Autor: Tamara Baumann

  • Drei Neuzüchtungen von Wiesenschwingel stehen zur Empfehlung bereit

    Drei Neuzüchtungen von Wiesenschwingel stehen zur Empfehlung bereit

    Der Wiesenschwingel ist ein wichtiges Futtergras auf Schweizer Kunstwiesen. Agroscope prüfte 24 Wiesenschwingelsorten an sechs Standorten. Drei Neuzüchtungen überzeugten in den Anbauversuchen und sind für die Sortenempfehlung vorgesehen.

    Der Wiesenschwingel ist ein bedeutendes Futtergras in den mittelintensiv genutzten Naturwiesen des Mittellandes und der mittleren Berglagen. In Kunstwiesen spielt er als ertragreiches, robustes und qualitativ gutes Mähgras eine wichtige Rolle. Er kommt vor allem in den dreijährigen Mischungen zum Einsatz, die für eine wenig intensive bis mittelintensive Nutzung vorgesehen sind oder in denen Raigräser standortbedingt nicht verwendet werden können. Die Erträge des Wiesenschwingels sind vor allem im ersten Aufwuchs hoch. Bei frühzeitiger Nutzung liefert er zudem Raufutter mit einem hohen Energiewert.

    24 Wiesenschwingelsorten im Feld geprüft

    Von 2023 bis 2025 prüfte Agroscope insgesamt 24 Sorten von Wiesenschwingel (Festuca pratensis) auf seine agronomischen Eigenschaften. Die Versuche wurden an sechs verschiedenen Standorten angelegt. Untersucht wurden der Ertrag, die Jugendentwicklung, die Bestandesgüte, die Konkurrenzkraft, die Ausdauer, der Befall mit Blattkrankheiten, die Toleranz gegen Wintereinflüsse, die Verdaulichkeit des Futters und die Anbaueignung für höhere Lagen.

    Drei Neuzüchtungen erfüllen die agronomischen Anforderungen

    Aufgrund der Ergebnisse haben drei Neuzüchtungen die Hürde für eine Aufnahme in die Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen geschafft: Tetradonia, Tenorio und FP 1745. Sie belegten in dieser Reihenfolge die drei ersten Plätze des gesamten Prüfsortiments. Tetradonia und Tenorio sind wie die bereits empfohlene Sorte Tetrax tetraploide Sorten. Sie überzeugten durch hervorragende Werte in der Verdaulichkeit. Beide Sorten zeichneten sich zudem durch schöne, homogene Bestände, eine sehr gute Jugendentwicklung und eine hohe Resistenz gegen Blattkrankheiten aus. Tetradonia ist zudem stark im Ertrag, während bei Tenorio die sehr gute Eignung für höhere Lagen hervorzuheben ist. FP 1745, eine diploide Sorte, lieferte hauptsächlich hinsichtlich Ertrag, Güte und Ausdauer hervorragende Ergebnisse und überzeugte zudem durch eine gute Wintertauglichkeit. Die drei Sorten bereichern das Sortenangebot, können aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfohlen werden, da sie die rechtlichen Voraussetzungen für die Inverkehrsetzung noch nicht erfüllen.

    Paradisia und Pardus von der Liste gestrichen

    Die bisher empfohlenen Sorten Paradisia und Pardus müssen aufgrund der jüngsten Sortenprüfung von der empfehlenden Liste gestrichen werden. Sie befriedigen in verschiedener Hinsicht den heutigen Anforderungen nicht mehr. Beide Sorten können noch bis am 31. Dezember 2028 als empfohlene Sorten verwendet werden.

    Fazit

    • Der Wiesenschwingel ist ein bedeutendes Futtergras für den schweizerischen Kunstfutterbau.
    • Agroscope hat von 2023 bis 2025 insgesamt 24 Sorten Wiesenschwingel in Feldversuchen geprüft.
    • Drei Neuzüchtungen erfüllen die agronomischen Voraussetzungen für eine Empfehlung. Allerdings sind sie zurzeit noch nicht für den Handel zugelassen.
    • Die zwei bisher empfohlenen Sorten Paradisia und Pardus verlieren ihre Sortenempfehlung.
    • Dank dieser Änderungen verbessert sich die Qualität des Sortenangebotes beim Wiesenschwingel.
  • Saatgutbehandlungen situationsabhängig prüfen

    Saatgutbehandlungen situationsabhängig prüfen

    Saatgut wird meist routinemässig mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, um Erträge zu sichern. Eine auf neue Felddaten gestützte Studie mit Weizensaatgut zeigt, dass dies bei geringem Krankheitsdruck oft gar keinen Nutzen bringt.

    Pflanzenkrankheiten zählen weltweit zu den wichtigsten Ursachen für Ertragsverluste. Entsprechend werden Saatgutbehandlungen – meist mit chemischen Wirkstoffen – breit eingesetzt, um Kulturen frühzeitig zu schützen. Doch diese Vorgehensweise kommt immer stärker unter Druck: Aufgrund der Risiken für die Umwelt, die Wasserqualität und die Biodiversität sowie der Ziele zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln besteht zunehmend Handlungsbedarf.

    Parallel dazu werden alternative, nicht-chemische Methoden entwickelt, etwa thermische Behandlungen oder physikalische Verfahren. Ihre Wirksamkeit ist jedoch schwer vorhersehbar, insbesondere unter Praxisbedingungen, da Felddaten fehlen.

    Alternativen zur chemischen Saatgutbehandlung im Feldvergleich

    Eine dreijährige Studie mit Winterweizen liefert Daten zu den Auswirkungen chemischer und alternativer Saatgutbehandlungen (Thermoseed, Elektronenstrahl und Behandlungen auf Senfbasis) auf agronomische Parameter wie Ertrag, Proteingehalt, Tausendkorngewicht und Mikronährstoffe sowie auf die mit Winterweizen assoziierten bakteriellen und pilzlichen Mikroorganismen-Gemeinschaften. Dieser mehrjährige Schweizer Feldversuch hilft somit bei der Klärung der Frage, unter welchen Bedingungen Saatgutbehandlungen tatsächlich zur Ertragssicherung beitragen.

    Keine Auswirkungen auf Ertrag und Qualität

    Weder chemische noch alternative Saatgutbehandlungen führten zu messbaren Verbesserungen bei zentralen agronomischen Kennzahlen wie Ertrag, Proteingehalt oder Korngewicht. Die Ergebnisse zeigen, dass unter den untersuchten Praxisbedingungen diese Behandlungen keinen zusätzlichen Nutzen für die Produktion brachten.

    Keine Veränderungen in Boden- und Pflanzenmikrobiologie

    Auch die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaften an Wurzeln und Samen blieb unbeeinflusst – unabhängig von der gewählten Behandlung. Es wurden also weder positive noch negative Auswirkungen auf die mikrobiellen Prozesse im Boden festgestellt.

    Bedeutung des Krankheitsdrucks

    Die eingesetzten Saaten wiesen nur einen geringen Befall mit Krankheitserregern auf. In diesem Zusammenhang konnte kein Nutzen der Behandlungen nachgewiesen werden – weder für alternative noch für chemische Verfahren. Die Ergebnisse legen nahe, dass Saatgutbehandlungen bei geringem Krankheitsdruck wenig Nutzen bringen.Die alternativen Behandlungen zeigten im Feldversuch keine schädlichen Auswirkungen auf die Pflanzen und sind daher für weitere Versuche geeignet.

    Fazit

    • Saatgutbehandlungen können situationsabhängig geprüft werden, insbesondere im Hinblick auf den tatsächlichen Krankheitsdruck im Saatgut oder Boden.
    • Der Einsatz chemischer Behandlungen könnte in Fällen mit geringem Risiko ohne Ertragsnachteile reduziert werden.
    • Alternative Methoden bleiben eine Option, insbesondere für Systeme mit höheren Anforderungen an Umwelt- oder Gesundheitsschutz.
    • Monitoring-Systeme oder Diagnoseinstrumente könnten helfen, die Saatgutbehandlung gezielter und bedarfsgerechter einzusetzen.
    • Für die landwirtschaftliche Beratung und die Politik ergibt sich die Möglichkeit, differenzierte Strategien zu fördern, die Standort und Risiken berücksichtigen.
  • Weiteres Potenzial zur Absenkung des Rohproteingehalts in der Schweinemast

    Weiteres Potenzial zur Absenkung des Rohproteingehalts in der Schweinemast

    Eine weitere Senkung des Rohproteingehalts im Schweinefutter ist anspruchsvoll, aber möglich. Die vorliegende Studie zeigt, dass die Stickstoffeffizienz verbessert und die Emissionen verringert werden können, ohne dass die Leistung oder die Fleischqualität darunter leiden.

    Die Schweizer Landwirtschaft steht unter hohem Druck, die Ammoniakemissionen weiter zu reduzieren und gleichzeitig eine tierfreundliche und wirtschaftliche Produktion zu gewährleisten. In der Schweinemast spielt der Rohproteingehalt im Futter eine zentrale Rolle, weil er die Stickstoffausscheidungen massgeblich beeinflusst. Zur Unterstützung der Produzentinnen und Produzenten bei der Reduktion des RP-Gehalts hat der Bund das Programm „Ressourceneffizienzbeiträge (REB) – Stickstoffreduzierte Phasenfütterung bei Schweinen“ lanciert (Beitragsperiode 2023 – 2026).

    Im Rahmen eines Fütterungsversuchs an der BFH HAFL wurde untersucht, ob eine weitere Absenkung der Rohproteingehalte (unter die REB-Zielwerte) möglich ist, ohne die Leistung, die Tiergesundheit oder die Schlachtkörperqualität zu beeinträchtigen. PREMO®-Kreuzungstiere wurden zwei Fütterungsvarianten zugeteilt. Eine Gruppe erhielt eine REB-konforme Kontrollration, die andere eine Ration, in der die Rohproteingehalte um weitere knapp 10 % reduziert wurden. Die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren war in beiden Gruppen identisch.

    Proteinreduktion ohne negative Effekte auf Leistung und Gesundheit

    Die Ergebnisse zeigen, dass weder die täglichen Zunahmen noch die Futterverwertung oder der Anteil an Magerfleisch von der tieferen Proteinversorgung beeinflusst wurden. Die Tiere erreichten eine Tageszunahme von gut 1000 g und eine Futterverwertung von 2,29 kg/kg Zuwachs. Diese Werte sind im internationalen Vergleich sehr gut. Auch die Tiergesundheit blieb stabil und es traten keine fütterungsbedingten Probleme auf.

    Deutliche Verbesserung der Stickstoffeffizienz

    Besonders bedeutsam für Umwelt und Agrarpolitik sind die Auswirkungen auf die Stickstoffflüsse. Die proteinreduzierte Fütterung senkte den Stickstoffinput deutlich und erhöhte die Stickstoffeffizienz auf 54 %. Dieser Wert liegt nahe an publizierten theoretisch erreichbaren Maximalwerten für Mastschweine.

    Praxiswerte liegen weit unter den offiziellen Schweizer GRUD-Referenzen – Anpassung erforderlich

    Die berechnete Stickstoffausscheidung fiel auf 2,01 kg pro Tier und lag damit um 48 % unter dem in den aktuellen GRUD-Modellen berücksichtigten Wert von 3,9 kg pro Tier. Auch die Kontrollgruppe erreichte deutlich tiefere Werte als der GRUD-Referenzwert. Die grossen Abweichungen legen nahe, dass die Grundlagen, auf denen die GRUD‑Werte basieren, teilweise nicht mehr praxisüblich sind und einer Überarbeitung bedürfen.

    Fazit

    • Eine Reduktion des Rohproteingehalts bei gezielter Aminosäuresupplementierung stellt eine wirksame und praxistaugliche Massnahme zur Verringerung von Stickstoffausscheidungen und Ammoniakemissionen dar.
    • In der Schweinemast besteht weiteres Potenzial, die Rohproteingehalte im Futter zu senken und damit die Emissionen zusätzlich zu reduzieren.
    • Versuche unter unterschiedlichen Haltungs- und Managementbedingungen sind erforderlich, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse in die Praxis breit abzusichern.
    • Langfristige Effekte auf Tiergesundheit, Tierverhalten und Nachhaltigkeit sind umfassend zu evaluieren.
    • Die Ergebnisse sprechen für eine Anpassung der GRUD-Referenzwerte an die aktuelle Fütterungspraxis.
  • Anpassungsfähig und ertragreich – vielfältige Mischungen machen Ansaatwiesen fit für den Klimawandel

    Anpassungsfähig und ertragreich – vielfältige Mischungen machen Ansaatwiesen fit für den Klimawandel

    Mischungen aus mehreren Futterpflanzen steigern systematisch den Ertrag, bei geringerem Düngereinsatz. Höhere Temperaturen verstärken die Vorteile dieser Mischungen. Sie sind somit ein Schlüssel zur Anpassung an den Klimawandel.

    In Mischung angebaute Futterpflanzen verbessern die Ressourceneffizienz. Agroscope untersuchte dies in einer globalen Studie, die kürzlich in der Zeitschrift Science veröffentlicht wurde. Mischungen aus mehreren Futterpflanzen steigern systematisch den Ertrag, bei geringerem Düngereinsatz. Höhere Temperaturen verstärken die Vorteile dieser Mischungen, weshalb sie ein Schlüssel zur Anpassung an den Klimawandel sind.

    Weltweites Netz von 26 Versuchsstandorten

    Die Studie fasst die Ergebnisse eines global angelegten Experiments zusammen, das an 26 Standorten in der gemässigten Klimazone rund um die Welt durchgeführt wurde. Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, führte das Experiment zusammen mit Partnern aus Europa, Nordamerika, China und Neuseeland durch.

    Sechs Arten geben mehr Ertrag als eine bis zwei

    In der Schweiz werden in der Fruchtfolge ausschliesslich Mischungen aus mehr als zwei Futterpflanzen angesät. In vielen anderen Ländern werden einfachheitshalber meistens Gras-Monokulturen angesät, die viel Stickstoffdünger benötigen, oder eine Kombination aus nur einer Gras- und einer Kleeart. Die Schweizer Strategie der Mischungen aus mehreren Arten setzt sich jetzt nun auch international durch. Die Forschenden untersuchten, welche Mischungen aus bis zu sechs Futterpflanzenarten den Ertrag verbessern und gleichzeitig die Abhängigkeit von Stickstoffdüngern verringern können.

    Die Ergebnisse zeigten, dass Wiesenmischungen aus mehreren Arten aufgrund nutzbringender Wechselwirkungen zwischen den Arten höhere Erträge erzielten als die Monokulturen. Der Mischungsertrag war viel höher als die Summe der einzelnen Teile. Eine Mischung aus Gräsern, Kleearten und Kräutern lieferte 11 % mehr Ertrag als eine Grasmonokultur, die mehr als doppelt so viel Stickstoffdünger erhielt, und 18 % mehr Ertrag als eine einfache Gras-Klee-Mischung bei gleicher Düngung.

    Je wärmer, desto grösser der Ertragsvorteil von Mehrartenmischungen

    Als weitere gute Nachricht zeigt die Studie, dass wärmere Temperaturen die Vorteile von Mischungen verstärken. Der Ertragsvorteil der vielfältigen Mischungen mit Kleearten und Kräutern nahm mit steigender Temperatur entlang des Klimagradienten der Standorte zu. Dies unterstreicht das Potenzial von Mischungen für die Anpassung an den Klimawandel.

    Vielfältige Wiesenmischungen waren nicht nur in der Schweiz im Vorteil. Die Studie zeigt eindrücklich, dass diese schweizerische Tradition auch global die Ressourceneffizienz verbessert und die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel unterstützt.

    Abb. 1: Der Bereich mit optimalem Ertrag (yield, dunkelgrün) ist gross: verschiedene Kombinationen und Anteile von Gräsern (G), Klee (L) und Kräutern (H) erreichen das Optimum.

    Fazit

    • Ein weltweites Netzwerk hat Futterpflanzenmischungen aus zwei Gräsern, zwei Kleearten und zwei Kräutern getestet, um nachhaltigere Anbausysteme im Futterbau weiterzuentwickeln.
    • Futterpflanzenmischungen aus sechs Arten, darunter Kleearten, zeigten sich ertragreicher als Systeme aus reinen Gras- oder aus einer Zweiarten-Mischung aus Gras und Klee, die in anderen Ländern immer noch verbreitet sind.
    • Der Ertragsgewinn der vielfältigen Mischungen stieg mit zunehmender Standorttemperatur. Dies zeigt, dass solche Mischungen angesichts des Klimawandels beitragen können, die Erträge des Futterbaus zu sichern.
  • Beratung der Zukunft in der Landwirtschaft: Wertschöpfungsketten neu denken

    Beratung der Zukunft in der Landwirtschaft: Wertschöpfungsketten neu denken

    Eine starke landwirtschaftliche Beratung schafft neue Wertschöpfungsketten und optimiert bestehende. Ein interkantonales, organisationsübergreifendes Projekt zeigt, wie praxisnahe, strategische Zusammenarbeit die Schweizer Landwirtschaft zukunftsfähig machen kann.

    Komplexe Rahmenbedingungen erfordern neue Kompetenzen

    Die Schweizer Landwirtschaft sieht sich zunehmend komplexen Herausforderungen gegenüber. Der Klimawandel, der Verlust an Biodiversität, veränderte gesellschaftliche Erwartungen sowie die bestehenden Marktstrukturen erfordern die Entwicklung innovativer Ansätze entlang der gesamten Wertschöpfungsketten. Landwirtschaftliche Betriebe stehen vor der Aufgabe, neue Kulturen, Produkte und Vermarktungsstrategien zu erschliessen. Gleichzeitig wird die landwirtschaftliche Beratung mit Anfragen zu wenig etablierten Kulturen konfrontiert und muss Unterstützung beim Aufbau bislang unzureichend entwickelter Wertschöpfungsketten leisten.

    Ein gemeinsamer Wissensstand als Ziel

    Das von AGRIDEA und Partnerinstitutionen initiierte Projekt verfolgt das Ziel, die Kompetenzen der landwirtschaftlichen Beratung in Wertschöpfungsketten‑Fragen zu stärken. Durch vier thematisch strukturierte Workshops und mit Unterstützung von Fachorganisationen wie der ZHAW, dem FIBL und AGRIDEA wurden Beraterinnen und Berater verschiedener Kantone auf einen gemeinsamen Wissensstand gebracht. Die Workshops kombinierten Theorieinputs, Gruppenarbeiten und Besuche in Unternehmen, wodurch Wissen aus Forschung, Praxis und Beratung systematisch vernetzt wurde.

    Zentrale Bausteine einer Wertschöpfungsketten‑Analyse

    Die Teilnehmenden erarbeiteten methodische Grundlagen der Wertschöpfungsketten‑Analyse, darunter die Kartografie von Akteuren, Prozessen und Waren‑, Information‑ und Finanzströmen. Ergänzend wurden geografische Einflussbereiche, Nachhaltigkeitsdimensionen und Innovationspotenziale berücksichtigt. Der systematische Vergleich von Dokumenten, Interviews, Berechnungen und Praxisbeobachtungen sind zentral für zielführende Analysen.

    Praxisbeispiele als Lernmotor

    Die Besuche in Projekten wie „Bern ist Bio “ oder der „Offensive Spezialkulturen Luzern“  zeigten eindrücklich, wie Beratung Innovationen und neue Geschäftsmodelle in den Wertschöpfungsketten anstossen kann. Die Beispiele verdeutlichten die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Hochschulen und öffentlichen Stellen. Gleichzeitig zeigte sich, dass systematische Daten und einheitliche Methodiken in vielen Kantonen fehlen und dass die Verbindung zu Gastronomie und Konsum entscheidend, aber oft unzureichend ist.

    Beratung als strategischer Hebel

    Die Projektergebnisse zeigen, dass verschiedene Kantone und Institutionen bereits über wertvolle Erfahrungen, Projekte und Methoden im Bereich der Wertschöpfungsketten verfügen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein umfassender Überblick sowie systematisch erhobene Daten zu den Wertschöpfungsketten fehlen und die Kompetenzen in vielen kantonalen Beratungsdiensten noch ausgebaut werden müssen.

    In zahlreichen Regionen besteht besonders Bedarf an zusätzlichem Wissen zu neuen Kulturen, Marktmechanismen und an einer stärkeren interkantonalen Zusammenarbeit. Zudem fehlt eine schweizweite Vision zur Rolle der landwirtschaftlichen Beratung in der Entwicklung zukünftiger Wertschöpfungsketten. Ohne langfristige Programme, klare Strukturen und ausreichende Ressourcen kann das Potenzial der Beratung nur teilweise ausgeschöpft werden.

    Fazit

    • Die landwirtschaftliche Beratung ist ein zentraler Hebel für den Aufbau innovativer und nachhaltiger Wertschöpfungsketten, braucht dafür aber bessere Ressourcen und klarere strategische Rahmenbedingungen.
    • Ein gemeinsamer Wissensstand, systematisch erhobene Daten und einheitliche Methoden stärken die Analyse und Weiterentwicklung von Wertschöpfungsketten wesentlich.
    • Erfolgreiche Beispiele wie „Bern ist Bio“ und die „Offensive Spezialkulturen Luzern“ zeigen, dass Beratung Innovation und Kooperation entlang der Kette wirksam anstossen kann.
    • Interkantonale Zusammenarbeit, Einbindung von Gastronomie und Verarbeitung sowie praxisnahe Pilotprojekte sind entscheidend für die Weiterentwicklung regionaler Wertschöpfungsketten.

  • Alternativer Pflanzenschutz im Acker- und Gemüsebau: Wo stehen wir?

    Alternativer Pflanzenschutz im Acker- und Gemüsebau: Wo stehen wir?

    Eine aktuelle Publikation von Agroscope gibt einen Überblick über präventive Massnahmen und nicht-chemische Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge im Acker- und Freilandgemüsebau.

    Der integrierte Pflanzenschutz ist ein Konzept, welches verschiedene Methoden kombiniert, um Schadorganismen unter der wirtschaftlichen Schadschwelle zu halten. Die breite Basis bilden dabei präventive Massnahmen; Entscheidungshilfen bieten Unterstützung bei der Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für allfällige Bekämpfungsmassnahmen (Abb. 1). Falls eine Bekämpfung erforderlich ist, sollen wenn immer möglich biologische, biotechnische und physikalische (d. h. nicht-chemische) Massnahmen priorisiert werden. Erst danach sollen chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Diese Publikation gibt einen Überblick über die präventiven Massnahmen und die nicht-chemischen Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge im Acker- und Freilandgemüsebau sowie deren Praxistauglichkeit nach heutigem Wissensstand.

    Abb. 1: Die Pyramide des integrierten Pflanzenschutzes.

    Krankheiten

    Die wichtigsten präventiven Massnahmen sind gesundes Saatgut, robuste Sorten, ausgewogene Fruchtfolgen und eine gute Feldhygiene. Mit diesen Massnahmen kann der Einsatz von Fungiziden in vielen Ackerkulturen mit leichter Ertragsreduktion weitgehend vermieden werden. In Kartoffeln, Zuckerrüben und Freilandgemüse können präventive Massnahmen, insbesondere robuste Sorten, den Fungizideinsatz reduzieren. Ein vollständiger Verzicht ist heute aber oft nicht praktikabel.

    Schädlinge

    In vielen Ackerkulturen wie Getreide und Mais werden Schädlinge mit präventiven Massnahmen wie Fruchtfolge und Schonung von Nützlingen meistens ausreichend kontrolliert. Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben und Freilandgemüse werden jedoch von Schädlingen mit einem hohen Schadpotenzial befallen. Einige Ansätze, wie die Fruchtfolge bei Zuckerrüben oder der Einsatz von Bacillus thuringiensis gegen Kartoffelkäfer, haben sich als wirksam erwiesen, Untersaaten im Raps zeigen ein Potenzial. Zu weiteren Massnahmen wird noch geforscht.

    Qualitätsanforderungen und Lebensmittelpreise

    Im Gemüsebau ist die Herausforderung wegen der hohen Qualitätsanforderungen des Marktes grösser als im Ackerbau. Mit Blick auf einen reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könnte es sinnvoll sein, die privatrechtlich geregelten Qualitätsanforderungen bezüglich rein optischer und lebensmittelrechtlich unbedenklicher Aspekte zu hinterfragen, eventuell zu reduzieren und einen gewissen Schädlingsbesatz zu tolerieren. Zudem könnten die mit alternativen Pflanzenschutzmassnahmen verbundenen Zusatzaufwendungen und höheren Ertragsrisiken durch höhere Lebensmittelpreise oder andere Massnahmen ausgeglichen werden, damit sie wirtschaftlich rentabel sind.

    Fazit

    • Alternative Massnahmen gegen Unkräuter sind vorhanden, jedoch zeitaufwändiger und bei Problemunkräutern und ungünstigen Wetterbedingungen weniger wirksam.
    • In Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben ist ein vollständiger Verzicht auf Fungizide und/oder Insektizide heute schwierig. Ansätze für zusätzliche Massnahmen sind vorhanden. Diese sind jedoch oft mit einem reduzierten Wirkungsgrad und zusätzlichen Kosten verbunden.
    • Die hohen Qualitätsanforderungen für Freilandgemüse sind mit alternativen Massnahmen schwierig zu gewährleisten. Es könnte sinnvoll sein, die rein optischen Qualitätsanforderungen zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.
    • Alternative Pflanzenschutzmassnahmen sind oft aufwändiger und weniger wirkungsvoll. Damit sie wirtschaftlich rentabel sind, könnten die Zusatzkosten durch höhere Lebensmittelpreise oder andere Massnahmen ausgeglichen werden.
  • Vertrauen in Ackerbau und Tierhaltung: Was es prägt und welche Politikmassnahmen unterstützen

    Vertrauen in Ackerbau und Tierhaltung: Was es prägt und welche Politikmassnahmen unterstützen

    Ein Mangel an Vertrauen in die Landwirtschaft untergräbt die Stabilität des Ernährungssystems und erhöht den politischen Druck für zusätzliche Regulierungen. Agroscope hat in der Deutschschweiz das Vertrauen in Ackerbau- und Viehbetriebe untersucht und zeigt zentrale Faktoren für eine gezielte Agrarpolitik auf.

    Die öffentliche Meinungsbildung zu landwirtschaftlichen Praktiken und agrarpolitischen Entscheidungen stützt sich wesentlich auf Vertrauen. Dieses Vertrauen ist zentral für die Akzeptanz innovativer Technologien und prägt die Beziehung zwischen Landwirtschaft und Konsumentinnen und Konsumenten. Viele Betriebe betrachten diese Vertrauensbeziehung als zentralen Bestandteil der sozialen Nachhaltigkeit.

    Was die Schweizer Bevölkerung mit dem Begriff ‘Landwirtschaft’ verbindet

    • Die Befragten verbinden Landwirtschaft am häufigsten mit „Landwirtschaft“, „Milchwirtschaft“ und „Lebensmittelqualität“. Diese Begriffe sind insgesamt mit positiven Gefühlen verbunden.
    • Mit Schweizer Landwirtinnen und Landwirten werden „harte Arbeit“ und „Bewunderung“ verbunden, aber auch „Schwierigkeiten“, „Politik/Subventionen“ und einige negative Eigenschaften. Insgesamt sind die damit verbundenen Gefühle hier eher neutral und damit weniger positiv als bei der Landwirtschaft als System.
    • Die Bevölkerung hat meist ein traditionelles und vereinfachtes Bild von Landwirtinnen und Landwirten. Neue Methoden oder Technologien werden selten spontan mit Landwirtinnen und Landwirten verbunden.

    Ackerbau geniesst mehr Vertrauen als Tierhaltung

    Insgesamt ist das Vertrauen in Ackerbauern deutlich höher als in Tierproduzenten. Der Vertrauensunterschied hängt besonders mit Bedenken zusammen, die in der Tierhaltung besonders ausgeprägt sind, wie etwa Transparenz in Bezug auf Produktionsmethoden und Tierwohl.

    Faktoren, die Vertrauen in die Pflanzen- und Tierproduktion stärken

    Sowohl bei Ackerbauern als auch bei Tierproduzenten wird das Vertrauen am stärksten durch das Bild und die Einstellung der Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber Landwirtinnen und Landwirten, deren wahrgenommenes Wissen über landwirtschaftliche Praktiken sowie deren politische Orientierung (d. h. eher rechts) bestimmt. Alle untersuchten Faktoren stehen in einem klar positiven Zusammenhang mit dem Vertrauen in die Landwirtschaft. Ein Unterschied zeigt sich jedoch zwischen den Produktionszweigen: Während ein höherer Fleischkonsum mit stärkerem Vertrauen in die Viehwirtschaft einhergeht, spielt dieser Faktor für den Ackerbau keine Rolle. Weder der Einkauf auf Bauernmärkten noch persönliche oder familiäre Erfahrungen in der Landwirtschaft tragen dagegen nachweislich zum Vertrauen bei.

    Vertrauensbildung muss auf Systemebene stattfinden – nicht nur auf Ebene der einzelnen Landwirte

    Die Ergebnisse der Umfrage deuten ausserdem darauf hin, dass Vertrauensbildung nicht allein durch individuelle Anstrengungen von Landwirtinnen und Landwirten – etwa durch direkte Interaktionen mit Konsumentinnen und Konsumenten – gewährleistet werden kann. Vielmehr kann Vertrauen durch ein transparentes Agrarsystem gestärkt werden, das es ermöglicht, Praktiken auch dann zu beurteilen, wenn der direkte Kontakt begrenzt ist (z. B. durch glaubwürdige Offenlegung, Zertifizierung und zugängliche Informationen). Insbesondere im Bereich der Tierhaltung kann eine Kommunikation, die die gemeinsamen Werte und ethischen Überlegungen der Landwirte sichtbar macht, dazu beitragen, sowohl rationale als auch emotionale Bedenken der Bevölkerung auszuräumen.

    Fazit

    • Die Schweizer Bevölkerung hat ein traditionelles und vereinfachtes Bild von Landwirtinnen und Landwirten. Dieses Bild ist weder sehr positiv noch sehr negativ und ist daher leicht durch situative Faktoren beeinflussbar.
    • Ackerbauern geniessen mehr Vertrauen als Tierproduzenten, was vor allem auf Bedenken bezüglich Transparenz und Tierwohl in der Tierproduktion zurückzuführen ist.
    • Gefühle gegenüber Landwirtinnen und Landwirten, wahrgenommenes Wissen und politische Orientierung sind die wichtigsten Faktoren für die Vertrauensbildung. Massnahmen zum Aufbau von Vertrauen sollten Informationen und Emotionen kombinieren.
    • Vertrauen sollte nicht nur durch einzelne Landwirtinnen und Landwirte aufgebaut werden, sondern auch durch Politik, gute Governance und transparente Systeme unterstützt werden.

  • Räuschling-Klonzüchtung: Erweiterung der genetischen Vielfalt um vier neue Klone

    Räuschling-Klonzüchtung: Erweiterung der genetischen Vielfalt um vier neue Klone

    Die Rebsorte Räuschling wird dank der Selektion neuer Klone stabiler im Anbau und in der Weinqualität. Mehrjährige Versuche zeigen, dass vier neue Klone den Ertrag und die Qualität stabilisieren und das Risiko von Beerenplatzen sowie Botrytisbefall (Grauschimmel) reduzieren.

    Der Räuschling ist eine lokalhistorisch bedeutsame Weissweinsorte mit Schwerpunkt am Zürichsee (2024: 28,3 ha; 72 % davon im Kanton Zürich). Gleichzeitig gilt er als anspruchsvoll im Anbau: Vor der Lese neigen die Beeren zum Aufplatzen, was Botrytis begünstigt und den Selektions- bzw. Leseaufwand erhöht.

    Agroscope-Klonensammlung: Schlüssel zur genetischen Vielfalt des Räuschlings

    Seit den 1970er-Jahren betreibt Agroscope eine Klonenselektion, um Ertragssicherheit, Krankheitsrobustheit und Traubenqualität zu verbessern. Die heutige Klonensammlung (20 Genotypen) ist die weltweit einzige für diese Sorte und damit zentral für die genetische Vielfalt.

    In Stäfa (ZH) wurden 2015–2021 fünfzehn Klone auf identischer Unterlage (3309C) im einfachen Guyot verglichen. Der Referenzklon 42 diente als Benchmark. Trotz witterungsbedingter Extremjahre (Spätfrost/Hagel 2017; feuchter Sommer 2021) erreichten mehrere Klone das Ertragsziel von 1 kg/m². Die Mostgewichte bewegten sich eng zwischen ~80–84 °Oe (Abb. 1), Säure/Pufferung und pH (~3.1) waren klonübergreifend ähnlich; önologische Unterschiede blieben klein.

    Die neu ausgewählten Klone im Vergleich: Unterschiede in Ertrag, Botrytisresistenz und Weinprofil

    • Klon 3: sehr konstante Erträge, lockere Trauben, geringe Platzanfälligkeit und tendenziell weniger Botrytis; sensorisch top bewertet; hoher Formol-Index (hefeverfügbarer Stickstoff).
    • Klon 25: höchstes Ertragspotenzial, zugleich relativ hohe Oechsle; sehr lockere Trauben; in Einzelfällen (2017/2019) mehr Botrytis, sonst mittlere Anfälligkeit; sensorisch sehr gut.
    • Klon 28: überdurchschnittliche Oechsle, lockere Trauben, tendenziell weniger Platzen/Botrytis; sensorisch gehaltvoll mit fruchtigen Noten.
    • FAW rot (rotschalig): hohe Erträge bei relativ hohem Mostgewicht; trotz kompakter Trauben wenig Botrytis; sortentypisches, fruchtiges Profil.

    Klonmischpflanzungen stärken die Resilienz der Rebsorte Räuschling

    Für die Praxis wichtig: Mischpflanzungen mehrerer Klone erhöhen die Resilienz, weil sich Eigenschaften je nach Jahrgang ergänzen (z. B. Ertragsstärke vs. Platzanfälligkeit). Das stützt Qualität und Ertrag – besonders in Jahren mit Niederschlägen vor der Lese. Klon 3 und 25 sind verfügbar; Klon 28 und FAW rot befinden sich im Homologationsprozess. Die Klonensammlung bleibt strategisch, um Vielfalt zu erhalten und auf den Klimawandel adaptiv reagieren zu können.

    Abbildung 1: Ertrag (kg/m²) und Mostgewicht (°Oe) pro Klon (Mittel 2015–2021). Legende: Gepunktete Linien markieren Gesamtdurchschnitt; hervorgehoben: Referenz 42 und die vier empfohlenen Klone.

    Fazit und Empfehlung

    • Klonwahl: Geeignete Klone erhöhen die Ertrags- und Qualitätsstabilität von Räuschling und verringern das Risiko von Beerenplatzen und Botrytis; besonders die Klone 28 und FAW rot zeigen positive Effekte.
    • Anlagenstruktur: Mischpflanzungen aus den Klonen 3, 25, 28 und FAW rot können die Resilienz innerhalb einer Anlage zusätzlich steigern.
  • Lebensmittel-Nebenströme als unterschätzte Ressource – eine Literaturübersicht

    Lebensmittel-Nebenströme als unterschätzte Ressource – eine Literaturübersicht

    Entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette fallen weiterhin beträchtliche, bislang wenig genutzte Nebenströme an. Eine Literaturstudie von Agroscope zeigt, dass zentrale Fragen zur Anwendung und industriellen Verwertung weiterhin offen sind.

    Wachsende Bedeutung von Nebenströmen

    Die Nutzung von Nebenströmen hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. So hat auch die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen zum Thema zugenommen. Forschende von Agroscope haben im Rahmen des drittmittelfinanzierten EU Projekts WASTELESS (Horizon 2020, Grant Agreement 101084222) eine Literaturstudie durchgeführt, bei der zwei Forschungsdatenbanken nach relevanten Übersichtsarbeiten (Reviews) zu Nebenströmen durchsucht wurden, um den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema zu ermitteln. Es wurden 52 englischsprachige Reviews identifiziert und analysiert. Wie in Abbildung 1 ersichtlich wird, überwiegen die pflanzlichen Quellen.

    Abbildung 1: Übersicht über die untersuchten Reviews und die dort untersuchten Quellen von Nebenströmen.

    Pflanzliche Nebenströme dominieren – tierische bleiben kaum erforscht

    Ein wichtiger pflanzlicher Nebenstrom ist Brauerei-Treber. Die in der Literatur beschriebenen Anwendungen reichen von Gebäck über Paste bis hin zu Joghurt und Würsten. Bei den in der vorliegenden Studie untersuchten pflanzlichen Quellen machen Früchte den grössten Teil aus.   Von den insgesamt 52 untersuchten Reviews beschäftigen sich 37 mit Nebenströmen aus Früchten. Dabei geht es primär um die Nebenströme Trester, Schalen und Samen.

    Tierische Quellen für Nebenströme werden derzeit weniger häufig untersucht. Die Nebenströme aus tierischen Quellen stammen hauptsächlich aus Meeresfrüchten (Fisch, Schalentiere, Muscheln, Krustentiere etc.) und Milchprodukten (hauptsächlich Molke und Buttermilch). Deutlich seltener thematisiert wird Fleisch. Insgesamt beschäftigen sich nur vier der 52 untersuchten Reviews damit. Da bei Fleisch die Lebensmittelverluste aber zu einem grossen Teil auf Präferenzverluste zurückzuführen sind, wäre das eine besonders interessante Kategorie mit viel Potenzial für die Reduktion von Verlusten.

    Konsumentenakzeptanz von Upcycling-Produkten: Chancen und Hürden

    Es gibt aktuell nur wenige Untersuchungen dazu, wie Produkte, die aus Nebenströmen hergestellt wurden, von den Konsumentinnen und Konsumenten aufgenommen werden. Generell scheinen sie offen dafür zu sein, wollen in der Tendenz aber weniger für solche Produkte bezahlen als für konventionelle. Die Akzeptanz könnte erhöht werden, indem

    Upcycling Produkte beispielsweise über ihren Mehrwert beworben werden oder die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft betont wird. Ein Schlüsselelement für die Akzeptanz ist zudem die Sensorik. Wenn ein Produkt nicht schmeckt oder durch die Zugabe von Nebenströmen nicht mehr schön aussieht, können das entscheidende Hürden für die Konsumentenakzeptanz sein.

    Fazit

    • Pflanzliche Nebenströme in der Lebensmittelproduktion werden aktuell noch häufiger genutzt als tierische.
    • Mehr Datentransparenz zu Nebenströmen aus der Lebensmittelindustrie würde helfen, das Potenzial weiter zu erforschen.
    • Fehlende Konsumentenakzeptanz für Produkte aus Nebenströmen kann eine wichtige Hürde für deren Verwendung sein.

  • Die digitale Transformation der Schweizer Agrar- und Ernährungswirtschaft

    Die digitale Transformation der Schweizer Agrar- und Ernährungswirtschaft

    Dieser Artikel beschreibt, wie sich die Digitalisierung in der Schweizer Landwirtschaft von 2018 bis heute entwickelt hat. Es werden Massnahmen aufgezeigt, die für eine erfolgreiche digitale Transformation notwendig sind.

    Die Zusammenarbeit aller Akteure der Schweizer Agrar- und Ernährungswirtschaft ist entscheidend, um Lücken bei der Technologieeinführung zu schliessen, allen Betrieben gleiche Chancen der Partizipation an technologischen Innovationen zu ermöglichen und Macht-Asymmetrien zu vermeiden. Dafür müssen verschiedene Technologien in neue Produktionsprozesse integriert werden, die Technologieentwicklung an den Bedürfnissen der Landwirtinnen und Landwirte ausgerichtet sein, die Aus- und Weiterbildung im Bereich Digitalisierung gestärkt werden und die Agrarpolitik den digitalen Fortschritt berücksichtigen. Gleichzeitig muss der Datenschutz gewährleistet sein und alle Beteiligten im Landwirtschaftlichen Informations- und Wissenssystem (LIWIS) gemeinsam die digitale Transformation unterstützen.

    Grafik 1: Die Meilensteine der Digitalisierung der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft

    Technologiefokus in der Schweizer Landwirtschaft seit den 1990er Jahren

    Seit der Lancierung der Charta «zur Digitalisierung der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft» 2018 hat sich sehr viel getan. Derzeit befindet sich das Transformationsprogramm DigiAgriFoodCH in der Umsetzung. Und es existieren diverse Datenplattformen: Das Agrarpolitische Informationssystem der Schweiz (AGIS) und das Portal AGATE (Agriculture, Animaux, Aliments) sind zwei der relevantesten Datenplattformen. Das Masterdatenkonzept von 2017 bildet die Grundlage für technische Weiterentwicklungen und mit «Meine Agrardatenfreigabe» (MAF) können die Betriebsleitenden seit 2021 über agate.ch ihre Daten mit geringem administrativem Aufwand für Dritte freigeben.

    Dialogförderung in der Schweizer Landwirtschaft seit 2018

    Seit 2018 fördert die Chartagemeinschaft Digitalisierung einen strukturierten Dialog zwischen Akteuren der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft. Die Zusammenarbeit und das Bewusstsein für die Digitalisierung werden gestärkt, Handlungsbedarf wird aufgezeigt und gemeinsam Projekte lassen sich umsetzen. Ein politischer Vorstoss von 2019 regte die Prüfung zur Schaffung eines Kompetenzzentrums für landwirtschaftliche Daten an.

    Institutionalisierung der Digitalisierung seit 2022

    Folgend den Empfehlungen des Postulatsberichts gründete das BLW 2022 den Direktionsbereich ‘Digitalisierung und Datenmanagement’ und betraute ihn unter anderem mit dem Aufbau eines Kompetenzzentrums. Seit 2023 werden im Rahmen des Transformationsprogramms DigiAgriFoodCH sechs sektorrelevante Massnahmen umgesetzt, die Datennutzung, Interoperabilität, Innovation und nutzerfreundliche digitale Prozesse in den Vordergrund stellen.

    Umsetzung des Transformationsprogramms DigiAgriFoodCH seit 2025

    Bisher wurden Datenstandards für die Schweizer Landwirtschaft publiziert. Der Datenübertragungsdienst agridata.ch für sicheren, systemübergreifenden Datenaustausch ist in Betrieb. Zudem stellt die Informations- und Kommunikationsplattform DigiAgriFoodCH Wissen bereit, organisiert aber auch Veranstaltungen und bietet Vernetzungsmöglichkeiten. Ausserdem ermöglicht die Interoperabilitätsplattform I14Y die Harmonisierung und Auffindbarkeit von Behörden- und Agrardaten.

    Fazit

    • Seit der Gründung der Charta Digitalisierung 2018 wurde die digitale Transformation mit DigiAgriFoodCH professionalisiert.
    • Das Transformationsprogramm DigiAgriFoodCH legt klare Zuständigkeiten fest, definiert Massnahmen und bildet den Rahmen für deren Umsetzung.
    • Nur durch eine Zusammenarbeit aller Akteure im Landwirtschaftlichen Informations- und Wissenssystem kann die Digitalisierung nachhaltig und zielgerichtet umgesetzt werden.
    • Die an den Bedürfnissen der Landwirtinnen und Landwirten ausgerichtete Weiterentwicklung von Technologien und Produktionsprozessen sowie die Standardisierung und der Austausch von Daten schaffen echten Mehrwert.
    • Vertrauen und Akzeptanz in digitale Technologien und deren Nutzung müssen gestärkt werden, damit die digitale Transformation erfolgreich vorangetrieben werden kann.

  • Gehalt an organischer Bodensubstanz: Braucht es eine Aktualisierung der Interpretation für landwirtschaftliche Böden?

    Gehalt an organischer Bodensubstanz: Braucht es eine Aktualisierung der Interpretation für landwirtschaftliche Böden?

    Der Einbezug des OS:Ton-Verhältnisses in die Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen (GRUD) liefert standortspezifischere Informationen für die Bodenbewirtschaftung mit einer umfassenderen Berücksichtigung der Bodenqualität.

    Die organische Substanz (OS) ist ein Schlüsselindikator für die Bodenqualität. Der OS-Gehalt landwirtschaftlicher Böden wird stark von den landwirtschaftlichen Praktiken beeinflusst und ein Teil dieser Böden befindet sich in einem degradierten Zustand. Für Landwirtinnen und Landwirte ist es deshalb besonders wichtig, den OS-Gehalt gemäss Bodenanalyse für die Wahl der geeigneten Anbaumethoden richtig zu interpretieren.

    Die Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen in der Schweiz (GRUD) liefern ein Raster zur Beurteilung des OS-Gehalts des Bodens als Referenz für die Interpretation von Analysen. Dieses Raster hat sich jedoch seit den 1980er Jahren kaum verändert und konzentriert sich heute auf die Funktion der Nachlieferung von Stickstoff (N). Dies deutet auf ein erhebliches Optimierungspotenzial hin.

    Das OS:Ton-Verhältnis ist ein einfacher Indikator für die Bodenqualität, dessen Schwellenwerte auf dem Qualitätspotenzial der Bodenstruktur basieren. Das Schema zur Interpretation des OS:Ton-Verhältnisses wurde von einer Methode zur visuellen Bewertung der Qualität der Bodenstruktur (visual evaluation of soil structure, VESS) abgeleitet.

    Ziel dieser Studie war es, die Relevanz des OS:Ton-Verhältnisses für die Interpretation des OS-Gehalts von Böden landwirtschaftlicher Parzellen zu bewerten. Dadurch soll die Grundlage für eine mögliche Weiterentwicklung des Interpretationsrasters der GRUD geschaffen werden. Dazu wurden die in den GRUD definierten Schwellenwerte mit den Schwellenwerten des OS:Ton-Verhältnisses verglichen und die Unterschiede in der Beurteilung je nach Methode für eine Auswahl von 184 Parzellen des Bodenbeobachtungsnetzes des Kantons Freiburg (FRIBO) herausgearbeitet.

    Nuanciertere Bewertung durch das OS:Ton-Verhältnis

    Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der GRUD-Ansatz die Parzellen grob in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe besteht aus den Ackerflächen-Böden mit dem geringsten OS-Gehalt. Der OS-Gehalt dieser Böden wird als «ausreichend» eingestuft. Die andere Gruppe umfasst die Ackerflächen-Böden mit dem höchsten OS-Gehalt sowie die Dauergrünland-Parzellen. Der OS-Gehalt dieser Böden wird als «reich» beurteilt. Die Bewertung auf der Grundlage des OS:Ton-Verhältnisses ermöglicht eine nuancenreichere Beurteilung von Ackerland-Böden und klassifiziert den OS-Gehalt bei einem Drittel dieser Böden als unzureichend.

    Hin zu einer spezifischeren Unterstützung

    Diese Studie zeigt, dass das Interpretationsraster der GRUD in seiner derzeitigen Form kein ausreichendes Instrument ist, um Landwirtinnen und Landwirte effektiv bei der Steuerung des OS-Gehalts der Böden ihrer Parzellen zu unterstützen. Die Verwendung des OS:Ton-Verhältnisses in den GRUD würde eine bessere Differenzierung zwischen Parzellen ermöglichen, die derzeit als mindestens ausreichend eingestuft werden, aber einen sehr unterschiedlichen OS-Gehalt aufweisen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten in die Überarbeitung des Kapitels «Bodeneigenschaften und Bodenanalysen» der GRUD einfliessen.

    Fazit

    • Es ist sehr wichtig, den OS-Gehalt gemäss Bodenanalyse für die Wahl geeigneter Anbaumethoden richtig zu interpretieren.
    • Das aktuell verwendete Interpretationsraster der GRUD ist kein ausreichendes Instrument, um die Landwirtinnen und Landwirte effektiv bei der Steuerung des OS-Gehalts der Böden ihrer Parzellen zu unterstützen.
    • Die Bewertung auf der Grundlage des OS:Ton-Verhältnisses ermöglicht eine nuancenreichere Beurteilung von Ackerland-Böden.
    • Der Einbezug des OS:Ton-Verhältnisses in die GRUD würde standortspezifischere Informationen für eine Steuerung der Bewirtschaftung liefern, die auf einer umfassenderen Berücksichtigung der Bodenqualität beruht.
  • Pflanzendiversität auf Wiesen hilft bei erhöhtem Trockenheitsrisiko

    Pflanzendiversität auf Wiesen hilft bei erhöhtem Trockenheitsrisiko

    Diversität der Pflanzenarten im intensiv bewirtschafteten Grünland kann wie eine «natürliche Versicherung» wirken, da sie Produktionsschwankungen reduziert. Die Wirkung bleibt auch bei erhöhtem Trockenheitsrisiko bestehen.

    Mit einem Anteil von 60 % an den weltweiten Agrarflächen spielen Wiesen und Weiden eine zentrale Rolle als Futterlieferanten. Sie sind jedoch auch klimatischen Risiken ausgesetzt, insbesondere der Trockenheit. Um diese Risiken zu reduzieren, können Landwirtinnen und Landwirte die Resilienz ihrer Betriebe durch eine Art «natürliche Versicherung» stärken, indem sie die Pflanzendiversität erhöhen. Dies trägt zur Stabilisierung der Erträge bei und bietet auch ökologische Vorteile.

    Ökonomischer Ansatz nutzt Pflanzendiversität als natürliche Versicherung

    Eine von der ETHZ und Agroscope durchgeführte Studie betrachtet die Pflanzendiversität aus ökonomischer Sicht als ein Portfolio von Vermögenswerten, das Produktionsschwankungen verringert und somit einen «Versicherungswert» hat. Die Analyse kombiniert einen theoretischen Rahmen mit empirischer Modellierung auf Grundlage von experimentellen Daten aus Grünlandflächen in der Schweiz. Diese bestehen aus hochproduktiven Arten, die üblicherweise in intensiv bewirtschafteten Graslandsystemen verwendet werden. Die Studie zeigt zwei stabilisierende Mechanismen auf – einen «ökologischen Effekt» und einen «statistischen Effekt» – sowie, dass die Asynchronität der Arten, d. h. die zeitliche Komplementarität des Wachstums eine wichtige Rolle spielt.

    Pflanzendiversität reduziert Risiken durch einen statistischen Effekt

    Die Ergebnisse zeigen, dass Pflanzendiversität die Ertragsschwankungen tendenziell senkt und bestätigt somit ihre stabilisierende Funktion. Gleichzeitig weist die Studie auf ein erhöhtes Risiko extremer Verluste in diversifizierteren Systemen hin (negativere «skewness» oder Schiefe). Dennoch bleibt die Gesamtbilanz durch Diversifizierung positiv: Der Versicherungswert der Pflanzenvielfalt ist signifikant und bleibt auch bei steigendem Trockenheitsrisiko erhalten.

    Die Analyse zeigt ausserdem, dass der statistische Effekt der Mittelung stärker zur Entstehung dieses Versicherungswertes beiträgt als direkte ökologische Interaktionen zwischen den Arten. Mit anderen Worten: Entscheidend für die ökonomische Stabilität von Grünland ist vor allem die Diversifizierung selbst, also die Kombination von Arten mit unterschiedlichem Verhalten.

    Integrierte Perspektive für eine nachhaltige Wiesenbewirtschaftung

    Die Ergebnisse bestätigen, dass die Diversität von Pflanzen im intensiv bewirtschafteten Grasland ein Instrument für das Risikomanagement darstellen kann. Die Studie beleuchtet das Potenzial dieser Strategie zur Stärkung der Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber Trockenheit – eine zentrale Herausforderung vor dem Hintergrund des Klimawandels.

    Diese Schlussfolgerungen sind auch für politische Entscheidungsträger relevant: Sie legen nahe, dass die Diversität von Pflanzen im intensiv bewirtschafteten Grasland nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch als ökonomisches Stabilisierungsinstrument in der Agrar- und Klimapolitik mehr beachtet werden sollte.

    Fazit

    • Die Pflanzendiversität in intensiv bewirtschaftetem Grünland kann als «natürliche Versicherung» wirken. Sie reduziert Produktionsschwankungen und bietet einen messbaren ökonomischen Wert.
    • Der Versicherungseffekt beruht hauptsächlich auf dem statistischen Effekt der Mittelung und weniger auf direkten ökologischen Interaktionen zwischen den Arten.
    • Selbst unter Bedingungen eines erhöhten Trockenheitsrisikos bleibt der Versicherungswert der Diversität positiv.
    • Diese Ergebnisse sprechen für eine stärkere Berücksichtigung der Pflanzendiversität in der Agrar- und Klimapolitik als Faktor für ökonomische und ökologische Resilienz.
  • Kapillareffekt bestätigt: Warum Heupartikel für die Lochbildung im Emmentaler entscheidend sind

    Kapillareffekt bestätigt: Warum Heupartikel für die Lochbildung im Emmentaler entscheidend sind

    Agroscope zeigte vor zehn Jahren, dass winzige Heupartikel die Lochbildung im Käse fördern. Ihre Kapillaren dienen als Ansatzstellen für Löcher. Nun konnten Forschende die entscheidende Rolle des Kapillareffekts bestätigen.

    Fehlende Löcher in Emmentaler AOP

    Die Grösse, Anzahl, Form und Verteilung der Löcher in Käse des Typs Emmentaler sind entscheidende Qualitätsparameter. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatten die Herstellerinnen und Hersteller von Emmentaler AOP mit dem Problem unzureichender Lochbildung zu kämpfen. Die räumliche Trennung von Fütterung und Melken der Milchkühe in Laufstallsystemen und technologische Verbesserungen in der Milchproduktion führten nicht nur zu hygienischerer Milch, sondern auch zu einem Mangel an natürlichen Mikropartikeln wie Heustaub. Guggisberg et al. (2015) zeigten, dass Mikropartikel pflanzlichen Ursprungs als Lochansatzstellen fungieren, welche die Anzahl und Grösse der Löcher im Käse in einer dosisabhängigen Weise steuern. Die Autoren und Autorin stellten die Hypothese auf, dass Fragmente von Heustaub mit intakten Kapillaren die wahrscheinlichsten Ausgangsstellen für die Lochbildung sind.

    Versuche mit definierten Kapillarelementen

    Synthetische Hohlfasern mit einem Innendurchmesser von etwa 10 µm und synthetische Kapillaren mit Innendurchmessern von 0,13 mm und 0,18 mm in verschiedenen Längen und Mengen wurden während der Abfüllphase unter Molke zum Käsebruch hinzugefügt. Aus Sicherheitsgründen wurden diese Versuchsemmentaler nicht zum Verzehr freigegeben; die synthetischen Hohlfasern und Kapillaren wurden aufgrund ihrer definierten Kapillarstruktur ausgewählt.

    Abb.1. Schnittbild eines Emmentaler-Modellkäses mit Löchern, die um synthetische Kapillarstücke (Innendurchmesser 0.13–0.18 mm, Länge 2–3 mm; Pfeile) gebildet wurden (Florian Loosli, Agroscope, Bern-Liebefeld)
    Abb.2. Schnittbild eines Emmentaler-Modellkäses mit Löchern, die um synthetische Hohlfasern (Innendurchmesser 10 μm, Länge 6 mm; Pfeile) herum gebildet wurden (Dominik Guggisberg, Agroscope, Bern-Liebefeld)

    Entscheidende Rolle des Kapillareffekts experimentell bestätigt

    Die Anzahl und Grösse der Löcher in den Versuchskäsen wurde dosisabhängig beeinflusst, wie bereits in der Studie mit Heupulver. Im Gegensatz zu den Heupartikeln waren die synthetischen Hohlfasern und Kapillaren sowohl im Röntgenbild als auch mit blossem Auge deutlich erkennbar. Die Röntgenanalyse ergab, dass jedes Loch mindestens eine Kapillare enthielt. Somit wurde gezeigt, dass sich die Löcher um die Kapillarstrukturen herum gebildet hatten, die aufgrund des Kapillareffekts eingeschlossene Luft enthalten mussten.

    Abb.3. Ausschnitt aus einer Röntgenaufnahme eines Emmentaler-Modellkäses mit Löchern, die sich um synthetische Kapillaren gebildet haben (Pfeile zeigen einige Beispiele) (Florian Loosli, Agroscope, Bern-Liebefeld)

    Fazit

    • Die wahrscheinlichsten Ausgangsstellen für die Lochbildung im Käse sind mikroskopisch kleine Luftblasen.
    • In wässriger Umgebung wie Milch und Molke sind kapillare Strukturelemente Träger von Luftblasen.
    • Luftblasen können auf natürliche Weise mit kapillaren Strukturelementen wie winzigen Heupartikeln in die Milch eingebracht werden. Strukturelemente ohne Kapillaren können nicht als Lochansatzstellen wirken.
    • Ab 2025 dürfen die Herstellerinnen und Hersteller von Emmentaler AOP natürliches Heupulver hinzufügen, um die Lochbildung zu verbessern.
  • Wie die Alpwirtschaft und einzelne Alpen die Loyalität des Personals fördern können

    Wie die Alpwirtschaft und einzelne Alpen die Loyalität des Personals fördern können

    Den Schweizer Sömmerungsbetrieben fehlt qualifiziertes und langjähriges Personal, unter anderem weil Angestellte immer weniger Alpsommer absolvieren. Der Personalmangel und Erfahrungsverlust können sich negativ auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Alpen auswirken.

    Den Schweizer Sömmerungsbetrieben fehlt qualifiziertes und langjähriges Personal, unter anderem weil Angestellte immer weniger Alpsommer absolvieren. Der Personalmangel und Erfahrungsverlust können sich negativ auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Alpen auswirken.

    Bedeutung des Personals für eine nachhaltige Bewirtschaftung

    Etwa 17’000 Älplerinnen und Älpler tragen jeden Sommer mit ihrer Arbeit zur Aufrechterhaltung der Multifunktionalität von über 6’500 Alpbetrieben in der Schweiz bei. Allerdings bekunden die Alpverantwortlichen zunehmend Mühe bei der Suche nach qualifiziertem und langjährigem Personal. Häufige Personalwechsel belasten die nachhaltige Bewirtschaftung der Sömmerungsbetriebe aufgrund von Wissensverlust und Ineffizienzen. Um qualifiziertes Personal langfristig halten zu können, ist es wichtig zu verstehen, welche alpinternen und alpexternen Faktoren eine wiederkehrende Beschäftigung auf einem Sömmerungsbetrieb fördern oder hemmen. Eine Umfrage (n=366) bei und Interviews (n=23) mit Alpangestellten haben zwei zentrale Problemkomplexe aufgezeigt.

    Alpexterne Faktoren als grösste Hürde

    Bei der Mehrheit des Alppersonals verhindern alpexterne Faktoren eine langfristige Rückkehr in die Alpwirtschaft. Die saisonale Lebens- und Arbeitsform scheint nur schwer mit modernen Lebensentwürfen vereinbar zu sein. Die Saisonalität der Alpwirtschaft bleibt somit eine sozio-ökonomische Herausforderung für das Personal, welches Beruf, Familie und andere Verpflichtungen mit der Alp vereinen muss. Zudem gilt die langfristige Wahl der Lebensform «Alp» in einigen Milieus als eine Art «Aussteigertum», was eine wiederkehrende Rückkehr auf die Alp ebenfalls hemmen kann.

    Alpinterne Faktoren mit Verbesserungspotential

    Gleichzeitig bestehen drei relevante alpinterne Ursachen für eine Nicht-Rückkehr: Die Anstellungsbedingungen, die Arbeitsorganisation und das Personalmanagement. Für die Alpangestellten ist eine transparente Kommunikation, eine wertschätzende Zusammenarbeit und Vertrauen zentral für eine langfristig funktionierende Zusammenarbeit. Investitionen in eine angemessene Wohn- und Arbeitsinfrastruktur sind zwar nach wie vor wichtig. Allerdings braucht es insbesondere verbesserte Anstellungsbedingungen, konkret höhere und sich mit zunehmender Erfahrung progressiv entwickelnde Löhne. Schliesslich ist ein verstärktes Engagement der Alpverantwortlichen in Aspekten der Personalführung nötig, um die Alpangestellten langfristig gewinnen und halten zu können.

    Empfehlungen für die Alpwirtschaftsbranche und die Sömmerungsbetriebe

    Basierend auf den genannten Ergebnissen wurden an einem Workshop mit Fachpersonen aus der Alpwirtschaft (n=24) zahlreiche Handlungsempfehlungen erarbeitet. Nachfolgend sind die zentralsten Empfehlungen zusammengestellt:

    Die Alpwirtschaftsbranche sollte…

    • den Alpverantwortlichen Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Personalführung anbieten.
    • dem Personal eine national koordinierte und anerkannte Ausbildung ermöglichen.
    • die Stellensuche des Personals im Herbst durch entsprechende Angebote (Stellenplattformen, Stellenvermittlung etc.) unterstützen.
    • festangestellte Personen mit einem Argumentarium dabei unterstützen, vom Arbeitgebenden wiederkehrend für den Alpsommer freigestellt zu werden.
    • die gesellschaftliche Anerkennung der Alparbeit als komplexer und vielfältiger Beruf fördern, indem sie neben spezifischem Fachwissen auch die Entwicklung umfassender Sozial- und Selbstkompetenzen des Alppersonals betont.
    • Vorlagen von Arbeitszeugnissen und andere Dokumente für die Alpverantwortlichen erarbeiten, welche diese beim Personalmanagement auf den Alpen unterstützt.
    • einen Beitrag zur Verbesserung und Vereinheitlichung der Anstellungsbedingungen des Alppersonals leisten, insbesondere des Alp-Lohns.

    Die Sömmerungsbetriebe sollten…

    • einer professionellen Personalführung mehr Gewicht beimessen und sich bzw. ihre Alpverantwortlichen diesbezüglich stärker schulen.
    • die Weiterentwicklung der Wohninfrastruktur und der Ökonomiegebäude nicht vernachlässigen.
    • offen, transparent und lösungsorientiert mit dem Alppersonal kommunizieren. Wertschätzung und Kritik sollen beidseitig in angemessener Form geäussert und angenommen werden, damit Vertrauen in einer angenehmen Arbeitsatmosphäre entstehen kann.
    • gezielter auf die individuelle Situation und die Bedürfnisse des Alppersonals eingehen, d.h. auf die Fähigkeiten und die Erfahrung des Personals, und entsprechend Unterstützung bieten oder Verantwortung übertragen.
    • eine saubere Alp-Dokumentation mit den wichtigsten Informationen zusammenstellen, damit sich neues Personal vorbereiten kann und der Einstieg besser gelingt.
    • das Personal nach Möglichkeit bei der Stellensuche unterstützen und wo nötig eine gewisse Flexibilität in Bezug auf die Alparbeit bieten.

    Fazit

    Insgesamt kann man festhalten: Sowohl die Alpwirtschaft als Ganzes als auch einzelne Alpbetriebe können konkret zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Alppersonal beitragen. Nur durch eine laufende Weiterentwicklung dieser Rahmenbedingungen im Dialog mit den Bedürfnissen des Alppersonals und gesamtgesellschaftlichen Veränderungen bleibt die Alpwirtschaft langfristig ein attraktives Berufsfeld – und das Personal den Alpen treu.

  • Resistente Rebsorten: vielversprechende Weine, die mehr Bekanntheit verdienen

    Resistente Rebsorten: vielversprechende Weine, die mehr Bekanntheit verdienen

    Weine aus resistenten Rebsorten sind in der Schweiz auf dem Vormarsch. Konsumentinnen und Konsumenten stehen ihnen grundsätzlich offen gegenüber. Insbesondere in der Gastronomie liesse sich ihr Potenzial mit klarerer Kommunikation noch stärker nutzen.

    Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Forderung nach einem nachhaltigen Weinbau stellen Rebsorten mit natürlicher Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten eine vielversprechende Alternative dar. Ihre Verbreitung scheint jedoch bislang durch eine noch unzureichende Akzeptanz bei den Konsumentinnen und Konsumenten gebremst zu werden.

    Agroscope hat eine Studie mit drei sich ergänzenden Zielen durchgeführt: Erstens die Bewertung der aktuellen Anbausituation resistenter Rebsorten in der Schweiz, zweitens die Zusammenfassung der neuesten Konsumstudien zu diesen Sorten und drittens die Analyse ihrer aktuellen Präsenz im Angebot der Schweizer Gastronomie.

    Begrenzte Anbauflächen – mit steigender Tendenz

    Die Anbaufläche resistenter Rebsorten beträgt 540 Hektaren und macht damit nur einen geringen Anteil der insgesamt 14 484 Hektaren aus. Sie wächst jedoch kontinuierlich, wobei ihr Anteil in der Deutschschweiz deutlich höher ist als in den übrigen Regionen. Bei den roten Sorten ist Divico in der Schweiz die wichtigste resistente Rebsorte, gefolgt von Cabernet Jura. Im Bereich der weissen Sorten weist Souvignier gris den höchsten Anteil auf, gefolgt von Johanniter.

    Offenheit seitens der Konsumentinnen und Konsumenten

    Eine aktuelle Konsumstudie zur Akzeptanz resistenter Rebsorten identifiziert drei zentrale Einflussfaktoren: die sensorische Qualität der Weine, das allgemeine Weinwissen sowie die Kenntnis resistenter Rebsorten.

    Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Konsumentinnen und Konsumenten diesen Sorten grundsätzlich offen gegenüberstehen und bereit sind, sie in ihre Konsumgewohnheiten zu integrieren.

    Unterstützungsbedarf bei den Gastronomen

    Eine Untersuchung von 450 Speisekarten zeigt, dass die Weine in der Gastronomie bereits präsent sind; dabei spiegelt das Angebot im Wesentlichen die aktuelle Produktionsverteilung wider.

    Die Studie befragte die Gastronomen zu den Gründen, die sie dazu bewegen, die Weine in ihr Angebot aufzunehmen bzw. sie nicht zu integrieren. Die Antworten zeigten eine Vielzahl von Gründen. Mehrere Gastronomen sprachen sich für die Aufnahme dieser Weine aus, da sie ihr Angebot durch nachhaltige Weine diversifizieren möchten. Die Aufnahme neuer Produkte hängt offenbar auch stark vom Angebot der bestehenden Winzer und Lieferanten ab. Diese Abhängigkeit zeigt die Bedeutung einer guten Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Gastronomen, um die Einführung zu erleichtern. Mehrere Fachleute betonten, dass die Einführung der Weine von der tatsächlichen Nachfrage der Verbraucher und den Markttrends abhängt. Einige äusserten auch Vorbehalte hinsichtlich der geschmacklichen Qualität dieser Weine. Schliesslich geben einige Gastronomen an, dass ihnen das Wissen über diese Rebsorten fehlt und sie Unterstützung benötigen, um sie besser zu verstehen und in ihr Sortiment zu integrieren.

    Die Befragung der Gastronomen zu ihren Beweggründen liefert ein differenziertes Bild: Viele Betriebe setzen auf diese Weine, um ihr Sortiment durch nachhaltige Optionen zu diversifizieren. Auffällig ist dabei die starke Abhängigkeit von bestehenden Lieferanten und Winzern. Dies unterstreicht, wie entscheidend eine enge Kommunikation zwischen Produktion und Gastronomie für eine erfolgreiche Markteinführung ist. Während die tatsächliche Marktnachfrage und aktuelle Trends als Haupttreiber genannt werden, bestehen vereinzelt noch Vorbehalte bezüglich der sensorischen Qualität. Zudem wurde ein deutlicher Wissensbedarf deutlich: Viele Gastronomen benötigen gezielte Unterstützung und Informationen zu den Rebsorten, um diese sicher in ihr Angebot integrieren zu können.

    Fazit

    • Der Anbau resistenter Rebsorten ist im Schweizer Weinbau nach wie vor begrenzt, wobei die Deutschschweiz einen gewissen Vorsprung hat.
    • Ein Teil der Konsumentinnen und Konsumenten steht den Weinen relativ offen gegenüber, sowohl was ihre sensorische Akzeptanz als auch ihre Präsenz auf den Speisekarten der Restaurants betrifft.
    • Die Weine sind im Angebot bereits vertreten, aber ihre Verbreitung könnte durch besseres Wissen der für die Weinauswahl verantwortlichen Akteure sowie durch einen besseren Kontakt zwischen Winzern, Lieferanten und Gastronomen verstärkt werden.
    • Generell scheint eine Verbesserung der Kommunikation und der Ausbildung im Zusammenhang mit diesen Rebsorten ein sinnvoller Ansatz zu sein, um ihre Integration in das Schweizer Weinangebot zu unterstützen.
    • Die sensorische Qualität bleibt das zentrale Kriterium, während Umweltargumente bei den Kaufentscheidungen der Verbraucher offenbar erst an zweiter Stelle stehen.
  • Lebensmittelverluste messen: Fokus auf Gemüseproduktion

    Lebensmittelverluste messen: Fokus auf Gemüseproduktion

    Lebensmittelverluste in der Primärproduktion werden kaum erfasst – dabei sind sie entscheidend, um wirksame Reduktionsstrategien entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erarbeiten. Diese Analyse bewertet bestehende Messmethoden mit Fokus auf Gemüse.

    In der Schweiz gehen jedes Jahr rund 37 % der essbaren Lebensmittel verloren. Deshalb verabschiedete der Bundesrat im April 2022 den «Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung», um die Verluste bis 2030 zu halbieren.

    Die grössten Mengen vermeidbarer Lebensmittelverluste fallen bei Gemüse und Kartoffeln an, nämlich 104,3 kg pro Person und Jahr. Aufgrund dieser Mengen verursacht diese Produktgruppe die zweithöchste Umweltbelastung aller Lebensmittelverluste. Ein Drittel dieser Verluste fällt in der Primärproduktion an, z.B. durch Aussortieren von Gemüse, das Grössennormen nicht erfüllt. Zur Quantifizierung dieser Mengen gibt es momentan eine Datenlücke. Es wäre jedoch wichtig, diese Verluste verlässlich zu erfassen, um ein vollständiges Bild der entstehenden Verluste zu erhalten und Reduktionsmassnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erarbeiten.

    Das Ziel dieser Studie ist es, bestehende wissenschaftliche Studien zu Lebensmittelverlusten in der Primärproduktion von Gemüse zu vergleichen und daraus Ansätze für ein Monitoringsystem zur Erfassung dieser Verluste in der Schweiz abzuleiten.

    Lebensmittelverluste verstehen: Studienvergleich und Monitoring-Ansätze

    Für diese Analyse wurden Studien in der Datenbank für wissenschaftliche PublikationenScopus gesucht und eingeschlossen, wenn sie folgende Kriterien erfüllten:

    • Veröffentlichung nach 2015
    • Untersuchen von Verlusten in Europa, Nordamerika oder Ozeanien
    • sowie einen Peer-Review Prozess durchliefen.

    Der Fokus lag auf Studien zu Tomaten, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Salaten. Diese Kulturen wurden gewählt, da sie unterschiedliche Anbaumethoden (Freiland und Gewächshaus) sowie Kulturtypen (Lager- und Fruchtgemüse) abdecken und zu den meistangebauten Gemüsesorten in der Schweiz gehören. Zehn Studien erfüllten die Kriterien, wurden analysiert und miteinander verglichen.

    Grosse Unterschiede in der Erfassung von Lebensmittelverlusten

    Die selektierten Studien verwenden Lebensmittelverlust-Definitionen von unterschiedlichen Institutionen. Die Unterschiede betreffen vor allem:

    • ob Weiterverwendung des Materials (z. B. als Tierfutter) berücksichtigt wird,
    • ob nicht essbare Teile (z. B. Schalen) einbezogen werden,
    • und ob zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Verlusten unterschieden wird.

    Diese Definitionen beeinflussen die Quantifizierung erheblich, da das Ein- oder Ausschliessen bestimmter Materialien die Verlustrate entsprechend höher oder niedriger erscheinen lässt.

    Zudem nutzen die Studien unterschiedliche Messmethoden. Einige erfassen Verluste direkt, durch Wiegen oder Zählen, andere schätzen die Mengen durch Interviews oder Umfragen. Diese Methoden führen zu Daten in verschiedenen Einheiten und mit unterschiedlichen Unsicherheiten.

    Letztlich erfassen die Studien unterschiedliche Gründe für Verluste. Manche betrachten die Gesamtverluste der Betriebe, andere nur vermeidbare oder es werden konkrete Verlustgründe untersucht z.B. Gemüse, das nicht geerntet wurde. Die gemessenen Verluste in den Studien sind somit nicht miteinander vergleichbar.

    Fazit

    • In der Schweiz gibt es eine Datenlücke darüber, wie viele vermeidbare Lebensmittelverluste beim Anbau von Gemüse und Kartoffeln entstehen.
    • Auch auf internationaler Ebene gibt es nur wenige Studien zu diesem Thema. Die existierenden Studien definieren Lebensmittelverluste unterschiedlich, nutzen unterschiedliche Methoden zur Messung und erfassen unterschiedliche Verlustgründe. Dadurch sind deren Ergebnisse nicht miteinander vergleichbar.
    • Es braucht eine Monitoring-Methode in der Schweiz, um die Gemüse- und Kartoffelverluste zu erfassen und ein vollständiges Bild der Lebensmittelverluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erhalten.
    • Zur Erarbeitung einer solchen Monitoring-Methode können existierende Studien Ansatzpunkte zur Messmethode liefern. Diese müssen jedoch unter Einbezug verschiedener Interessengruppen validiert und für den Kontext in der Schweiz angepasst werden.

  • Alternative Futterpflanzen als Zwischenfrucht

    Alternative Futterpflanzen als Zwischenfrucht

    Alternative Futterpflanzen, die mit Trockenheit zurechtkommen, stossen auf wachsendes Interesse. Wie gross ist ihr Potenzial als Zwischenfrucht? Eine Studie von Agroscope zeigt die Vorteile und Grenzen einiger ausgewählter Pflanzen.

    Angesichts immer häufiger auftretender Trockenperioden wächst das Interesse an Futterpflanzen aus tropischen, asiatischen oder mediterranen Regionen. Diese können ihr Wachstum auch in Zeiten starker Wasserknappheit aufrechterhalten.

    Im Jahr 2020 führte Agroscope in Changins (VD) einen Versuch mit rund zwanzig Arten auf Kleinparzellen durch und untersuchte deren Eignung als Sommerzwischenfrucht. Zu den getesteten Arten gehörten sowohl C4-Pflanzen (Grünschnittmais, Sorghum (Futterhirse), Moha, Perlhirse, Teff, Rauhafer, Futterreis als auch Leguminosen (einjährige Luzerne, Blaue Lupine, Sulla, Futterlinse, Sparriger Klee, Kuhbohne, Helmbohne), Guizotia, Tatarischer Buchweizen und Leindotter. Wachstum, Ertrag und Futterqualität wurden untersucht.

    Auflaufgeschweindigkeit und Bodenbedeckung

    Der Versuch wurde am 6. August angelegt und dauerte bis zum 30. September. Während der Wachstumsphase von 55 Tagen waren die Wachstumsbedingungen sehr günstig (ausreichend Niederschlag und viel Wärme). Alle Arten wurden in Reinkultur ausgesät. Die Saatdichte und -tiefe wurden entsprechend dem Tausendkorngewicht der verschiedenen Arten festgelegt.

    Die Auflaufgeschwindigkeit, die Bodenbedeckung und der Gesamteindruck wurden visuell beurteilt. Grünmais, Sorghum, Kuhbohne und Helmbohne keimten in weniger als sechs Tagen, während die Lupine und der Sparrige Klee mehr als 15 Tage benötigten. Die Bodenbedeckung 25 Tage nach der Aussaat war bei mehreren Arten ungenügend, insbesondere bei Futterlinsen, Blauer Lupine, Sulla, Einjähriger Luzerne und Sparrigem Klee. Der Gesamteindruck, der die Wuchskraft, Bestandesdichte und Homogenität der Pflanzendecke umfasst, war bei Moha, Guizotia, Futterreis, Sparrigem Klee und Leindotter gut. 

    Ertrag und Nährwert

    Die Trockensubstanzerträge (TS) fielen je nach Art sehr unterschiedlich aus. Den weitaus höchsten Ertrag erzielte der Grünmais, der mit über 63 dt TS/ha von den günstigen Bedingungen profitierte. Mehrschnittiges Sorghum lieferte 44 dt/ha, gefolgt von tatarischem Buchweizen, Leindotter und Moha mit 32 bis 33 dt/ha. Mehrere Arten, darunter die meisten Leguminosen, erzielten Erträge von weniger als 20 dt/ha. Leider liefern C4-Pflanzen, die zwar viel Biomasse produzieren, rohfaserreiches Futter mit einer mittelmässigen Verdaulichkeit und einem Energiegehalt von weniger als 5,0 MJ NEL (Nettoenergie Laktation) pro kg TS. Mehrere Arten wie Rauhafer, Sulla, Futterreis, Guizotia und tatarischer Buchweizen erzielten hingegen interessante Nährwerte. Leguminosen zeichnen sich durch einen hohen Rohproteingehalt aus. Hervorzuheben ist, dass Helmbohnen in einer Mischung mit mehrschnittigem Sorghum einen guten Ertrag mit qualitativ hochwertigem Futter lieferten. Um das Potenzial der getesteten Arten besser nutzen zu können, wäre es interessant, sie mit bereits bekannten Futterpflanzen zu kombinieren, die einen guten Ertrag, hohe Nährwerte und ein rasches Wachstum aufweisen.

    Fazit

    • In Reinkultur sind die untersuchten Futterpflanzenarten aus tropischen, asiatischen oder mediterranen Regionen grösstenteils nicht als Zwischenfrucht geeignet, sei es aufgrund ihrer geringen Biomasseproduktion, ihrer schlechten Futterqualität oder ihrer zu langsamen Entwicklung.
    • Mehrschnittiges Sorghum ist aus heutiger Sicht die vielversprechendste Art, da sie selbst bei starker Trockenheit interessante Erträge ermöglicht.
    • In Kombination mit Futterpflanzen, deren Eigenschaften bereits bekannt und bewährt sind, könnten wahrscheinlich überzeugendere Ergebnisse erzielt werden, wie beispielsweise mit der Mischung aus Kuhbohnen und Sorghum oder Sorghum und Alexandrinerklee.
  • Wie stabil werden die künftigen Erträge der Kulturen in der Schweiz sein?

    Wie stabil werden die künftigen Erträge der Kulturen in der Schweiz sein?

    Stabile Erträge im Pflanzenbau sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und die Ernährungssicherheit. Modellsimulationen zeigen, dass die Ertragsstabilität vieler Sommerkulturen durch den Klimawandel erheblich abnehmen könnte, während Winterkulturen deutlich weniger betroffen sind.

    Ungünstigen Witterungsbedingungen, insbesondere Trockenheit und Hitze, haben negative Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum. Mit dem Klimawandel treten nachteilige Situationen häufiger auf. Zunehmende Schwankungen der Ernteerträge sind die Folgen. Dies hat Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit des Landes und das Einkommen der Landwirtinnen und Landwirte.

    Selbstversorgungsgrad der Schweiz hängt von stabilen Erträgen ab

    Bei pflanzlichen Produkten liegt der Selbstversorgungsgrad der Schweiz derzeit bei rund 40 %. Das Bevölkerungswachstum und die in der Klima- und Ernährungsstrategie formulierte Notwendigkeit, die Ernährung stärker an der Ernährungspyramide auszurichten, erfordern eine Steigerung der pflanzlichen Produktion. Gleichzeitig ist eine Vergrösserung der landwirtschaftlichen Nutzfläche kaum realisierbar. Um in Zukunft auch bei der Produktion pflanzlicher Erzeugnisse ein Mindestmass an Selbstversorgung zu gewährleisten, sind nicht nur hohe Erträge, sondern auch eine hohe Ertragsstabilität von grundlegender Bedeutung.

    Zukünftige Ernteerträge auf der Grundlage von Schweizer Klimaszenarien modelliert

    In dieser Studie wurden Ernteerträge für eine Fruchtfolge mit Winterweizen, Wintergerste, Mais, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln, Soja, sowie Kunstwiese als Zwischenkultur, mit Hilfe eines Pflanzenwachstumsmodells für das heutige Klima und die Zeit um 2060 simuliert. Die Modellierungen basieren auf den vom National Centre for Climate Services (NCCS) bereitgestellten Klimaszenarien. Berücksichtigt wurden die Anbauregionen des westlichen, zentralen und des östlichen Mittellandes, sowie des östlichen Juras.

    Unterschiedliche Auswirkungen auf Winter- und Sommerkulturen

    Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Pflanzenwachstum unterscheiden sich bei den Sommer- im Vergleich zu Winterkulturen. Höhere Frühlingstemperaturen, ein früherer Beginn der Vegetationsperiode und eine bessere Wasserverfügbarkeit wirken sich positiv auf den Ernteertrag von Winterkulturen aus. Sie profitieren zudem deutlich von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Im Gegensatz dazu sind Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja beim Anbau ohne Bewässerung vom Rückgang der Niederschläge und dem Anstieg der Verdunstungsraten im Sommer betroffen. Jährliche Schwankungen der Sommerniederschläge führen deshalb bei Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja zu einem merkbaren Rückgang der Ertragsstabilität, auch unter Berücksichtigung der positiven Auswirkungen erhöhter CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre.

    Abnehmende Ertragsstabilität vor allem im zentralen Mittelland

    Das zentrale Schweizer Mittelland ist besonders stark von diesem Rückgang betroffen. Simulationsergebnissen zufolge werden die Ertragsschwankungen in dieser Region, ohne Berücksichtigung der positiven Effekte von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, bei Soja über 60 %, bei Mais um über 50 %, bei Kartoffeln um 40 % und bei Zuckerrüben um 25 % zunehmen (Abb. 1). Die Zunahme der Variabilität wird durch den Einfluss des steigenden CO₂-Gehalts gemildert, wird jedoch immer noch über 20 % liegen. Diese Resultate sind eine wichtige Grundlage für weiterführende Analysen zur Wirtschaftlichkeit von Anbausystemen, der Notwendigkeit einer Anpassung von Versicherungsstrategien, und der Gewährleistung der Ernährungssicherheit unter zukünftigen Klimabedingungen.

    Abbildung 1: Veränderung der Ertragsvariabilität bis 2060 (im Vergleich zu heute) für die Sommerkulturen Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Soja (Resultate aus den Simulationen ohne Berücksichtigung der positiven Effekte von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, bezeichnet als cCO2, und unter Berücksichtigung dieser Auswirkungen, bezeichnet als eCO2).

    Fazit

    • Der Rückgang und die grössere jährliche Schwankungsbreite der Sommerniederschläge infolge des Klimawandels wird in Zukunft zu einem spürbaren Rückgang der Ertragsstabilität bei Sommerkulturen führen.
    • Modellsimulationen zeigen, dass das zentrale Schweizer Mittelland die Region ist, die von diesen Veränderungen am stärksten betroffen sein wird.
    • Für Wintergetreide wurde ein geringerer Rückgang der Ertragsstabilität simuliert.
  • Gezielte Beweidung mit Hochlandrindern: weniger Grünerle, mehr Pflanzenvielfalt

    Gezielte Beweidung mit Hochlandrindern: weniger Grünerle, mehr Pflanzenvielfalt

    Eine aktuelle Studie von Agroscope zeigt, dass Hochlandrinder potenziell die Ausbreitung der Grünerle eindämmen und die Pflanzenvielfalt auf Weideflächen wiederherstellen können.

    Die Grünerle (Alnus viridis) ist eine Strauchart, die sich in den Alpwiesen Zentraleuropas ausbreitet – mit negativen ökonomischen und ökologischen Folgen.

    Die gezielte Beweidung mit robusten Rinderrassen kann ihre Ausbreitung eindämmen und zur Wiederherstellung der Weideflächen beitragen. Die langfristige Wirksamkeit dieser Praxis und deren Auswirkungen auf Pflanzenvielfalt und Futterqualität sind jedoch noch nicht erforscht.

    Agroscope führte eine Untersuchung an zwei von A. viridis bewachsenen Alpwiesen durch: Bovonne in der Schweiz und Val Vogna in Italien, wo Hochlandrinder seit 2019 bzw. 2009 eingesetzt werden. Die Wissenschaftler charakterisierten die Veränderungen der Pflanzendecke in den letzten Jahrzehnten anhand von Satellitenbildern und führten Vegetationserhebungen durch, um die Auswirkungen der Hochlandrinder auf die Pflanzenvielfalt und den Weidewert zwischen 2019 und 2024 zu evaluieren. Zudem wurden die Bewegungsmuster der Rinder mithilfe von GPS-Tracking ausgewertet.

    Verbuschung

    Die Langfristbildanalysen zeigen, dass der Grad der Verbuschung nach Einführung der Hochlandrinder an beiden Standorten zurückgegangen ist: in Bovonne von 17 auf 16,3 ha in fünf Jahren (-4 %) und in Val Vogna von 34,6 auf 31,8 ha in 14 Jahren (-8 %).

    Pflanzenvielfalt und Futterqualität

    Gemäss den 2019 und 2024 durchgeführten Vegetationserhebungen hat die durchschnittliche Artenvielfalt in Bovonne von 25,5 (verzeichnete Arten pro 25 m²) auf 32,2 und in Val Vogna von 30,6 auf 32,9 zugenommen. Der Weidewert (Repräsentation von Produktivität und Futterqualität) der offenen Weideflächen in Bovonne hat sich von 12,9 auf 17,7 (Skala von 0 bis 100) verbessert.

    Bewegungen der Tiere

    Die Bewegungsmuster der Tiere zeigen eine Präferenz für Weideland gegenüber Strauchflächen, obwohl die Rinder in Bovonne im Laufe der Zeit zunehmend in den Grünerlenbeständen weideten.

    Fazit

    • Hochlandrinder sind ein wirksames Mittel zur Rückgewinnung der von der Grünerle befallenen Alpwiesen.
    • Die gezielte Beweidung mit Hochlandrindern reduziert die Verbuschung in den betroffenen Gebieten und verbessert die Pflanzenvielfalt und die Futterqualität.
    • Hochlandrinder passen sich allmählich an ihren Lebensraum an und dringen mit der Zeit in Gebiete vor, die von Grünerlen bewachsen sind
  • Strategien zur Reduktion von Stickstoff- und Phosphorverlusten

    Strategien zur Reduktion von Stickstoff- und Phosphorverlusten

    Die landwirtschaftliche Nährstoffbilanzierung der Schweiz anhand der Hoftorbilanz wurde mit Importen aus dem Ausland zu einer Lebensmittelsystembilanz erweitert. Damit lassen sich neben den Nährstoffüberschüssen auch die Selbstversorgung und Zirkularität der Nährstoffnutzung bewerten.

    Die Hoftorbilanz wird verwendet um die Nährstoffflüsse eines Landes, einer Region oder eines Betriebs zu bewerten. In der Schweiz findet sie auch auf nationaler Ebene als Zielindikator der Agrarpolitik Anwendung. Sie erfasst unter anderem die Ein- und Austräge von Stickstoff (N) und Phosphor (P) durch Futtermittel, Dünger, Zukauf und Verkauf von Tieren sowie die landwirtschaftliche Produktion.

    In dieser Studie wurden die Systemgrenzen der Bilanzierung um die Lebensmittelproduktion und um Abfallströme erweitert. Dies beinhaltete somit auch die Einfuhr, den Verbrauch und die Verwertung von Nährstoffen im Ausland. Anhand verschiedener Szenarien wurden Handlungsspielräume und Potentiale zur Reduktion der Verluste diskutiert:

    1. Business as usual (BAU) – wachsende Nachfrage von Lebensmitteln bei konstanter Produktion
    2. Optimiertes Nährstoffmanagement – Methoden der guten landwirtschaftlichen Praxis zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Nährstoffnutzungseffizienz in der Tierhaltung, beim Hofdüngermanagement und der Düngung im Pflanzenbau
    3. Foodwaste-Reduktion – Reduktion von Lebensmittelverlusten in der gesamten Lebensmittelkette als Strategie zur Steigerung der Ressourcennutzungseffizienz und der Selbstversorgung
    4. Kreislauflandwirtschaft – Fokus der pflanzlichen Produktion auf menschliche Ernährung. Nebenprodukte werden als Dünger und Tierfutter genutzt und die Tierhaltung soll vorwiegend. Grasland basiert sein
    5. Kombination – vereint die Strategien Foodwaste-Reduktion, Kreislauflandwirtschaft und optimiertes Nährstoffmanagement

    Die Ergebnisse zeigen, dass der Schweizer Lebensmittelkonsum nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland zu erheblichen Nährstoffüberschüssen führt. Da die Schweiz mehr Futter- und Nahrungsmittel importiert als exportiert, entstehen ausserhalb des Landes mit rund 37’000 Tonnen N und 2’700 Tonnen P etwa 35 % (N) und 66 % (P) zusätzliche Nährstoffüberschüsse zu denen innerhalb der Schweiz.

    Kombination der Strategien mit höchstem Potenzial

    Die drei Strategien – optimiertes Nährstoffmanagement, Kreislauflandwirtschaft mit pflanzenbasierter Ernährung und die Kombination – erwiesen sich mit etwa -30, -18 und -44 % für Stickstoff und -32, -5, -53 % für Phosphor als effektiv zur Senkung der internen Nährstoffüberschüsse im Vergleich zu heute und dem Business as usual. Ausserdem ergibt sich ein verbesserter Selbstversorgungsgrad. Zukünftige Studien könnten gezielt die effizientesten Produktionssysteme ermitteln und so helfen, wirksame Strategien auszuarbeiten und zu begründen.

    Die Umsetzung dieser Strategien ist herausfordernd, insbesondere da die Landwirtschaft ein heterogener Sektor mit unterschiedlichen Betriebsarten und -grössen, geografischen, sozio-ökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen ist. Zudem beeinflussen externe Faktoren (z.B. Dünger- und Futterpreise) die Machbarkeit einzelner und kombinierter Massnahmen.

    Während technische und sehr konkrete Massnehmen wie die Abdeckung von Güllelagern oder die Optimierung der Düngung relativ schnell umgesetzt werden können, benötigen strategische Veränderungen von Sektoren wie die Umstellung von Anbau- und Haltesystemen oder sogar die Umstellung der Ernährung der Bevölkerung mehr Zeit. Dies gilt es für die Auswahl, Priorisierung und Kombination von Massnahmen zu berücksichtigen.

    Fazit

    • Das Modell der Hoftorbilanz wurde um die Nährstoffüberschüsse der importierten Futter- und Nahrungsmittel und Indikatoren zur Nährstoffeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Selbstversorgung erweitert.
    • Mit dem Modell wurden die Auswirkungen verschiedener Entwicklungsszenarien auf die Nährstoffüberschüsse im In- und Ausland vereinfacht verglichen.
    • Höchstes Potenzial zur Reduzierung der Nährstoffverluste zeigte sich bei einer Kombination von Strategien (Optimierung des Nährstoffmanagements, Reduktion von Lebensmittelabfällen und Kreislauf-orientierte Landwirtschaft).
    • Die Bilanzierung mit erweiterten Dimensionen von der Produktion bis zum Konsum kann helfen, essenzielle Grundlagen für politische Entscheidungsprozesse bereitzustellen.
  • Unterbodenverdichtung bei Direktsaat vermeiden

    Unterbodenverdichtung bei Direktsaat vermeiden

    Auf direktgesäten Flächen kann es mit den Jahren zu Ertragsverlusten kommen. Forschende von Agroscope und den Universitäten von Graz und Nevada konnten aufzeigen, wie Unterbodenverdichtungen zu Ertragsverlusten führen können.

    Direktsaat ist nebst dauerhafter Bodenbedeckung und einer ausgewogenen Fruchtfolge eine der wichtigsten Ansätze für eine konservierende Landwirtschaft. Diese minimalinvasive Form des Ackerbaus wird weltweit auf etwa 15 % der Ackerflächen praktiziert und bietet ökologische und ökonomische Vorteile wie geringeren Energieverbrauch und weniger Bodenerosion.

    Ertragsverluste und Unterbodenverdichtung

    Trotz dieser Vorteile zeigen globale Meta-Studien, dass es zu anhaltenden Ertragsverlusten kommen kann, insbesondere bei Mais, und dies auch noch Jahrzehnte nach der Umstellung auf Direktsaat. Forschende von Agroscope und den Universitäten von Graz und Nevada ermittelten eine mögliche Ursache dafür: Unterbodenverdichtung. Diese wird in erster Linie durch den Einsatz von schweren Landmaschinen bei feuchten Bodenbedingungen verursacht.

    Doch was sind die Gründe? Diese Verdichtung summiert sich gemäss der Studie, wenn die Häufigkeit von Belastungen höher ist als die natürliche Regenerationsrate des Bodens. Dabei führt die Bodenverdichtung zu verminderter Durchwurzelbarkeit, schlechterem Wasser- und Nährstoffzugang sowie langfristigen Bodenfunktionsverlusten.

    Relevanz weltweit und für die Schweiz

    Die Forschenden schätzen, dass ungefähr 40 % der weltweiten, direktgesäten Flächen, also etwa 0,8 Mio. km², einem erhöhten Bodenverdichtungsrisiko ausgesetzt sind. Direktsaat wird in Nordamerika, Südamerika und Australien auf grosser Skala praktiziert. In Europa ist der Anteil an direktgesäter Flächen bisher gering. Nur etwa 5 % der Ackerfläche werden konsequent ohne mechanische Bearbeitung bewirtschaftet. Bodenverdichtung ist jedoch in allen Bewirtschaftungssystemen ein grosses Problem. Auch in der Schweiz werden leistungsstarke und schwere Maschinen eingesetzt. Zudem besteht bei feuchten Böden in gemässigten Regionen wie der Schweiz von Natur aus eine erhöhte Verdichtungsanfälligkeit. Demzufolge können die Resultate der Studie allgemein für die landwirtschaftliche Praxis von Nutzen sein, da Unterbodenverdichtungen auch bei den meissten Bewirtschaftunsformen in der Schweiz vorkommen können.

    Agroscope forscht für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz

    Agroscope hat zusammen mit nationalen und internationalen Partnern das Online-Tool Terranimo für die Praxis entwickelt, um solche Bodenverdichtungen wann immer möglich zu vermeiden. Agroscope führt derzeit zwei langjährige Feldversuche durch, bei denen die Regenerationsfähigkeit des Boden sowei verschiedene Massnahmen zur Unterbodenlockerung untersucht werden. Ebenso sind Agroscope Forschende verschiedener Disziplinen an einem Europäischen Verbundprojekt beteiligt, das die Bedeutung und Funktionen des Unterbodens für die Landwirtschaft untersucht.

    Fazit

    • Auch wenn die Schweiz derzeit nur einen kleinen Anteil an direktgesäten Flächen hat, ist das Risiko der Unterbodenverdichtung für alle Bewirtschaftungsformen ein relevantes Thema.
    • Ansätze zur Risikominderung sollten frühzeitig integriert werden, um die Vorteile der konservierenden Landwirtschaft nicht zu gefährden. Hierfür stellt Agroscope mit dem Online-Tool Terranimo eine Entscheidungshilfe bereit.
    • Grundlegend wichtig ist es dass das Maschinengewicht und die Radlasten an die Tragfähigkeit des Bodens angepasst werden. Der Einsatz von leichteren oder autonomen Maschinen eröffnet hier in Zukunft neue Möglichkeiten.
    • Ausserdem hilft ein Monitoring von Bodenverdichtung, dass man frühzeitig gezielte Lockerungsmassnahmen durchführen kann.
  • Weissklee und Wiesenrispengras: Vier Neuempfehlungen

    Weissklee und Wiesenrispengras: Vier Neuempfehlungen

    Der Weissklee und das Wiesenrispengras tragen in leistungsfähigen Futterbaumischungen wesentlich zur Ausdauer und Weidefähigkeit bei. Agroscope kann aufgrund der Sortenversuche 2022 bis 2024 für beide Arten je zwei Sorten neu empfehlen.

    Der Weissklee (Trifolium repens L.) ist die Futterleguminose für eine dauerhaft intensive Nutzung. Dank Ausläufern ist er trittfest und bestens weidetauglich. Grasbestände mit Weissklee haben eine bessere Futterqualität und Schmackhaftigkeit. Da er Luftstickstoff bindet, vermindert er zudem den Bedarf an Stickstoffdünger. Es gibt Weissklee-Sorten, die im Pansen viel Blausäure freisetzen können, was die Tiergesundheit beeinträchtigen kann. Deshalb wird dieser Eigenschaft bei der Sortenprüfung besonderes Augenmerk geschenkt.

    Ebenso intensiv nutzbar wie der Weissklee ist das Wiesenrispengras (Poa pratensis L.). Auch dieses hat Ausläufer, die einen dichten, trittfähigen Bestand bilden, und ist folglich ebenfalls für längerdauernde Mischungen, insbesondere für Weiden geeignet. Leider ist die Jugendentwicklung des Wiesenrispengrases zögerlich, weshalb es erst nach einiger Zeit seine Aufgabe im Bestand erfüllen kann. Um das Potenzial nutzen zu können, sind bei beiden Arten ertragreiche, konkurrenzfähige und robuste Sorten gefragt, die gegen Krankheiten möglichst resistent sind.

    28 Sorten im Feld geprüft

    Von 2022 bis 2024 prüfte Agroscope an fünf Standorten im Mittelland und zwei in höheren Lagen, ob sich zehn Neuzüchtungen und neun empfohlene Sorten von Weissklee für den Futterbau unter Schweizer Bedingungen eignen. Beim Wiesenrispengras wurden sieben Neuzüchtungen und zwei empfohlene Sorten an vier Standorten im Mittelland und einem in höheren Lagen getestet. Beurteilt wurden dabei Jugendentwicklung, Ertrag, Beschaffenheit des Pflanzenbestandes, Resistenzen gegen Blattkrankheiten, Toleranz gegen Wintereinflüsse, Ausdauer, Anbaueignung für höhere Lagen und beim Wiesenrispengras die Verdaulichkeit des Futters beziehungsweise beim Weissklee die Freisetzung von Blausäure.

    Vier Neuempfehlungen

    Die Weisskleesorten «Melital» aus Belgien und «Minona» aus Schweizer Züchtung werden neu empfohlen. Sie glänzen mit hohen Erträgen und einer hervorragenden Toleranz gegen Wintereinflüsse. «Melital» besticht zudem mit ausgezeichneten Resistenzen gegen Blattkrankheiten, während «Minona» in der Jugendentwicklung und in der Anbaueignung für höhere Lagen überzeugt. Beide Sorten sind vom klein- bis mittelblättrigen Typ.

    Neu empfohlen werden auch die Wiesenrispengräser «Sextonis» und «Sialis», beide aus Schweizer Züchtung. «Sextonis» zeichnet sich im Ertrag, der Konkurrenzkraft und der Toleranz gegen Wintereinflüsse aus, «Sialis» in der Verdaulichkeit. Beide Sorten beeindrucken zudem mit guten Resistenzen gegen Blattkrankheiten und einer bemerkenswerten Ausdauer. Alle vier Neuempfehlungen verbessern das empfohlene Sortiment wesentlich.

    Eine Streichung

    Die bis anhin empfohlenen Weisskleesorte «Rabbani» verliert auf Grund ihrer ungenügenden Leistungen ihre Empfehlung. Sie darf deshalb nur noch bis Ende 2027 als empfohlene Sorten verwendet werden.

    Sortenempfehlungen von Agroscope

    Agroscope prüft regelmässig Sorten verschiedener Futterpflanzen, um der Schweizer Landwirtschaft aktuelle, verlässliche Sortenempfehlungen bereitzustellen. Die alle zwei Jahre veröffentlichte «Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen» bildet die Grundlage für die Entwicklung bester Samenmischungen und ist ein unerlässlicher Ratgeber für die Saatgutbranche der Schweiz.

    Fazit

    • Weissklee und Wiesenrispengras gewährleisten in leistungsfähigen Futterbaumischungen für längere Dauer dichte, trittfeste und ausdauernde Bestände.
    • Agroscope hat zwischen 2022 und 2024 insgesamt 19 Sorten Weissklee und neun Sorten Wiesenrispengras geprüft.
    • Vier Neuzüchtungen, die Weisskleesorten «Melital» und «Minona» sowie die Wiesenrispengräser «Sextonis» und «Sialis», werden neu empfohlen.
    • Die bereits empfohlene Weisskleesorte «Rabbani» wird von der Sortenliste gestrichen.
    • Die Qualität der Sortenangebote von Weissklee und Wiesenrispengras wird durch die Neuempfehlungen weiter verbessert.

  • Reduktion der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Most durch Pflanzenfasern

    Reduktion der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Most durch Pflanzenfasern

    Durch Pflanzenfasern können Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in weissem Most um bis zu 80 % reduziert werden. Diese Wirkung ist bei rotem Most geringer. Diese Methode kann als Ergänzung zu einem angemessenen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden.

    An der Versuchsstation Weinbau und Önologie (Kanton VS) wurde eine Studie durchgeführt, in der die Wirksamkeit von Pflanzenfasern (PF) und Bentoniten (B) zur Reduktion der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (PSM) in Most von Petite Arvine und Syrah bewertet wurde. Der Versuch erfolgte sowohl im Labor als auch im Weinkeller und betraf die Jahrgänge 2022 und 2023. Je nach PSM wurde im Labor eine Reduktion der Rückstände um 33 bis 96 % erreicht, während Bentonit keinen nennenswerten Effekt hatte. Die Kombination der Fasern mit Bentonit brachte keine zusätzliche Verbesserung. Die Fermentationskinetik blieb im Grossen und Ganzen gleich, auch wenn bei Bentonit eine Verlangsamung zu beobachten war.

    Bestätigte Wirksamkeit von Pflanzenfasern bei weissem Most in der Kellerei

    Die Untersuchung der Wirksamkeit bei Most aus weissen Trauben im Jahr 2022 im Weinkeller ergab, dass die Rückstände allein durch das Vorklären um etwa 20 % reduziert werden können. Der Zusatz von Fasern verbessert die Wirksamkeit deutlich (Reduktion von Boscalid um bis zu 85 %) oder ermöglicht die vollständige Entfernung bestimmter Rückstände (Mandipropamid, Cyazofamid) ohne nachweisbare sensorische Veränderungen. Im Jahr 2023 konnten mit den Fasern alle messbaren Rückstände vollständig entfernt werden. Bentonit war bei allen getesteten Bedingungen unwirksam (Abb. A).

    Abbildung A: Reduktion von Pflanzenschutzmittel-Rückständen in Most aus weissen Trauben (Arvine) nach dem Vorklären. Kontrolle: unbehandelter Most; PF: Pflanzenfasern; B: Bentonit; M: Verwendung des Statikmischers Dynawine.

    Geringere Effizienz von Pflanzenfasern bei rotem Most im Weinkeller

    Bei Most aus roten Trauben reduziert die Fermentation die Rückstände bereits um 40-100 %, wodurch die Wirkung der Fasern begrenzt ist. Die Ergebnisse variieren zwischen den verschiedenen Jahrgängen: Im Jahr 2022 war die Wirkung gering (Boscalid) und im Jahr 2023 wurde keine Wirkung festgestellt. Ausserdem wurden sensorische Unterschiede und Veränderungen bei bestimmten Parametern (Ende der malolaktischen Gärung, Anthocyan-Gehalt) beobachtet. Die Anwendung von Pflanzenfasern während der Vorklärung von Most weisser Trauben erwies sich also als wirksam. Sie lässt sich leicht in die Weinbereitung integrieren, insbesondere in Jahrgängen mit hohem und spätem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Bei Most roter Trauben wird die direkte Anwendung nicht empfohlen; eine Anwendung beim fertigen, gefilterten Wein ist sinnvoller. Diese Methode stellt ein ergänzendes Instrument zu einem angemessenen Einsatz von PSM im Rebberg dar, ohne diese zu ersetzen.

    Fazit

    • Pflanzenfasern, die bei der Klärung von Most weisser Trauben verwendet werden, reduzieren wirkungsvoll die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Bei Most roter Trauben sind sie dagegen nicht wirksam und können sogar die sensorische Wahrnehmung verändern.
    • Ihr Einsatz ist vor allem nach vielen und späten PSM-Behandlungen (insbesondere nach der Beerenreife) sinnvoll.
    • Die Reduktion der PSM-Rückstände im Weinkeller ist aber kein Ersatz für den gezielten und zurückhaltenden Einsatz von PSM im Rebberg.
  • Bilanz der Plattform VITISWISS zu 2019–2021: Tiefe Rückstände in Schweizer Weinen

    Bilanz der Plattform VITISWISS zu 2019–2021: Tiefe Rückstände in Schweizer Weinen

    Die Analyse von 451 Schweizer Weinen im Rahmen der nationalen Plattform VITISWISS zur Überwachung von Rückständen von Pflanzenschutzmitteln ergab insgesamt ein hohes Qualitätsniveau mit nur zwei Fällen von Nichtkonformität.

    Um den Schweizer Produzenten die Qualität ihrer Weine hinsichtlich von Rückständen an Pflanzenschutzmitteln (PSM) zu gewährleisten und zur Suche nach Lösungen zu deren Begrenzung beizutragen, hat VITISWISS, der Schweizerische Verband für eine nachhaltige Entwicklung im Weinbau, 2019 beschlossen, zusammen mit institutionellen und beruflichen Partnern eine nationale Plattform zur Überwachung der PSM-Rückstände einzurichten. Die Plattform bietet ein zentralisiertes und einheitliches Verfahren zur Analyse der Weine. Im Zeitraum 2019 bis 2021 wurden 160 Wirkstoffe und Metaboliten untersucht, darunter 37 Herbizide, 50 Insektizide und 73 Fungizide.

    Die Weine erfüllen die gesetzlichen Kriterien

    Von den insgesamt 451 analysierten Flaschen aus biologischem Anbau oder integrierter Produktion (IP) erfüllten 449 die gesetzlichen Anforderungen (99,6 %). Nur zwei Weine, d. h. 0,4 % der Proben, wurden für nicht konform erklärt, weil zwei in der Schweiz für den Rebbau nicht zugelassene Produkte nachgewiesen werden konnten. Insgesamt wurden 26 weitere zugelassene Wirkstoffe oder Metaboliten mit Werten über der normalen Gebrauchsbestimmungsgrenze von 0,01 mg/l nachgewiesen. Durchschnittlich sind die für die verschiedenen Produkte gemessenen Rückstände fast 30-mal niedriger als die gesetzlichen Grenzwerte. Bei den Analysen wurden 19 weitere Moleküle in Spurenmengen unterhalb der Gebrauchsbestimmungsgrenze identifiziert.

    Die durchschnittliche Anzahl der Rückstände variiert zwischen 1,2 für Bio-Weine und 3,1 für IP-Weine (Abb. 1). Ohne Berücksichtigung von Phosphorsäure und Phthalimiden, deren Vorkommen in Weinen nicht unbedingt mit PSM-Behandlungen verbunden ist, sanken die Durchschnittswerte erheblich: Bio-Weine waren nahezu rückstandsfrei und IP-Weine wiesen im Durchschnitt nur noch 1,4 Rückstände auf.

    Abbildung 1: Durchschnittliche Anzahl Rückstände > Gebrauchsbestimmungsgrenze Standardabweichungen, Minimal- und Maximalwerte (min.-max.) je nach Behandlungsprogramm. BIO:  235 analysierte Weine; IP: 189 analysierte Weine.

    Fungizide im Fokus

    Bei der überwiegenden Mehrheit der Rückstände handelt es sich um Fungizide oder deren Metaboliten. Zu den identifizierten Wirkstoffen zählen sieben Wirkstoffe gegen Botrytis (Fenhexamid, Boscalid, Cyprodinil, Fludioxonil, Fenpyrazamin, Carbendazim und Thiophanat-Methyl), sieben Wirkstoffe gegen den Falschen Mehltau (Fosetyl-Al, Iprovalicarb, Mandipropamid, Metalaxyl, Dimethomorph, Azoxystrobin und Ametoctradin) und vier Wirkstoffe gegen den Echten Mehltau (Fenpropidin, Fluxapyroxad, Fluopyram und Spiroxamin). In den analysierten Proben wurden keine Spuren von Akariziden festgestellt. Daneben enthielten 98 % der Weine keine Spuren von Insektiziden über dem Gebrauchsbestimmungsgrenze und 99,3 % waren frei von Herbizidrückständen.

    Fazit

    • Die Ergebnisse zeigen, dass 99,6 % der analysierten Schweizer Weine den gesetzlichen Kriterien entsprechen und dass die festgestellten Rückstände deutlich unter den gesetzlich zulässigen Höchstgrenzen liegen.
    • In Weinen aus biologischem Anbau ist die Anzahl der Rückstände geringer als in Weinen aus der Integrierten Produktion.
    • Fungizide werden am häufigsten in den Weinen nachgewiesen, während Akarizide, Insektizide und Herbizide nur sehr selten festgestellt wurden.
  • Bewertung der Stickstoffversorgung von Chasselas, von der Rebe bis in die Weinkellerei, im Kanton Waadt

    Bewertung der Stickstoffversorgung von Chasselas, von der Rebe bis in die Weinkellerei, im Kanton Waadt

    Eine im Kanton Waadt durchgeführte Umfrage zu Chasselas ergab für die Jahrgänge 2022-2023 häufigen Stickstoffmangel im Weinberg trotz Düngung des Bodens. Nur ein Drittel der befragten Personen misst den assimilierbaren Stickstoff im Most.

    Im Weinbau ist die Steuerung der Stickstoffversorgung der Reben von grundlegender Bedeutung, da sie wesentlich zur Produktion von qualitativ hochwertigen Trauben und Weinen beiträgt. Im Rahmen dieser Studie wurde den Weinbauern im Kanton Waadt ein Fragebogen vorgelegt, mit dem Daten zum Management der Stickstoffversorgung bei der Rebsorte Chasselas in den Jahrgängen 2022, 2023 und 2024 sowohl im Weinberg als auch in der Kellerei gesammelt wurden.

    Stickstoffmangelsymptome in bestimmten Jahrgängen

    Stickstoffmangelsymptome bei Chasselas wurden von 56 % der Befragten im Jahr 2022 und von 50 % im Jahr 2023 beobachtet (Jahrgänge mit aussergewöhnlich viel Sonnenschein und hohen Temperaturen im Sommer). Im Jahr 2024 (einem Jahr mit vielen Regenfällen) wurden diese Symptome hingegen nicht beobachtet (Abbildung 1).

    Abbildung 1: Prozentualer Anteil der Befragten, die Stickstoffmangelsymptome im Weinberg beobachteten, nach Jahrgängen: 2022 (56 % ja und 44 % nein); 2023 (50 % ja und 50 % nein); 2024 (12 % ja und 88 % nein).

    Die Bodendüngung ist die am weitesten verbreitete Stickstoffdüngung

    Die Stickstoffdüngung im Weinberg variiert zwischen den einzelnen Jahrgängen kaum. Im Allgemeinen ist das Ausbringen von Stickstoffdünger in den Boden die am weitesten verbreitete Düngungspraxis der Winzerinnen und Winzer im Kanton Waadt (mit Prozentsätzen zwischen 55 % und 60 % je nach Jahrgang), während die Blattdüngung nur sehr selten praktiziert wird. Ein ähnlicher Trend wurde bereits im Wallis beobachtet, wo eine Umfrage zum Jahrgang 2022 ergeben hatte, dass 89 % der Befragten keinen Stickstoff über Blattdüngung einbringen. Die Blattdüngung ist jedoch eine wichtige Praxis für den Weinbau, da sie die Nährstoffaufnahme optimiert, wobei sie die Stickstoffversorgung der Beeren sicherstellt, ohne die Wuchskraft der Reben zu beeinflussen. Tatsächlich entspricht eine Konzentration an assimilierbarem Stickstoff (YAN) von weniger als 140 mg/l bereits einer mässigen Mangelsituation bei der Weinbereitung mit weissem Most.

    Verlangsamung am Ende der alkoholischen Gärung und Variabilität der verwendeten Hefen

    In der Weinkellerei haben 27 % der Befragten im Jahr 2022 den assimilierbaren Stickstoff im Chasselas-Most gemessen, 2023 und 2024 dann 33 % (Abbildung 2A), wobei die YAN-Werte zwischen 62 und 182 mg/l lagen. Die Mehrheit der Produzenten beobachtete keine signifikante Verlangsamung der alkoholischen Gärung (AF) (Abbildung 2B). Einige berichteten jedoch von einer Verlangsamung oder sogar einem Stillstand am Ende der AF, wobei es teilweise Schwierigkeiten mit dem Abschluss des Fermentationsprozesses gab. Diese Verlangsamung dürfte mit den Restzuckern zusammenhängen, die von den Hefen nicht verwertet wurden. Es wurden insgesamt 32 Stämme von aktiven Trockenhefen eingesetzt, wobei mehrere Befragte Trockenhefen mit niedrigem Stickstoffbedarf (LNR) gegenüber Stämmen mit hohem Stickstoffbedarf (HNR) bevorzugten. Gegenwärtig werden die von den Produzenten verwendeten Hefen untersucht und ihre Fermentationseffizienz bei verschiedenen Konzentrationen von assimilierbarem Stickstoff bewertet. Ziel ist die Erstellung technische Datenblätter, die bei stickstoffarmen Jahrgängen mikrobiologische Alternativen zu önologischen Inputs aufzeigen.

    Schliesslich ist die Temperaturkontrolle eine Praxis, die von 42 % der Befragten zur Behebung einer Verlangsamung eingesetzt wird. Dabei verfügen 94 % der Weinkellereien über ein System zur Temperaturkontrolle. Die Belüftung (39 %) und die Zugabe von Hefesatz oder Nährstoffen (19 %) sind weitere angewendete Praktiken.

    Abbildung 2: (A) Befragte, die in Most von Chasselas Messungen zum assimilierbaren Stickstoff für die Jahrgänge 2022, 2023 und 2024 durchführten. (B) Verlangsamung / Stillstand der alkoholischen Gärung bei Chasselas in Prozent in den Jahrgängen 2022, 2023 und 2024.

    Fazit

    • Die Symptome eines Stickstoffmangels bei Weinreben sind abhängig vom Jahrgang und treten in heissen und trockenen Jahren häufiger auf. Ausserdem ist ein Stickstoffmangel im Most von Chasselas sehr häufig.
    • Im Kanton Waadt wird Stickstoffdünger von den Winzerinnen und Winzern häufig in den Boden ausgebracht und die Blattdüngung wird sehr selten angewendet.
    • Die Messung des assimilierbaren Stickstoffs im Most ist bei den Produzenten noch immer eine wenig verbreitete Praxis, obwohl sie wichtige Hinweise für die Steuerung der alkoholischen Gärung liefert, und sich dadurch eine Verlangsamung oder ein Stillstand der Gärung vermeiden lässt.
  • Wie die Lebensdauer von Milchkühen die Wirtschaftlichkeit beeinflusst

    Wie die Lebensdauer von Milchkühen die Wirtschaftlichkeit beeinflusst

    Eine Studie beleuchtet die ökonomischen Treiber der optimalen Nutzungsdauer von Milchkühen in zwei Schweizer Produktionssystemen.

    Wenn eine gesunde Milchkuh regelmässig abkalbt und mehr als 6000 kg Milch pro Jahr gibt, wird das wirtschaftliche Optimum erst bei über neun Laktationen erreicht. Aber Kühe werden im Durchschnitt viel früher ersetzt. Die mittlere Nutzungsdauer in Schweizer Milchkuhherden beträgt nämlich meist deutlich weniger als vier Laktationen. Ein Grossteil der Kühe verschwindet bereits während der ersten zwei Laktationen. Dafür verantwortlich sind in erster Linie gesundheitliche Störungen und Fruchtbarkeitsprobleme sowie Befürchtungen vor wirtschaftlichen Verlusten.

    Steiler Einkommensanstieg bis zur vierten Laktation

    Auf der Basis von über 9700 Herdebuchkühen, welche zehn Laktationen produziert haben, zeigt eine aktuelle Agroscope-Studie, dass die Milchleistung im Durchschnitt in der vierten Laktation den Höhepunkt erreichte und dieses Niveau mehr oder weniger bis zur neunten Laktation durchgehalten wurde. In einem bioökonomischen Modell wurden die Buchhaltungsdaten von zwei Betriebsgruppen mit unterschiedlichem Milchleistungsniveau – 110 Betriebe mit durchschnittlich 6194 kg Jahresleistung pro Kuh (C_low) und 79 Betriebe mit 9338 kg Jahresleistung pro Kuh (C_high) – mit den Daten der Herdebuchkühe verknüpft. Das Ziel: herauszufinden, in welcher Laktation ein Ersatz der bestehenden Altkuh durch eine Jungkuh wirtschaftlich sinnvoll ist. Die Ergebnisse zeigen, dass von der ersten bis zur vierten Laktation die Einkommen besonders stark, ab der fünften Laktation hingegen immer schwächer ansteigen.

    Einkommenspotential bis 800.- Fr. pro Kuh

    Basierend auf den Herdebuchdaten lag für C_low die mittlere Nutzungsdauer im Status Quo bei 3.6 Jahren, während es bei C_high nur 2.9 Jahre waren. Wenn vorzeitige Ausmerzungen von Kühen ökonomisch begründet sind, würde dies faktisch einem Produktionsausfall von jährlich drei bis vier Monaten entsprechen (Verlusterwartung 25 bis 33 %), sofern die ausgemerzten Kühe weiter leben würden. Bei C_low geht dabei ein Einkommen von über Fr. 400.-, bei C_high gar über Fr. 800.-. pro Kuh und Jahr verloren im Vergleich zu einer «störungsfreien» Kuh.

    Aufzuchtkosten und Schlachtkuhpreise bestimmen Nutzungsdauer

    Ein wesenticher Treiber für die Nutzungsdauer von Milchkühen sind die Aufzuchtkosten, die zwischen 2300 und 5000 Fr. pro Rind variieren. So kann der optimale Ersatzzeitpunkt einer Altkuh bei einem leidenschaftlichen Züchter viel früher sein, weil dieser seine eigene Arbeit für die Aufzucht gering oder gar nicht bewertet. Ein frühes Ausscheiden wird zudem von hohen Schlachtkuhpreisen begünstigt. Umgekehrt kann es bei einer vollen (und korrekten) Bewertung der eigenen Arbeitszeit wirtschaftlich sinnvoll sein, je nach Standort und Aufzuchtdauer die Kuh bis zu vier Jahre länger zu nutzen.

    Dagegen ist die Rolle des züchterischen Fortschritts auf eine Verkürzung der optimalen Nutzungsdauer gering.

    Leistungssicherheit vor Leistungssteigerung

    Herden mit Altersstrukturen, welche eine mittlere Nutzungsdauer von vier Jahren bei Hochleistungskühen bzw. sechs Jahren bei niederleistenden Kühen erreichen, ermöglichen im Vergleich zum Status Quo eine jährliche Einkommenssteigerung von 10 bis 15 %. Voraussetzung hierfür ist, dass einer stabilen Jahresleistung mit regelmässigen Abkalbungen (Leistungssicherheit) mehr Beachtung geschenkt wird.

    Abbildung: Entwicklung des erwarteten Einkommens für die Kuh “C_high” in den jeweiligen Nutzungsjahren bei unterschiedlichen Risikoszenarien. Die Milchleistung der überlebenden Kühe (0 % Verlust) ist mit den potentiellen Milchproduktionsausfällen (10-50 %) der ausgemerzten Kühe in jedem Produktionsjahr gemittelt. Bei 33 % (vier Monate Produktionsausfall) ergibt sich das wirtschaftliche Optimum bei drei Laktationen.

    Fazit

    • Gemäss den Modellberechnungen kann eine realistische Verlängerung der Nutzungsdauer von Milchkühen die Rentabilität der Milchproduktion um 10 bis 15 % steigern.
    • Die Verluste durch Produktionsausfälle sind bei Hochleistungskühen besonders gross, so dass Kühe mit niederen Leistungen schnell mal wirtschaftlicher sind, falls diese infolge besserer Fitness deutlich länger genutzt werden.
    • «Störungsfreie» Kühe mit hoher Leistungssicherheit sind meist unauffällig und sollten nicht vorschnell ausgemustert werden, auch wenn Ersatztiere höhere Leistungen versprechen.
    • Für mehr Leistungssicherheit in der Milchprodukton ist es sinnvoll, wenn Betriebe Milchleistungen definieren, die an den Standort und an die Betreuungsqualität des Betriebes angepasst sind.
  • Auswirkung von Nützlingsstreifen auf Blattlausräuber im Zuckerrübenanbau

    Auswirkung von Nützlingsstreifen auf Blattlausräuber im Zuckerrübenanbau

    Einjährigen Nützlingsstreifen Winterkultur oder mehrjährige Nützlingsstreifen begünstigen die Gegenspieler der Blattläuse, welche die viröse Vergilbung, eine für Zuckerrüben folgenschwere Krankheit, übertragen. Die Auswirkungen der Nützlingsstreifen auf Blattlausräuber variieren je nach der botanischen Zusammensetzung, dem Saatzeitpunkt und den umgebenden Landschaftselementen.

    Bei der biologischen Schädlingsbekämpfung wird gezielt die Anzahl natürlicher Feinde von Schädlingen erhöht, um den Einsatz chemischer Pestizide zu reduzieren. Dabei wurde der Nutzen von Nützlingsstreifen in unterschiedlichen Kulturen nachgewiesen. Trotz der Problematik von Pfirsichblattläusen (Myzus persicae) und Bohnenblattläusen (Aphis fabae) als Hauptvektoren viröser Vergilbung gibt es im Zuckerrübenanbau bislang nur wenig Forschung. Ziel der Agroscope-Studie war es, den am besten geeigneten Nützlingsstreifen-Typ für den Zuckerrübenanbau zu identifizieren. Dazu wurden das Blütenangebot und die Blütenzusammensetzung im Frühling erfasst, die Abundanz und Zusammensetzung von Blattlausräubern in den verschiedenen Streifen-Typen quantifiziert und der Einfluss landschaftlicher Elemente auf deren Vorkommen analysiert.

    Dazu wurden drei verschiedene Nützlingsstreifen-Typen auf je zehn ohne Insektizid bewirtschafteten Zuckerrübenfeldern ausgesät. Diese wurden mit Zuckerrübenstreifen verglichen, die mit oder ohne Insektizide bewirtschaftet wurden, wobei diese beiden Verfahren als Kontrollen dienten.

    Überwinternde Nützlingsstreifen sind für Blattlausantagonisten vorteilhaft

    Zahlreiche Blattlausräuber sind auf Blüten angewiesen, um ihre Populationen zu erhalten. Besonders im Zuckerrübenanbau spielen früh blühende Pflanzen eine wesentliche Rolle, damit auch die Gegenspieler frühzeitig präsent sind. Früh blühende Pflanzen waren in den mehrjährigen Nützlingsstreifen und in den einjährigen Nützlingsstreifen Winterkultur vorhanden, kamen aber in den einjährigen Nützlingsstreifen Sommerkultur nicht vor. Die Blattlausräuber waren in den beiden erstgenannten Nützlingsstreifen-Typen auch häufiger anzutreffen als in den einjährigen Nützlingsstreifen Sommerkultur und den Kontrollstreifen – ein Hinweis auf die Korrelation von Blumenverfügbarkeit und Vorkommen von Blattlausräubern.

    Unterschiedliche Schwebfliegen-Gemeinschaften

    Die Zusammensetzung der Blattlausräuber unterschied sich insgesamt nicht signifikant zwischen einjährigen Nützlingsstreifen Winterkultur und mehrjährigen Nützlingsstreifen. Bei den Schwebfliegen-Gemeinschaften zeigten sich deutlichere Unterschiede zwischen den beiden Nützlingsstreifen-Typen, was vermutlich auf das unterschiedliche Blütenangebot zurückzuführen ist.

    Uneinheitliche Reaktion der Gegenspieler auf Landschaftselemente

    Die Wald- und Blühelemente hatten keinen Einfluss auf die Gesamtzahl der Blattlausräuber. Bei genauerer Betrachtung bestimmter Gegenspieler-Gruppen zeigt sich jedoch, dass parasitäre Wespen der Familie Braconidae in einem Umkreis von 500 m positiv mit Waldanteil korrelierten, während Schwebfliegen in einem Umkreis von 2000 m in einer negativen Korrelation mit dem Wald standen.

    Fazit

    • Ein Schlüsselfaktor für die Wirkung von Nützlingsstreifen zu Saisonbeginn war, dass die Nützlingsstreifen bereits im Jahr vor dem Zuckerrübenanbau angesät wurden – so war die Entwicklung im Frühling schon weiter und die Blühphase begann früher.
    • Diese Nützlingsstreifen-Typen begünstigten eine insgesamt ähnliche Anzahl von Blattlausräubern, lockten aber unterschiedliche Schwebfliegen-Gemeinschaften an. Wahrscheinlich könnten also beide Typen auf ihre eigene Art zur natürlichen Schädlingsbekämpfung beitragen.
    • Neben dem Nützlingsstreifen-Typ spielen feldnahe Waldgebiete in ansonsten offenen Landschaften eine wichtige Rolle für den Erhalt der Blattlausantagonisten.
  • Leistungsfähigkeit von trockenheitstoleranten Kulturen des Zwischenfutterbaus

    Leistungsfähigkeit von trockenheitstoleranten Kulturen des Zwischenfutterbaus

    Der Klimawandel gefährdet die stabile Produktion des Futterbaus. Die Einführung von trockenheitstoleranten Zwischenkulturen ist eine Anpassungsstrategie, mit der die Ernährung des Viehs sichergestellt werden kann.

    Der Futterbau kann durch den Klimawandel erheblich beeinträchtigt werden, insbesondere durch immer häufigere und ausgeprägtere Phasen von Sommertrockenheit, die sich mit intensiveren Regenfällen abwechseln. Dies gefährdet die Versorgung des Viehs mit Raufutter und schwächt die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Viehhaltungssysteme. Angesichts dieser Herausforderungen scheint der Anbau von trockenheitstoleranten Zwischenkulturen eine vielversprechende Anpassungsstrategie zu sein.

    Test von fünf an Trockenheit angepassten Zwischenkulturen

    In dieser Studie wurde die klassische Zwischenkultur Wicke-Hafer-Erbsen-Gemenge mit fünf anderen Zwischenkulturen verglichen, die als trockenheitsresistent gelten: Hybridsorghum mit Perser- und Alexandrinerklee, Sudangras, Rauhafer mit Inkarnatklee, Moha und Perlhirse. Der Versuch fand in der Region Jura bei den sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen der beiden Sommer 2021 und 2022 statt.

    Der Ertrag an Trockensubstanz (TS) unterschied sich zwischen den getesteten Zwischenkulturen, jedoch nicht zwischen den beiden Jahren. Im Durchschnitt wiesen Moha, Hybridsorghum mit Perser- und Alexandrinerklee und Wicke-Hafer-Erbsen-Gemenge mit Werten zwischen 26 und 29 dt TS pro ha den höchsten Ertrag auf.

    Die Wicke-Hafer-Erbsen-Kultur wies den höchsten Rohproteingehalt (172 g Rohprotein/kg TS) sowie den niedrigsten Fasergehalt auf, vergleichbar mit Hybridsorghum mit Perser- und Alexandrinerklee. Bei beiden Verfahren lagen die Erträge an Rohprotein im Durchschnitt bei 430 kg pro ha., was zur Sicherstellung einer genügenden Eiweissversorgung beiträgt.

    Hybridsorghum mit Klee: eine interessante Alternative zu Wicke-Hafer-Erbsen-Gemenge

    Die Kombination von Hybridsorghum mit Perser- und Alexandrinerklee hat sich als interessante Alternative zum Wicke-Hafer-Erbsen-Gemenge erwiesen, mit einer guten Anpassung an wechselnde klimatische Bedingungen. Aufgrund der Toleranz von Hybridsorghum gegenüber Trockenheit und der guten Ergänzung des Wachstums mit Perser- und Alexandrinerklee kann ein ausreichender Ertrag und eine zufriedenstellende Futterqualität erreicht werden. Dagegen waren die Erträge und die Futterqualität der Zwischenkulturen mit Rauhafer, Sudangras und Perlhirse in diesem Versuch nicht zufriedenstellend.

    Fazit

    • Hybridsorghum in Verbindung mit Perser- und Alexandrinerklee ist eine interessante Alternative zum Wicke-Hafer-Erbsen-Gemenge, die sowohl einen zufriedenstellenden Ertrag und eine gute Futterqualität auch unter stark wechselnden klimatischen Bedingungen bietet.
    • Die Beimengung von Leguminosen in Futtermischungen verbessert den Rohproteingehalt, da sich die Futterpflanzenarten funktionell ergänzen.
    • Die Diversifizierung von Zwischenkulturen kann dazu beitragen, die Risiken unvorhersehbarer klimatischer Ereignisse abzufedern und so die Widerstandsfähigkeit von Futterbausystemen zu stärken.
  • Gemeinsam verantwortlich: Bevölkerungsperspektiven auf die Agrar- und Ernährungspolitik

    Gemeinsam verantwortlich: Bevölkerungsperspektiven auf die Agrar- und Ernährungspolitik

    Die Schweizer Bevölkerung sieht Staat, Landwirtschaft, Detailhandel und Konsum gemeinsam verantwortlich für die Umstellung auf nachhaltigere Ernährungssysteme. Dies zeigen zwei Umfragen von Agroscope und ETH Zürich.

    Die Umstellung auf nachhaltigere Ernährungssysteme ist ein zentrales Thema der Agrar- und Ernährungspolitik. Nun zeigt eine Studie von Agroscope und ETH Zürich, wie Menschen in der Schweiz die Verantwortlichkeiten verschiedener Gruppen – nämlich Staat, Landwirtinnen und Landwirte, Detailhändler und Konsumentinnen und Konsumenten – hierbei wahrnehmen.

    Es wurden die Ergebnisse von zwei repräsentativen Umfragen in der Deutschschweiz ausgewertet. Die erste konzentrierte sich auf produktionsorientierte agrarpolitische Ziele wie Tierwohl, Biodiversität oder angemessene Einkommen für Landwirtinnen und Landwirte. Die zweite Umfrage untersuchte nachfrageseitige Massnahmen für einen nachhaltigen Lebensmittelkonsum, etwa Informationskampagnen oder Steuern auf bestimmte Produkte. Gefragt wurde, ob Staat, Landwirtinnen und Landwirte, Detailhändler und/oder Konsumentinnen und Konsumenten verantwortlich sind. Zudem wurden soziodemografische Merkmale und Einstellungen zu Politik, Umwelt und Gesundheit erhoben.

    Alle Akteure werden als verantwortlich betrachtet

    Die Ergebnisse zeigen, dass viele Schweizer Bürgerinnen und Bürger ein umfassendes Ernährungssystem vor Augen haben und eine gemeinsame Verantwortung von Staat, Landwirtinnen und Landwirten, Detailhändlern und Konsumenten sehen. Sowohl für Produktions- als auch für Konsumthemen sehen die Studienteilnehmenden alle Akteure als verantwortlich bis sehr verantwortlich, mit relativ geringen Abstufungen (Abb. 1).

    In der Umfrage zu produktionsorientierten Zielen – also der klassischen Agrarpolitik – wurde der Staat als der Akteur mit der höchsten Verantwortung genannt. Bei konsumorientierten Massnahmen hingegen wurden Konsumentinnen und Konsumenten die meiste Verantwortung zugeschrieben. Dies spiegelt möglicherweise eine gesellschaftliche Erwartung wider, dass Einzelpersonen durch ihre Konsumentscheidungen zur Nachhaltigkeit beitragen sollten.

    Abb. 1: Wie hoch sehen Sie die Verantwortlichkeit folgender Akteure für die Erreichung agrarpolitischer Ziele / für die Sicherstellung einer nachhaltigen Ernährung? (Likert-Skala)

    Regressionsanalysen ergaben, dass die wahrgenommene Verantwortung der Akteure ein signifikanter Prädiktor für die Akzeptanz politischer Massnahmen ist. Insbesondere korreliert die wahrgenommene Verantwortung des Staates stark mit der Akzeptanz von Massnahmen zu nachhaltigem Lebensmittelkonsum. Bürgerinnen und Bürger, die den Staat als verantwortlich für konsumseitige Themen ansehen, sind eher bereit, verschiedene Massnahmen zu akzeptieren. Dies gilt auch für restriktive Massnahmen wie zusätzliche Steuern auf gewisse Produkte oder Vorschriften für Kantinenmenüs, die persönliche Konsumgewohnheiten einschränken könnten.

    Bewusstsein für ganzheitliches Ernährungssystem

    Insgesamt zeigt die Studie, dass ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung heute bereits ein systemisches Verständnis von Agrar- und Ernährungspolitik hat. Die Befragten verstehen, wie eng Lebensmittelproduktion und Konsum zusammenhängen, und sehen eine gemeinsame Verantwortung politischer und privatwirtschaftlicher Akteure in beiden Bereichen. Es entspricht somit dem Willen der Bevölkerung, in politischen Prozessen auf die Verantwortung aller zu setzen, um nachhaltigere Ernährungssysteme zu schaffen.

    Neue Verantwortlichkeit des Staates für eine Ernährungspolitik

    Ausserdem zeigt die Studie, dass konsumseitige Politikmassnahmen tendenziell eher akzeptiert werden, wenn sie im Verantwortlichkeitsbereich des Staates gesehen werden. Da sich die Agrarpolitik traditionell auf die Produktionsseite beschränkt hat und konsumorientierte Massnahmen im Rahmen einer Ernährungspolitik relativ neu sind, ist auch diese Verantwortlichkeit des Staates relativ neu. Möchte man solche Massnahmen umsetzen, sollte diese neue Verantwortlichkeit so kommuniziert werden, dass sie nicht als paternalistische Bevormundung privater Konsumentscheidungen verstanden wird.

    Fazit

    • Die Bevölkerung in der Deutschschweiz wurde zu Verantwortlichkeiten für nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme befragt.
    • Viele Bürgerinnen und Bürger haben ein systemisches Verständnis und ordnen Agrar- und Ernährungsthemen einer ganzheitlichen Ernährungspolitik zu, in der dem Staat auch für konsumseitige Massnahmen eine neue Rolle zukommt.
    • Die Mehrheit der Befragten sieht eine starke gemeinsame Verantwortung von Staat, Landwirtinnen und Landwirten, Detailhändlern und Konsumentinnen und Konsumenten für Produktions- und Konsumthemen.
    • Zudem zeigt sich: Je höher die Verantwortung des Staates wahrgenommen wird, desto grösser ist die Akzeptanz verschiedener ernährungspolitischer Politikmassnahmen.

  • Eine neue Bakterienspezies als Ursache des «Putrifikus»-Käsedefekts festgestellt

    Eine neue Bakterienspezies als Ursache des «Putrifikus»-Käsedefekts festgestellt

    Agroscope und ihr italienisches Pendant CREA (Consiglio per la ricerca in agricoltura e l’analisi dell’economia agraria) haben die neue Bakterienspezies Clostridium caseinilyticum sp. nov. beschrieben, die aus Käse mit dem Qualitätsmangel «Putrifikus» sowie aus Silage isoliert wurde. Die Studie beleuchtet mögliche Ursachen und kann zur Entwicklung von Präventionsmethoden beitragen.

    Obwohl es sich um eine eigenständige Spezies handelt, wurde sie lange Zeit mit Clostridium sporogenes verwechselt, der bis vor kurzem die Verantwortung für den «Putrifikus»-Defekt zugeschrieben wurde.

    Clostridium caseinilyticum sp. nov. aus verschiedenen Quellen isoliert

    Der Typstamm der neuen Spezies, FAM 1755T, wurde 1983 aus einem Schweizer Emmentaler mit dem Defekt «Putrifikus» gewonnen. Die beiden anderen untersuchten Stämme, CREA 4990 und FAM 27665 wurden 2022 bzw. 2012 isoliert – ersterer von den italienischen Partnern aus einem Grana Padano mit demselben Defekt, letzterer aus Schweizer Silage. Erst vor kurzem hat man festgestellt, dass diese Isolate, die bisher der Spezies C. sporogenes zugeordnet wurden, tatsächlich eine eigene Spezies bilden.

    Beschreibung der neuen Bakterienspezies

    Die stäbchenförmigen, grampositiven Zellen des Isolats FAM 1755T sind 3–4,5 µm lang und 0,7–0,9 µm breit. Die Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse (mittels der Analyse von Gesamtgenom- und 16S-rRNA-Gensequenzen) ordnet die neue Spezies nahe Clostridium tepidum DSM 104389T und Mitgliedern der Clostridium botulinum-Gruppe I ein, wie Clostridium sporogenes DSM 795T. Die neue Spezies wächst in einem etwas niedrigeren Temperaturbereich (20–40 °C) als C. tepidum und C. sporogenes und ist salztoleranter als C. tepidum. Obwohl sie genetisch näher an C. tepidum ist, ähneln ihre Wachstumspräferenzen eher denen von C. sporogenes, einer Spezies, die unter ähnlichen Bedingungen im Käse wächst und mit der sie lange Zeit verwechselt wurde. Im Gegensatz zu C. tepidum hydrolysiert die neue Spezies durchweg Milchproteine, eine Eigenschaft, die mit dem Verderb von Käse in Verbindung gebracht wird. Daher schlagen wir den Namen Clostridium caseinilyticum sp. nov. vor – was «Clostridium, das Casein abbaut» bedeutet.

    Clostridium caseinilyticum sp. nov. (Foto: Emilie Michellod, Agroscope)

    Käsefehler künftig gezielter verhindern

    Mit einem Screening von Rohmilch auf proteolytische Clostridien könnte verhindert werden, dass diese Spezies über die Milch in die Verarbeitungslinie gelangt. Die Einhaltung guter Hygiene- und Produktionspraktiken hilft zusätzlich, das Risiko eines Käseverderbs während der Käsereifung zu minimieren. Die Beschreibung der neuen Spezies ebnet den Weg für weiterführende Studien zu den Bedingungen, die ihr Wachstum im Käse fördern oder hemmen, sowie zur Entwicklung geeigneter Präventionsmassnahmen, die während der Milchproduktion und -verarbeitung angewendet werden können.

    Fazit

    • Forschende haben eine neuartige, obligat anaerobe, sporenbildende und bewegliche Bakterienspezies mit der Bezeichnung Clostridium caseinilyticum sp. nov., beschrieben. Sie wurde aus Hart- und Extrahartkäse mit Qualitätsmangel sowie aus Silage isoliert.
    • Die neue Spezies ist für den Käsefehler «Putrifikus» verantwortlich, der lange Zeit der nah verwandten Clostridium sporogenes zugeschrieben wurde.
    • Die Beschreibung von Clostridium caseinilyticum sp. nov. ebnet den Weg für ein besseres Verständnis der Faktoren, die sein Wachstum im Käse und den damit verbundenen Defekt begünstigen.
    • Die Identifizierung der Rolle von Clostridium caseinilyticum sp. nov. beim Käseverderb unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Überwachungs- und Präventionsstrategien.