe repräsentiert die Gesamtmenge an flüchtigen Carbonsäuren in mmol pro kg Käse. (Abbildung: Marie-Therese Fröhlich-Wyder, Agroscope)

    Schlüsselcarbonsäuren für jede Käsesorte

    Dank den SHAP-Werten (SHapley Additive exPlanations[2]) konnten für jede Käsesorte die Carbonsäuren entsprechend ihrer Bedeutung für eine korrekte Klassifizierung gewichtet werden. So ist beispielsweise für Berner Hobelkäse ein geringer Anteil an Ameisensäure und ein vergleichsweise grosser Anteil an Capronsäure charakteristisch.

    Die Bedeutung der Carbonsäuren für jede einzelne Käsesorte. (Abbildung: Marie-Therese Fröhlich-Wyder, Agroscope)

    [1] Supervised Learning (deutsch: Überwachtes Lernen) ist ein Verfahren des maschinellen Lernens wo dem Machine-Learning-Algorithmus ein Datensatz, bei dem die Zielvariable bereits bekannt ist, vorgelegt wird. Der Algorithmus erlernt Zusammenhänge und Abhängigkeiten in den Daten, die diese Zielvariablen erklären. Nach dem Training wird die Qualität der Vorhersage bewertet, um anschließend die erlernten Muster auf unbekannte Daten anzuwenden und Prognosen sowie Vorhersagen zu erstellen. 

    [2] SHAP ist ein Ansatz, der in der Spieltheorie verwendet wird. Mit SHAP kann man die Ausgabe des maschinellen Lernmodells erklären.

    Fazit

    • Die flüchtigen Carbonsäuren stellen wertvolle Charakterisierungs- und Differenzierungsmerkmale von Schweizer Käsesorten dar.
    • Baumbasierte Algorithmen können mindestens 90 % der Käseproben alleine anhand flüchtiger Carbonsäuren korrekt klassifizieren.
    • Durch die Interpretation der SHAP-Werte konnte die Bedeutung der einzelnen Carbonsäuren für die Klassifizierung gewichtet werden.
    • Für eine korrekte Klassifizierung der Käsesorten ist Ameisensäure die wichtigste und Buttersäure die unwichtigste Carbonsäure.
    • Die Anwendung der PyCaret-Programmbibliothek hat sich als ein einfaches und für die praktische Anwendung vielversprechendes Tool herausgestellt.
  • Variabilität und Züchtung von Muskateller-Klonen im Wallis

    Variabilität und Züchtung von Muskateller-Klonen im Wallis

    Im Rahmen des Projekts zur Bewahrung der klonalen Vielfalt von Muskateller im Wallis konnten 42 Klone des Gelben Muskatellers und 36 Klone von Moscato Giallo beschrieben werden. Ihre Eigenschaften sind sehr unterschiedlich, insbesondere ihr aromatisches Potenzial. Die besten Klone sollen über die Schweizer Zertifizierung vertrieben werden.

    Nicht eine, sondern zwei Muskateller-Sorten

    Muskateller werden im Wallis schon seit sehr langer Zeit angebaut. Eine 2006 in alten Weinbergen durchgeführte Erkundung ergab, dass im Wallis unter dem Begriff Muskateller (Muscat) zwei verschiedene Rebsorten zusammengefasst werden: Muscat à Petits Grains und Moscato Giallo. Durch dieses Projekt zur Bewahrung der genetischen Vielfalt dieser beiden Rebsorten, das in Zusammenarbeit von Agroscope, dem Amt für Rebbau und Wein des Kanton Wallis und der Société des Pépiniéristes Viticulteurs Valaisans durchgeführt wurde, konnten 42 Klone des Muscat à petits grains und 36 Klone des Moscato Giallo in die Sammlung aufgenommen werden.

    Muscat à petits grains versus Moscato Giallo

    Die Charakterisierung des agronomischen und aromatischen Potenzials der ausgewählten Muskateller-Klone erfolgte zwischen 2018 und 2021 auf dem Agroscope-Versuchsbetrieb in Leytron (VS). Diese Beobachtungen zeigten unter anderem, dass Moscato Giallo im Vergleich zu Muscat à petits grains etwa zehn Tage später reift. Moscato Giallo ist ausserdem etwas ertragreicher und liefert weniger kompakte Trauben, die dadurch viel weniger anfällig gegenüber Grauschimmel sind. Der Most weist einen niedrigeren Weinsäure- und einen höheren Apfelsäuregehalt auf. Im Vergleich zum Muscat à petits grains ist der Gehalt an aromatischen Terpenverbindungen (abgesehen von Geraniol) höher.

    Auswahl der Klone

    Auf der Grundlage der von 2018 bis 2021 durchgeführten agronomischen und analytischen Untersuchungen wurden 14 vielversprechende Klone des Muscat à petits grains sowie sechs Klone des Moscato Giallo ausgewählt. Diese Kandidaten werden nun auf dem Agroscope-Versuchsbetrieb in Leytron getestet, um ihr agronomisches und önologisches Potenzial genau zu bestimmen. Ziel ist dabei, die interessantesten Klone in die Schweizer Zertifizierung aufzunehmen.

    Fazit

    • Im Rahmen des Projekts zur Bewahrung der klonalen Vielfalt der Walliser Muskateller-Sorten wurden auf dem Agroscope-Versuchsbetrieb in Leytron (VS) 42 Klone des Muscat à petits grains und 36 Klone von Moscato Giallo in die Sammlung aufgenommen.
    • Die von 2018 bis 2021 durchgeführten agronomischen und analytischen Beobachtungen zeigten, dass die Rebsorte Moscato Giallo im Vergleich zum Muscat à petits grains etwa zehn Tage später reift. Moscato Giallo produziert Most mit mehr Apfelsäure und weniger Weinsäure sowie mit einem deutlich höheren Gehalt an aromatischen Terpenverbindungen (mit Ausnahme von Geraniol).
    • Im Allgemeinen ist die phänotypische Vielfalt von Muscat à petits grains viel grösser.
    • Aufgrund dieser Beobachtungen wurden 14 vielversprechende Klone des Muscat à petits grains und sechs Klone von Moscato Giallo ausgewählt, von denen nach weiteren önologischen Tests die interessantesten Klone über die Schweizer Zertifizierung vertrieben werden sollen.
  • Das Potenzial fermentierter Lebensmittel für eine gesunde und nachhaltige Ernährung

    Das Potenzial fermentierter Lebensmittel für eine gesunde und nachhaltige Ernährung

    Brot, Sauerkraut, Käse, Wein, Bier, Joghurt, Schokolade, Kaffee, Kimchi, Tempeh, Sojasauce, Miso usw. sind fermentierte Lebensmittel und gehören zu unserem täglichen Speiseplan. Wie werden sie definiert und welche Rolle spielen sie für eine gesunde und nachhaltige Ernährung?

    Die Vielfalt an fermentierten Lebensmitteln, deren Herstellungsverfahren und deren kulturelle Bedeutung für bestimmte Regionen auf der ganzen Welt ist sehr gross. Im Zuge der zunehmenden Beliebtheit fermentierter Lebensmittel gibt es Diskussionen rund um ihre Definition, um ihre Effekte auf die menschliche Gesundheit, aber auch um regulatorische Aspekte. Es gibt sogar Bemühungen, sie als eigene Kategorie in die nationalen Ernährungsrichtlinien und -empfehlungen aufzunehmen.

    Fermentierte Lebensmittel: häufig konsumiert, wenig erforscht

    Viele fermentierte Lebensmittel in der Schweiz zählen zu den Grundnahrungsmitteln. In Bezug auf die Zahl der Portionen sind Kaffee, Brot, Butter sowie Hart- und Halbhartkäse am beliebtesten. Die grösste Anzahl an lebenden Mikroorganismen wird über tierische Lebensmittel aufgenommen. Hier sind insbesondere die fermentierten Milchprodukte zu nennen. Am beliebtesten sind Joghurt, Hart- und Halbhartkäse sowie Quark.

    Die regelmässige Aufnahme fermentierter Lebensmittel, insbesondere solcher, welche beim Verzehr eine ausreichende Menge an lebenden Mikroorganismen enthalten (beispielsweise rohes Sauerkraut, Joghurt), beeinflusst die menschliche Gesundheit. Bisherige Forschungsergebnisse lassen jedoch keine kategorische Aussage darüber zu, ob die erzielten Auswirkungen hierbei von neutraler, nützlicher oder schädlicher Art sind. Obwohl das Interesse an fermentierten Lebensmitteln in den letzten Jahren stark gewachsen ist, fehlen für viele neuartige, fermentierte Lebensmittel (Novel Food) rechtlich verbindliche Vorgaben. Bei der Fermentation handelt es sich im Kern um eine artisanale, wenig aufwändige Technologie, in der auch Nebenströme der Lebensmittelverarbeitung wie beispielsweise Okara, Ölpresskuchen, Melasse, Molke usw. als Substrate verwendet werden können und sich aufwerten lassen.

    Fazit

    • Es bedarf weiterer Forschung, um die Auswirkungen fermentierter Lebensmittel auf die menschliche Gesundheit besser zu verstehen. Insbesondere sind Langzeitstudien erforderlich, um eindeutige Erkenntnisse über die Effekte zu gewinnen.
    • Regulatorische Fortschritte sind wichtig, um rechtlich klare, kohärente und harmonisierte Vorgaben für neuartige fermentierte Lebensmittel zu etablieren.
    • Innovative und nachhaltige Ansätze zur Nutzung von Nebenströmen der Lebensmittelverarbeitung in der Fermentation sind zu fördern.
    • Die Entwicklung von Richtlinien und Empfehlungen, die Gesundheitseffekte, Nachhaltigkeit, Minimierung von Lebensmittelverlusten und die Bereicherung der Lebensmittelauswahl bei fermentierten Lebensmitteln berücksichtigen, sind ebenfalls von Bedeutung.
  • Wie beeinflusst der Fettgehalt die Lochbildung im Käse?

    Wie beeinflusst der Fettgehalt die Lochbildung im Käse?

    Ein Viertelfett-Appenzeller Käse hat meist deutlich mehr Löcher als ein Vollfett-Appenzeller. Ist diese Beobachtung wirklich auf den Fettgehalt zurückzuführen? Dieser Frage sind Forschende von Agroscope nachgegangen.

    Die Lochung ist für viele Schweizer Käsesorten ein charakteristisches Erkennungsmerkmal, wie beispielsweise für Appenzeller®, Tilsiter oder Emmentaler AOP. Grösse, Anzahl und Beschaffenheit der Löcher sind wesentlich für die Beurteilung der Qualität. Die Lochbildung ist das Ergebnis eines komplexen Prozesses, welcher von verschiedensten Parametern abhängig ist, wie dem Abfüllen des Bruches, dem Pressen, dem Verwachsen der Bruchkörner, der CO2-Bildung durch Starter- oder Zusatz-Kulturen, dem Vorhandensein von Lochansatzstellen, der Beschaffenheit des Teigs und vielem mehr. Die Bedeutung der Zusammensetzung von Käse ist jedoch noch wenig untersucht; es ist bekannt, dass sich CO2 sowohl in Wasser als auch in Fett gut löst. Diese Löslichkeit ist temperaturabhängig: Bei steigender Temperatur ist CO2 in Wasser weniger gut und in Fett besser löslich. Das Wissen um die Einflussfaktoren ermöglicht es Herstellbetrieben von Käse, die Lochbildung in die gewünschte Richtung zu beeinflussen.

    Menge und Löslichkeit von CO2 im Käse bestimmen die Lochbildung

    Für die Lochbildung ist nicht nur die Frage von Bedeutung, wieviel CO2 sich in den Hauptkomponenten lösen kann. Wichtig ist auch die Menge an vergärbarem Material, welches von der bakteriellen Gemeinschaft im Käse zu CO2 umgewandelt wird. In den Untersuchungen wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass eine Anpassung des Fettgehaltes immer auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung und somit die Verfügbarkeit von vergärbarem Material hat.

    Fett beeinflusst die Lochbildung in Halbhartkäse …

    Halbhartkäse des Typs Appenzeller wurden in verschieden Fettgehaltsstufen hergestellt. Eine fakultativ heterofermentative Zusatz-Kultur mit Lacticaseibacillus paracasei sorgte dafür, dass aus Citrat CO2 entstand. Mit sinkendem Fettgehalt wurde mehr CO2 gebildet – als Folge der veränderten Zusammensetzung (mehr vergärbares Citrat dank der grösser werdenden Wasserphase). Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass in den Käsen mit tieferen Fettgehalten weniger CO2 im Käse gelöst wurde, als gebildet worden war – dies aufgrund der tieferen Löslichkeit des CO2 in der Wasserphase gegenüber der Fettphase. Somit lag mehr ungelöstes CO2 im Käse vor und die beiden Effekte potenzierten sich: Das Lochvolumen nahm mit abnehmendem Fettgehalt deutlich zu.

    Lochung von Halbhartkäse Typ Appenzeller verschiedener Fettgehaltsstufen, visualisiert mittels Computertomografie. (Aufnahmen: Dominik Guggisberg, Agroscope)

    … und in Käse des Typs Emmentaler

    Auch Hartkäse des Typs Emmentaler wurden in verschiedenen Fettgehaltsstufen hergestellt. In diesem Fall waren Stämme von Propionibacterium freudenreichii für die CO2-Bildung aus Laktat zuständig. Im Vergleich zu Appenzeller oder Tilsiter wird in Emmentaler deutlich mehr CO2 gebildet, was die markant grösseren Löcher erklärt. Die Veränderung der Käsezusammensetzung als Folge der Fettreduktion hatte eine stark zunehmende CO2– und somit Loch-Bildung zur Folge. Auf der Rahmstufe hielten sich die CO2-Bildung und deren Löslichkeit im Fett die Waage, sodass nicht viele Löcher gebildet wurden.

    Lochung von Käse Typ Emmentaler verschiedener Fettgehaltsstufen, visualisiert mittels Computertomografie. (Aufnahmen: Dominik Guggisberg, Agroscope)

    Fazit

    • Die Anpassung des Fettgehaltes von Käse beeinflusst immer die Lochbildung, dies als Folge einer veränderten Zusammensetzung.
    • Eine Reduktion des Fettgehaltes führt zu einer Vergrösserung der Wasserphase und damit zu einer Zunahme an vergärbarem Material. Folglich nimmt die CO2– und die Loch-Bildung zu.
    • Eine Erhöhung des Fettgehaltes führt zu einer zunehmenden Löslichkeit von CO2 und somit zu einer Reduktion des Lochvolumens. Bei wärmeren Temperaturen sind diese Effekte verstärkt zu beobachten. Dies ist bei der Reifung von Emmentaler besonders offensichtlich.
    • Das Wissen über diese Interaktionen ermöglicht es Produktionsbetrieben, die Qualität der Lochbildung zu kontrollieren.
  • Die mikrobiologische Sicherheit von Rohmilch-Joghurt

    Die mikrobiologische Sicherheit von Rohmilch-Joghurt

    Der Konsum von Rohmilchprodukten gilt als gesund, ist aber wegen möglicher pathogener Keime nicht ohne Risiko. Agroscope und BFH-HAFL haben die mikrobiologische Sicherheit von Rohmilch-Joghurt untersucht und zeigten, dass die Fermentation diese in mehrfacher Hinsicht schützt.

    Bei Rohmilch handelt es sich um Milch, welche nicht über 40°C erwärmt wurde. Dadurch bleiben hitzeempfindliche Vitamine sowie Molkenproteine bestmöglich erhalten. In nativer, ursprünglicher Form helfen diese dabei, das Auftreten von Allergien, Heuschnupfen oder Asthma zu reduzieren. Zudem weist Rohmilch im Vergleich zu erhitzter Milch eine hohe Diversität an Mikroorganismen auf, welche sich positiv auf die menschliche Darmflora auswirken kann. Aus diesen Gründen gilt der Konsum von Rohmilch als gesund.

    Risiko durch pathogene Keime in der Rohmilch

    Mit dem Konsum von Rohmilchprodukten geht jedoch auch ein gewisses Risiko einher, da Rohmilch mit pathogenen Keimen kontaminiert sein kann. Staphylokokken, pathogene E-scherichia coli, Salmonellen wie auch Listerien sind potentielle Kontaminanten der Rohmilch.

    Allergieschützender Effekt und weitere gesundheitliche Vorteile von Rohmilch

    Die Forschung sucht nach Wegen, die Vorteile von Rohmilch ohne Risiko einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Ein Ansatz ist die sehr schonende Herstellung von Past-Milch. Ein zweiter Ansatz ist die Fermentation ohne vorherige Erhitzung. Die Fermentation, welche zur Joghurtherstellung angewendet wird, ist ein jahrhundertaltes bewährtes Haltbarmachungsverfahren. Durch die Fermentation entsteht unter anderem Milchsäure, welche den pH-Wert absenkt. Dazu wirken die Milchsäurebakterien als Konkurrenzflora gegenüber pathogenen Keimen, wodurch ein zusätzlicher Schutz entsteht.

    Qualität von Rohmilch-Joghurt mit verschiedenen Kulturen untersucht

    Zwei verschiedene Joghurtkulturen kamen zur Herstellung fünf identischer Serien von Rohmilch-Joghurt aus jeweils zwei verschiedenen Rohmilchen zum Einsatz. Die eine Hälfte der Rohmilch-Joghurt wurde mit einer mild säuernden Kultur auf einen End-pH-Wert von 4,4–4,5 fermentiert, die andere Hälfte mit einer stärker säuernden Kultur auf einen End-pH-Wert von 3,9–4,0.

    Saure Rohmilch-Joghurt sind sicher

    In den frischen milden Joghurt waren sowohl Keime von E. coli wie auch von S. aureus nachweisbar, nach 14 Tagen jedoch nicht mehr. Bei den sauren Joghurt waren keine der beiden Keime nachweisbar, weder in den frischen noch in den 14 Tage alten Proben. Joghurt mit einem pH-Wert von 3,9–4,0 werden jedoch als stark sauer wahrgenommen.

    Rohmilch-Joghurt benötigen einwandfreie Rohmilch als Ausgangsprodukt

    Ein Test mit Joghurt, welche absichtlich mit pathogenen Keimen beimpft wurden, zeigte, dass die Milchsäuregärung das Überleben pathogener Keime wie einen Modellstamm für pathogene E. coli und L. innocua als Modell für L. monocytogenes hemmt. Während der Fermentation und der Lagerung nahm im sauren Rohmilch-Joghurt die Keimzahl viel stärker ab als im milden Joghurt. Eine hohe Qualität der Rohmilch ist eine Grundvoraussetzung für mikrobiologisch sichere Rohmilch-Joghurt. Die Resultate zeigen, dass eine periodische Überwachung der Rohmilch auf STEC (Shiga-Toxin bildende Stämme von Escherichia coli) zusätzlich zu den anderen Parametern sinnvoll ist.

    Milchsäurebakterien bieten einen mehrfachen Schutz

    Die Milchsäure und der pH-Wert sind nicht alleine für den Schutz der Joghurt verantwortlich. Während der Fermentation entstehen auch Substanzen mit antibakterieller Wirkung. Zudem wirkt die hohe Anzahl erwünschter Joghurtbakterien als Konkurrenzflora gegenüber pathogenen Keimen, wodurch die Joghurt zusätzlich geschützt werden. Den Hauptschutz der Rohmilch-Joghurt stellt jedoch vermutlich die während der Fermentation gebildete Milchsäure und die damit verbundene pH-Absenkung dar. Dies verhindert das Wachstum von pathogenen Keimen im sauren Joghurt vollständig und lässt sie weitgehend absterben.

    Fazit

    • Rohmilchjoghurts könnten ein Weg sein, den Allergie-schützenden Effekt und weitere Vorteile von Rohmilch einer breiten Bevölkerung sicher zugänglich zu machen. Forschung z.B. im Kompetenzzentrum Rohmilchprodukte widmet sich diesem Ziel.
    • Saure Rohmilch-Joghurt mit einem pH-Wert ≤ 4,0 sind mikrobiologisch sicher, da sich pathogene Keime unter solch sauren Bedingungen nicht vermehren und absterben.
    • Eine hohe Qualität der Rohmilch ist eine Grundvoraussetzung für mikrobiologisch sichere Rohmilch-Joghurt.
    • Zusätzlich zur Säurebildung während der Fermentation mit Joghurtkulturen entstehen auch Substanzen mit antibakterieller Wirkung. Die grosse Anzahl erwünschter Joghurtbakterien wirkt zudem als Konkurrenzflora gegenüber pathogenen Keimen, wodurch die Joghurt zusätzlich geschützt werden.
  • Ernähren sich verschiedene Generationen anders?

    Ernähren sich verschiedene Generationen anders?

    Agroscope-Forschende analysierten die Ernährungs-Trends der verschiedenen Generationen in der Schweiz. Die Ergebnisse helfen mit, genauere Ernährungsprognosen zu erstellen.

    Für die Ernährungswirtschaft ist es zentral, die Konsum-Trends der Schweizer Bevölkerung zu kennen. Doch diese sind nicht einheitlich über die verschiedenen Generationen gesehen. Deshalb haben Agroscope-Forschende genauer hingeschaut. Als Grundlage dienten Daten von 60 Nahrungsmittel-Gruppen. Der untersuchte Zeitraum reicht von 1990 bis 2020. Sechs Generationen mit Geburtsjahren zwischen 1930 und 1980, die jeweils zehn Jahre Abstand voneinander haben, standen im Fokus.

    Unterschiede bestehen bei Fleisch und Zitrusfrüchten

    Die Nachfrage nach Zitrusfrüchten stieg bei jüngeren Generationen während des Untersuchungszeitraums deutlich an, während bei älteren Menschen genau das Gegenteil geschah, aber weniger deutlich. Dieses Intergenerations-Muster ist insofern von Bedeutung, weil es auf Folgendes hinweist: Die bisher rückläufige Nachfrage nach Zitrusfrüchten wird sich in Zukunft in eine steigende Nachfrage verwandeln.

    Beim Fleisch ist die Lage uneinheitlich. Personen, die heute zwischen 50 und 70jährig sind, bevorzugten während des Untersuchungszeitraums mit steigender Tendenz Geflügelfleisch, während Jüngere über die Jahre hinweg immer mehr Ziegen- oder Schaffleisch kauften. Hier zeigt sich, dass das Angebot breit sein darf, um alle Vorlieben abzudecken.

    Alle essen gerne Bohnen sowie Erbsen und trinken weniger Milch

    Nicht ausgewertet wurden Daten von genau jenen Generationen, die sich vermehrt vegan oder vegetarisch ernähren, also die aktuell unter 35-Jährigen mit Geburtsjahr nach 1985. Trotzdem ist über alle Generationen hinweg ein Trend hin zu Bohnen und Erbsen festzustellen. Demgegenüber konsumieren heute alle Schweizerinnen und Schweizer deutlich weniger Trinkmilch als in den 1990er-Jahren.

    Solche Trends zu erfassen ist wichtig für alle Entscheidungsträger in der Schweizer Ernährungswirtschaft. Sie zeigen auf, welche Produkte eine steigende Nachfrage erfahren. Denn Konsumentinnen und Konsumenten sind «Gewohnheitstiere». Wer beispielsweise in jungen Jahren auf Zitrusfrüchte setzt, wird dies meist bis ins hohe Alter beibehalten. Und Produkte, die über alle Generationen hinweg beliebt sind, werden auch in Zukunft sehr gefragt sein. Doch die Ergebnisse sind nicht nur nützlich, um das Angebot optimal zu gestalten. Man kann damit auch gezielt einer bestimmten Generation, die sich beispielsweise zu stark fleischbasiert ernährt, eine gesündere Ernährung ans Herz legen.

    Fazit

    • Die Nachfrage nach Zitrusfrüchten stieg bei jüngeren Generationen während des Untersuchungszeitraums deutlich an, während bei älteren Menschen genau das Gegenteil geschah, aber weniger deutlich.
    • Beim Fleisch ist die Lage uneinheitlich: Die Mittelalten bevorzugten Geflügel, während Jüngere vermehrt Ziegen- oder Schaffleisch kauften – beides Tendenz steigend.
    • Über alle Generationen hinweg ist ein Trend hin zu einem höheren Konsum von Bohnen und Erbsen festzustellen.
    • Schweizerinnen und Schweizer konsumieren heute deutlich weniger Milch als früher.
    • Die Ergebnisse helfen mit, die Qualität von Ernährungsprognosen zu erhöhen.
  • Getränke auf Pflanzenbasis und Kuhmilch: physikalisch-chemische Eigenschaften im Vergleich

    Getränke auf Pflanzenbasis und Kuhmilch: physikalisch-chemische Eigenschaften im Vergleich

    Die Zahl der Getränke auf pflanzlicher Basis nimmt in den Supermarktregalen laufend zu. Ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften wie Farbe oder Aufschäumbarkeit variieren je nach Art der pflanzlichen Basis und bestimmen ihre Verwendung als Milchalternative.

    In den letzten Jahren sind Getränke mit aufgeschäumter Milch immer beliebter geworden, so dass die Schaumeigenschaften von Getränken auf pflanzlicher Basis (PBB, Plant Based Beverage) von großem Interesse sind, wenn sie als Ersatz für Milch verwendet werden.

    Aufschäumbarkeit ist für Cappuccino oder Latte Macchiato wichtig

    Unterschiedliche Verarbeitungsdesigns und Zusammensetzungen beeinflussen die Produktfunktionalitäten von PBB wie beispielsweise ihre Schaumeigenschaften. Im Allgemeinen gibt es zwei Hauptmechanismen für die Erzeugung von Milchschaum: einen über die Injektion von Gas und den anderen durch Rühren. Der Aufschäumprozess wirkt sich direkt auf die Blasengrößenverteilung aus. Bei Kaffeespezialitäten wie Cappuccino oder Latte Macchiato wird die Injektion von Luft oder Dampf durch eine Düse angewendet. Sobald Gasblasen in das System eingeführt werden, beginnen oberflächenaktive Moleküle, die Luft-Flüssigkeits-Grenzfläche zu besiedeln. In Milchschaum stabilisieren normalerweise Milchproteine die Grenzfläche.

    Wie werden Getränke auf Pflanzenbasis hergestellt?

    Meist ist das Mahlen des Rohmaterials der erste große Verarbeitungsschritt bei der Herstellung von PBB eventuell nach einer Vorbehandlung wie dem Einweichen. Die Zerkleinerung in Wasser ist ein wichtiger Schritt, da sie die Partikelgrößenverteilung in einem PBB weitgehend bestimmt. Die Abtrennung ungelöster Stoffe aus der wässrigen Aufschlämmung mit verschiedenen Trennmethoden vor oder nach der Homogenisierung liefert einen löslichen Extrakt. Ein anschließender Erhitzungsschritt, in der Regel eine Form der UHT-Behandlung, führt zu einem Produkt mit langer Haltbarkeit von bis zu sechs Monaten bei Raumtemperatur. Die Homogenisierung von PBB verhindert die Aufrahmung und/oder Sedimentation während der Lagerung.

    Welche Faktoren beeinflussen das Schäumungsverhalten von Milch und PBB?

    Hauptziel dieser Studie war es, die ausgewählten physikalisch-chemischen Eigenschaften von PBB und Milch in einer vergleichenden Studie zu analysieren, wobei der Schwerpunkt auf den Schaumeigenschaften lag. Insgesamt wurden 27 UHT-behandelte PBB, die bei großen Schweizer Einzelhändlern gekauft wurden (80 % Marktvolumen), analysiert und mit zwei UHT-behandelten Vollmilchproben verglichen. Der Phytinsäure*-Gehalt wurde in den PBB ebenfalls analysiert, um den Einfluss dieses ernährungsphysiologisch ungünstigen Inhaltsstoffes auf das Schäumungsverhalten genauer zu untersuchen.

    Einige PBB sind gleich gut oder sogar besser schäumbar als Milch

    In der Milch sind die wichtigsten Proteine (Kaseine) kolloidal löslich, mit einem Durchmesser von etwa 50-500 nm. Die Partikelgrößenverteilung von homogenisierter Milch wird in der Regel von Fettkügelchen <1,7 µm dominiert. Für PBB fand man heraus, dass die Partikelgrößenverteilungen nach der Homogenisierung zwischen 5 und 20 µm liegen, was im Vergleich zu Milch deutlich höher ist.

    Viskositäten und pH-Werte waren bei PBB ähnlich oder höher als bei Kuhmilch. PBB weisen eine weniger weiße Farbe auf als Kuhmilch. Interessanterweise zeigten einige PBB eine gute Schäumbarkeit, vergleichbar oder sogar besser als Milch.  

    PBB weisen sehr unterschiedliche Produkteigenschaften auf

    Da die Proteinzusammensetzung und die Funktionalität im Gegensatz zur Milch anders sind, die Rohstoffe von Natur aus in trockenem Zustand vorliegen und in Wasser dispergiert werden müssen, können PBB sehr unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Auch wenn die Verarbeitungsprinzipien für alle Materialien ähnlich sind, können gewisse Verarbeitungsschritte eine Vielzahl von Produkteigenschaften stark beeinflussen.

    Zugesetzte Stoffe und Phytinsäure in PBB

    Zusatzstoffe können das Fliessverhalten und die Schäumbarkeit verändern. Stärke soll zur Emulsionsstabilität beitragen; Kalziumionen können sich an Proteine binden und deren Eigenschaften verändern. Salz kann die Löslichkeit von Proteinen und damit die Schäumbarkeit beeinflussen. Phytinsäure* bindet an Proteine und verringert deren Löslichkeit, enzymatische Aktivität und Verdaulichkeit.

    Ein höherer Gehalt an Phytinsäure in PBB ergab ein grösseres Schaumvolumen bei der für den Konsum von Heißgetränken interessanten Temperatur von 60°C. Andererseits sollte die Phytinsäure aus ernährungsphysiologischen Gründen reduziert werden, was die Schäumbarkeit reduzieren könnte.

    Phytinsäure: Phytinsäure gehört zu den bioaktiven Substanzen. Sie dient in Pflanzen wie Hülsenfrüchten, Getreide und Ölsaaten als Speicher für Phosphat und Kationen, die der Keimling zum Wachstum benötigt. Aufgrund ihrer komplexbildenden Eigenschaften kann sie vom Menschen mit der Nahrung aufgenommene Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Eisen und Zink in Magen und Darm unlöslich binden, so dass diese dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen.

    Fazit

    • Einige PBBs zeigten eine vergleichbare oder sogar bessere Aufschäumbarkeit als Milch.
    • Die Schaumhöhen der PBB waren sehr unterschiedlich und reichten von 41,5 mm bis 173 mm bei Raumtemperatur (Milchschaumhöhe: 134,8 mm) und 50,9 mm bis 203,6 mm bei 60°C (Milchschaumhöhe: 179,3 mm).
    • Viskositäten und pH-Werte waren bei PBB ähnlich oder höher als bei Kuhmilch. PBB waren weniger weiß, und ihre mittleren Partikelgrößen waren in der Regel deutlich höher als die von Kuhmilch.
    • Der Gehalt an ernährungsphysiologisch ungünstiger Phytinsäure in den PBB beeinflusst die Schaumhöhe bei der für den Konsum von Heißgetränken interessanten Temperatur von 60°C.